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Interview: WE'RE ALL THIEVES

Ob man es nun Post-Hardcore, Pop-Punk oder schlicht und einfach Rock nennen möchte, welcher genauen Stilrichtung WE'RE ALL THIEVES angehören, ist eher zweitrangig. Fakt ist, dass die vier Hamburger auf ihren beiden EPs eine songschreiberische Qualität an den Tag gelegt haben, die einem so und in dieser Form nur selten begegnet. Grund genug, mal persönlich bei der Band nachzuhaken. Der Gig auf einem kleinen Festival in der Nähe von Bremen scheint dafür der perfekte Ort zu sein. Rede und Antwort standen (von links nach rechts): Felix, Janis, David und Timo.

Beginnen wir mal ganz von vorne. Wie ging das damals mit der Band los, wann und wo habt ihr euch gegründet?

Janis (Gesang, Gitarre): Es fing eigentlich an, als ich bei "JustMusic" in Hamburg gearbeitet habe. Dort haben Timo (Drums) und ich uns durch Zufall kennengelernt. Wir haben uns an den Blink-182 T-Shirts erkannt, die wir beide anhatten, und sind darüber ins Gespräch gekommen. Anfangs haben wir aber noch keine Musik zusammen gemacht, das kam erst später.

David (Gitarre):
Ich kannte Timo schon aus einer früheren Band. Zu dem Zeitpunkt, als Timo mich ins Boot holen wollte, war ich aber gerade noch dabei mit anderen Leuten zusammen zu spielen und wollte zunächst auch nur als Aushilfsmusiker einsteigen. Ich habe aber relativ schnell gemerkt, dass die Jungs viel professioneller an alles herangehen - immer neue Songs schreiben. Die sehen alle gut aus (alle lachen) und versuchen sich stetig zu verbessern. Sowas finde ich einfach geil.

Janis: Die erste Stufe war also mit Timo, dann haben wir David dazu geholt, und als drittes kam Felix (Bass), den ich wiederum aus einem früheren Bandprojekt kannte. Die Band hat zwischendurch auch noch einige andere Musiker durchlaufen - mit den bekannten Problemen: einer war immer nicht ausgeschlafen, war aus irgendwelchen Gründen nicht am Start bzw. hat einfach nicht mit Vollgas mitgemacht - was natürlich genervt hat, wenn du immer einen dabei hattest, den du erst motivieren musstest. Wenn du so viel Arbeit in ein gemeinsames Projekt steckst, dann müssen alle an einem Strang ziehen.

Gibt's zu eurem Bandnamen irgendeine Story oder wie seid ihr darauf gekommen?

Felix (Bass): Es gibt eine Progressive Rock Band aus Philadelphia - Circa Survive - die wir alle ziemlich geil finden. Die haben einen Song, der "We're All Thieves" heißt, welcher auch unsere erste Idee für einen gemeinsamen Bandnamen war. Wir haben dann eine Weile überlegt, welchen der Namen aus unseren gesammelten Ideen wir nehmen sollen, und haben uns letztendlich für diesen entschieden.

Die Besetzung der Band ist bis heute so geblieben?

Janis: Nicht ganz. We're All Thieves bestand ursprünglich aus uns Vieren, sowie Julian, der am Anfang der Lead-Gitarrist war, dann aber irgendwann nach Aachen gegangen ist. David war zwischenzeitlich für ein paar Monate auch gar nicht in Deutschland, als wir mit Julian gespielt haben - wir waren also ungefähr ein Jahr lang in einer Vierer-Besetzung mit Julian. Kurz nachdem David wiedergekommen ist, hat Julian dann auch die Band verlassen.

Felix: Das klingt jetzt fast so, als ob wir uns mit Julian zerstritten hätten. Das war aber absolut nicht der Fall, im Gegenteil. Er hat in Hamburg leider keinen Platz für sein Referendariat bekommen und hat sich deshalb entschieden, Hamburg und damit leider auch die Band zu verlassen.

