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Interview: DUST BOLT

Im Rahmen der "Inked In Blood"-Tour von Obituary, hatten wir die Gelegenheit, den süddeutschen Thrashern DUST BOLT ein paar Fragen zu stellen. Sänger und Gitarrist Lenny Breuss (Foto, 2. von rechts) stand Rede und Antwort.

Heute ist der dritte Tag der Tour. Wie sind die ersten Eindrücke?
Das war bis jetzt super! Die erste Show war fast ausverkauft, gestern war dann komplett ausverkauft. Das Publikum war beide Male super, alle Bands sind klasse, das macht echt Spaß.

18 Tage, 16 Konzerte, 12 Länder - das stelle ich mir extrem stressig vor. Wie übersteht man sowas und bekommt man bei diesem straffen Programm von dem ganzen Drumherum überhaupt noch irgendwas mit oder rauscht das irgendwie alles an einem vorbei?
Es geht eigentlich. Das ist so'n Mittelding. Das ist einerseits natürlich recht stressig, aber andererseits sitzt oder fährt man halt auch viel rum. Das ist immer so'n Hoch und Tief - abends immer das Adrenalin und tagsüber hat man dann immer wenig zu tun. Wir schauen uns dann meistens die jeweiligen Städte an, unternehmen irgendwas oder spielen einfach ein bisschen Gitarre und solche Sachen.
Man muss sich halt auch so ein bisschen fit halten. Der eine macht dann z.B. Fitness, damit er über die ganzen Tage fit bleibt und so.

Was erwartet ihr noch von Tour im weiteren Verlauf?
Wir sind vor allem gespannt, an Orten zu spielen, wo wir noch nie gespielt haben. Heute z.B. in Bremen, da haben wir auch noch nie gespielt. Und dann kommen da natürlich noch so ein paar Highlight-Städte, wo wir uns richtig drauf freuen, z.B. London am Schluss der Tour. Das ist echt so ein kleiner Traum ...
... das wäre die nächste Frage gewesen, ob es einen bestimmten Termin auf dieser Tour gibt, auf den ihr euch besonders freut ...
Ja, London eben. Das Konzert dort wurde jetzt auch noch in eine größere Halle verlegt.

Ihr habt ganz am Anfang Punk-Songs gecovert und man kann auch heute immer noch diese punkige Rotzigkeit in euren Songs heraushören. Stimmst Du mir da zu und ist das vielleicht so eine Art Brückenschlag zu eurer Vergangenheit?
Ja, ich glaube schon. Das ist auch immer noch so unsere Attitüde und Einstellung. Wir sind auch alle so Crossover-Fans und wir hören auch gerne mal was, was so in die Hardcore-Richtung geht. Oder eben auch solche Sachen wie Suicidal Tendencies und sowas bauen wir dann auch immer in unsere Musik mit ein. Das ist also schon ganz bewusst, weil wir nebenbei halt immer mit der Punk-Szene so ein bisschen geliebäugelt haben.

Warum seid ihr dann keine Punk-Band geworden?
(lacht) Irgendwann kam dann doch der Metal und dann hat irgendjemand einem eine Maiden- und Slayer-Scheibe in die Hand gedrückt und dann war's halt einfach vorbei. Da stand dann fest, das muss es sein. Außerdem spielt die Musikalität im Metal auch eine größere Rolle, als im Punk, würde ich sagen, und man hat als Musiker natürlich schon Lust darauf, sich an den Instrumenten immer zu verbessern und stetig an sich selber zu arbeiten.

Auf eurer ersten EP ist der Song namens "Deviance" drauf, den ihr dann auf dem Debütalbum nochmal mit Derrick Green von Sepultura neu aufgenommen habt. Wie entstand diese Idee und wie kam die Zusammenarbeit zustande?
Wir haben vor drei oder vier Jahren in München mit Sepultura gespielt und die hatten dann am nächsten Tag einen "day off", sind in München geblieben und wir haben dann nach dem Konzert noch mit denen gefeiert. Wir hatten schon ein paar Gigs mit denen gespielt und Derrick hat uns halt immer so ein bisschen supportet und dann haben wir ihn einfach beim Feiern im Suff gefragt, "Hey, wie schaut's aus, wollen wir morgen irgendwie kurz ins Studio? Hättest Du Bock?", und er war dann sofort dabei und dann haben wir das gemacht. Das war alles ganz entspannt und spontan.

