Impressum Startseite
Reviews Interviews Live Specials Jobs

Festival: WALDROCK - 07. Juli 2007 - NL-Bergum

Samstag früh, 8 Uhr.
Wir machen uns trotz miserabler Wettervorhersagen auf den Weg zum eintägigen Waldrock-Festival ins niederländische Bergum.
Nach knapp zweistündiger Fahrt sind wir am Ziel angekommen und laufen bei grauem Himmel und leichtem Nieselregen vom Parkplatz in Richtung Festivalgelände, das keine fünf Minuten entfernt ist.
Der Einlass verzögert sich spontan um eine ganze Stunde, die Schlangen vor dem Gelände - dass nach Veranstalterangaben rund 12.000 Leute fassen soll - werden länger und länger, aber zumindest hat der Regen mittlerweile aufgehört.
Als dann um kurz nach 12 Uhr endlich der Einlass beginnt und die erste Band (Dead Horse Running) pünktlich um 12.30 Uhr anfängt, ist natürlich klar, dass auch nicht zuletzt durch die sehr genauen und langwierigen Sicherheitskontrollen, eben diese Band auf einem noch fast völlig leeren Gelände spielen muss. Schade für die Band. Hier scheint die organisatorische Planung ein wenig versagt zu haben.

Für uns beginnt der heutige Tag um 13 Uhr in einem der beiden Zelte, das sicherlich weit über 1000 Leute fassen dürfte, mit den Belgiern von ABORTED, die mit ihrem Death-/Grind-Gebolze um diese frühe Uhrzeit anfangs ein wenig Mühe haben, für die entsprechende Stimmung zu sorgen. Vermutlich war das auch der Technik noch alles viel zu früh, denn diese verabschiedet sich bereits nach zehn Minuten mit einem Totalausfall. Zum Glück dauert diese kleine Panne aber nur wenige Momente, so dass es kurz danach gleich weiter geht. Im Laufe des Sets wacht das Publikum - zumindest weiter vorne - dann auch so langsam auf und die Stimmung steigt. Ein guter und solider Auftritt, aber für meinen Geschmack um diese Uhrzeit ein wenig unpassend. Merke: Aborted am Mittag ist kein Kindergeburtstag!

Nachdem auch wir nun endlich wach geworden sind, geht's nach draussen zur Main Stage. Und das erweist sich als gar nicht mal so einfach, denn der tagelange Regen hat das Gelände in die reinste Schlammwüste verwandelt. Hier und da kommt man zwar halbwegs trockenen Fußes vorwärts, aber grosse Teile der Fläche sind knöcheltief mit Schlamm bedeckt.
Von einem relativ trockenen Platz aus, warten wir dann auf MOONSORROW, die heute anscheinend ihr "nette Finnen"-Image im hohen Norden gelassen haben und kunstblutverschmiert ihren bitterbösen Pagan-/Folk-Metal auf die Humppa-wütigen loslassen.
Bassist und Sänger Ville Sorvali präsentiert sich dabei bestens gelaunt, und Titel wie "Kivenkantaja" sorgen ohnehin für allerbeste Stimmung. Ich bin jedenfalls hoch zufrieden und stelle wieder einmal fest: Ein Metal-Festival ohne Humppa ist heutzutage kaum noch vorstellbar.

Nach der Aufnahme von diversen Lebensmitteln und Getränken ist es dann ebenfalls auf der Open Air-Bühne Zeit für VADER. Und die machen standesgemäss gleich von Beginn an keine Gefangenen und jagen ohne Vorwarnung ihre aggressive Death Metal-Walze ins Publikum. Die ersten Circle-Pits formieren sich (Crowdsurfen ist auf niederländischen Festivals übrigens verboten) und die Stimmung ist ausgesprochen gut, was sicherlich nicht zuletzt an Songs wie "God Is Dead", "Epitaph" oder natürlich auch am grandiosen Abschluss-Song "Wings" liegt. Ein wirklich verdammt cooler Auftritt. Davon bitte mehr.

