Impressum Startseite
Reviews Interviews Live Specials Jobs

Konzert: CANDLEMASS - 02.09.2007 - Hamburg

Location: Marx
Support: Powerwolf


Heute ist Sonntag. Die meisten Menschen gehen da in die Kirche. Metaller auch - aber eher musikalisch und heute leider nicht sehr zahlreich. Der Gig wurde kurzfristig von der Markthalle in das sehr viel kleinere Marx verlegt. Schade. Ich habe wirklich gedacht, dass sich mehr Gesichter zu diesem Package sehen lassen. Ob da die Geschichten des Candlemass-Gigs auf dem Headbangers Open Air mit Schuld dran waren?!


Als ganz spezieller Anheizer entpuppen sich POWERWOLF. Bereits vor dem Auftritt hört man die Vorzeigewölfe aus Saarbrücken schon aus dem Backstage-Bereich heulen. Dann betritt der Fünfer in stilechter Edelvampirkluft inklusive fahler Blässe die Bühne und das Schauspiel der Gegensätze beginnt. Musikalisch astreiner Metal mit Hymnencharakter und Mitbang-Pflicht trifft auf gruselige Theatralik. Allen voran Oberpriester Attila Dorn, der mit einer göttlichen Stimme gesegnet ist. Er ist der Verführer des Abend. Ernsthaft in der Ausübung seiner Gesangs- und Bühnenpräsentation, aber charmant und amüsant im Umgang mit dem Publikum. Höflichst per "Sie" stellt er gleich klar, dass die Anwesenden ruhig näher kommen dürfen, man sähe ja nur böse aus. Danach sucht er vor "Saturday Satan" nach "junges Gemüse" im Publikum, findet aber nur "ältere Herrschaften wie mich". Als er dann noch "In Blood We Trust" dem Deutschen Roten Kreuz (!) widmet, hat er endlich gewonnen. Für die amtliche Metalshow sind derweil die Grauwölfe Matthew und Charles an den Äxten zuständig. Stilecht wird hier permanent vor den Bodenventilatoren gepost bis zum Abwinken und gebangt bis Dr. van Helsing oder ein anderer Arzt kommt. Der pure Metal - angereichert mit viel Image und Selbstironie, deren Gegengewichte die Ernsthaftigkeit und der glaubhafte Spass an der Sache sind. Eine Powerwolf-Show soll unterhalten und Spass machen. Das ist die Message, die ich von der Bühne bekomme und der Rest des Publikums wohl auch. Denn nicht wenige pilgern sofort nach dem Auftritt zum Einkaufen an den Merchandisingstand. So muss das sein.

Powerwolf

Direkt im Anschluss stellt sich Powerwolf-Gitarrist Matthew für ein Interview zur Verfügung, so dass ich den Beginn von CANDLEMASS leider verpasse. Da geht die Arbeit nun mal vor. Als wenn ich es geahnt hätte ... pünktlich zum (glaube ich) vierten Song "Devil Seed" vom neuen Album wieder vor der Bühne, ist wohl erst mal alles in Ordnung. Robert Lowe wirkt zwar optisch etwas wie auf Valium, stimmlich gibt es aber nix zu mäkeln. Wie war das auf dem erwähnten Open Air: Texte werden abgelesen, Einsätze werden versemmelt, die Unsicherheit in Person - hmm, finde ich nicht. Bis ich die ersten alten Candlemass-Songs höre. Man merkt, dass Lowe sich mehr vor der Monitorbox aufhält und hinunter schaut, wo ein Ordner mit Textblättern bereit liegt. Das verunsichert den Mann offensichtlich so sehr, dass er sich nicht richtig auf seine Stimme konzentriert. Die Aussprache wird zeitweilig undeutlicher und auch seine sonst so fesselnde Bühnenpräsenz geht den Bach runter. Sobald dann aber wieder ein Song vom neuen Album "King Of The Grey Islands" auf dem Plan steht, sieht alles wieder viel besser aus. Das umjubelte "Of Stars And Smoke" klingt z.B. traumhaft gut. Auch weil - darf man nicht vergessen - die restlichen Musiker natürlich bestens aufeinander eingespielt sind und den perfekten instrumentalen Doom-Teppich ausbreiten. Das steht ausser Frage. Aber ... quo vadis Robert Lowe? Der verabschiedet sich nach dem offiziellen Teil auf deutsch mit einem lethargischen "Ich bin müde. Bis zum nächsten Mal!". Wie jetzt? Das wars? Nein. "Embracing The Styx" kommt noch mal richtig geil rüber (ist ja auch vom neuen Album) und weg sind sie wieder. Ob der Rest der Mannschaft Herrn Lowe Prügel angedroht hat, entzieht sich meiner Kenntnis, aber nach "Samarithan" ist dann endgültig Schluss. Und man hätte es lassen sollen. Ein alter Song, Lowe - wieder unsicherer - beginnt den Refrain zu früh, fängt sich zwar ab, bringt dann aber nichts gesanglich Wertvolles mehr zustande. Irgendwie tut er mir sogar leid. Kann dem Mann mal jemand helfen? Es ist schade, dass der Headliner-Auftritt so verlaufen ist. Powerwolf waren ein Highlight und Candlmass haben ein Problem. Ich wünsche der Band, dass sie eine Lösung dafür findet.

Candlemass

Text & Fotos: Siegfried Wehkamp