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Interview: CAGE

Das amerikanische Powerhouse CAGE erschütterte vor knapp einem Monat die Szene mit dem neuen Album "Ancient Evil" und jeder Softie winselt schon um Gnade, weil er die Urgewalt an Traditionsstahl nicht aushält. Dabei sind die Jungs doch ganz lieb und kommen auch gar nicht so arrogant-amerikanisch rüber, wie man ihnen sonst gerne mal unterstellt. Sangesgott Sean Peck (hier in Aktion beim 2008er Keep It True-Festival) liefert den Beweis in sehr informativen Antworten.

Jede Band sagt, ihr aktuelles Album sei das Beste. Ist es wirklich so einfach?!
Das zu behaupten, nehme ich mir nicht heraus und würde ich auch nicht. Ich dachte eher, man würde "Ancient Evil" im unteren Bereich unserer Diskografie ansiedeln und nun bin ich glücklich, dass ich falsch lag. Ich hatte die Befürchtung, dass das Album aufgrund seines längeren, etwas komplexen Konzeptes seine Zeit bei den Fans benötigen würde. Aber die Fan- und Presse-Reaktionen zeigen, dass es wohl eines unserer Besten sein soll.

Rückwirkend betrachtet: Gibt es ein Cage-Album, welches vielleicht nicht die bestmögliche Cage-Version zu dem Zeitpunkt ablieferte und du hast es erst Jahre später erkannt?
Ich denke nicht. Jedes Album ist auf die eine oder andere Weise besser geworden. Dieses Album ist innovativ in Bezug auf das Konzept mit dem Buch, dann noch der kleine Mini-Film als Video. Das ist schon alles ziemlich neu bei uns. Ich denke, wir haben die Fans in der Vergangenheit schon öfter überrascht. Wir sind thrashiger geworden, haben ein paar Black Metal-Stimmen gehabt, uns mit Orchestrationen beschäftigt, aber die Essenz des klassischen Cage-Sounds ist immer geblieben.

Cage haben schon einige Line Up-Wechsel hinter sich. Mit drei Neuen seit 2013, die mit "Ancient Evil" zum ersten Mal auf CD in Erscheinung treten. Wie viel Input kam bereits von denen?
Tonnenweise! Wir haben die Jungs gleich voll mit ins Boot genommen. Sie sollten sofort fühlen, dass das jetzt auch ihre Band ist. Casey Trask ist ein unglaublicher Gitarrist. Er ist zwar verdammt jung, aber er hat einen exquisiten Metal-Geschmack. Er ist eine Riff-Maschine und wir wussten sofort, dass er Songs mitschreiben muss. Drummer Sean Elg ist auch ein Naturtalent und eine Bereicherung, was seine irre Performance auf dem Album nur zu gut zeigt. Alex Pickard ist unser neuer Basser, der Dwight Magic ersetzt. Auf der Bühne ist er ein Tier und ich kann mit Stolz sagen, dass wir aktuell wohl das beste Line Up zusammen haben.

Woher kam die Idee der guten altmodischen Horror Story? Ein wenig King Diamond Verehrung?!
Ich wollte schon immer etwas im Stile von "Them" oder "Abigail" machen und jetzt können wir das auf unserer Liste abstreichen. Lustig ist, dass ich ja nun auch bei Denner/Shermann singe, also habe ich das dort nun auch. Mit der Story fing ich an, als mich mal ein paar ex-King Diamond-Mitglieder ansprachen. Der Versuch verlief sich aber wieder und so habe ich den Ansatz für Cage benutzt. Das Buch dazu kann man bei Amazon kaufen und ich habe noch zwei weitere, davon unabhängige Bücher in der Schleife, die nur auf ihre Veröffentlichung warten.

Ich muss zugeben, ich finde das Cover ein wenig cheesy. Ja, es ist Old School, aber die Dame hat schon ein wenig von Luis Royo. Die kraftvolle Musik ist da eine Art Gegengewicht. Nur aus Neugierde - war da nicht eine Möglichkeit das Cover mehr … nun, mehr "Grrr" zu machen?!
Die meisten lieben das Cover. Ich musste aber trotzdem sicher gehen, dass ihre Brüste genug "Metal" sind, haha! Die Shirts mit dem Motiv verkaufen sich derzeit sehr gut, also befindest du dich glücklicherweise in der Minderheit. Es mussten natürlich gewisse Elemente aus der Story dort auftauchen und außerdem hat das Digipak ein cooles Rundum-Motiv.

