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Konzert: MERCENARY - 27.04.2007 - Osnabrück

Location: Westwerk
Support: Mourning Caress, Torian


Mercenary auf Headliner-Tour? Ja, wieso denn nicht. Haben sie sich doch neben ihren Rundreisen mit Brainstorm und Nevermore auch auf den einschlägigen Festivals (u.a. Rock Hard, Wacken) hier in good old Germany schon ein paar mehr Fans erspielt. Also bitte.


Im Osnabrücker Westwerk finden sich auf einem Freitag Abend trotzdem nur ca. 50/60 Freunde guter Musik, die bei genauerem Beobachten sich auch aus dem Umfeld der beiden Vorbands zusammensetzen.
Die Ersten sind dann TORIAN aus Paderborn, die gleich mit fliegenden Haaren in ihre 30 Minuten einsteigen. Nur ist das Riff des Opening-Songs so dermassen ausgelutscht, dass sich meine Begeisterung erstmal in Grenzen hält. Also ganz normalen Power Metal mit ein bisschen Iron Maiden hier oder ein wenig Running Wild da. Bei Song Numero zwo wird dann kurz an der Geschwindigkeitsschraube nach oben gedreht und schon denkt man etwas an Blind Guardian. Sauber und mal nicht holperig gespielt, dafür gibt's auch angenehmen Beifall. Als Opener auf jeden Fall völlig in Ordnung und mit einem recht jungen Solo-Gitarristen (geschmackssicher mit Cinderella-Shirt), der mit verdammt flinken Fingern zu begeistern weiß. Amtlich.

Danach wird es ernster und auch depressiver, wenngleich auch härter. MOURNING CARESS aus Münster. Die aus Band-Anfangstagen bekannten Anleihen zur NWOSDM sind nicht mehr ganz rauszuhören. Dafür mehr Groove und mehr kernige Riffs und ein recht durchdringender Shouter. Interessanterweise kommt die Band nicht so sympathisch rüber wie Torian und entsprechend leeren sich die Reihen. Da helfen auch die Bruce Dickinson-"Scream For Me"-Spielchen nicht. Die wirken eben nicht - bei knapp 20 Zuschauern.

Schön, dass MERCENARY wieder jeder sehen will. Da lassen sich die Dänen auch von der ersten Sekunde an nicht lumpen und gehen frisch, unverbraucht und mit angenehmer Sicherheit zu Werke. Dreh- und Angelpunkt ist natürlich Sänger Mikkel Sandager, der zwar am Anfang noch dezent wacklig in der Stimme ist, das aber ganz schnell in den Griff bekommt. Pluspunkte sammelt er sowieso den ganzen Abend, da er zwischen den Songs nur auf deutsch mit dem Publikum kommuniziert. Das klingt super und sorgt für den einen oder anderen ungewollten Schmunzler. Gesanglich bekommt er ausserdem noch Schützenhilfe von seinem Bruder Morten an den Keyboards und Bassist René Pederson. Zu dritt klingt das einfach zu schön um wahr zu sein. Die Songauswahl war zu erwarten (6x von "The Hours That Remain", 3x "11 Dreams" und 1x "Everblack"). Alles klingt wie aus einem Guss und man merkt der Band die gesammelte Live-Erfahrung an. Das merkt auch das Publikum und geht entsprechend mit - Zugabe vorprogrammiert. Die besteht aus den beiden letzten Titelstücken und alle geben noch mal alles. Was man sofort nach dem Verschwinden der Band merkt. Denn es folgt Totenstille, das Licht geht an, das Publikum pilgert Richtung Merchandising und alle haben irgendwie einen verdammt zufriedenen Gesichtsausdruck. Kann ich erklären - für mich war es definitiv der beste Mercenary-Gig, den ich bis dato gesehen habe. Wir sehen uns hoffentlich bald wieder!

Setlist - Mercenary
Soul Decision
Firesoul
My World Is Ending
My Secret Window
World Hate Center
Year Of The Plague
Redefine Me
Seize The Night

The Hours That Remain
11 Dreams


Text: Siegfried Wehkamp