Lasst uns mal eine kleine Vorstellungsrunde machen. Erzählt doch der Reihe nach mal, wer ihr seid, was ihr in der Band macht und vielleicht noch ein paar Sätze mehr zu euch!?

David: Ich bin David, wobei mich die meisten Leute Dave nennen, und bin der Leadgitarrist der Band. Musikalisch habe ich damals mit Pop-Punk begonnen. Irgendwann kam auch härtere Musik dazu, auch Metal, womit ich automatisch anfing, mehr an meiner Technik zu arbeiten. Allerdings habe ich schon immer verschiedene Musikstile gehört - unter anderem auch Pop und Hip Hop - und denke, das spiegelt sich auch in unserer Musik wider. Die Musikstile vermischen sich ja mehr und mehr, was ich aber absolut okay finde. Denn so entwickelt sich die Musik weiter. Wir vier hören alle verschiedene Musik - nicht nur Rock - oder irgendein bestimmtes Genre. Das fließt, denke ich, auch ein Stück weit in unsere Songs mit ein und das ist mir wichtig. Klar, jede Band möchte möglichst weit kommen und behaupten, dass sie total innovativ ist. Ich würde nicht so weit gehen zu behaupten, dass wir irgendetwas komplett Neues machen, was es vorher absolut noch nicht gegeben hat - wir sind nicht die Beatles und werden es auch niemals sein. Aber wir versuchen dennoch, uns stetig weiter zu entwickeln. Wir wollen einfach geile Mucke machen.

Timo (Drums): Ich bin Timo und spiele Schlagzeug. Meine musikalischen Wurzeln ... (überlegt) ... das geht zurück bis ...

Janis: Blink!

Timo: Nee, noch viel früher! Ich habe mit 12 angefangen, in einer Samba-Band zu spielen, dort aber erst einmal nur Percussion. Das habe ich drei Jahre lang gemacht und es war eine ziemlich geile Zeit. Irgendwann wollte ich aber einfach mehr und habe mir von meinem Konfirmationsgeld mein erstes Drumset gekauft. Ich hatte dann in der Schule mit einem Gitarristen zusammen meine erste Band. Zwischendurch habe ich auch kurz in der Schulband gespielt. So vergingen dann die Jahre. Ich hatte mehrere Bands, mal gute, mal schlechte. Währenddessen habe ich auch ein Jahr lang Musik studiert, Schlagzeug und Klavier.

Felix: Ich bin Felix und spiele Bass. Mit 8 Jahren habe ich angefangen, klassische Gitarre zu lernen. Dann kam man in die Pubertät und es war einfach uncool, nur Sachen zu spielen, die keiner kennt. Ab da ging es los mit E-Gitarre und ich war zwischendurch in einer Ska- und einer Pop-Punk-Band. Eigentlich war ich immer Gitarrist. Dann habe ich Janis kennengelernt und wir hatten von Anfang an Bock, zusammen Musik zu machen. Allerdings hatte die Band schon zwei Gitarristen, brauchten aber noch einen Bassisten. Er hat mich gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte. Ich dachte, warum eigentlich nicht!?

Janis: Ich bin Janis und der Sänger. Ich habe mit 7 Jahren angefangen im Schülerchor zu singen und wurde mit 8 Jahren von Rolf Zuckowski (Musiker, Komponist, Musikproduzent und Autor von Kinderliedern) rekrutiert. Ich war dann eines dieser Kids, die mit ihm auf Tour und ins Studio gingen. Da habe ich auch zum ersten Mal eine Deutschland-Tour mitgemacht, mit Konzerten vor Tausenden von Leuten. Das war echt heftig. Mit ca. 8 Jahren fing ich an Saxophon und Klavier zu spielen, was ich auch heute studiere. Mit 14 habe ich dann schließlich auch meine erste Band gegründet. Das sah dann so aus, dass ich einfach irgendwelche Leute dazu genötigt habe, mit mir Musik in Richtung Blink-182, etc. zu spielen (lacht). Wirklich interessant wurde es, als ich Timo kennengelernt habe, mit dem wir unser erstes Projekt "Touch Down Hero" gründeten. Das war so mit 18/19.
Wie David schon gesagt hat, wollen wir einfach schauen, was uns noch so alles erwartet. Wir haben mittlerweile zwei geile EPs aufgenommen, auf die wir richtig stolz sind und sind gespannt, wie es weitergeht.