Es ist schwer, einen herausstechenden Song auf dem neuen Album zu finden. Dass "Across The Sea Of Madness" etwas Spezielles in sich hatte, war irgendwie spürbar. Und schon kam das Video dazu. Starke Auswahl. Erzähl uns etwas über den Dreh.
Für uns als Band war das ganz leicht. Wir mussten nur vor einem Green Screen ordentlich die Rock-Sau rauslassen. Der Regisseur Rich Varville musste sich einen Monat lang den Arsch aufreissen mit dutzenden Locations und Schauspielern. Wir sind echt dankbar für das Killer-Video, welches am Ende dabei heraus gekommen ist. Es wird auch noch eine erweiterte Fassung geben, mit allen Credits und einer neuen Schluss-Szene noch dahinter. Es ist unser erstes Video überhaupt und wir lieben das Ding abgöttisch!

"Acient Evil" (und Cage generell) klingen wie ein vertonter Bodybuilding Wettkampf, den man in Noten und Rhythmen eingeschmolzen hat. Als Deutscher muss ich zugeben (und darf auch neidisch sein), dass mir keine Band aus Deutschland oder Europa einfällt, die das auch kann.
Versteh mich bitte nicht falsch - Amerikaner sind dafür bekannt, sehr stolz auf ihr Land zu sein. Ist dieser Stolz im Blut der Grund dafür, dass eure Musik einfach um ein Vielfaches kraftvoller klingt als … nun ja, alles andere?!
Ha! Ich will nicht respektlos gegenüber meinen weltweiten Metal-Freunden sein, aber für mich muss Metal einfach genau so klingen. Gemein, bösartig und giftig! Für mich passen Metal und fröhliche Melodien einfach nicht zusammen. Das hat auch nichts mit Patriotismus zu tun und ich bin ein großer Patriot! Es geht nur darum, Metal so spielen, wie der, mit dem ich aufgewachsen bin.

Ein paar Fragen an den Sänger Sean Peck: Wie lange wärmst du dich vor den Shows auf?
Ich wärme mich gar nicht auf, weil ich es hasse.

Kannst du nachvollziehen, dass sich Sänger wie Biff Byford oder der große Ronnie James Dio (R.I.P.) irgendwann gar nicht mehr aufgewärmt haben, aufgrund ihrer großen Erfahrung?
Und Rob Halford wärmt sich auch nicht auf. Ich habe es versucht und es bringt mir nichts. Ich mache das gerne mit dem ersten Song. Ich habe kürzlich angefangen, zwischendurch mit "In Ear Monitoring" zu arbeiten und bin gespannt, wie sich das entwickelt. Ich bin mir aber noch nicht sicher. Ich denke, jeder hat da so seine Tricks. Selbst Tim "The Ripper" Owens wärmt sich nicht auf - da bin ich doch in guter Gesellschaft.

Es klingt ja so, als würdest du mit jeder neuen CD deine gesanglichen Grenzen neu ausloten.
1. Wo wird das enden?
Ha! Ich glaube, das Notenlimit habe ich erreicht. Ich liebe es, die Leute mit ganz hohen Dingern zu ärgern. Die werden tatsächlich mit der Zeit immer leichter. (ja nee, is' klar ...)
2. Welche gesanglichen Bereiche gibt es noch für dich zu erforschen?
Leichter und softer zu singen ist für mich schwer, da ich in dem Bereich absolut keine Übung habe. Das ist definitiv der größte zu erforschende Bereich
3. Was ist schwerer zu singen - Cage oder Death Dealer?
Death Dealer - aus dem einfachen Grund, weil wir nie proben. Wir treten einfach auf und ab geht's. Mit Cage proben wir drei Mal pro Woche und so etwas hilft einfach ungemein.

Welcher Cage-Song ist gut zum Relaxen während eines Gigs?
Ich denke "I Am The King" oder vielleicht "Sinister Six".
Ach, die sind alle hart! Wir machen schon immer Scherze, wenn wir die Setlisten für Konzerte zusammenstellen und nach Songs suchen, die zum "Verschnaufen" sind. Aber es sind keine da, haha!

Welcher Cage-Song dürfte niemals der Set-Opener sein?
Wir sind mal mit "Planet Crusher" eingestiegen - das war echt übel. "War Of The Undead", "Bloodsteel" und "Ancient Evil" - die sind auch fast unmenschlich.


Das Interview führte Siegfried Wehkamp (per Mail).
November 2015