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Interview: VANDERBUYST

Kurz vor ihrem vorletzten Deutschland-Auftritt erzählen die Jungs von VANDERBUYST von ihrer Karriere und ob sie so gelaufen ist, wie sie sich alles vorgestellt haben. Von Plänen für die Zukunft, einem guten Buch und davon ein Tiger oder ein Zebra zu sein.

Hallo Leute, kommen wir zur ersten Frage, um das Eis etwas zu brechen: Was ist euer Lieblingsfilm mit Tracy Lords?
Hinter Tracy steckt mehr, als du denkst, sie hat sogar eine echte Schauspielkarriere eingeschlagen. Aber wenn du schon so fragst, welches ist deiner?

Ich hatte leider noch nicht das Glück einen ihrer Filme bewundern zu dürfen, die sind ja leider illegal.
Ich bin mir sicher, dass du schon andere illegale Sachen gemacht hast.

Ich weiß nicht, aber das ist ja auch kein Interview über mich. Also wart ihr ja scheinbar gut informiert über sie, als ihr den Song "Tracy Lords" geschrieben habt.
Ja, wir sind echte Fans, sie hat sogar die Texte höchst persönlich geschrieben (alle lachen).

Ihr habt im Juni eine Show in Japan gespielt. Es war das erste Konzert für euch dort. Wie waren die japanischen Fans? Waren sie so hysterisch und eingeschworen, wie viele Bands berichten?
Das Publikum ist sehr höflich dort. Sie kennen alle Lieder und singen auch mit, aber sobald du aufhörst zu spielen, sind die ruhig und hören genau zu, was du zu sagen hast. Sie unterbrechen dich nicht. Aber in gewisser Weise sind sie vergleichbar mit Deutschland, was die Musik angeht - nur eben viel höflicher und Deutschland ist teilweise etwas wilder.
Man ist als Musiker dort allerdings direkt in die Gesellschaft und die Aktivitäten integriert, weil jeder bereits die Musik und die Leute aus dem Internet kennt. Sonst sind Japaner eher distanziert. Sie waren zu uns sehr höflich und haben uns auf Parties mitgenommen. Wir haben dort viele Freunde gefunden, obwohl wir nur eine Nacht gespielt haben.

Vor wie viel Leuten habt ihr dort in etwa gespielt?
Es war ein kleiner Laden mit vielleicht 100 Leuten, aber dafür war er vollgepackt. Es war ein Underground-Schuppen in Osaka und das war perfekt. Alle konnten die Songs mitsingen und haben bereits auf uns gewartet, als wir nachmittags angekommen sind, damit wir ihre Alben unterschreiben konnten und das Merchandise war schon vor der Show ausverkauft.

Ihr spielt nach heute in Essen noch eine Show in Hamburg, zwei Shows in Spanien und die zwei Abschiedskonzerte in den Niederlanden. Was waren insgesamt eure Lieblingsländer, in denen ihr gespielt habt?
Das waren genau die drei Länder und genau deshalb haben wir die letzten Konzerte auch so gelegt.

Lasst uns mal ein wenig über die beiden Abschiedskonzerte in Tilburg reden. Habt ihr irgendwas Besonderes für die Shows geplant, wie zum Beispiel eine besondere Setlist?
Die Shows in Tilburg werden ganz anders als heute in Essen. Das Little-Devil ist viel kleiner und intimer als das Turock. Aber von der Setlist her versuchen wir die gesamte Abschiedstour gleich zu gestalten. Es gibt auch gar nicht die Möglichkeit groß zu variieren, weil es einfach Songs gibt, die du spielen musst, damit niemand enttäuscht ist. Aber trotzdem werden wir dafür Sorgen, dass jede Nacht eine besondere wird. Die Leute, die Tickets für zwei Konzerte haben, werden zweimal die gleiche Show geboten bekommen.

Seitdem ihr eure Auflösung bekanntgegeben habt, haben sich die Setlists stark verändert? Wie habt ihr versucht, die Setlists zu gestalten? Habt ihr versucht, dem Publikum das zu bieten, was sie hören wollen oder habt ihr auch versucht, die Songs zu spielen, die ihr selbst gern spielt?
Das sind zum Glück nahezu die gleichen Songs. Wir sind nicht so anders als unsere Fans. Wir mögen es, eine ordentliche Party abzuliefern und das machen wir mit dem Publikum zusammen. Dafür ändern sich, bis auf die Songs, die man immer spielt, die Setlists nur ein kleines bisschen. So wird es nicht so langweilig.
Wir müssen Songs wie "Tiger" zum Beispiel jeden Abend spielen und zu viele Änderungen darf es auch gar nicht geben, denn wir glauben, dass diese Abschlusskonzerte das Resümee dessen werden, was uns als Band am Besten widerspiegelt.

