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Festival: HELLFLAME - 02.09.2006

Location: Eventcenter B51, Georgsmarienhütte


Jesses, 14:30 Uhr ist eine verdammt unchristliche Zeit, um solch einen hochkarätigen Bolz-Abend zu beginnen. Dementsprechend trudele ich auch gute 20 Minuten zu spät ein, nur um festzustellen, dass man sich ADVERSUS echt hätte sparen können. Sämtliche Musiker - darunter sogar Geige, Kontrabass und gleich zwei Heulbojen - in Schwarz, Lautstärke wie mein Radio und in deutsch vorgetragene, völlig gesichtslose Songs irgendwo zwischen Mittelalter-Goth-Rock und Haggard mit weniger Klassik, die niemanden vom Hocker reißen. Sorry, aber die Band ist zur falschen Zeit am falschen Ort.

Könnte man von 1349 auch denken, da sie mit ihrem hochtechnischen und fiesen Black Metal für Nicht-Kenner verdammt anstrengend sind. Und dass das Licht noch durch die Oberlichter reinkommt, ist auch nicht dienlicher. Die ersten Reihen stört das herzlich wenig und es wird am späten Nachmittag schon gut abgegangen zu Perlen wie "Nathicana", "Chasing Dragons" oder "I Am Abomination", die allesamt ultra-präzise dargeboten werden. Ein kleinerer Club und weniger Licht, dann wäre es ein Hammer geworden.

Setlist - 1349
Hellfire - live Intro
Hellfire - live Song
Riders Of The Apocalypse
Nathicana
Necronathalaheten
Chasing Dragons
Satanic Propaganda
I Am Abomination
Sculptor Of Flesh
Slaves To Slaughter
Hellfire - live Outro

NECROPHOBIC dürfen sich dann als nächstes beweisen. Die Klasse der Band ist unumstritten, hört man dies doch besonders beim Abschlusstrack "The Nocurnal Silence". Das Publikum gibt zwar guten Applaus, ist aber im Schnitt etwas inaktiver als bei 1349. Liegt's am Sänger, der gemessen am Sound mir nicht böse genug erscheint? Hm, druckvoll und sauber gespielt wird die Stunde allemal.

Bei WINTERSUN werden dann nicht nur Geschwindigkeit und Melodienreichtum nach oben geschraubt, nein, auch das Publikum wird endlich wacher. Die Band zeigt sich um einiges agiler und souveräner als noch auf dem W:O:A (was wohl auch an der kleineren Bühne liegt) und setzt der Meute die gleiche Setlist vor. Die nimmt dankend an, singt, schunkelt und bangt, dass es die helle Freude ist. Genau - Freude. Wintersun machen einfach Spaß und haben auch eben solchen. Allen voran Drummer Kai Hatho, dem selbst bei den wahnwitzigsten Passagen das Lachen nicht vergeht und der sich selbst über seine improvisierten Fills und Breaks freut wie ein Honigkuchenpferd. Ein würdiger Support für die kommende Amon Amarth-Tour.

Und dann gab es endlich amtlichen Death Metal in Form von GOD DETHRONED. Klassische Headbanger-Hymnen für ein klassisches Headbanger-Publikum - keine Pits, nur bangende Köpfe - geil! Der Sound ist phänomenal und Frontmann Henry Sattler schreit seinen Fans einen Hit nach dem anderen entgegen. Und neben "Nihilism", "Boiling Blood" oder "Serpent King" gibt man uns mit "Hating Life" noch einen vorzüglichen Vorgeschmack auf das neue Ende Oktober erscheinende Album "The Toxic Touch". Das wird ein Fest und der Gig ist auch einer. Sieg auf ganzer Linie.

Setlist - God Dethroned
Nihilism
Boiling Blood
The Warcult
Soul Sweeper
Villa Vampiria
The Art Of Immolation
Arch Enemy Spain
Serpent King
Sigma Enigma
Hating Life
The Tombstone

Da zwischendurch auch mal eine längere Pause sein muss, komme ich erst zu "The Hangman Of Prague" bei MARDUK an. Aber was ist hier los? Die zweiten Schwarz/Weiß-Gesichter des Abends (nach 1349) ballern sich souverän durch ihre meist pfeilschnellen Black Metal-Granaten, die Halle ist gut gefüllt, doch 90% sind eher tatenlos. Auffällig ist, dass man die Boshaftigkeit der Songs nicht so ganz in persona ausdrückt, sondern sich auf Grummel-Intros vor fast jedem Song verlässt. Ist nicht gerade stimmungsdienlich, passt aber zur blasphemischen Einstellung der Band. Schön ist auf jeden Fall, dass Marduk auch langsamere Songs wie "Funeral Bitch" zum Besten geben. Wie auf Knopfdruck fliegen dann auch gleich die Haare vor der Bühne. So geht's.

Schnell, langsam, groovig - bei UNLEASHED ist das sowas von egal. Nachdem es auch draußen richtig dunkel ist, ist "Winterland" der perfekte Einstieg. Unleashed sind heute die logische Steigerung zu God Dethroned. Fronthüne Jonny ist noch sympathischer, der Sound ist noch besser, die Band hat noch mehr Hits im Gepäck und verzeichnet sogar die ersten Sprechchöre des Abends. Der "Death Metal Victory" wird dann in vollkommener Eintracht mitgeschrien. Die Band präsentiert sich wie gewohnt nahezu perfekt. Nur "nahezu" bei Unleashed? Jipp, da Drummer Anders leider im Krankenhaus verweilt, greift die Band auf einen "ein-Abend-Ersatz" zurück, der sich trotz einer Spitzenleistung zwei-/dreimal auffällig verspielt. Aber nix für ungut. Unleashed waren auch schon vor Beginn des Festivals der heimliche Headliner.

Setlist - Unleashed
Winterland
To Asgaard We Fly
Don't Want To Be Born
Death Metal Victory
Victims Of War
Into Glory Ride
The Longships Are Coming
Destruction (Of The Race Of Men)
Never Ending Hate
In The Name Of God
Before The Creation Of Time

Und für mich sogar der offizielle, da ich leider aufgrund eines kleines Notfalls die Segel streichen muss und somit leider die holländischen Death Metal-Urväter GOREFEST nicht sehen kann. Schade, aber nicht tragisch. Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass die Jungs trotz ihrer Klasse diesen Tag (über sechs Stunden extremer Metal auf hohem Niveau) noch mal toppen können. Sorry, das nächste Mal halt.


Text: Siegfried Wehkamp