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Konzert: SLAYER - 04.06.2007 - Bremen

Location: Pier 2
Support: Bloodsimple


Tatort: Parkplatz vor dem Bremer Pier 2. Ich mache die Autotür auf, aus einigen Ecken ertönt vertraute Musik und von überall bierseelige SLAYER!-Schlachtrufe. Geil, ich bin endlich wieder auf einem echten Metal-Konzert. Die Könige des Thrash spielen ihr einziges Hallenkonzert in Deutschland. Dass es überhaupt noch eine Abendkasse gibt, verwundert zwar etwas, doch das Pier 2 ist verdammt gut gefüllt und die Temperaturen nehmen allmählich subtropische Formen an.


Ob es nun eine Ehre ist, für Slayer den Opener mimen zu dürfen, wird für BLOODSIMPLE sicherlich ausser Frage stehen. Leider ereilt das Quintett das typische Schicksal, was besonders bei Slayer- oder auch Onkelz-Konzerten regelmässig den Supports widerfährt: Es interessiert sich einfach keine Sau dafür! Das ist für die jeweilige Band sicherlich mehr als schade, aber nunmal leider nicht zu ändern. Dabei gibt sich Band redlich Mühe, auch wenn die bisherige Diskografie ohnehin nur aus dem 2005er Debütalbum "A Cruel World" besteht. Die moderne Mischung aus Sepultura, Korn und Death-/Metalcore stösst jedenfalls auf annähernd Null Resonanz. Die Animationsbemühungen von Fronter Tim Williams sind spätestens beim dritten Versuch eher penetrant-nervig, als stimmungsfördernd. Schade für die Band, aber (nicht nur) ich war froh, als die rund 40 Minuten dann auch überstanden sind.

Um Punkt 21 Uhr startet dann endlich das bekannte "Darkness Of Christ"-Intro und schon merkt man, dass bei SLAYER einfach alles anders ist. Der erste Diver ist zu vermelden, obwohl die Band noch nicht mal auf der Bühne steht! Als das endlich der Fall ist, werden ich Zeuge von knapp 90 Minuten absoluter Göttlichkeit. Während des Eröffnungsdoppels habe ich zwar Angst um Tom Araya, dessen Stimme ziemlich angeschlagen klingt, sich aber gut fängt und einfach mal die Fans bei "Seasons In The Abyss" oder "Dead Skin Mask" singen lässt. Ansonsten schlendert die graue Eminenz des Thrash gewohnt cool über die Bühne oder winkt mal wie die britische Queen lässig grinsend in die ausrastende Meute. Auch immer wieder geil - seine minimalistischen Ansagen, die einerseits sehr freundlich ("... we should thank YOU for coming ...") oder sogar spassig sind ("... the pen is mightier than the sword ... THE PEN ..." - kicher). Überhaupt ist bei den mächtigen Vier kein Anflug von Arroganz zu spüren. Kerry King und Jeff Hannemann - das beste Gitarren-Doppel seit Judas Priest - haben auf ihre Art sogar gewissen Kontakt zum Publikum und bei "Cult" erfahren wir, dass Drum-Gott Dave Lombardo doch keine Maschine ist, weil er sich einmal kräftig verspielt. Doch wer wäre er denn, wenn er das in Form eines Improvisations-Feuerwerkes bei "Mandatory Suicide" nicht wieder gutmachen würde. Zum Niederknien. Was die Songs angeht, können Slayer fast gar nichts verkehrt machen. Hauptsache die Classics sind dabei - aber das kennt man von anderen Bands auch. Die Totschläger schaffen es aber immer wieder, alte als auch neue Überraschungen in das Set einzubauen. Derer heute Abend drei an der Zahl sind. Ich frage mal diejenigen über 30 - wann gab es das letzte Mal "Show No Mercy" auf einer deutschen Bühne?! Irre! Im Gegenzug wird mit "Supremist" ein vierter "Christ Illusion"-Song eingebaut und der killt genau so wie der Rest. Und als alle nach "Postmortem" sehnsüchtig auf "Raining Blood" warten, rollt eine unbarmherzige Version von "Silent Scream" über die Köpfe hinweg. Der Abschluss ist ja fast schon reine Formsache und "Angel Of Death" versetzt den Anwesenden den finalen Todesstoss. Einfach der schiere Wahnsinn. Ich bin geplättet!

Fazit - ich hörte mal jemanden sagen: "Slayer können gar keinen schlechten Gig spielen!" Um das richtig zu beurteilen, habe ich zwar leider noch nicht so viele ihrer Auftritte miterlebt, doch eines ist klar: Wenn das heute Abend ein Auftritt im "gehobenen Durchschnitt" gewesen sein sollte (für mich auf jeden Fall nicht), dann muss sich die gesamte Metalwelt immer noch warm anziehen, wenn Slayer mal einen perfekten Tag haben. Die Herren sind alle in den Vierzigern und spielen in ihrer derzeitigen Form trotzdem noch alles an die Wand, was sich irgendwie Thrash-/Death-/Extreme- oder was-auch-immer-Metal schimpft. Das war so, das ist so und das wird wohl auch immer so bleiben, bis die Band aus freien Stücken abtritt. Hoffentlich ist das noch weit entfernt - wer sollte die entstehende Lücke dann bitte schliessen?

Setlist - Slayer
Darkness Of Christ
Disciple
War Ensemble
Jihad
Die By The Wword
Show No Mercy
Captor Of Sin
Cult
Bloodline
Mandatory Suicide
Seasons In The Abyss
Supremist
Eyes Of The Insane
Postmortem
Silent Scream
Dead Skin Mask
Raining Blood

South Of Heaven
Angel Of Death


Text: Siegfried Wehkamp
außer Bloodsimple, Text: Marco Zimmer