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Interview: SLAUGHTERDAY

Die Veröffentlichung der neuen Slaughterday-EP "Abattoir" ist fast einen Monat her, ihr Vinyl-Release steht vor der Tür - der perfekte Zeitpunkt bei den beiden Death Metal Spezialisten aus Ostfriesland mal wieder nach dem Rechten zu sehen. Geantwortet hat uns Gitarrist Jens Finger (Bild re.)

(Foto: Wiebke Reiners)

Herzlichen Glückwunsch zu einer weiteren Runde feinsten Death Metal, die dieses Mal wieder in Form einer EP daher kommt. Wollt ihr den LP/EP-Rhythmus eigentlich beibehalten?
Vielen Dank für das Lob! Eigentlich haben wir aber keinen längerfristigen Plan dabei verfolgt, sondern hatten einfach das Gefühl, dass die Songs so in dieser Form gut zusammen passen und eine Einheit bilden. Die nächste Veröffentlichung wird aber auf jeden Fall ein Full-length Album.

Auffällig ist dieses Mal, dass der Sound nochmals reduzierter klingt. Der Gesang klingt kerniger, die Gitarren knattern mehr (weniger verzerrt?!) als dass sie "sumpfig" klingen - man könnte sagen, es klingt noch echter. Wohin wird diese Reise wohl in Zukunft gehen?
Das ist im Moment noch schwer zu sagen. Die Songs sprechen ja in gewisser Weise zu uns und fordern ein gewisses Soundbild ein. Natürlich ist das auch immer ein Stück weit Resultat einer momentanen Stimmung. Wir hatten das Gefühl, dass diese Songs eben einen eher erdigen, weniger breiten Sound benötigten. Es ist vielleicht auch ein bisschen unsere Reaktion auf den verhallten Okkult-Death Metal, der mancherorts so abgefeiert wird. Natürlich wollen wir uns auch nicht eins zu eins wiederholen, von Veröffentlichung zu Veröffentlichung. Uns ist auch wichtig, dass die Hörer zwar sagen, dass das eindeutig Slaughterday sind, aber eben auch das Album erkennen können, auch wenn die Unterschiede manchmal nur Nuancen im Songwriting oder eben beim Sound sind. Bislang haben wir bei jeder Aufnahme immer Kleinigkeiten anders als zuvor gemacht, z.B. einen anderen Verstärker, andere Gitarren, andere Snare usw. Bei "Abattoir" haben wir z.B. eine dritte Rhythmusgitarre mit völlig anderem Sound aufgenommen.

Reduziert den Sound aber bitte nicht so stark, dass nachher ein Retro/Hard Rock-Projekt dabei heraus kommt. Derzeit muss offensichtlich jeder zweite Extrem Metaller auch solch ein Ding am Start haben.
Das wird nicht passieren. Aus Musikersicht kann ich aber absolut nachvollziehen, dass man sich auch in anderen Stilrichtungen verwirklichen möchte. Das machen Bernd und ich auch, allerdings würde dies niemals unter dem Banner Slaughterday laufen. Große Stilwechsel wird es bei uns nicht geben, sondern lediglich leichte Verschiebungen in die eine oder andere Richtung.

In unserem ersten Interview unterstellte ich Euch, dass Ihr keine Doom-Songs schreiben könntet, da Ihr aus dem Bereich nur covert. Seitdem sprechen "Plunging To Megadeath" und "Grails Mysteries" dagegen, "Victim Of The Insane" wieder dafür und die fiesen Schlurf-Parts in "Phantasmal Death" kündigen vielleicht (?) doomig Großes aus dem Hause Slaughterday an?
Hehe, da kannst du mal sehen, wie wir uns das zu Herzen genommen haben! Tatsächlich fiel es uns wirklich eine Zeit lang schwer, langsame Songs zu schreiben, aber es ist nun auch nicht so, dass wir uns hinsetzen und sagen "jetzt schreiben wir mal einen langsamen Song!". Das passiert eher spontan. Man hört ja mal mehr Doom, mal mehr klassischen Heavy Metal, mal nur Geballer. Das ist bei mir jedenfalls so. Im Moment höre ich fast nur Maiden und Priest … und natürlich Autopsy! Das hat natürlich auch Einfluss auf das Songwriting. Uns gefallen die langsamen, schleppenden Parts mit fiesen Melodien im Moment ganz gut, aber dennoch darf in keinem Song die Dynamik fehlen. Die Tempowechsel und die unerwarteten Twists machen einen Song ja erst interessant. Derweil dürfen der Wiedererkennungswert und die Eingängigkeit natürlich nicht auf der Strecke bleiben, das ist die Schwierigkeit dabei.

Eine Woche vor dem Release der "Abattoir"-EP, habt Ihr fast unbemerkt eine 7"-Split mit der Phantom Corporation in die Welt gesetzt.
Wieso? Wer sind Phantom Corporation? Und warum hätte Euer, dieser eine Song namens "Severed Funeral" (…) nicht auf eines eurer eigentlichen Releases gepasst?
Der Song war bereits im Sommer 2017 im Kasten und war nicht etwa ein Song, der einfach "über" war o.ä., sondern wir haben für diesen einen Song extra das Studio gebucht. Der Veröffentlichungszeitpunkt war aber leider sehr ungünstig und auch ursprünglich anders geplant. Die 7" sollte eigentlich bereits im November erscheinen, das Veröffentlichungsdatum hat sich aber aufgrund von Dingen, die nicht in unserer Verantwortung lagen und auf die ich an dieser Stelle nicht näher eingehen möchte, verschoben.
Es gibt vor allem zwei Gründe für diese Split: Zum einen haben wir noch nie zuvor etwas in dieser Art gemacht und zum anderen sind Arne und Mücke halt Kumpels von uns. Wir haben die Aktivitäten der Band von Anfang an verfolgt und mögen auch ihren Sound. Außerdem ist meines Erachtens gerade die Kombination zweier Bands unterschiedlicher Stilrichtungen interessant.

Ebenfalls vor dem Release der EP habt Ihr den Weggang Eurer kompletten Live-Mannschaft bekannt gegeben. Wie kam es dazu und wie ist der aktuelle Stand der Dinge?
Die Jungs haben uns wirklich wunderbar unterstützt in der Vergangenheit und wir sind ihnen sehr dankbar dafür. Wir hatten einige tolle gemeinsame Erlebnisse wie z.B. das Summer Breeze oder das Braincrusher Festival, es war aber schlichtweg Zeit für Veränderung, was eigentlich alle Beteiligten so gesehen haben.

Wer Euch kennt, weiß, dass keine wirkliche Eile geboten ist, wenn es um die nächsten Aktivitäten geht. Ziele dürften sein: neue Live-Mannschaft und neues Album. Gibt es abseits dessen aber vielleicht noch das eine oder andere Ziel, was Ihr noch erreichen möchtet?
Das nächste Album wird natürlich noch etwas dauern, wir schreiben aber bereits fleißig Songs. Eine neue Live-Mannschaft haben wir bereits gefunden und ist genau heute von uns bekannt gegeben worden. Also bleiben als Ziele nur noch der Weltfrieden und möglichst viele Konzerte auf Festivals mit unseren Helden, sodass wir unser Fanboy-Dasein befriedigen können.


Das Interview führte Siegfried Wehkamp (per Mail).
Juni 2018