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Festival: ROCK HARD - 02.-04.06.2006

Location: Amphitheater, Gelsenkirchen


Da wir bei der vierten Auflage des Rock Hard Festivals nur rein privat vor Ort waren, beschränken wir uns im Folgenden lediglich auf ein paar Eindrücke von den Bands, die wir gesehen haben.

Freitag, 02. Juni

Die Dänen von MERCENARY erfreuen sich seit ihrem letzten Album "11 Dreams" immer größerer Beliebtheit. Von Anfang an geben die Jungs mit ihrem neuen Bassisten/Co-Sänger René Pedersen richtig Gas. Das Stageacting kommt trotz der vielen Touren (u.a. mit Brainstorm und Nevermore) immer noch unverbraucht rüber und die Band ist gut aufeinander eingespielt. Und wenn Sänger Mikkel beim Mini-Hit "Firesoul" zu den ganz hohen Tönen ausholt, glauben einige sogar, einen frühen Warrel Dane zu hören. Ein Goldkehlchen mit einem guten Draht zur Menge, die es ihm und der Band mit steigendem Feedback dankt. Als Bonbon gibt es dann noch einen neuen Song vom am 18. August erscheinenden Albums "The Hours That Remains". Sehr vielversprechend! Wer die Jungs bis jetzt noch nicht auf dem Schirm hat, sollte sich verdammt nochmal sputen.

Unsere schwedischen Spaßmacher sind eine der geilsten Live-Acts auf diesem Erdball und verdienen zu Recht die Pole am Freitag. Mit neuem Drummer werfen MORGANA LEFAY ihr klischeefreies Headbangerfutter gleich massenweise in die Menge. Ob nun "Save Our Souls", "Maleficium" oder "Angels Deceit". Jeder Song ist Öl im Feuer der feiernden Fans. Und als die Jungs nach einer Stunde die Bühne verlassen, sind einige doch recht perplex, da die Band wohl ihren größten Hit "The Boone He Gives" vergessen hat. Pustekuchen - den gibt's noch als Zugabe. Spiel, Satz und Sieg für die Bollnäs-Barden.

Samstag, 03. Juni

Nach den überragenden Rezensionen des Debütalbums "Malevolent Rapture", das Anfang 2006 erschienen ist, war ich natürlich sehr gespannt, ob und wie LEGION OF THE DAMNED diese gigantische Death-/Thrash-Walze live werden umgesetzt werden können. Und das Quartett aus den Niederlanden machte gleich mit dem Opener "Werewolf Corpse" (sicherlich einer der stärksten Songs vom Album) deutlich, wo es lang geht. Was für eine Granate in den für mich doch noch recht frühen Mittagsstunden. Kaum eine andere Band versteht es momentan so perfekt, Death Metal mit modernem Teutonen-Thrash à la Kreator zu vermischen. Nicht nur Songs wie "Legion Of The Damned" oder das ein wenig an Six Feet Under erinnernde Midtempo-Stück "Into The Eye Of The Storm" werden mit einer solchen Präzision und Spielfreude vorgetragen, dass der Auftritt leider viel zu schnell zu Ende geht. Aber was will man auch erwarten? Erst ein einziges Album, zehn Songs, 40 min. - mehr ist momentan (noch) nicht drin.

PRIMORDIAL sind schon immer Exoten gewesen. Doch in Gelsenkirchen fällt es auf. Man kann mühelos in die dritte Reihe spazieren und hat noch Platz. Sehr merkwürdig. Dafür bekommt man als Fan aber direkt die unglaublich authentische Bühnenpräsenz von Sänger Alan A. Nemtheanga zu spüren, der immer wieder das Publikum animiert und seine Zeilen mit ungeheurer Inbrunst und Leidenschaft intoniert. Der Blick-Magnet schlechthin. Die Songauswahl ist zeitgemäß (vier von sechs Songs vom aktuellen Album) und beim abschließenden Überhit "Gods To The Godless" ist man fast den Tränen nah. Ein starker Auftritt vor einem teils beeindruckten/teils ratlosen Publikum.

Treffender hätte es CALIBAN-Frontmann Andy Dörner nicht formulieren können: "Wir sind hier auf dem Festival sowas wie die Paradiesvögel." Recht hat er. Mit Metalcore haben halt immer noch so ein paar ... nennen wir sie mal "Scheuklappen-Metaller" ihre Problemchen und auch während des Auftrittes der (fast) Lokalmatadore aus Essen, konnte man wieder die unterschiedlichsten Gesichtsausdrücke im Publikum wahrnehmen. Egal, ich war jedenfalls defintiv nicht der einzige, der einen Mordsspaß während des Auftrittes hatte. Angekündigt als "Deutschlands erfolgreichster Metalcore-Act" zeigten Caliban auch gleich von Beginn an, warum das so ist. "I Rape Myself" oder auch "It's Our Burden To Bleed" verbinden mehr als geschickt die Elemente "moderne Härte" und "Melodie" und der Wechsel zwischen Andy Dörner's "Grunzen und Keifen" und den clean Vocals von Gitarrist Denis Schmidt sorgen noch zusätzlich für die nötige Abwechslung. Toller Auftritt, viel Material vom aktuellem Album "The Undying Darkness" und einer der Höhepunkte war sicherlich wieder einmal "The Beloved And The Hatred" vom 2004er Album "The Opposite From Within". Und mit dem fast schon obligatorischen Rausschmeisser-Song "Goodbye" ging dann auch dieser Caliban-Auftritt zu Ende.