Die gerade angesprochene EP war damals eine Eigenproduktion. Gibt es Pläne, diese EP nochmal einer breiteren Masse zugänglich zu machen, vielleicht als Bonustracks oder gar als Bonus-CD bei einem zukünftigen Album?
Wir wissen's noch nicht. Wir haben uns schonmal Gedanken darüber gemacht und das überlegt. Die Idee ist schon da und wir schauen mal, ob wir noch ein bisschen Material sammeln und dann wirklich irgendwie so 'ne kleine Bonus-CD rausbringen, mit ein paar alten Demo-Songs oder auch ein paar Live-Tracks.

Ihr habt bis jetzt zwei Songs gecovert: "Future Shock" von Evil Dead und "Jump In The Fire" von Metallica. Was kommt als Nächstes? Habt ihr da schon eine Idee oder auch einen speziellen Wunsch?
Da sind wir uns noch nicht einig. Wir sammeln da immer recht lange unsere Gedanken und wenn wir dann ein Album machen, dann überlegen wir uns das genauer. Die Idee mit Evil Dead kam ziemlich zum Schluss. Bei "Jump In The Fire", da hatte uns der Metal Hammer gefragt, ob wir da Bock drauf hätten, das für so 'ne Tribut-CD zu machen.
Also im Moment haben wir noch keine konkreten Ideen. Wir haben aber schon überlegt, vielleicht mal etwas ganz Untypisches zu nehmen und das dann in einen Thrash Metal-Song umzugestalten.

Wenn Du mal rückblickend eure beiden Alben miteinander vergleichst, was sind da grundlegendsten Unterschiede?
Die Songs vom ersten Album haben wir alle schon eine Zeit lang live gespielt und sind dann erst ins Studio gegangen und haben die aufgenommen. Beim zweiten Album war es eben so, dass wir die Songs im Proberaum geschrieben haben und dann, ohne die live gespielt zu haben, ins Studio gegangen sind. Da haben wir dann noch mehr so die Liebe zum Detail reingesteckt, mehr dran gefeilt und das ist dann halt alles etwas ausgeklügelter und definierter geworden. Und der Sound ist auch besser, finde ich. Man hört, dass da zwei Jahre dazwischen liegen, in denen wir viele Erfahrungen gesammelt haben. Und das ist auch etwas, was uns wichtig war, dass man das merkt.

Auf eurem letzten Album ist mit "Distant Scream" ein Song drauf, der für eure Verhältnisse ungewöhnlich "langsam" und sogar nahezu episch ist. Ist das vielleicht eine mögliche Weiterentwicklung für neue Songs? Ihr seid ja nun auch mit Obituary auf Tour, da nimmt man ja vielleicht auch unbewusst den einen oder anderen Midtempo-Groove mit, oder?
Ich denke, auf jeden Fall. Das war bis jetzt bei jeder Tour, auf der wir waren, dass wir da irgendwie was mitgenommen haben und vielleicht auch unbewusst was gelernt haben oder dass man sich das eine oder andere von den Helden abguckt.
Wobei gerade der angesprochene Song, der hat sogar schon länger existiert. Wir haben den aber erst auf dem zweiten Album mit drauf genommen, weil wir den eben auch da erst fertig geschrieben hatten. Der Song ist eine persönliche Geschichte, und das war eben so ein Anliegen, den Song mit drauf zu nehmen. Das ist eben was anderes, aber wir hatten da Bock drauf und fanden es auch interessant, mal zu sehen, wie die Leute darauf reagieren werden.
Ich denke, es ist gut möglich, dass wir zukünftig mal ein, zwei mehr Songs in diese Richtung machen.

Der Startschuss für euch war ja sicherlich der Gewinn des Wacken Metal Battle 2011. Ohne diesen Contest wäre vermutlich vieles anders gelaufen, oder?
Auf jeden Fall. Das ist natürlich auch für die Bandbiografie echt super, wenn du dir das da reinschreiben kannst. Wir haben dann ja auch den Deal mit Napalm Records bekommen. Da werden natürlich immer diverse Labels hellhörig, wenn die da was mit Wacken lesen. Das hat uns auf jeden Fall geholfen.