Ist die Band nur ein Hobby oder schon mehr oder soll es mal viel mehr werden?

Janis: Es ist auf jeden Fall mehr als ein Hobby. Unter Hobby verstehe ich, dass man sich einfach hin und wieder mal trifft, um zusammen zu jammen. Dafür tun wir aber alle bereits zu viel für die Band. Es ist im Grunde wie ein Nebenjob. Jeder hat seinen Aufgabenbereich und seine Leidenschaft.

Wir würdet ihr einem Außenstehenden in ein, zwei Sätzen eure Musik beschreiben?

Felix: Ich würde sagen, wir schreiben Pop-Songs, die aber auf jeden Fall E-Gitarren-lastig sind. Also im Grunde Rock-Songs mit Pop-Strukturen. Zu Anfang haben wir das Ganze noch Post-Hardcore genannt, aber das finde ich mittlerweile nicht mehr so angemessen. Wir schauen immer, dass es musikalisch weitergeht. Wir beschreiben unsere Musik meistens als eine Mischung aus Yellowcard, All Time Low, Blink-182, A Day To Remember und vielleicht auch ein wenig Coldplay. Gerade auf den letzten Punkt wurden wir schon öfter angesprochen, weil viele Leute meinen, dass sie den Coldplay-Aspekt eigentlich eher weniger in unserer Musik sehen. Sicherlich sind die Gitarren bei uns sehr im Vordergrund. Wenn du dir die Songs allerdings einmal genauer anhörst, merkst du, dass da auch viel Atmosphärisches im Hintergrund passiert.

Was war rückblickend das schlimmste Erlebnis, das ihr als Band gemacht habt und was das beste?

Timo: Wir hatten einmal Glück im Unglück. Und zwar sind wir mit meinem Cadillac aus den 70ern von einem Gig nach Hause gefahren … (alle lachen zustimmend!) ... und die Tanknadel war halt ein wenig eigensinnig. Das ist ganz alte Technik, die einfach macht, was sie will. Ich hatte den Wagen da noch recht neu und noch kein richtiges Gefühl dafür. Ich dachte, ich hätte genug getankt. Und dann standen wir da auf einmal nachts um 1 Uhr mitten auf der Autobahn. Wir sind aber zum Glück direkt neben einer Tankstelle stehen geblieben. Das war jetzt nichts wirklich Schlimmes, aber halt schon eine Pechsituation. Das Witzige an der Geschichte ist, dass uns das Gleiche zwei Wochen später noch einmal passiert ist.

Janis: Die besten Erlebnisse für mich persönlich waren die Sessions im Studio, in denen wir unsere beiden EPs aufgenommen haben. Mitzuerleben, wie noch einmal völlig neue Elemente in deine Musik mit einfließen und wie die Arbeit mit einem Produzenten funktioniert. Du sitzt da, hörst deine eigenen Songs aus diesen übergeilen Boxen und denkst nur: mega heftig!

Felix:
Ich freue mich immer auf Konzerten am meisten, wenn ich merke, dass die Leute abgehen und unsere Texte mitsingen.

Janis: Es kommt auch immer mal wieder vor, dass wir unterwegs sind, mit Leuten sprechen und denen sagen, dass sie sich unsere Musik einmal bei Spotify reinziehen sollen. Teilweise merkst du, dass die Leute vorher schon etwas argwöhnisch sind und der eine oder auch denkt, was da jetzt bestimmt für ein Geplänkel kommt. Dann machen sie die Musik an und fragen: "das seid ihr?". Und du denkst dir nur: "YES!" (alle lachen).

Zwei EPs in dreieinhalb Jahren finde ich nun nicht so wirklich viel. Wie kommt's?

