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Interview: CASTLE

Ehrlich gesagt, hatte ich ein wenig Angst vor dem neuen CASTLE-Album "Welcome To The Graveyard", da seine drei Vorgänger einfach nicht die 7,5 Punkte-Marke knacken wollten. Aber es sollte anders kommen, der Rezensent ist glücklich und schickt voller Euphorie ein paar Fragen über den großen Teich. Gitarrist Mat Davis antwortet.

Schlussendlich zeigen CASTLE ihr Gesicht nun auch auf dem Frontcover, was für ein gutes Selbstbewusstsein spricht. Ist das vielleicht auch der Grund, warum "Welcome To The Graveyard" euer bis dato stärkstes Album ist?
Vielen Dank! Da stimme ich dir zu. Es ist wirklich unser stärkstes Album. Die Entscheidung, das Foto auf das Cover zu bringen, basierte aber auf der Tatsache, dass es einfach besser zur Musik passt. Artworks hatten wir bereits in der Vergangenheit und am Ende hatte das neue Album eine Art Street-Vibe, welches nur durch ein Foto erfolgreich repräsentiert werden konnte. Dass wir uns daran halten, war unser Hauptanliegen.

Die Songs sind meines Erachtens zugänglicher geworden, behalten aber weiterhin noch den klassischen CASTLE-Charakter. So etwas kann immer zu einem breiteren Publikum führen. Wenn du über die Frage "Wie weit könnten CASTLE gehen, ohne die eigene Identität zu verlieren?" nachdenkst, wie könnte die Antwort lauten:
1.) in Bezug auf die Musik selbst
2.) Bands zu supporten, die dieselbe musikalische Basis, aber ein viel größeres Publikum haben
Ich denke, dass es nicht möglich sein wird, Identität zu verlieren, da die Musik genau das widerspiegelt, wer wir sind. Die Grundidee war eh immer, anders. Und genau das bleiben wir auch.
Vor größerem Publikum haben wir auch bereits gespielt und würden das auch jederzeit wieder machen. Aber das ist gar nicht der Punkt. An jedem erdenklichen Abend spielen wir irgendwo und die Menschen dort erfahren etwas Besonderes. Ich denke nicht darüber nach, wer in dem Moment nicht da ist oder wer da sein könnte, sondern nur, wo ich gerade bin.

Der Gesang bewegt sich dieses Mal auf einem viel höheren Level wie sonst noch nie. Gibt es dafür einen besonderen Grund?
Meinst du die Lautstärke? Nun ja, diese Art hatten wir für den Gesamtsound vorgesehen. Wir wollten einen schlichtweg größeren Sound für die Songs haben. Wir haben die einzelnen Lagen quasi etwas entblättert. Um das zu schaffen, haben wir die Rhythmus-Abteilung gestrafft und die Melodien etwas nackter gestaltet. Durch diese natürliche Entwicklung sollte der Sound einfach größer gemacht werden.

(Auch eine schöne Antwort. Aber tatsächlich meinte ich etwas anderes, was in der Mail-Überlieferung von Mat anders interpretiert wurde, daher schickten wir noch eine Mail hinterher.)

Der Gesang von Elizabeth ist viel höher als auf den Vorgänger-Alben. Kommentar dazu?
Ah! Gut, dass wir das klarstellen. Ich dachte mir fast, dass du das meinst. War mir aber nicht sicher …
Es ist richtig, dass ihr Gesang sich in einer höheren Lage bewegt. Der praktische Grund dafür ist, dass einige Songs einfach in einer höheren Tonlage geschrieben wurden und Liz's Stimme so in ihre natürliche Position kommt. Ich glaube, "Under Siege" (Album Nr. 3 aus 2014) hatte auch schon Songs, die höher lagen. Also haben wir schon vor ein paar Jahren an dieser Sache gearbeitet. Ich liebe ihre Stimme wenn sie so "jammert". Das passt einfach großartig zu den Songs!

Ehemann und Ehefrau - verheiratet und die Musik: Wie schwierig oder einfach ist es, die geschäftliche Seite von CASTLE von der privaten Seite zu trennen?
Genau so einfach, wie diese Frage einfach nicht zu beantworten!
(Touché! Großartige Antwort!)

Ich habe mich immer gefragt: CASTLE klingen zu hart für die Hippies, zu schnell für die Doom Fraktion und nicht okkult genug für die Ritualisten? Was zur Hölle seid ihr am Ende?
Haha, wahrscheinlich hast du da den Nagel auf den Kopf getroffen!
Aber es ist etwas, dessen wir uns bewusst sind, uns aber keine großen Gedanken dazu machen. Als ich Mitte der Achtziger mit dem Musik machen begann, haben wir alle Bands gehört, bei denen wir wussten, dass sie etwas Anderes und Einzigartiges erschaffen würden. Jeder hatte seinen eigenen Sound - Voivod, Celtic Frost, Megadeth, Kreator, usw.
Als Metalfan habe ich genau diese Einzigartigkeit gesucht. Für manch andere mag es genau das Gegenteil sein oder so sieht es zumindest aus in Bezug auf eine sklavenartige Mentalität in den Genres. Ich bleibe da lieber bei der Einzigartigkeit.

Eine letzte Frage als CASTLE-Nerd. Auf den ersten beiden Alben entdeckte ich unterschwelliges Thrash-Riffing, was meiner Meinung nach gut zu eurem Sound passt. Ich frage nicht, sondern werfe das nur mal so in die Runde: Eine CASTLE-Version von Slayer's "Dead Skin Mask" wäre doch höchst interessant, oder?!
Ja, das wäre wirklich interessant. Wir werden mal sehen.


Das Interview führte Siegfried Wehkamp (per Mail).
Juli 2016