Also wird es auch keine Überraschungen, wie bei einem Konzert in Köln Anfang des Jahres, als ihr das Album "Vanderbuyst" von Anfang bis Ende gespielt habt, oder Sonstiges geben?
Das haben wir sogar zweimal gemacht und das war etwas Besonderes, weil es unser erstes Album war, aber für die letzten Shows ist so etwas nicht geplant.

Ein paar Fragen zu den Anfängen eurer Karriere: Was für Musik habt ihr als Jugendliche gehört und was hat euch als Instrumentalisten besonders geprägt?
Wir hören eigentlich fast alles. Sowohl klassische Musik, als auch Blues Rock. Als ich als Gitarrist angefangen habe, habe ich besonders viel Blues gehört. Ich mag das Feeling, das beim Blues Rock einfach dazugehört. Wenn wir aber zusammen im Bus durch die Gegend fahren, hören wir zum Beispiel sogar Wu-Tang-Clan oder sowas. Wir können uns wirklich fast alles anhören. Wir haben alle drei einen sehr breiten Musikgeschmack, das passt ganz gut zusammen. Aber was wir am meisten mögen und was wir als Vanderbuyst versuchen, ist einfach gute Songs zu schreiben. Das ist auch das, was die frühen Hard Rock Bands gemacht haben, einfach gute Songs schreiben. Musik muss sich einfach gut anfühlen und eine Party in sich tragen. Wir sind nicht wütend oder so etwas, wie es viele andere Metal-Bands machen. Ich meine, klar sind wir mal wütend, aber nicht, wenn wir Musik machen (alle lachen).

Das beantwortet auch schon meine nächste Frage, in der es darum ging, was ihr als Band gemeinsam hört und ob es da schwierig war, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen?!
Fleetwood Mac wäre da ein Beispiel. Das hören wir wirklich viel. Michael Jackson, Mo-Town, aber natürlich auch Heavy Metal und Hard Rock. Def Leppard zum Beispiel. Aber allgemein hören wir wirklich alles.

Das unterscheidet euch von anderen Metal-Bands. Da bekommt man immer die Standart-Antworten wie Slayer usw.
Nein, ich glaube Slayer haben wir im Bus nie gehört. Wir singen auch gerne zusammen und üben unsere Harmonien, das geht zu Slayer nicht wirklich. Deshalb hören wir auch kein Immortal. Aber ich bin mir sicher, dass der Busfahrer manchmal Slayer gehört hat, wenn wir geschlafen haben. Aber es passiert doch mal, dass sich ein bisschen Death Metal einschleicht.

Eure Musik ist eher außergewöhnlich in der Hard Rock/Metal-Szene von heute. Auch die Bands, die ihr gerade aufgezählt habt, spiegeln das wieder. In welches Genre würdet ihr euch einordnen, jetzt wo euer musikalisches Schaffen quasi abgeschlossen ist.
Hard Rock. Darüber gibt es eigentlich keine Diskussion. Allerdings sind wir auf der Bühne eher Heavy Metal, die Songs werden etwas härter, wenn wir sie live spielen.

In der Welt des Heavy Metal werden "softe" Bands oft belächelt. Warum glaubt ihr, dass ihr von der Szene akzeptiert werdet, obwohl eure Musik im Vergleich zu anderen Bands eher poppig ist?
Das ist wirklich witzig. Sogar wenn wir auf Black Metal-Festivals gespielt haben, hast du gesehen, wie manche Leute zu unseren poppigen Hard Rock-Songs getanzt haben und sie haben sogar gelächelt. Wir mussten nicht wütend sein, wie die meisten anderen Bands, die da gespielt haben. Das Publikum hatte einfach eine gute Zeit. Und außerdem sind die ganzen Mädels Backstage zu uns gekommen und nicht zu den Black Metal-Bands (alle lachen).

Könnt ihr euch vorstellen, warum das der Fall ist?
Ich glaube, das liegt daran, dass wir einfach nicht gut singen, dann fällt das nicht so auf (alle lachen). Außerdem sieht man uns an, dass wir einfach nur Spaß haben wollen und wir haben eine Menge Energie auf der Bühne. Das mag jeder und außerdem ist es uns egal, wenn jemand über uns herzieht. Wir sind da, um Spaß zu haben und das merken die Leute. Es ist nicht so, als müssten sie bei uns Spaß haben, aber wenn sie wollen, dann sind wir für sie da. Es ist einfach ein Austausch von Energie und wenn du den ans Laufen bekommst, dann kannst du jedes Publikum der Welt haben, egal ob das eine Metal- oder eine Hip Hop-Crowd ist. In den Niederlanden spielen wir sogar oft auf Pop-Festivals und da dachte jeder "oh, die sind bestimmt zu heavy für uns", aber im Endeffekt hatten sie trotzdem Spaß.
Und in der Metal-Welt werden wir akzeptiert, weil wir live dann doch hart genug sind. Wir passen irgendwie überall rein. Wir sind heavy, aber nicht zu heavy, da haben wir echt Glück mit unserer Musik.