Es ist ja mittlerweile ziemlich angesagt, über Wacken abzulästern. Das wäre ja alles gar kein Metal mehr, sondern nur noch Kirmes und Ballermann. Wie siehst Du das?
Schwierig. Fakt ist auf jeden Fall, dass in Wacken hammermäßige Bands spielen. Das ist ein Line-Up, das du sonst fast nirgends bekommst. Ich selber war nur 2011 da, als wir da eben gespielt haben. Als Fan würde ich sagen, ist mir persönlich das inzwischen zu groß und zu viel Drumherum um die Musik. Ich bin dann doch lieber schneller bei der Bühne und kann mir mehr Bands angucken oder auch mal entspannt etwas angucken, was ich nicht kenne. Es ist halt Geschmackssache. Klar, in den Medien wird's halt hochgepusht und manchmal geht's vielleicht auch etwas an der Musik vorbei. Aber letztendlich sind die Bands und das Line-Up halt super und es ist schon ein Erlebnis. Einmal diese Erfahrung gemacht zu haben, schadet auf jeden Fall nicht.

Welches sind denn die drei "goldenen" Tourbusregeln?
Oben, wo geschlafen wird, wird keine Party gemacht. Also kein Lärm, nur schlafen, sonst nichts.
Ich weiß nicht, ob das bei dieser Tour auch so ist, aber sonst war es immer so: Wer unten einschläft, wird angemalt. Allerdings ist bis jetzt noch niemand unten eingeschlafen, also weiß ich nicht, wie das diesmal läuft.
Und auf dem Klo wird nur gepinkelt und wenn möglich auch nicht so oft. Wir halten ja oft an Tankstellen, wo dann eine kollektive Wanderung zu den Duschen und Klos stattfindet.

Sage mir doch mal bitte zu den folgenden Begriffen, was Dir dazu spontan einfällt.

Bayern
Bier. Konservativ. Aber auch Zuhause.

Metalcore
Modern. Geschmackssache. Trend, vielleicht. Viele Bands, die mir persönlich nicht gefallen, aber es gibt auch welche, die ich ganz gut finde. Es klingt mir aber oft alles zu gleich.

Kreator
Eine meiner Lieblingsbands. Riesen Einfluss. Nach wie vor meine Helden.

Pegida
Ich war erst letzte Woche auf einer Gegendemonstration. Ich halte da überhaupt nichts von und finde diesen ganzen Ruck ziemlich angsteinflößend. In München hat man gerade erst gesehen, dass das keine Organisation aus der Mitte der Gesellschaft ist, weil da eben auch die ganzen "prominenten" Nazis waren. Da haben die also ihr wahres Gesicht gezeigt.

Fußball
Ein großes Thema bei uns, aber ich bin da so ein bisschen raus. Inzwischen verfolge ich das nicht mehr so. Bei uns gibt's halt immer den Konflikt, Bayern München gegen 1860 München.

Was bevorzugst Du und warum: CDs, Vinyl oder Downloads?
CDs und Vinyl. Bei Vinyl liebe ich es einfach, das Cover in der Hand zu halten, die Platte aufzulegen, der Klang, der Sound. Ich denke, man hört Musik dadurch bewusster. Bei mir zu Hause, ich wohne in einer WG, hören wir viel Vinyl. Und CDs habe ich halt viele aus Kostengründen, weil ich es mir nicht immer leisten kann, die Vinyl zu kaufen. Von Downloads bin ich kein Freund.

Fünf CDs, die jeder haben sollte?
Auf jeden Fall muss was von Iron Maiden dabei sein. Welche, ist schwer zu sagen. Ein Slayer-Album gehört auch dazu, z.B. "Reign In Blood" als Klassiker. Dann sage ich mal Obituary, damit der Death Metal auch vertreten ist. Dann sowas wie Black Sabbath, also der Ursprung - das gehört auch dazu. Und natürlich Kreator.
Welche genau?
Ich persönlich würde sagen, "Extreme Aggression".

Abschließend noch ein kleiner Ausblick auf 2015 - was ist geplant, wie geht's weiter?
Nach der Tour wird's bei uns erst mal ein, zwei Monate etwas ruhiger. Im Sommer spielen wir ein paar Festivals, auch sowas wie Summer Breeze. Dann kommt noch eine kleine Spanien-Tour mit Legion Of The Damned und Mitte/Ende des Jahres werden wir dann mal anfangen, das nächste Album zu planen.


Das Interview führte Marco Zimmer.
Bremen, 17. Januar 2015