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Interview: WOUND

FDA Records haben eine "schlechte" Angewohnheit. Sie bringen gerne zum Anfang eines Jahres eine absolute Hammerscheibe auf den Markt. Wer erinnert sich an die erste Sulphur Aeon (2013) oder die zweite Chapel Of Disease (2015)?! Nun, für das Jahr 2017 sind es definitiv WOUND, die mit ihrem zweiten Album "Engrained" (Review) gezeigt haben, dass sie a) bereits jetzt einen Sprung nach vorne gemacht haben und b) immer noch Luft nach oben haben. Anklopfen und mal nach dem Rechten sehen ist da Pflicht. Drummer Lexow stand Rede und Antwort.


Herzlichen Glückwunsch! Ihr dürftet mit "Engrained" zum erlesenen Kreis der Bands gehören, die auch wirklich Recht haben, wenn sie das neue Album als eine Steigerung zum Vorgänger anpreisen!
Hi, Sigi. Vielen Dank schon einmal vorweg für das Lob und euer Interesse. Selbstverständlich sehen wir "Engrained" mit Blick auf vergangene Releases als Steigerung. Gerade im Hinblick auf Songwriting und Produktion, aber auch in Sachen Besetzung hat sich seit dem Demo in 2012 einiges getan. Auch dass wir das Album fast gänzlich selbst produziert haben und dass wir mit FDA Records ein so starkes Label im Rücken haben, macht uns natürlich sehr stolz.

Ihr habt mit Friederichs einen zweiten Gitarristen an Bord. Kam er erst zum neuen Album dazu oder habt ihr anhand der gespielten Gigs gemerkt, dass es ohne zweite Axt nicht mehr gehen kann/wird?
Friederichs ist jetzt schon seit Sommer 2014 fester Bestandteil der Band. Obwohl er schon im Booklet der Split "Souls Of Eternal Damnation" genannt wurde, ist "Engrained" tatsächlich die erste Veröffentlichung, an der er kreativ mitgearbeitet und aufgenommen hat. Ich denke, das hört man auch. Wir haben auch schon vorher mit anderen Gitarristen experimentiert, aber mit ihm hat es spielerisch und auch persönlich direkt perfekt gepasst. Wenn man sich unsere bisherigen Veröffentlichungen vor "Engrained" anhört, ist zu erkennen, dass auch hier in fast jedem Song diverse Rhythmus-, Lead- und Sologitarren Parts vertreten sind, die wir zu viert auf der Bühne nicht komplett umsetzen konnten. Aufgrund dessen und auch dem Wunsch nach mehr musikalischem Freiräumen war für uns der Einstieg von Friederichs ein großer Fortschritt. Nun sind wir in der Lage, unser Material live besser umzusetzen und haben natürlich auch einen weiteren kreativen Kopf mit viel Banderfahrung gewonnen.

Laut Booklet wurde "Engrained" in diversen Recording-Sessions zwischen Sommer 2015 und Frühling 2016 aufgenommen. Wie geht man bei Session Fünf oder Sechs mit Songs um, die in Session Drei abgeschlossen wurden? Müsst Ihr euch zwingen, diese dann erst mal zu ignorieren, damit man nicht doch noch etwas findet, was man korrigieren möchte?
Tatsächlich war es so, dass die Sessions immer auf ein spezifisches Instrument beschränkt waren. Ich zum Beispiel habe die Drums im Sommer 2015 in zwei Sessions aufgenommen. Darauf folgten dann einige Zeit später die Gitarren und danach der Gesang, auch in jeweils darauf fokussierten Sessions. Der Bass, sowie diverse Interludes und das Outro folgten dann am Ende kurz vor dem Mix. Somit umgingen wir natürlich die Situation, nach jeder Session fixes Songmaterial zu haben und dieses zu analysieren, da das Gesamtpaket jedes Songs erst mit Abschluss der letzten Session zu hören war.
Natürlich war es aber für mich ab einem gewissen Punkt etwas gewöhnungsbedürftig, meine Drum-Spuren im weiteren Verlauf der Produktion nicht nochmal bearbeiten zu können, da diese jetzt mit dem Release schon ca. eineinhalb Jahre alt sind und ich genug Zeit hatte, jeden einzelnen Schlag zu analysieren. Ich denke, allen anderen ging es ähnlich.
Nichtsdestotrotz ist das ja auch das Schöne an so einem Release. Es ist eben irgendwo immer eine Bestandsaufnahme des Moments und des jeweiligen kreativen und technischen Stands. Deshalb haben wir auch wenig bis nichts an den Spuren im Nachgang digital korrigiert, um diese Erfahrung nicht zu verfälschen.

