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Interview: ANNISOKAY

Annisokay sind momentan als Supportact mit Callejon auf der "Wir sind Angst"-Tour unterwegs. Außerdem steht das neue Album "Enigmatic Smile" in den Startlöchern und wird bald veröffentlicht. Grund genug, den Jungs einmal auf den Zahn zu fühlen und sie in Berlin zu interviewen. Rede und Antwort standen uns dabei Christoph Wieczorek (Gitarre und Klargesang) und Bassist Norbert Rose, im Berliner "Huxleys Neue Welt".

Zunächst die übliche Standardfrage: wie läuft die Tour?
Norbert: Großartig, alles ist wirklich professionell organisiert, nette Menschen und tolle Clubs, viele Zuschauer, es könnte nicht besser laufen. Wir sind zwar alle ein wenig erkältet, aber ansonsten läuft bis auf eine kleine Reifenpanne alles wie am Schnürchen.

Was war auf der Tour bisher euer bestes Konzert?
Norbert: Also da hat sicher jeder sein eigenes, ich mochte Dortmund sehr.
Christoph: Echt, Dortmund? Also ich fand die Opening-Show in München am besten. Gerade bei der ersten Show zeigt sich immer, welche Richtung die Tour bekommt, daher wirklich ein großartiger Auftakt.
Norbert: Ja ist schon richtig, aber auch in Dresden, da haben die Leute sogar Zugabe gerufen und das obwohl wir "nur" Supportband für Callejon sind. Wenn die uns dann so gut aufnehmen, dann ist das natürlich das Größte.

Beste und schlechteste Show jemals?
Norbert: Also für mich persönlich war das letztes Jahr im Sommer auf dem Vainstream, wir waren vorher auf Tour mit Silverstein und hatten am Tag vorher ein Konzert in Berlin. Direkt danach von Berlin nach Münster und dort dann als Opener aufgetreten um 10 Uhr morgens, ohne Schlaf, da wir die Nacht über gefahren sind. Und es war so großartig, es waren etwa 7.000 Leute da.
Christoph: Ja, gerade auch danach, wir haben unsere ganzen eigenen Idole dort getroffen, Bring Me The Horizon, Of Mice And Men, Blessthefall, Emmure, es war einfach ein verrückter Tag.
Norbert: Und das schlechteste Konzert, war das, was wir nie gespielt haben, das war so eine Rockerkneipe in Wittenberg glaube ich.
Christoph: Kurz bevor wir da auftreten wollten, gab es da eine Schlägerei, und dann kam Norbert durch das Hinterfenster, hat sich dabei die Hose zerrissen und meinte nur "da draußen ist eine Schlägerei, Blut auf dem Bürgersteig, ich glaube wir sollten lieber abhauen". Und dann sind wir auch alle mit unserem Equipment durch das Fenster raus.

Wird die Musik langsam zum Job oder ist das noch eher Hobby für euch?
Norbert: Das ist eine gute Frage, denn tatsächlich ist es genau jetzt die Zeit des Wandels, alles wird professioneller und größer. Wenn wir alle Touren spielen würden, die wir angeboten kriegen, dann wären wir sicherlich rund um die Uhr unterwegs und das geht, zumindest bis jetzt, noch nicht, gerade auch finanziell.
Christoph: Und bei uns sind auch zwei im Beruf angestellt, die müssen sich dann auch immer um Urlaub kümmern, da wird es dann schon kritisch und dann müssen wir sehen, wie wir das organisieren können. Ich bin ja selbstständig (Christoph hat mit Sawdust Recordings ein eigenes Aufnahmestudio, auch zum Mixen und Mastern), da kann ich mir das selbst einteilen. Die Studenten unter uns kriegen das natürlich auch alles ein wenig leichter hin. Also wir können auch definitiv noch nicht davon leben, noch nicht einmal im Ansatz, aber das ist gerade auch eher als "Vorarbeit" zu sehen, um es dann vielleicht einmal zu schaffen.

Christoph, du hast ja die Zügel der Band fest in der Hand, vom Mixen, Mastern, Gitarre spielen und singen, hast du auch die Musikvideos mitgedreht. Willst du davon nicht irgendwas auch mal delegieren?
Christoph: Also ich mache das ja, weil es mir Spaß macht, aber gerade das letzte Video zu "Carry Me Away" ist eher aus Not von mir gemacht worden, weil wir das so billig wie möglich machen wollten, aber trotzdem unseren eigenen Anforderungen gerecht, da ist es dann eher so, dass man es selbst macht. Aber gerade was das Producing angeht, haben wir uns ja dieses Mal zum neuen Album "Enigmatic Smile" auch eine dritte Meinung in Form von Joey Sturgis (hat u.a. mit Asking Alexandria, Emmure, The Devil Wears Prada, Attila, We Came As Romans, Miss May I, uvm. zusammengearbeitet) und Will Putney (u.a. Bury Tomorrow, Northlane, Suicide Silence, uvm.) eingeholt. Die sind gerade auch in dem Bereich große Vorbilder von mir, da kann auch ich noch viel lernen.