Ihr seid nur drei Musiker. Hättet ihr an irgendeinem Punkt eurer Karriere gerne mehr Musiker in der Band gehabt, um euch musikalisch noch besser ausleben zu können?
Keyboards wären manchmal cool gewesen, das würde zu unserem Sound passen. Aber sonst brauchten wir keinen zweiten Gitarristen oder so. Es ist ja gerade kreativ alles mit drei Musikern umzusetzen, weil man sich Sachen einfallen lassen muss, um einen vollen Sound zu erzielen. Man hört zwar die Fehler auch besser raus, aber man hat gleichzeitig mehr Freiheiten als Band. Das Bandgefüge ist auch viel dynamischer zu dritt. Man kann leichter kommunizieren, wenn man auf der Bühne steht. Da reicht oft ein kurzer Blickkontakt aus. Für uns klappt das ganz gut, auch wenn es auf der Hand liegt, dass es seine Vorteile hat, ein viertes Mitglied zu haben, was die Musik angeht. Du kannst ganz andere Arrangements machen, aber zu dritt zu sein hat auch seine Vorteile. Das gefiel mir immer am meisten. Am Anfang dachte ich allerdings, dass es schwierig werden könnte, mit nur einer Gitarre und ich dachte, dass die Gitarre einfach mehr spielen muss, um die Lücke zu füllen. Aber wenn man sich ZZ Top zum Beispiel anhört, merkt man, dass die einfach weniger spielen und das hört sich im Nachhinein viel fetter an. Das hat sich auch durch unsere Karriere gezogen. Wir haben am Anfang versucht, viel zu spielen und haben das im Laufe der Zeit immer weiter reduziert und dadurch wurde unsere Musik besser. Ein guter Song braucht nur einen guten Beat und wenn der stimmt, dann kommt alles andere von ganz allein dazu. Dann kann sich Willem (Gitarrist) ausleben und die Musik färben, wie es ihm gefällt. Tatsächlich hatten wir mal für zwei Sekunden Keyboards auf einem Demo von uns. Die hat der Typ von The Devils Blood damals gespielt.

Ich weiß, dass ihr euch die Frage oft anhören müsst, aber warum hört ihr mit Vanderbuyst auf?
Es gibt keinen besonderen Grund. Ich glaube, du solltest lieber mal den Brief im Internet lesen (alle lachen). Wir hatten einfach eine gute Zeit und wir glauben nicht, dass es noch besser geht. Wir hatten allen Spaß, den wir wollten. Wenn wir das Buch jetzt beenden, dann ist es ein Happy Ending. Das fasst es ganz gut zusammen. Wenn wir jetzt weitermachen, müssen wir vielleicht doch irgendwelche Seiten aus diesem Buch rausreißen. Das ist jetzt nicht der Fall - es ist die perfekte Geschichte.

Ist das Album-Cover zu "At The Crack Of Dawn’"mit der Frau, die ein Grab gräbt, ein Hinweis auf das Ende von Vanderbuyst?
Ja, es ist ein Hinweis darauf, dass ich mich nach der letzten Show umbringen werde (alle lachen). Aber ja, als wir das Album geschrieben haben, wussten wir bereits, dass es so kommen würde. Du findest lauter versteckte Hinweise darauf auf dem Album. Den Titel, den letzten Song und auch die sonstigen Texte sind über uns als Band, über die Sachen, die wir erlebt haben. Lyrisch ist es bei Weitem das persönlichste Album. Abgesehen natürlich von "Tiger", das ist der persönlichste Song, weil ich in meinem vorherigen Leben ein Tiger war. Nein, eigentlich war ich ein Zebra mit Tiger-Hosen und hielt mich dann für einen Tiger. Wir haben sogar auch Hinweise auf Zebras auf dem Album (alle lachen).

Viele Bands haben heutzutage eine Wiedervereinigung nach einer gewissen Zeit. Zieht ihr das für euch auch in Betracht?
Keine Angst, das wird nicht passieren. Du kannst sogar die Website haben, wenn du möchtest.

