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Konzert: DARKNESS OVER X-MAS - 26.12.2007

Location: Markthalle, Hamburg
Caliban vs. Heaven Shall Burn
Support: Sonic Syndicate, Misery Speaks & The Sorrow


Man nehme die beiden deutschen Flagschiffe in Sachen modernem Metal (Caliban und Heaven Shall Burn - die abwechselnd als Headliner fungieren) und schicke sie auf Tour mit den Senkrechtstartern des Jahres (Sonic Syndicate), einem der heißesten Newcomer (The Sorrow) und Misery Speaks, die mit ihrem in Kürze erscheinenen neuen Album einen ordentlichen Sprung nach vorne machen dürften. Fertig ist das mörderische Paket, das unter dem Namen "Darkness Over X-Mas" zwischen den Feiertagen die deutschen Clubs unsicher macht.
Fünf Bands, alle melodisch und alles moderner Death Metal mit mehr oder weniger Metalcore-Schlagseite - dementsprechend "anders" ist auch das heutige Publikum in der sehr gut besuchten Hamburger Markthalle: Lange Haare oder gar Kutten sind die Ausnahme. Die Devise lautet heute nicht headbangen, sondern moshen und Circlepits!


Mein ursprünglicher Plan, zumindest noch THE SORROW von weiter vorne anzuschauen, wird schon sehr schnell zunichte gemacht. Nahezu zeitgleich mit den ersten Takten der Österreicher, startet der erste Circlepit und volle Bierbecher wirbeln durch die Luft. Nach dieser unfreiwilligen Bierdusche begebe ich mich dann doch lieber ein paar Schritte zurück, um noch was vom Treiben auf der Bühne mitzubekommen. Ich bin doch ziemlich erstaunt, was für eine Stimmung gleich von Beginn an im Publikum herrscht. The Sorrow scheinen genau das zu machen, was das Publikum heute haben bzw. hören will. Mit dem abschliessenden Doppelschlag "Knights Of Doom" und "Saviour, Welcome Home" ist der 30-minütige Auftritt allerdings viel zu schnell zu Ende. Das war zweifelsohne ein klarer Erfolg auf ganzer Linie.

Etwas schwerer tun sich da die Münsteraner MISERY SPEAKS, die zwar mit ihrem gleichnamigen Debütalbum definitiv viele wirklich gute Songs vorweisen können, aber so richtig will der Funke noch nicht überspringen. Sänger Claus Ulka und seine Truppe lassen sich davon jedoch nicht beeindrucken und hauen einen Kracher nach dem anderen raus. Allmählich steigt dann auch die Stimmung und spätestens beim ganz neuen Song "To My Enemies" scheint der Knoten endgültig zu platzen und die Meute geht ähnlich ab, wie zuvor bei The Sorrow. Gut gemacht.

SONIC SYNDICATE brauchen sich über mangelnde Stimmung sicherlich nicht beklagen, denn es geht scheinbar doch noch lauter - spätestens bei "Denied" hält es kaum noch jemanden auf seinem Platz. Die Schweden sind heute zweifelsohne die melodischste Band mit den eingängigsten Songs und ausgerechnet die einzige Ballade des gesamten Abends - "Enclave" - wird abgefeiert, wie kaum ein anderer Song.
Sänger Roland Johansson erntet heute in Sachen Fanfreundlichkeit ein paar dicke Pluspunkte: Da es vor der Bühne keine Absperrung gibt, wurden die bisherigen (wenigen) Crowdsurfer kurz vor Erreichen der Bühne sehr unschön von eben dieser wieder weggestoßen. Nicht so bei Sonic Syndicate, da singen Sänger und Fan Arm in Arm zusammen. Klasse! Und das Publikum dankt sowas mit vier Minuten "nonstop-Gehüpfe" bei "Flashback". Killer!

Mut zum schlechten Geschmack - aber trotzdem äußerst amüsant - beweisen HEAVEN SHALL BURN zumindest beim Intro: "Der Himmel brennt" von Wolfgang Petry (!) ertönt aus den Boxen, als die Band, ganz schick in weißen Hemden, die Bühne betritt. Bei dem wirklich straff organisierten Abend und den wirklich kurzen Umbaupausen wird einem zwischendurch kaum Zeit zum Durchatmen gegeben. Da geht es Schlag auf Schlag weiter. Die Songauswahl lässt eigentlich kaum Wünsche offen - die knappe Spielzeit von rund 45 Minuten schon eher. Sänger Marcus Bischoff begibt sich ein ums andere Mal stagedivenderweise ins Publikum und die Stimmung scheint kaum noch steigerungsfähig. Mit dem abschliessenden "No One Will Shed A Tear" ist auch an dieser Stelle wieder einmal viel zu schnell Schluss.

CALIBAN zeigen dann gleich zu Beginn mit "I Rape Myself" eindrucksvoll, wer heute zu Recht die Position des Headliners belegt. Die Umpaupausen vor einem Caliban-Auftritt erscheinen irgendwie immer überdurchschnittlich lang, aber bei dem absolut fetten Sound heute, haben sich die 25 Minuten Warten mehr als gelohnt. Und wer dachte, dass die Stimmung nach Heaven Shall Burn nicht mehr steigerungsfähig ist, hat die Rechnung heute ohne den Ruhrpott-Fünfer gemacht, der sich bestens gelaunt und eingespielt zeigt, und selbst das "bekannte kleine Problem" bei Caliban - die cleanen Vocals von Gitarrist Denis Schmidt - sind heute wirklich ordentlich. Nach zwei Zugaben ist dann endgültig Schluss. Auch bei mir.
Das war einer der besten, aber auch anstrengendsten Konzertabende des Jahres.


Text: Marco Zimmer