Nach so viel Härte schauen wir mal eben im Zelt vorbei, wie das Heimspiel der niederländischen Gothic-/Symphonic Metaller von AUTUMN ausfällt. Und wie zu erwarten, ist die Stimmung zwar recht ordentlich, aber für meinen Geschmack ist die Musik der Band ein wenig zu belanglos und ermüdend. Aus dem Schatten von After Forever oder gar Within Temptation wird die Band wohl niemals heraustreten können. Soweit war's aber ganz nett.

Wieder zurück nach draussen. OBITUARY sind an der Reihe. Das aus Florida stammende Death Metal-Urgestein macht in etwa da weiter, wo Vader vorhin aufgehört haben. John Tardy grunzt sich fast um Kopf und Kragen und das Publikum feiert jeden Song ab. Die Setlist bietet einen bunten Querschnitt der über 20-jährigen Bandgeschichte und gipfelt natürlich in "Slowly We Rot"! Mein erstes persönliches Highlight heute.

Zurück ins Zelt um mal nachzuschauen, was die Schweizer CELTIC FROST dort veranstalten. Deren irgendwie depressiv wirkendes Black-/Doom-Gemisch war noch nie so ganz mein Fall und das Publikum - zwar reichlich anwesend - ist auch eher verhalten. Musik zum Party machen klingt halt irgendwie anders. Trotzdem: Das, was ich gesehen habe, war eine saubere Leistung.

Zum ersten und einzigen Mal am heutigen Tag verschlägt es mich dann ins kleinere der beiden Zelte, in dem nur ein paar hundert Leute Platz finden und dessen aufgeweichter Boden fast noch matschiger ist, als auf dem eigentlichen Gelände. Gerade angekommen, wird mir auch gleich schon "Beyond The Grace Of God" von MARDUK um die Ohren geknüppelt. Irgendwie passt der derbe Black Metal der Band perfekt in diese Location. Es ist dunkel und schmuddelig - die ersten Reihen sind jedenfalls hellauf begeistert. Ein paar Songs lang schaue ich mir das Spektakel an, verabschiede mich dann jedoch bei "Cold Mouth Prayer" wieder in Richtung Main Stage.

Auch wenn die Wettervorhersage für heute ausschliesslich Regen vorausgesagt hatte, es kam - mit Ausnahme bei unserer Ankunft - noch kein einziger Tropfen vom Himmel. Mittlerweile reisst sogar die Wolkendecke auf, die blauen Stellen am Himmel werden immer grösser und sogar die Sonne lässt sich blicken.

Perfekte Bedingungen für DESTRUCTION, die für die ausgefallenen W.A.S.P. eingesprungen sind. Und auch wenn dieser Wechsel im Billing erst drei Tage vorher bekanntgegeben wurde, sind verdammt viele Destruction-Fans vor Ort. Unsere Vorfreude auf den Auftritt wird nur durch den kleinen Zwischenfall getrübt, dass ein niederländischer Fan direkt neben uns meint, in seinen auf dem Boden stehenden leeren Bierbecher urinieren zu müssen. Mitten im Publikum. Äh ja.
Egal, weiter im Text. Das deutsche Trio um Sänger Marcel "Schmier" Schirmer präsentiert Thrash-Klassiker wie "Nailed To The Cross" oder auch "Thrash Til Death". Nach einem Schlagzeug-Solo gegen Ende des Sets gibt es als abschliessenden Doppelpack dann noch "Bestial Invasion", das liebevoll mit den Worten "This Is A Wacken-Song!" angekündigt wird und natürlich "The Butcher Strikes Back"! Klasse Auftritt und sogar John Tardy (Obituary) lässt es sich nicht nehmen, während des Auftrittes Fotos von der Bühne aus zu machen.

