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Interview: VANHELGD

Beim schwedischen Death/Black/Doom-Geschwader VANHELGD hat man seit ihren dritten Album "Relics Of Sulphur Salvation" das Gefühl, sie würden sich hinterrücks nach und nach in die Hirne der Fans hineinfräsen. Mit ihrem neuesten Ungetüm namens "Deimos Sanktuarium" (Album Nr. 5), dürfte der Name VANHLEGD nun wirklich nicht mehr aus der Szene wegzudenken sein. Wir baten Gitarrist/Sänger/Coverartist Mattias Frisk (u.a. Ghost - im Bild rechts) abermals um ein paar Antworten.

(Foto: Henrik Stolt)

Mattias, herzlichen Glückwunsch zu einem abermals heraus agenden Album. Wenn "Temple Of Phobos" den Leuten nicht gezeigt hat, dass man VANHELGD nicht unterschätzen darf, dann aber "Deimos Sanktuarium". Würdest du vom aktuellen Höhepunkt der Band sprechen?
Vielen Dank! Schwer zu sagen, ob es der Höhepunkt ist. Für uns als Band wurden wir mit jedem Release besser, haben mit jeder Aufnahme etwas mehr gelernt. Trotzdem schauen wir manchmal auf die älteren Songs und fragen uns, "wie zur Hölle haben wir denn dieses Album geschrieben? Dieses Mal haben wir ja nichts, was so gut ist, wie auf dem Vorgänger.". Ich denke, ein Album muss einfach "sitzen". Ich persönlich gehe durch eine große Bandbreite an Emotionen vor einem neuen Album: von Aufregung, über Verzweiflung, zu Reue, zum "es ist okay"-Gedanken, bis zu echtem Unwohlsein und dann zurück zur Sympathie für den Song, wenn es an die Rehearsals für anstehende Shows geht.

In unserem letzten Interview erwähntest du, dass eure Musik besser auf CD als auf der Bühne funktioniert. Komponiert man mit diesem "Wissen" anders? Ergeben sich dadurch vielleicht Möglichkeiten, die Songs in andere "off stage"-Territorien zu führen?
Wir schreiben die Songs wie immer, in einer sehr organischen Art. Wir sammeln Riffs und Ideen, testen sie aus verschiedenen Blickwinkeln und formen so die Songs daraus. Fast alles entsteht bei den Rehearsals, wir machen keine Demos zu Hause. Wir arbeiten viel mit Atmosphäre und dem Bauchgefühl. Das Ergebnis sind eben Songs, die nicht zwingend auf die Bühne passen oder in einer typischen Setlist funktionieren. Ich denke immer noch, unsere Musik funktioniert am besten im Album-Format, an einem verregneten Tag, im Zug oder im Bus während man durch düstere schwedische Landschaften im November reist (faszinierende Vorstellung). Auf der Bühne hat man andere Umstände. Es mag wohl sehr "Anti Rock 'n Roll" sein, aber meine persönliche Meinung ist, dass eben nicht jede Musik für die Bühne gemacht ist. Im Umkehrschluss habe ich aber auch Spaß an Bands, wenn sie live spielen, während sie auf CD völlig uninteressant für mich sind.

Vergib mir, dass ich eure ersten beiden Alben immer noch nicht kenne, aber es gibt auch Fans, die "Deimos Sanktuarium" für euer drittes Album halten. Was kannst du uns über die Entwicklung sagen, speziell zwischen den ersten beiden und den letzten drei Alben?
Nun, in elf Jahren ist viel passiert, aber irgendwie auch viel gleich geblieben. Vom ersten Tag an ging es bei Vanhelgd um den Ausdruck und den kreativen Prozess. Das erste Album "The Cult Lazarus" wurde in weniger als einem Jahr geschrieben und aufgenommen - wenn ich das noch richtig in Erinnerung habe. Als es im Dezember 2008 veröffentlicht wurde, gab es die Band gerade mal ein Jahr. Wir hatten noch nicht begonnen wirklich zu verstehen, was die Band wirklich ausmacht, bis nach den Aufnahmen zum dritten Album "Relics Of Sulphur Salvation" 2013 oder 2014. Die Hälfte dieses Albums hat schon mehr von "Temple Of Phobos" oder "Deimos Sanktuarium", während die andere Hälfte noch Gemeinsamkeiten mit unserem zweiten Album "Church Of Death" hat. Wenn ich jetzt unsere Diskografie betrachte, sind die ersten beiden schon recht basischer Death Metal mit ein paar Songs, die vielleicht auch zu den anderen drei gepasst hätten. Die letzten drei sind nicht hundertprozentig gleich, aber miteinander verbunden, quasi verschiedene Aspekte der selben Sache. Ich sehe jedes von ihnen als Ecke eines Dreiecks.