Auch wenn mir der Sound der Schwaben manchmal etwas zu teutonisch ist, schaue ich mir BRAINSTORM immer mal wieder gerne an. Primäres Argument dafür ist Sänger Andy B. Franck, den ich persönlich zu den deutschen Top 5-Frontmännern zähle (wenn nicht sogar Top 3). Eine erfrischend sympathische Ausstrahlung, nie aufgesetzt wirkend, immer in Bewegung und mit einer superben Stimme gesegnet. Power-Metal-Hymnen wie "Blind Suffering", "All Those Words" oder "Hollow Hideaway" taten da ihr Übriges, um die Stimmung zum Kochen zu bringen.
Auch als Nicht-Brainstorm-Gelehrter gebe ich zu, dass die Jungs irre wichtig in der deutschen Szene sind und die Verbindung zwischen Band und Publikum fast schon herzlich ist. Vielleicht gerade deshalb gab es dann auch noch einen amtlichen Heiratsantrag eines Fans, der unter stürmischem Beifall von seiner Holden angenommen wurde. Und als Brainstorm weiter donnerten, sah man die baldigen Eheleute sich abseits der Bühne in den Armen liegen. Jipp, das war verdammt echt! Viel Glück Euch beiden!

Irgendetwas ist ja immer. 2003 war der Sound bescheiden und nun fehlt der zweite Gitarrist Steve Smyth wegen akuter gesundheitlicher Probleme. Ist natürlich ganz schön bitter, aber NEVERMORE ziehen ihren Gig trotzdem gewohnt souverän und energiegeladen durch. Zu viert klingen sie irgendwie kerniger, fast schon rockig. Seit Warrel Dane dem Alkohol abgeschworen hat, ist er gesanglich wieder unschlagbar und Jeff Loomis ist einer der unterbewertesten Sechssaiter auf diesem Erdball. Bei der Songauswahl können die Herren gar nichts verkehrt machen. Den "Godless Endeavor"-Opener "Born" als Rausschmeißer zu bringen, ist definitiv mal was Anderes. Die Fans fressen den Seattle-Jungs aus der Hand. Nur ein paar Nostalgiker warten leider vergebens auf einen Ausflug zur "Sanctuary"-Phase. Die entsprechenden Shirts beim offiziellen Merchandising-Stand ließen ja hoffen. Aber die Zukunft gehört seit über zehn Jahren nun mal Nevermore und Gelsenkirchen kann sich trotz der Umstände locker in der Live-Glanztaten der Band einreihen.

Was sollte das denn gewesen sein?! Das war die Special-Show mit viel Brimborium?! Okay, der Reihe nach und mal ganz objektiv. SODOM gehören zu den wichtigsten Vertreten deutschmetallischen Gutes. Musikalisch sind sie erste Sahne und knallen auf der Bühne richtig gut. Tatsache ist, dass man als Trio auf einer größeren Bühne nicht gerade ein Hingucker ist. Egal. Hits haben die Jungs eh en masse geschrieben und die Wichtigsten waren auch hier in Mixtur mit viel neuem Material vorhanden. Soweit die Fakten.
Aber sollte es nicht ein spezieller Jubiläumsgig (zehn Jahre im aktuellen Line-Up) werden? Die groß angekündigte Pyro-Show hat man wohl vergessen. Klar, es hat mal geknallt und gefunkt, aber die Werbung war größer als der Pyro-Radau selbst. Und Randalica als Special Guest, weil Sodom's Bobby und Bernemann da mal gespielt haben?! Die Bedeutung der Band ist unumstritten und will ich auch nicht wegreden. Die Party war gut. Aber um es auf den Punkt zu bringen: Sodom waren sehr gut, Randalica waren kurzweilig erheiternd, die Pyros waren nett anzusehen. Aber das Ganze unter einer "Sodom Special Show" laufen zu lassen ... irgendwie passte das nicht ganz zusammen.

Ein BOLT THROWER-Auftritt ist nicht schlecht. Basta! "IVth Crusade" als Opener macht keine Gefangenen. Jeder weitere Song ist wie ein alles nieder walzender Panzer. Der Sound drückt einem jede noch so tiefe Falte aus dem Gesicht und Bolt Thrower machen wie immer (man muss es fast so sagen) klar, wer hier der amtierende "War Master" ist. Wer hier seinen Kopf noch stillhalten kann, dem ist einfach nicht mehr zu helfen. Death Metal at its very best!