Und thrashig geht's weiter: Mit TESTAMENT steht ein erster wirklicher Höhepunkt auf dem Programm. Die Band legt auch gleich mit "The Preacher" sowie "The New Order" und Neu-Schlagzeuger Nick Barker (u.a. Ex-Dimmu Borgir) mächtig los. Sänger Chuck Billy und seine Truppe präsentieren sich bestens aufgelegt und mit einer unglaublichen Spielfreude, die das reine Zuschauen schon zu einem wahren Erlebnis macht. In Sachen Songauswahl gibt es im Grunde nichts zu meckern. Ob "Trial By Fire", oder auch "D.N.R." vom (unterschätzen) "The Gathering"-Album, das Chuck Billy als sein Testament-Lieblingsalbum bezeichnet (wer will ihm da schon widersprechen!?) Mit "Disciple Of The Watch" sind die viel zu kurzen 60 Minuten dann auch schon wieder um. Erstklassiger Auftritt.

Im Zelt ist es nun Zeit für MOONSPELL und die hauen nach dem Intro "In Memoriam" auch gleich "Finisterra" raus - und das Zelt tobt. Was für eine grandiose Lichtshow, die perfekt auf jeden Song abgestimmt ist und so einiges zur Stimmung beiträgt. Sänger Fernando Ribeiro, zu Beginn noch mit rotem Umhang, feuert die Massen immer wieder an und diese einzigartige Symbiose aus der Musik, die perfekt einen portugiesischen Friedhof erahnen lässt und dem fantastischen Lichtspektakel, machen diesen Auftritt zu einem ultimativen Ereignis. Songs wie "Opium", "Everything Is Invaded" und natürlich auch einiges an Material vom aktuellen Album "Memorial", lassen auch hier wieder mal die einstündige Spielzeit viel zu kurz erscheinen.

Während die Bühne im Zelt für den Headliner umgebaut wird, schaue ich nochmal eben bei der Main Stage vorbei, auf der quasi die Exoten des heutigen Tages spielen, nämlich die DROPKICK MURPHYS. Die siebenköpfige Band aus Boston spielt einen recht eigenwilligen Mix aus Irish Folk, Punk und Rock, scheint aber eine ziemlich grosse Anhängerschar zu haben, denn in der Nähe der Bühne jetzt noch einen Platz bekommen zu wollen, ist nahezu unmöglich. Und auch ich werde recht schnell in den Bann gezogen und notiere mir: "CD kaufen!". Nicht zuletzt ein Song wie "The Wild Rover" (hierzulande besser bekannt als "An der Nordseeküste") sorgt dann auch bei mir für die entsprechende Partylaune. Klasse Live-Band.

Das Ende naht, Zeit für den Festivalabschluss im Zelt mit WITHIN TEMPTATION, die heute eine majestätische neue Bühnedeko präsentieren, sich aber erstmal ein bisschen mehr Zeit lassen, als vermutlich wirklich nötig gewesen wären.
Als das Licht ausgeht, und die ersten Takte von "Our Solemn Hour" erklingen, gibt es über die Frage des heutigen Headliners keinerlei Zweifel mehr. Die Niederländer zünden wie gewohnt das reinste Hit-Feuerwerk ab. "Stand My Ground", "What Have You Done", neuere Songs wie "The Howling" oder auch "The Heart Of Everything" lassen kaum Zeit zum Verschnaufen.

Leider ist nach rund der Hälfte des Sets für mich dann auch Schluss, denn nachdem sich mein Beifahrer bereits vor rund einer Stunde krankheitsbedingt ins Auto verzogen hat, mache ich mich jetzt auch auf den Weg zurück. Immerhin steht mir nach diesem langen und recht anstrengenden Tag noch die zweistündige Rückfahrt bevor.
Schweren Herzens und ziemlich erschöpft mache ich mich auf den Weg zum Parkplatz. Aber immerhin wird mir der kurze Fussmarsch zumindest noch mit dem vom Gelände schallenden "Mother Earth" versüsst.

Das war das Waldrock-Festival 2007. Ein Tag, der alles in allem rundum gelungen war. Trotz Matsch dann doch noch recht gutes Wetter und viele klasse Bands, obwohl die eine oder andere Power-/True-Metal-Band dem Billing sicherlich gut getan hätte, aber man kann trotzdem mehr als zufrieden sein. Die Preise für Essen und Getränke waren zwar arg an der Schmerzgrenze, aber das ist auf niederländischen Festivals nunmal immer so.
Abschließend würde ich sagen: Vielleicht bis 2008!?


Text: Marco Zimmer