Die Produktion finde ich absolut großartig und sehr passend. War euch im Vorfeld schon bewusst, dass der Weg weg vom HM2-Sound extrem wichtig für das neue Album werden würde?
Zum Punkt HM2 waren wir uns zu Beginn der Aufnahmen noch uneinig. Einerseits war er auf allen Releases vorher zu hören, andererseits hat der HM2 in den letzten Jahren ein solches Revival erfahren, sodass viele Produktionen durch ihn recht uneigenständig klingen. Deshalb entschieden wir uns dafür, die Gitarren durch zwei verschiedene Verzerrer zu spielen, um uns später für das stimmigere Ergebnis entscheiden zu können. Da unser jetzigeres Material wesentlich mehr filigrane Parts und Feinheiten enthält, entschlossen wir uns letztlich den HM2 zurückzufahren. Live werden wir ihn definitiv nicht mehr nutzen.

Nichtsdestotrotz seid ihr eurer Linie mit dem roten Faden der schwedischen Melodie-Führung treu geblieben. Wir erwähnten in unserem Review das Label "No Fashion Records". Gefällt euch der Vergleich?
Die Releases von "No Fashion" haben uns durchaus einige Lebenszeit und Plattenspielernadeln gekostet, ja. Jedoch haben wir uns aber auch nicht obsessiv darum bemüht, Einflüsse dieser Bands umzusetzen.

Und wenn wir schon beim Fan-Talk sind: Welche fünf Alben (oder auch drei) sind der gemeinsame Nenner für Wound?
In erster Linie natürlich "Engrained"…
Aber wenn du wissen willst, was wir uns wohl beim gemeinschaftlichen Zusammensitzen anhören würden, dann vielleicht:
Coven - Witchcraft Destroys Minds & Reaps Souls (1969)
Black Sabbath - Black Sabbath (1970)
Iron Maiden - Iron Maiden (1980)
Bathory - Under The Sign Of The Black Mark (1986)
Agalloch - The Mantle (2002)

Mal nicht so bierernst: Schettler ist ein Kurzhaardackel. Und selbst im Jahr 2017 sind die Metaller, die gerne nach Äußerlichkeiten bewerten und/oder supporten, wohl noch da.
Hattet ihr zumindest bis jetzt mal ein Erlebnis, wo im Nachhinein jemand auf euch zukam und sinngemäß sagte: "Alter, ihr seid ja echt geil! Aber als ich euren Sänger gesehen habe, hatte ich schon wieder Angst vor so 'nem modernen Trigger/Grunz/Quiek-Quark".
Oder Ähnliches?
Bisher ist mir persönlich jetzt nichts Derartiges in Erinnerung geblieben. Jedoch muss man dazu auch sagen, dass bandintern schon mindestens zwei weitere Kurzhaarfrisuren getragen wurden. Ich habe aber auch gehört, dass die Tendenz zu mehr oder weniger gepflegten Bartfrisuren gestiegen ist.

Die obligatorische Frage zum Schluss, aber nicht minder wichtig. Wann darf man "Engrained" auf deutschen Bühnen erleben? Was tut sich an der Live-Front?
Im April ist eine kleine Deutschland Tour mit Decrepid aus England geplant, sowie weitere Konzerte unter anderem mit Morast und Deathrite. Mehr Infos gibt's auf unserer Facebook-Seite.


Das Interview führte Siegfried Wehkamp (per Mail).
Februar 2017