Wer nicht da war, hat es trotzdem wohl vernommen. Die Schweizer CELTIC FROST konnten aufgrund einer akuten Nierenkolik von Frontmann Tom G. Warrior nicht auftreten. Schöne Kacke! Aber die Festivalleitung hat unter tatkräftiger Mithilfe einiger anwesenden Bands das Beste aus der Sache gemacht. Gemäß Ansage von Rock Hard-Chefdenker Götz Kühnemund treten Nevermore, Brainstorm, Soilwork und Sodom für ein paar Songs auf die Bretter.
Nevermore schenken uns noch "Inside Four Walls" (mit Björn Strid von Soilwork als Gastsänger), "Never Purify" und "Dead Heart In A Dead World". Das reicht; um in die Falle zu hopsen. Denn durch den Wetterumschwung (Regen zwischen Sodom und Bolt Thrower) wurde es doch zunehmend ungemütlicher. Nasskalt ist nie gut:
Aber auch ohne es erlebt zu haben, war der AbschluSS des ersten Tages ein volleR Erfolg. Warum? Na, ich habe niemanden gehört, der sich beschwert hat. Und die Festivalbetreiber bedanken sich wohl nicht, wenn's Kacke war. Ende und Aus.

Sonntag, 04. Juni

Schnell ein Bierchen zum Anheitern, ab in die erste Reihe und dann zu einer Überdosis "melancholic Metal 'n Roll" (so oder so ähnlich) abfeiern. Der erste VOLBEAT-Auftritt auf deutschem Boden sollte ein Einstand nach Maß werden. Frontmann und Blickfang Michael Poulsen hat zwar leichte Probleme mit der Stimme, improvisiert die kleinen Hürden aber schon so lässig wie ein Großer. Und nicht nur das beeindruckt die Menge. Zwischen den ganzen Hits mal eben "Raining Blood" anspielen, gehört ja eigentlich schon zum guten Ton, passt aber hier wie die Faust aufs Auge. Hier regiert Metal! Band und Fans schaukeln sich gegenseitig hoch und bei der Dusty Springfield-Coverversion "I Only Wanna Be With You" sieht man an vorderster Front sogar ein Pärchen, welches zwischen Feiern und ganz doll Liebhaben im Sekundentakt hin und her switcht. Ja, Volbeat sind ganz großes Gefühlskino. Feuertaufe bestanden und ab auf Clubtour. Da funktionieren die Dänen mit absoluter Sicherheit noch besser.

Tim Owens hat mit BEYOND FEAR endlich sein eigenes musikalisches Baby und das erfreut sich kurz nach der Geburt allerbester Gesundheit. Wer sich über das Outfit des Rippers wunderte, den verweise ich kurz auf das Vorwort des geführten Interviews mit Owens.
Die Band hat sich auf der April-Tour mit Anthrax ja schon mal gut eingespielt und legt mit "And ... You Will Die" amtlich los. Dreh- und Angelpunkt ist natürlich Owens, bei dem man nur ungläubig kopfschüttelnd hinnehmen muss, dass er selbst die höchsten Töne traumwandlerisch, ja fast schon beiläufig meistert. Dieser Mann ist ein stimmliches Wunder. Klar, warum Judas Priest und Iced Earth den haben wollten. Passend dazu gibt's auch ein kurzes Medley in Form von "Burn In Hell"/"Red Baron"/"Blood Stained". Ich hätte trotzdem nichts dagegen, wenn in Zukunft diese Querverweise aus dem Set fallen. Die Eigenkompositionen können sich locker mit den aktuellen Releases der genannten Bands messen. "Coming At You" oder "Save Me" schallen druckvoll und präzise durch das Amphitheater. Und der Rausschmeißer "Scream Machine" avanciert wohl bald zu einem kleinen Klassiker. Weiter so!

Wie beschreibt man einen DIO-Gig, wenn die eigene metallische Früherziehung erst 1988 angefangen hat? Man sollte es einfach zu würdigen wissen, dass man einen der letzten großen Wegbereiter des Heavy Metal noch live erleben darf! Ob Rainbow, Black Sabbath oder Dio - der gute Ronnie James gehört mit seinen über 60 Lenzen zu den besten Metal-Sängern auf diesem Erdball. Er wirkt zwar ein wenig wie eine Diva, ist aber frischer und ehrlicher, als ein Großteil aller anderen Mikro-Quäler. Über die Setlist etwas zu sagen, ist etwas schwierig (s.o.), aber die Hits haben wir doch alle schonmal gehört. "Stand Up And Shout", "Holy Diver" (zum Song leuchteten die Augen des Divers auf dem riesigen Backdrop im schönen Rot), "Heaven And Hell", "Man On The Silver Mountain" oder "Long Live Rock 'n Roll". Alle perfekt intoniert und technisch brilliant vorgetragen. Die Solo-Einlagen von Simon Wright (Drums) und Craig Goldy (Gitarre) waren cool, aber wohl eher notwendig. Der Meister braucht halt Pausen - würde ich in dem Alter auch brauchen. Fakt ist, dass Ronnie James Dio allen Nachwuchskünstler zeigt, was wichtig ist, um in diesem Business erfolgreich zu überleben. Lebe das, was du liebst. And he did! Hell yeah - he did! Danke DIO für diesen ergreifenden Festival-Abschluss!

Text: Siegfried Wehkamp
außer Legion Of The Damned & Caliban, Text: Marco Zimmer