Janis: Das Ding ist ja, dass wir zunächst überlegt haben, wie wir überhaupt klingen wollen, danach aber auch relativ schnell anfingen Songs zu schreiben. Wir haben ja nicht dreieinhalb Jahre lang auf die EPs hingearbeitet. Das erste knappe halbe Jahr haben wir uns hauptsächlich aufs Songwriting konzentriert. Sind dann aber auch direkt ins Studio. Bereits ein Jahr später waren wir wieder im Studio und haben die zweite EP aufgenommen. Und auch jetzt ist es so, dass wir an neuen Sachen arbeiten, viele Pläne, Ideen und natürlich auch Albumwünsche haben und schauen, wie sich das alles finanziell realisieren lässt. Unterm Strich kann man aber sagen, dass in zwei Jahren auch zwei EPs entstanden sind.

David: Ich war währenddessen auch noch für einige Zeit in China. Das hat das Ganze natürlich auch ein wenig verzögert.

Janis: Und wir hatten zwischendurch ja auch schon einige Demos am Start. Bei vielen Songs haben wir uns aber letztlich gegen diese entschieden, weil sie uns für die jeweilige EP nicht gereicht haben.

Was mich etwas irritiert: Eure erste EP heißt "Secret Skies", aber der Song "Secret Skies" ist auf der zweiten EP drauf ...

Timo: Der Song war damals noch nicht fertig. Deshalb haben wir uns zunächst dafür entschieden, nur vier Songs für die erste EP aufzunehmen. Dass der Song auf die nächste EP kommen würde, stand aber schon von vornherein fest.

Ihr habt beim Song "A Brief Conversation" ein Feature mit Christoph von Annisokay. Wie kam die Zusammenarbeit zustande?

Janis: Das fing damit an, als Felix und ich bei einem Gig von Annisokay im Logo in Hamburg waren. Wir haben uns ziemlich schnell mit denen angefreundet und sind noch nachts zusammen über den Kiez geschlendert. Irgendwann kamen die halt an und fragten, ob wir 'ne Ahnung hätten, wo die Jungs übernachten könnten. Ich hatte zu dem Zeitpunkt schon gut einen sitzen und meinte direkt "ihr könnt alle bei mir pennen!" (alle lachen). Ich habe damals noch in einer riesigen WG gewohnt, mit genug Platz für alle, aber auch super stressigen Mitbewohnern, die natürlich nicht informiert waren und am nächsten Morgen direkt mit den Worten: "Janis, was hast du getan?" in der Tür standen. Jedenfalls war die Band da, offensichtlich dankbar. Ich meinte draufhin, dass ich gerne ein Feature mit Chris hätte, weil ich seine Stimme einfach unglaublich geil finde. Das hat dann auch tatsächlich geklappt. Er hat die Vocals in seinem Studio aufgenommen, zu unserem Produzenten rübergeschickt und der hat am Ende alles zusammengefügt.

Spielt ihr diesen Song auch live und wenn ja, wie macht ihr das dann mit den Vocals?

Janis: Das singe ich. Das war auch von vornherein so, bis wir auf die Idee mit Chris kamen.

Eure EPs gibt es nur digital. Ist das ein Kostengrund oder was steckt dahinter, keine physischen CDs zu veröffentlichen?

Janis: Witzigerweise ist die Nachfrage nach Hardcopys ziemlich groß. Aber das ist natürlich ein großer Kostenfaktor. Ich meine, was kann man da machen? Eine Auflage von 100? Klar, für Liebhaber wäre das geil, aber die Frage ist immer, ob nicht doch die meisten ohnehin den Weg über iTunes, Amazon usw. nehmen.

David: Gerade nach der ersten EP stand die Überlegung im Raum, ob wir diese als CD herausbringen möchten oder nicht. Das war eine lange und auch keine einfache Diskussion. Wir haben uns dann aber dafür entschieden, das Geld lieber in unsere zweite EP zu investieren.

Was mich dazu mal interessieren würde: Ich habe mir eure aktuelle EP für 3,96 Euro als Download bei Amazon gekauft ...

