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Konzert: NAPALM DEATH - 26.10.2006 - Bremen

Location: Schlachthof
Support: Born from Pain, Mendeed


Ein Hardcore/Grindcore/Death Metal-Konzert der ganz besonderen Sorte steht heute auf dem Programm. Napalm Death, Born From Pain und Mendeed gaben sich im Bremer Schlachthof die Ehre. Eigentlich hätte ich krankheitsbedingt das Bett heute gar nicht verlassen dürfen, aber kann man sich sowas entgehen lassen? Natürlich nicht. Also: Ziemlich angeschlagen geht's für mich auf nach Bremen.

Da zum Zeitpunkt des Konzertes immer noch der Bremer Freimarkt (eine Art Oktoberfest) stattfindet und der Schlachthof natürlich auf genau dem gleichen Gelände steht, erweist sich die Parkplatzsuche als unerwartet grosses Problem. Der Fussmarsch vom Auto bis zum Schlachthof ist somit wesentlich länger, als erwartet.
Kurz vor dem offiziellem Einlass am Schlachthof angekommen, stelle ich dann erstmal fest, dass sich bis jetzt keine 20 Leute eingefunden haben. Und das bei dem heutigen Hammerbilling? Unvorstellbar.

Und auch eine Stunde später, kurz vor dem Auftritt der aus Glasgow/Schottland stammenden MENDEED sieht es im Schlachthof nicht wirklich besser aus. Keine 50 Leute, die sich auch noch zumeist biertrinkender- und sitzenderweise das Geschehen von den Tribünen aus anschauen.
Ich persönlich habe mich am heutigen Abend auf Mendeed eigentlich am meisten gefreut, denn diese moderne Mischung aus klassischen Heavy Metal, Thrash und Hardcore trifft momentan genau meinen Geschmack. Nach dem Intro geht das geht's dann auf gleich Schlag auf Schlag los. Mit einem gebrüllten "Holocaust!" und dem dazugehörigen Titel "Beneath A Burning Sky" legen die fünf Schotten mächtig los. Die Band um Sänger/Shouter David Proctor macht am heutigen Abend sicherlich rein gar nichts falsch, der Sound ist wirklich gut, wenngleich auch ein wenig leise und in den zur Verfügung stehenden 30 Minuten präsentiert das Quintett einen guten Querschnitt des Debütalbums "This War Will Last Forever". Leider ist die Stimmung annähernd bei Null, was aber, wie schon erwähnt, wohl hauptsächlich am allgemeinen Desinteresse und nicht an der Qualität der Band liegt.

Mendeed

Das Desinteresse scheint sich nun jedoch schneller als erwartet zu ändern, denn bevor BORN FROM PAIN - die spätestens seit ihrer 2005er Scheibe "In Love With The End" in der Szene ganz weit oben mitspielen - die Bühne betreten werden, wird es erheblich voller im Schlachthof. Die Reihen vor der Bühne und auch die Ränge füllen sich langsam aber stetig.
Die Niederländer zünden in den nun folgenden gut 35 Minuten eine wahres Hardcore-Feuerwerk ab und präsentierten auch schon Songs vom demnächst erscheinenden Album "War".
Da der Anteil der Hardcore-Fans vor der Bühne recht hoch ist und man aufgrund des doch recht eigenwilligen "Tanz"-Stils dieser Leute doch ein klein wenig Angst um seine Gesundheit haben muss, ist erstmal so etwas ein kleiner Rückzug in Richtung Theke angesagt.

Born From Pain

Zu diesem Zeitpunkt füll sich der Schlachhof mehr und mehr. Unbegreiflich, woher die ganzen Massen jetzt noch kommen. Anscheinend will der Großteil der heutigen Gäste sowieso nur Napalm Death sehen.

Kurz vor 22 Uhr - NAPALM DEATH betreten die Bühne und zum ersten Mal ist am heutigen Abend so etwas wie richtige Stimmung im Bremer Schlachthof zu vernehmen.
Die Engländer geben von Anfang an Vollgas und walzen mit ihrem brachial-brutalen Sound alles einfach alles nieder. Zeit zum Verschnaufen gibt es kaum, denn die meisten Songs der Band sind ohnehin nicht gerade für ihre Länge bekannt - vieles bewegt sich deutlich unter der 3-Minuten-Marke. Kurze Pause - ein hastiger Schluck Wasser aus der Flasche für Sänger Mark "Barney" Greenway - und weiter geht's, alles natürlich ohne Rücksicht auf Verluste.
Das Publikum scheint von Song zu Song immer mehr auszurasten ... da es im Schlachthof keine Absperrung vor der Bühne gibt, wurde eben genau diese immer häufiger ein beliebtes "Ausflugsziel" einiger Fans aus den ersten Reihen, die sich todesmutig - und das meine ich jetzt wörtlich - ins Publikum stürzen. Todesmutig deshalb, weil es anscheinend völlig egal war, ob an der Stelle des geplanten Aufpralls irgendjemand steht oder nicht - nicht selten war erst der harte Hallenboden die Endstation des kurzen Fluges. Autsch!
Neben Songs vom neuen Album, wie "When All Is Said And Done", "fast-schon-Klassikern" neueren Datums wie "The Code Is Red ... Long Live The Code" oder Uralt-Klassikern der Sorte "Scum" - das Publikum feiert jeden, aber auch wirklich jeden Song, als wäre es der letzte am heutigen Abend.

Leider kommt das Ende dann auch deutlich früher als erwartet. Nach weniger als einer Stunde ist vorerst Schluss. Doch die Stimmung im Schlachthof kocht über und die Band lässt dementsprechnend auch nicht lange auf sich warten, um mit den beiden Zugaben "Nazi Punks Fuck Off" (!) und "Siege Of Power" nochmal alles zu geben.

Auch wenn ich die Spielzeiten aller drei Bands für ein wenig kurz hielt, aber speziell Napalm Death, die bisher (noch) nicht zu meinen engeren Favouriten zählten, haben nicht nur bei mir einen mehr als bleibenden Eindruck hinterlassen. Ein wirklich fantastisches und großartiges Konzert und sicherlich auch eins der intensivsten der letzten Zeit.

Napalm Death

Text & Fotos: Marco Zimmer