Ihr kennt euch jetzt schon lange und habt lange Zeit auf engstem Raum als Band verbracht. Wie glaubt ihr, werden eure persönlichen Beziehungen nach dem Ende von Vanderbuyst aussehen?
Wir werden garantiert nicht mehr so viel Zeit miteinander verbringen. Aber wir werden immer noch Freunde sein. Wir waren ja auch vor Vanderbuyst schon gemeinsam in Bands. Wir teilen die Bühne nun schon ewig. Wir kennen uns jetzt fünfzehn beziehungsweise siebzehn Jahre, es gibt kein böses Blut. Unsere Freundschaft ist jetzt sogar stärker als zuvor, weil wir so viel durchgemacht haben und uns so gut kennen. Wir werden uns nicht mehr jedes Wochenende sehen, aber wenn wir uns dann mal sehen, haben wir noch mehr zu besprechen als vorher, weil wir bis jetzt immer genau die gleichen Sachen erlebt haben. Wir können dann endlich mal normale Gespräche miteinander haben (alle lachen).

Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus? Habt ihr irgendwelche musikalischen Projekte oder werdet ihr euch erstmal eurem Privatleben widmen?
Erstmal werden wir uns ein bisschen zurückziehen und auf unser Privatleben konzentrieren. Wir haben zwar alle noch Bands nebenbei, aber die auf das gleiche Level zu bringen, wie Vanderbuyst ist einfach was anderes und ist erstmal nicht geplant. Wir lieben es, Musik zu machen, das wird sich nicht ändern, aber du wirst uns nicht nächstes Jahr in Essen mit einer anderen Band sehen. Ich werde zum Beispiel in irgendeiner Bar sitzen und Blues Rock spielen. Oder brauchst du noch einen Drummer?

Um nochmal auf The Devils Blood zurückzukommen: Es gibt ein paar Parallelen zwischen euren Bands, mal abgesehen davon, dass ihr beide aus den Niederlanden kommt. Glaubt ihr, dass es einen ähnlichen Hype um Vanderbuyst CDs und Merchandise geben wird, wie es bei The Devils Blood der Fall ist?
Jetzt gerade ist erstmal alles ziemlich billig. Du kannst jeden Artikel für 5 Euro kaufen. Aber ich bin mir sicher, dass es den selben Hype gibt - du solltest das Merchandise aufkaufen und reich damit werden (alle lachen). Aber wir werden nicht jeden Monat neues produzieren. Wenn das Label sich entscheidet, das erste Album neu zu veröffentlichen, dann werden wir da sicher mitmachen, aber erwarte nichts Neues von unserer Seite aus. Wir haben kein Interesse daran, auf diese Art und Weise Geld zu machen.

Kommen wir zu den letzten Fragen: Lieblings Vanderbuyst-Album oder -EP?
Barry: "At The Crack Of Dawn"
Willem: "Flying Dutchmen"
Jochem: "Vanderbuyst"-EP

Lieblings Vanderbuyst-Song?
Barry: "Rock-Bottom"
Jochem: "Anarchistic Storm"
Willem: "To Last Forever"

Die Fragen lassen sich für uns allerdings nur schwer beantworten, weil es für die Fans nur ein Album ist. Für uns ist ein Album aber etwas, das mit einer bestimmten Zeit verknüpft ist und in das wir Monate und Jahre von Arbeit investiert haben. Manchmal war es anstrengend, aber manchmal waren es auch sehr entspannte Zeiten. So zum Beispiel beim letzten Album, da hat alles ziemlich gut geklappt. Die ganze Atmosphäre war gut und wir haben das Album gemacht, weil wir es wollten und nicht, weil wir mussten. Unsere ganze Karriere lässt sich so beschreiben, wir mussten nie Zugeständnisse machen, um groß und erfolgreich zu werden. Das wollten wir nie und das ist auch einer der Gründe, warum wir es jetzt beenden. So werden wir nie Zugeständnisse gemacht haben und so bleibt alles ein Teil von Vanderbuyst. Mit "At The Crack Of Dawn" haben wir den letzten Teil und das letzte Kapitel beendet und das Buch ist gut - ich lese zwar nicht viel, aber dieses Buch werde ich wieder und wieder lesen und es werden immer wieder Geschichten daraus in meinen Gedanken auftauchen - großartige Erinnerungen. Es ist ein Kindheitstraum, der wahr geworden ist und jetzt sind wir alte Männer.

Ihr seht aber nicht so aus.
Und das ist genau die Art und Weise in der ich in Erinnerung bleiben möchte.

Ein schöner Satz um das Interview zu beenden - danke Jungs.


Das Interview führte Carsten Becker.
Essen, 04. September 2015