Geplant war zunächst eine EP, dann wurde es doch ein ganzes Album. Wie kam es dazu?
Norbert: Na ja, zum einen hat es ein wenig gedauert, bis die EP gemixed war und in der Zeit haben wir dann schon neue Songs geschrieben gehabt. Und dadurch wurde es auch erst zu einem einheitlichen Großen und Ganzen. Ein Album wird auch ganz anders von der Öffentlichkeit wahrgenommen, wohingegen eine EP einfach untergehen würde und dafür sind uns die Songs jetzt auch zu schade. Die neuen Songs sind aber teilweise noch intensiver geworden und wir bereuen es auch nicht, nochmal ins Studio gegangen zu sein und so dann mit zwei Producern gearbeitet zu haben.

Wie ist das mit der Bedeutung der Songs, sind die eher persönlicher Ausdruck von euch oder frei interpretierbar?
Christoph: Also es geht um die "Ups and Downs" in jedem Leben und natürlich haben wir eine ursprüngliche Idee hinter den Songs, freuen uns aber umso mehr, wenn jeder seine eigene Verbindung und Interpretation zu den Songs aufbaut, als dass wir es vorschreiben. Gerade das macht es auch spannend, mit jedem darüber zu reden.

Nicht ganz so frei interpretierbar sind ja zum einen euer Bandname "Annisokay" (abgeleitet aus Michael Jackson's Song "Smooth Criminal"), aber auch euer Name für das Album "Enigmatic Smile". Könnt ihr das vielleicht kurz erklären, wie es dazu kam?
Norbert: Bei "The Lucid Dream(er)" hatten wir ein Konzeptalbum daraus gemacht, quasi ein Deckel, der alle Songs thematisch vereint. Zu unserem jetzigen Album hatte uns dieser Deckel gefehlt, quasi ein Dach, unter dem alle Songs zu Hause sind. Und da es ein sehr persönliches Album ist, war die Idee zunächst, das Ganze als Self-Titled Album rauszubringen. Und durch Zufall hatte ich diese Dokumentation "25 Jahre 'Bad'" gesehen (Michael Jackson Album). Und da wurde gelüftet, wie er auf den Namen "Annie" kam. Und zwar heißen die Erste-Hilfe-Puppen, an denen auch Michael Jackson das gelernt hat, Annie. Und das Interessante ist, die sind benannt nach einer toten Frau in Paris. Und zwar wurde die aus der Seine geholt und im Gegensatz zu sonstigen Wasserleichen, hatte diese Frau ein wunderschönes Lächeln. Und damals musste man, um Personen zu identifizieren, die Leichen ausstellen, weil es ja noch keine DNA-Tests oder ähnliches gab. Und daraus entwickelte sich dann ein regelrechter Mythos. Und deshalb wurde die Puppe für die Erste Hilfe dieser Frau nachempfunden.
Christoph: Auch Chris Valentine, der unser Artwork gemacht hat, war von dieser Geschichte fasziniert und hat eben das ganze Bild darum wunderbar eingefangen.

Nach dem Album-Release, was sind da eure nächsten Ziele als Band?
Norbert: Also danach steht die kleine Release-Tour an, dann eine Tour mit den Emil Bulls, das ist unser Kindheitstraum, denn gerade als wir alle angefangen haben, Musik zu machen, waren die eine große Inspiration für uns alle und jetzt mit denen auf Tour zu gehen, ist wirklich etwas ganz Großes für uns. Das ist dann auch unsere erste Nightliner Tour. Dann gibt es bald noch ein Video und dann auch bald der Festival Sommer.

Ihr seid auf einer einsamen Insel, welche Alben müsst ihr dabei haben?
Christoph: Natürlich die von Vitja und Callejon, dann Phil Collins und Sting und ein MP3-Mixtape.

Gibt es noch irgendetwas, was ihr schon immer einmal sagen wolltet?
Christoph: Was mir wirklich viel bedeutet, ist, dass nach so einem großen Arbeitsaufwand, wie diesem Album, wir auf der Bühne stehen können und die Leute das begeistert. Die schreiben uns sogar, wie viel ihnen unsere Songs bedeuten und dass die ihnen durch schwere Zeiten geholfen haben. Und wenn man dann bedenkt, dass man die ganzen Songs ja erst einmal für sich geschrieben hat, um sich auszudrücken und Spaß daran zu haben. Wenn diese Songs dann so gut im Publikum ankommen, dann motiviert das ungemein und das wiegt alle Tage und Nächte auf, die man da hinein investiert hat. Dafür bin ich sehr dankbar.


Das Interview führte Hannes Fleisch.
Berlin, 21. Februar 2015