(alle zusammen) Nice!

... wie viel von diesem Geld bekommt ihr letztendlich als Band davon?

Janis: Ich glaube, so ungefähr 70%, also zumindest bei iTunes sind das 70%, war das nicht so?

David: Ja, mal mehr, mal weniger ...

Meistens schreibt ja der Sänger die Texte. Ist das bei euch auch so?

Janis: Genau. Ich schreibe immer etwas, frage die Jungs "wie findet ihr dies oder das, habt ihr darauf Bock und könnt ihr euch damit identifizieren?" Und meistens sind sie schon ziemlich begeistert, weil das auch irgendwie immer Themen aus deren Leben sind.

In eurem Presseinfo steht drin, dass eure Musik "Geschichten von Abenteuern und Romanzen einer niemals endenden Jugend" erzählt. Ist das auch so der Leitfaden für eure Texte? Also Themen, mit denen sich gerade jüngere Leute identifizieren können?

Janis: Um es mal in meinen Worten zu sagen: In den Songs geht es einfach um Themen, die uns beschäftigen. Das hat nichts mit Nostalgie zu tun, von wegen, "wir wären gerne noch jung". Ganz im Gegenteil. Aber wir werden auch eben immer noch als sehr jung eingestuft.
Einerseits geht's in den Texten ums Feiern, um verrückte Geschichten oder Abenteuer, die wir erlebt haben. Wenn du beispielsweise mit Leuten, die du kaum kennst, in den Urlaub fährst und auch dort wieder verrückte Leute kennenlernst, mit denen hart feierst und nachts durch das Schwarze Meer springst, dann denkst du dir, das Leben macht Spaß. Und darüber schreibt man dann Lieder.
Anderseits geht's auch um Menschen, die einem viel bedeutet haben, die man vielleicht auch wieder verloren hat und bei denen man weiß, dass das schon etwas Besonderes war - und, dass man darüber einfach etwas schreiben muss.
Mir ist es wichtig, dass man sich nicht irgendwelche Texte aus den Finger saugt. Weißt du, sowas wie z.B. "Yeah, yeah!". Das ist keine Hook für mich, das ist keine Message. Das sind einfach nur Worte, um die Leute zum Mitmachen zu bewegen.

In dem Zusammenhang fällt mir eine kurze Textzeile aus "Bring Back The Days" ein: "Twenty and alive" ... ist das vielleicht so eine Art Bandmotto?

Janis: Jein. Aber das war genau diese Urlaubsgeschichte, die ich gerade erzählt habe. Ich lag da am Strand, hatte schon ein Gitarrenriff im Kopf und plötzlich fiel mir alles ein. Die Gesangslinien, etc.

Wie entstehen eure Songs? Ganz klassisch zu viert im Proberaum und jeder bringt seine Ideen mit ein?

Timo: Teils, teils. Janis und ich wohnen im selben Haus. Er wohnt im ersten Stock und ich im Dritten. Wir setzen uns meistens einmal die Woche am PC zusammen und basteln an Ideen. Die Songs kommen also schon fast spielfertig in den Proberaum.

Janis: Wir fragen aber auch immer "was fällt euch gerade ein", und dann hat der eine mal eine Idee vorgestellt, und dann der andere. Dann sagt einer "geil, zu deiner Idee fällt mir jetzt das und das zu ein".

Felix: Wir haben aber schon gemerkt, dass es für uns einfacher ist, wenn bereits ein Grundkonzept da ist, in das sich dann jeder mit einbringen kann.

Janis: Ich meine auch, wenn man zu viert in einem Raum sitzt, dann geht zu viel Zeit drauf für Überlegungen. Deswegen macht es vermutlich auch einfach mehr Sinn, das mit weniger Leuten, also z.B. zu zweit anzufangen und dann zum Ende hin zusammen aufzuarbeiten.

Ist denn erst der Text da und die Musik kommt dann dazu oder werden die Texte zu den fertigen Songs geschrieben?

