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Interview: DEATH DEALER

Ross Friedman - allen Metalheads natürlich bekannt unter dem Namen Ross the Boss (Bild, rechts) hat mit seinen 61 Lenzen nicht die Lust an tonnenschwerem Metal verloren. Wenngleich sich auch die Stilistik seit seinen glorreichen Tagen bei Manowar schon mal leicht verschiebt. Das stört uns herzlich wenig, wenn man sich das neue DEATH DEALER-Album "Hallowed Ground" anhört, zu dem wir ihm ein paar Fragen schickten. Es antwortet ein sympathischer, aber auch abgeklärter Profi.

Der oberflächliche Hörer würde wohl "War Master" und "Hallowed Ground" nebeneinander halten und sagen: "Zwei Alben mit dicken Eiern - beide gleich." Ich schätze, die Band hat da eine andere Meinung. Wo liegen für euch die Unterschiede?
Das erste Album "War Master" musste einfach genau so sein. "Hallowed Ground" ist ein Schritt, der unser Songwriting - sagen wir mal - erwachsener gemacht hat. Abgesehen davon finde ich, dass Sean Peck seine bis dato absolut beste Performance auf "Hallowed Ground" abgeliefert hat. Superb! Und natürlich die allmächtigen Drums!

Death Dealer waren diesen Sommer in Europa unterwegs (u.a. auch beim Headbangers Open Air). Der Release von "Hallowed Ground" lag mehr als zwei Monate danach. Eine gute Strategie? Um vielleicht die Fans mit einer Hammer Live-Performance zu überzeugen und sie richtig heiß auf das neue Album zu machen?
Nun, da wir eh in Europa waren, um unsere CD mit Owe Lingvall aufzunehmen, haben wir einfach gleich ein paar Festivals und Clubshows dazu gepackt und das hat echt Spaß gemacht. Aber sind wir doch ehrlich - die Fans werden mit 15 bis 20 Releases pro Woche erschlagen. Die werden sich schon ihren eigenen Kopf machen.

Ich hoffe, ich liege richtig, dass Death Dealer die erste Band ist, in der du einen vollwertigen zweiten Gitarristen neben dir hast. Beschreibe bitte die Arbeit mit Stu Marshall. Was habt ihr gemeinsam, wo gibt es Unterschiede?
Wir haben großen Respekt vor der Arbeit und dem Stil des Anderen. Stilistisch sind wir zwar sehr verschieden, unsere beider Grundmerkmale sind aber ziemlich gleich - bissig, schnell und melodisch. Stu sagte mir mal, dass ich ihn sehr stark beeinflusst hätte.
Abgesehen davon - The Dictators und Shakin Street hatten auch zwei Gitarristen.

Wer hatte die Idee, die "The good, the bad and the ugly"-Melodie das Solo von "Gunslinger" starten zu lassen - und speziell für alle Ross The Boss-Epic Fans: wir hoffen natürlich, dass du das gespielt hast.
Tja, Leute. Da muss ich euch echt enttäuschen, denn das ist allein Stu's Werk. Für mich selbst bin ich sehr stolz auf mein Akustik-Stück "Llega El Diablo".

"Hallowed Ground" (und Death Dealer generell) klingen wie ein vertonter Bodybuilding Wettkampf, den man in Noten und Rhytmen eingeschmolzen hat. Als Deutscher muss ich zugeben (und darf auch neidisch sein), dass mir keine Band aus Deutschland oder Europa einfällt, die das auch kann.
Versteh mich bitte nicht falsch - Amerikaner sind dafür bekannt, sehr stolz auf ihr Land zu sein. Ist dieser Stolz im Blut der Grund dafür, dass eure Musik einfach um ein Vielfaches kraftvoller klingt als … nun ja, alles andere?!
Stolz? Natürlich, aber so sind wir nun einmal. Die einen mehr, die anderen weniger. Doch als musikalische Macht sind wir wirklich sehr stark zusammen.
Ich finde es sehr traurig, dass die Deutschen "erzogen" wurden, nicht zu patriotisch zu sein. Aber ich glaube, das ändert sich quasi jetzt, während ich das hier schreibe. Solange man nur eben aus dem Herzen spielt.

Nur eine Manowar-Frage: Rhino saß beim ersten Death Dealer-Album am Schlagzeug. Nach nur einem Manowar-Album war er wieder verschwunden. Gab es zwischen ihm und dir vielleicht mal ein bisschen "Manowar-Talk", den du mit uns teilen könntest, ohne Joey DeMaio's Anwälte zu fürchten?!
Tut mir leid. Die Frage werde ich ganz respektvoll zur Seite schieben. (was doch auch eine nette Antwort ist)

Okay, eine noch. Ich kann mir vorstellen, dass dich viele Fans immer noch als Manowar-Axeman ansehen, der Metal-Geschichte geschrieben hat (keine Diskussion, das ist ein Fakt!) und durch diesen Fakt können (oder wollen?) sie nicht verstehen, warum du nicht mehr genau dieselbe große Musik spielst. Ist dieser Gedanke nicht nervig?
… dieselbe Musik?! Wieso sollte ich das tun wollen, was ich bereits getan habe?! Pass auf, seit 2008 habe ich vier CDs veröffentlicht - "New Metal Leader", "Hailstorm", "War Master" und "Hallowed Ground". Den ganzen Kram, der nach "Kings Of Metal" 1988 kam, nicht zu vergessen. Falls irgendjemand mit dem Output nicht zufrieden war, darf er mir auch gerne gestohlen bleiben.
Ich danke dir für das Interview und den Support!


Das Interview führte Siegfried Wehkamp (per Mail).
November 2015