Und diese "gleiche" Mixtur der letzten drei Alben funktioniert auch genau so richtig gut, dass eine Art "Upgrade" irgendwie undenkbar wäre.
Aber nur mal ein Gedanke - würde z.B. ein simpler Thrash-Beat (wie Slayer, Massacre, Death) die einzigartige Vanhelgd-Atmosphäre zerstören?
Der Sound basiert auf nahezu den gleichen Pedalen und Verstärkern und ebenso dem Aufnahmeequipment des gleichen Mannes - Joona Hassinen vom Studio Underjord. Meiner Meinung nach sind nur die Mixe unterschiedlich. "Relics …" ist sehr komprimiert und brutal, "Temple …" ist düster und gedämpft. Für "Deimos …" wollten wir uns genau dazwischen einfinden, zeitgleich aber auch den Versuch machen, das Mischen Tore Stjerna von den Necromorbus Studios überlassen. Dort wurden die beiden Vorgänger schon gemastert. Wir fühlten eine gewisse Taubheit gegenüber dem Mix, als wir noch an einem Ort aufgenommen und gemischt haben.
Was den Beat angeht - bei den Drums bin ich immer sehr wählerisch. Ich halte das Schlagzeug für sehr, sehr wichtig in Bezug auf den emotionalen Einschlag eines Riffs oder sogar eines Songs. Da wir hauptsächlich eine allumfassende Atmosphäre kreieren wollen, passen manche Beats sehr gut und andere sind mitunter sehr schwer unterzubringen. Ich kann mich täuschen, aber ich meine, wir hatten mal solche Old School Death Beats auf "Cult Of Lazarus"

Erneut hören wir drei Songs in deiner Muttersprache. Wäre ein ganzes Album auf Schwedisch nicht mal eine Option?
Ja, das würde ich gerne mal machen. Aber da wir die Sprache immer nach dem Gesamtfeeling des jeweiligen Songs aussuchen, kommt so die Mischung auf den Alben zustande.

Beim neuen Album (wie auch beim Debüt) gibt keinen reellen Titelsong. Nur das Wort "Deimos" taucht im Song „Här finns ingen nåd“ auf. Gibt es ein textliches Konzept, welches sich von den Vorgängeralben unterscheidet?
"Deimos" taucht auch in "Profaned Is The Blood Of The Covenant" auf (Was? Und ich habe so aufmerksam das Booklet studiert …), und ich glaube, dieser Titel stand sogar als Albumtitel zur Debatte. Die Texte behandeln ziemlich die gleichen Themen wie auf "Temple Of Phobos". Verzweiflung, Niederlage, Hoffnungslosigkeit und Rebellion. Phobos und Deimos sind Zwillinge aus der griechischen Mythologie, die Söhne des Kriegsgottes Ares.

Ich hoffe ja, dass ihr die weiße Einrahmung der Coverartworks für immer beibehaltet. Dadurch sind die weißen Stirnseiten im CD-Regal natürlich noch auffälliger. Hast du schon mal an ein Re-Release der ersten beiden Alben gedacht, um dann das Cover dementsprechend zu erneuern?
Oh ja! Und ich bin immer noch sauer auf mich selbst, dass ich den weißen Rahmen nicht schon bei "Church Of Death" gemacht habe (Offensichtlich! Dasselbe hat er bereits im letzten Interview gesagt.) Das Layout ist ja quasi das gleiche, aber irgendwie funktionierte das seinerzeit in schwarz besser für mich.

Ihr habt jetzt drei Alben bei Pulverised Records veröffentlicht und seid auf einigen Bühnen zu sehen gewesen, was euch definitiv mehr Aufmerksamkeit eingebracht hat. Wird die Zusammenarbeit fortgeführt oder haben vielleicht schon größere Labels an eure Tür geklopft?
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Wirklich! Mehr als einen Strich bekamen wir als Antwort nicht zurück. Ist aber auch irgendwie sympathisch. Warten wir also ab, wann, wo und wie wir Vanhelgd wieder sehen/hören.


Das Interview führte Siegfried Wehkamp per Mail.
November 2018