Janis: Das ist unterschiedlich. Du sagtest zum Beispiel, dass dir "A Brief Conversation" richtig gut gefällt. Da hat David ein Intro und eine Strophe geschrieben, die mich sofort inspiriert haben, dazu einen Text zu schreiben. Ich hatte da sofort eine Hook im Kopf. Dann habe ich einen Refrain aus einem anderen Song von mir genommen, und das beides zusammengebastelt. In diesem Fall ging das also nahtlos ineinander über.

David: Wo wir gerade bei "A Brief Conversation" sind. Janis sagte ja vorhin schon, dass die Songs auch immer etwas mit unserem eigenen Leben zu tun haben. Hier geht es speziell um Verlust. Bei "A Brief Conversation" stand vieles schon. Auch schon ein großer Teil des Textes. Ironischerweise hat sich meine damalige Freundin genau in dem Moment von mir getrennt, als wir den Song geschrieben haben. Das hat das Songwriting noch einmal nachhaltig beeinflusst - sowohl von der Musik her, als auch vom Text. Es geht bei unseren Songs also immer auch ein Stück weit um unsere eigenen Erlebnisse.

Mir ist in eurer Gig-History aufgefallen, dass ihr immer nur so 6-8 Konzerte pro Jahr spielt. Das finde ich ziemlich wenig. Hat sich da nie mehr ergeben, ist das vielleicht einfach nur ein Zeitproblem oder woran liegt das?

Felix: Eine Sache, die wir als Band bisher immer im Hinterkopf behalten haben: Du hast halt bei allem, was du machst, nur eine einzige Chance. Uns als Band ist es wichtig, gute Mucke zu machen. Daher war unser Grundgedanke immer: Lasst uns zunächst ein stimmiges Grundkonzept entwickeln.
Immerhin haben wir in der Vergangenheit zwei richtig geile EPs aufgenommen. Und wenn du dir unsere aktuelle Gig-Liste anschaust, dann merkst du, dass es auch hier immer mehr wird. Wir haben alleine in den letzten zwei Monaten um die acht Festivals gespielt. Ich finde schon, dass das nicht übel ist und da wird in Zukunft auch noch einiges kommen.

Janis: Mein Wunsch war, weil ich echt etwas genervt war von der Unzuverlässigkeit der Leute in den vorherigen Projekten, meine Mucke einmal auf einer Scheibe zu haben. Das war das Wenigste, was ich einmal erreichen wollte. Egal, was drumherum passiert. Das habe ich den Jungs auch gesagt. Dass ich eine EP machen möchte, auch wenn wir dadurch vielleicht nur ein reines Studioprojekt wären. Deswegen haben wir uns anfangs auch auf die eigentlichen Songs im Studio konzentriert und dort viel Zeit investiert, auch in die Vorproduktion. Und wie du ja selber vorhin schon gesagt hast, als du meintest, dass bei uns viele Hits dabei sind: Letztendlich ist das das Ergebnis davon, dass wir uns eben sehr intensiv mit dem Songwriting auseinandergesetzt haben. Das kostet natürlich viel Zeit.
Jetzt, wo wir acht Songs draußen haben, die uns alle sehr gut gefallen, wollen wir die natürlich auch promoten.

Was ich ebenfalls nicht ganz verstehe: In der heutigen Zeit verdient man ja gerade als kleinere Band weder mit Gigs, noch mit der Musik großartig viel Geld, deswegen ist Merch mit Abstand die wichtigste Einnahmequelle. Aber scheinbar habt ihr gar kein Merchandise, keine T-Shirts, nichts. Stimmt das?

David: Das ist eigentlich das gleiche wie mit den CDs. Wir wollten erst einmal richtig geile Aufnahmen haben. Auch für uns selber. Die kannst du auch in 20 Jahren noch anhören und sagen, was für geile Musik du damals gemacht hast.

