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Interview: CHEROKEE

CHEROKEE mausern derzeit zum Geheimtipp unter Liebhabern des Endsiebziger/Frühachtziger-Rock - ihre aktuelle EP "Wakan Tanka Nici Un" hat auch genügend Argumente dafür. Und selbst der Schreiber dieser Zeilen ist immer noch verblüfft, dass er an der Truppe aus Köln solch einen Narren gefressen hat. Wir klopfen auf digitale Weise an - Gitarrist Simon antwortete. (Bild rechts, beim Gig im MTS Record Store in Oldenburg).

(Foto: Laura Michael)

Die offensichtlichste Veränderung in der Band hat am Mikro stattgefunden. Aber der Reihe nach: Wie tief war für den Moment der Einschnitt, als Kathi ihren Weggang bekannt gab?
Da Kathi schon über eine längere Zeit Probleme mit ihrer Stimme hatte, kam ihre Entscheidung, die Band zu verlassen, nicht unerwartet. Natürlich waren wir erstmal ein wenig aufgeschmissen, aber es war uns sofort klar, dass wir mit der Band weitermachen wollten und haben dann auch einfach weitergemacht mit dem Proben und Songs schreiben. Wir hatten dann ja auch Glück, dass wir doch recht schnell einen mehr als würdigen Ersatz finden konnten.

Mit Laura habt ihr eine mehr als interessante Nachfolgerin gefunden - oder hat sie euch gefunden?
Sie hatte quasi uns "gefunden", nachdem wir auf Facebook bekanntgegeben hatten, dass wir auf der Suche nach einem neuen Sänger oder einer neuen Sängerin sind. Einige aus der Band kannten Laura auch schon flüchtig vorher von diversen Konzerten und Festivals.

Sind die neuen Songs dann mit Laura entstanden oder noch ohne eine Stimme im Hinterkopf?
Ein paar Strukturen waren schon fertig, bevor Laura zur Band kam. Generell läuft unser Songwriting eher so ab, dass die Musik zuerst fertig gestellt wird und wir dann zusammen Gesangsmelodien erarbeiten. Das Feintuning der Songs kann natürlich nur mit dem Vorhandsein des Gesangs stattfinden.

Über die Einflüsse müssen wir wohl kaum sprechen, da die Siebziger und Frühachtziger unüberhörbar sind. Daher mal anders gefragt. Was fasziniert eine solch junge Band wie euch an einer Zeit, die aktuell +/- 40 Jahre zurück liegt?
Ich kann natürlich jetzt nur für mich sprechen, aber ich denke, dass wir uns da gar nicht so viel Gedanken drüber machen. Wir finden die Musik der 70er und 80er einfach geil und lieben deren Sound. Die Ehrlichkeit und Energie dieser Musik sagt uns wahrscheinlich einfach zu.

Es scheint, als würden viele bis alle langjährigen Metal-Extremisten auf einmal ihre Siebziger-Seite ausleben wollen. Black Trip, Dead Kosmonaut, Robert Pehrsson, Dan Swanö schon längst und selbst du hattest mit Speedbreaker bereits eine vergleichsweise rabiate Band am Start. Woran mag diese Entwicklung wohl liegen?
Ich denke, das liegt einfach daran, dass die meisten Leute, die Metal hören und spielen, auch Rock und Hard Rock lieben. Die beiden Genres sind einfach zu sehr verwandt, um eine Zuneigung zu trennen. Für mich persönlich war es aber auch auf jeden Fall das steigende Interesse an Sound und Equipment. Natürlich sind beide Aspekte im Metal auch von großer Bedeutung, jedoch sind im Rock-Bereich die Möglichkeiten noch ein wenig größer und dem Charme von 70er Marshall Verstärkern kann niemand Widerstehen.

Mit "Ridin' Free" hattet ihr einen Song am Start, auf den man beim Erstkontakt immer gerne "The Boys Are Back In Town" trällern wollte - und das will ich jetzt nicht negativ verstanden wissen.
Hat es einen Grund, warum ich bei "Firewater" ein Stückchen "Hell Bent For Leather" höre? Das macht ihr jetzt aber nicht immer so, oder?!
Die Einflüsse anderer Bands, die wir cool finden, wollen wir gar nicht verstecken, auch wenn wir nicht vorgehen und versuchen, einem speziellen Song nachzueifern. Sowas passiert einfach automatisch und wenn man dann seine Lieblingsband wiedererkennt, freut man sich. Der "Firewater" heißt bei uns zum Beispiel einfach "AC/DC-Song" - wir haben da eher "Riff Raff" wiedererkannt, als "Hell Bent For Leather"!
(Dann hätten wir schon zwei Songs in einem - checkt einfach noch mal die Rhythmik im Refrain mit dem Gitarren-Lick am Ende.)

Erkläre uns bitte die Absicht hinter dem Bandnamen zusammen mit den textlichen Themen.
Das Konzept ist eine Hommage an Cher und Winnetou!

Bezogen auf den Bandnamen interessiert uns natürlich brennend - wann kommt das Europe-Cover?
Haha, der Song ist bis jetzt nicht geplant. Aber wir haben etwas anderes in Petto, was besonders dem schwedischen Publikum gefallen könnte.

Der Infozettel eures aktuellen Labels weist auch noch mal werbewirksam darauf hin, daher klinken wir uns auch mit ein. Wie kam es zu deinem Gastauftritt bei ASHBURY auf dem 2017er Keep It True Festival? Konntest du vorab mit den Herren proben?
Ich hatte mit Rob und Randy schon seit einigen Jahren Kontakt, die beiden hatten mir damals geholfen- das Original-Vinyl der "Endless Skies" zu finden. "Endless Skies" zählt zu meinen Lieblingsalben und das wussten die beiden auch die ganze Zeit. Als dann der Gig auf dem KIT anstand, haben sie mich einfach gefragt, ob ich an der Gitarre aushelfen kann, womit natürlich ein Traum für mich in Erfüllung ging. Zeit zum Proben hatten wir nicht wirklich, wir sind am Abend vorher im Hotel einmal den Song durchgegangen, das war natürlich auch etwas ganz Besonderes.

"Wakan Tanka Nici Un" liegt nun als erstes Produkt unter einer Label-Flagge vor und ihr bekommt abermals gute Presse. Wann dürfen wir mit dem ersten vollwertigen Longplayer rechnen?
Wir planen noch diesen Sommer wieder ins Studio zu gehen und ein Album mit neuen und ein paar alten Songs aufzunehmen.


Das Interview führte Siegfried Wehkamp (per Mail).
Juni 2018