Impressum Startseite
Reviews Interviews Live Specials Jobs

Interview: RANGER

Ja, ich wiederhole mich. Aber wenn eine Band mich mit ihrem Auftritt beim letztjährigen Keep It True Festival so nachhaltig beeindruckt hat, muss doch etwas dran sein. Die Finnen von RANGER veröffentlichten vor Kurzem nun endlich ihr Longplay-Debüt "Where Evil Dwells", welches vor Authentizität nur so strotzt und trotzdem nicht altbacken klingt. Speed/Thrash von Maniacs für Maniacs. Sänger/Bassist Dimi (auf dem Foto in seinem Element auf dem Keep It True 2014) lässt das Warum durchblicken.

Chapeau! Seit der ersten RANGER-Veröffentlichung donnert ihr wirklich wie ein Wirbelwind durch die Szene. Die Fans haben den ersten Longplayer ja förmlich ersehnt. In wie weit war das noch mehr Druck für euch, einen echten Killer abzuliefern, der "Where Evil Dwells" ja nun mal geworden ist?
Vielen, vielen Dank! Wir waren alle extrem gespannt darauf, das Album endlich unter die Leute zu bekommen. Kein Druck. Entweder liebst du es oder du hasst es. Du kannst es halt nicht jedem recht machen, also spielst du direkt aus dem Herzen heraus.

"Skull Splitting Metal" - dieser Begriff passt ja nun perfekt zu euch und impliziert generell Speed, noch mehr Speed, Riffs und nochmal Tonnen von Riffs. In eurem Fall - ist ein "schädelspaltendes" Riff manchmal wichtiger als eine Hookline?
Sehr wahr! Nun, definitiv. Wenn es ein Riff ist, welches dir echt dein Hirn zum Kochen bringt. Klar ist es wichtig, eine gute Hookline zu haben … aber danach wieder ein Killer-Riff!

Mal abgesehen davon, dass es heutzutage nahezu unmöglich ist, etwas Neues zu kreieren - hattet ihr die Absicht, "Where Evil Dwells" wie ein Erinnerungs-Feuerwerk bzw. wie einen fiesen Bastard aus "Kill 'em All", "Show No Mercy", "Bonded By Blood" und "We Have Arrived" klingen zu lassen?
Klar ist das "hart", wenn schon 30 Jahre voller Musik hinter einem liegen, aber ich denke, wenn man die Vorstellungskraft und den wirklichen Wunsch hat, dann kann man auch frisch und neu klingen. Unsere Einflüsse kommen natürlich stark durch unsere Musik durch, aber beim Schreiben machen wir keine direkten Referenzen wie "das ist Maiden und das ist Slayer". Eine coole Idee wird einfach zu einem "Skull Splitting Song" verarbeitet. Wenn wir Musik machen, denken wir nur an "RANGER"!

"Defcon I", "Phantom Soldier", "Dead Zone" - klingt für mich nach realen Themen. Gibt es ein textliches Konzept hinter "Where Evil Dwells"?
Es ist ein Kampf zwischen falschen Menschen und uns. Mit der Musik und den Texten wollten wir eine Art Statement machen, in dem es auch darum geht, Poser zu zermalmen und dass Ranger einfach voll gestärkt zurück sind. Ein paar reale Themen hatten bestimmt auch einen Einfluss. Wie Destructor einst sagten: "People
with hang-ups try to bring us down, smash those fuckers we make our sound!"

Um Bands zu finden, die dieses gewisse Etwas haben, ist es immer gut, nach Norden zu schauen - Island, Kanada, Skandinavien. Aber selbst in Skandinavien gibt es starke Unterschiede. Ihr in Finnland habt wirklich eigenständige/einzigartige Bands (Apocalyptica, Amorphis, Nightwish, Children Of Bodom, Waltari, Tarot). Du sollst jetzt nicht schlecht über eure Nachbarn reden, aber wie würdest du die musikalischen Unterschiede zwischen Finnland und Schweden/Norwegen beschreiben? Ist bei euch irgendetwas im Wasser?
Kein Problem mit Schweden oder Norwegen. Wir haben ja tolle Freunde da drüben. Ich schätze, Finnland produziert mehr Bands wie Nightwish und in Schweden gibt es mehr von den traditionellen Bands. Keine Ahnung, ob da etwas im Wasser ist, haha! Also, wir haben wohl die pure Metal Blaupause.

"Where Evil Dwells" ist die erste Scheibe seit Langem, die mich sehr stark an Slayer's "Show No Mercy" erinnert. Auf diesem Album musste Dave Lombardo damals die Drums separat einspielen (sprich: Toms und Becken getrennt voneinander!). Hast du dir mal vorgestellt, wie es mit nur einem Drumkit und einem "echten" Lombardo geklungen hätte?
Vielen Dank. Das nehme ich mal als Kompliment! Ja, ich war auch verdammt überrascht, als ich es in dem Slayer Buch gelesen habe, welches 2008 heraus kam. Das war auf einmal eine ganz andere Hör-Erfahrung. Für mich persönlich ist es eines ihrer besten Alben, aber es würde mich schon interessieren, wie es hätte klingen können. Vielleicht sogar noch besser!?

Eine ganz persönliche Frage: Was hältst du von den - wie ich sie gerne respektvoll nenne - "Two and a half Slayer"?
Ich habe kein Problem mit Paul (Bostaph - drums), aber ich denke, das ist alles Quatsch. Die sollten sich die Hände reichen und ihren Scheiß endlich auf die Naht bekommen. Aber ich denke, es ist mal wieder das liebe Geld, was hier zählt. Gary Holt war von Anfang an cool - nichts gegen ihn! Kerry King ist aber wohl eine etwas schwierige Person. Unterm Strich - nein, es ist nicht mehr Slayer!

Und noch die Fan-Frage: Welches ist dein liebstes Thrash Speed Metal Album (oder eventuell drei)?
Und in deinem ganz eigenen Universum - welche sind komplett unterbewertet?
Nummer Eins ist einfach: SLAYER - Hell Awaits! Das extremste Stück Vinyl ever!
2. Exciter - Heavy Metal Maniac
3. Metallica - Kill 'em All
4. Megadeth - Peace Sells

Und persönlich halte ich Folgende für echt unterbewertet:
Destructor - Maximum Destruction
Blessed Death - Kill Or Be Killed
Laaz Rockit - Know Your Enemy


Das Interview führte Siegfried Wehkamp (per Mail).
April 2015