Janis: Es gibt auch echt viele Leute, die sagen, "ihr wart so lange im Studio für vier Songs?". Aber das ist genau der Punkt. Ohne das wäre die Musik nicht das, was sie ist und ohne das, wären die Aufnahmen nicht so teuer gewesen, wie sie waren. Es gibt viele Bands, die bringen in der gleichen Zeit ein ganzes Album raus. Aber da sind dann vielleicht zwei Hits drauf und fertig.

David: Genau, Hauptsache Album raus und fertig.

Janis: Deswegen haben wir gesagt, erst mal 100% in die Richtung feuern und danach in andere Richtungen. Aber Merch ist natürlich auch geplant.

Nach zwei EPs wäre ja nun eigentlich mal ein Album dran!?

David: Das ist auch unser Wunsch. Das ist geplant und das muss auch kommen. Zumal wir uns als Band auch weiterentwickeln und weiterkommen wollen. Du kannst ja nicht immer nur EPs rausbringen.

Janis: Vor allem hatten wir gehofft, dass wir gerade durch die zweite EP Sponsoren finden können, die beispielsweise einfach mal sagen, "hey Jungs, wir finden euch super und geben euch was dazu". Das war auch ein Grundgedanke der zweiten EP. Zeigen, dass wir nicht locker lassen und qualitativ auf hohem Niveau bleiben. Aber ein Album wird natürlich richtig teuer. Deswegen hoffen wir, dass wir vielleicht ein Label finden.

Gibt's schon neue Songs oder Songideen?

Timo: Ja. Einen Song haben wir vorhin auch schon angespielt - wenn da nicht der Stromausfall gewesen wäre. Der heißt "Can't Go On"

Janis: Wir haben da auch noch einen neuen Party-Song, "Stray Cats", in dem es um unsere Jugendsünden geht. Den haben wir letzte Woche im Proberaum fertiggestellt.
Diese beiden Songs sind auf jeden Fall Kandidaten für's Album. Ansonsten stehen auch schon viele Ideen im Raum, die Potential haben.

Bei welchen Bands würdet ihr sagen, wenn ihr die mal supporten könntet, das wäre das Größte?

Timo: The Story So Far wäre so eine Band. Die waren letztens in Münster, selber als Support von irgendeiner Hardcore-Band. Da wollte ich eigentlich hin, aber das hat dann leider doch nicht geklappt.

Felix: All Time Low oder Yellowcard wären ziemlich geil. Oder auch Itchy Poopzkid. Das sind glaube ich super witzige Typen.

Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus?

David: Wo du vorhin schon die Gigs angesprochen hast: Da wollen wir auf jeden Fall weiter am Ball bleiben und nächstes Jahr auch auf einigen Festivals außerhalb von Deutschland spielen. Auch ein paar Videos raushauen und international ein wenig bekannter werden, um vielleicht den einen oder anderen Support-Gig für größere Bands spielen zu können.

Janis: Gerade was das Booking und Management angeht, wollen wir das outsourcen: Jemanden an Land ziehen, mit dem wir so gut zusammenarbeiten können, wie mit unserem Produzenten. Ein Ziel ist also unsere Crew zu vergrößern. Und natürlich habe ich richtig Bock auf ein Album.

Ein paar abschließende Worte?

David: Vielen Dank an alle, die uns supporten. Und auch du hast dir ja unsere EP gekauft, vielen Dank dafür. Sowas bedeutet uns echt viel und zeigt uns, dass die Arbeit, die wir in die Band stecken, sich am Ende eben lohnt.

Janis: Wir haben auf jeden Fall große Pläne. Jeden Morgen unter der Dusche fallen mir schon wieder tausend Ideen ein, die ich gerne umsetzen würde. Ich glaube, das ist ein Zeichen: Wir haben Feuer, wir haben Bock! Wir haben Bock darauf, aus unseren vielen Ideen neue geile Songs zu machen und wollen hierbei auf jeden Fall unseren hohen Ansprüchen gerecht werden. Und wir sind natürlich begeistert von den Leuten, die uns jetzt schon hypen. Davon wünschen wir uns noch mehr.

www.wereallthieves.de

Das Interview führte Marco Zimmer.
Schwanewede, 15. August 2015