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Festival: WINTERNOISE - 13.01.2007

Location: B51 Eventcenter, Georgsmarienhütte


Jipp, gegenüber dem Hellflame Festival habe ich dieses Mal dazugelernt und bin pünktlich um 14 Uhr vor dem B51. Leider werden die Tore erst weit später geöffnet (der Blick auf die Uhr war dann auch egal, da die Warterei ohnehin nervte) und ein Blick auf die Eintrittskarte verrät das ganze Ausmaß an Billing-Änderungen. Lacrimas Profundere spielen gar nicht (Marco ist sauer), The Duskfall werden durch Sudden Death ersetzt (Sigi ist sauer) und A Life Divided spielen später (nicht so wild).


Den Opener mimen heute die Oberhausener PATH OF GOLCONDA, die mit ihrem Gemisch aus groovigem Death/Thrash mit leichter Schwedenschlagseite ziemlich gut punkten. Eine sympathische Bühnenpräsenz und Non-Stop-Headbanging zieht auf jeden Fall ein paar mehr Leute vor die Bühne. Das aktuelle Album "The Threshold Diaries" sollte von der Zielgruppe definitiv mal angetestet werden.

Die folgenden SUDDEN DEATH haben ihre Zielgruppe gleich mitgebracht. Da die Band direkt aus dem Veranstaltungsort stammt und bereits seit 16 Jahren ihr Unwesen treibt, ist das Feedback vor der Bühne entsprechend besser als zuvor. Der Vierer ballert seinen Brutalo Death Metal kompromisslos in die Reihen und sorgt bei den Nur-Zuschauern für leichte Erheiterung durch einen hyperaktiven Bassisten und einen völlig contraire agierenden Herren an den sechs Saiten. Merkwürdig.

Nach diesem regelrechten Gewitter hätte man meinen können, dass A LIFE DIVIDED aus Bayern mit einem dezent elektronischen Sound irgendwo in Richtung Farmer Boys punkten könnten. Weit gefehlt. Die Band konnte einem richtig leid tun. Song für Song lichteten sich die Reihen und selbst die beiden recht passablen Cover-Versionen "Walking In My Shoes" (Depeche Mode) und "Sounds Like A Melody" (Alphaville) konnten nichts rausreissen. Die halb-humoristische Aufforderung des Sängers, alle die die Band zu soft finden, mögen doch mal klatschen, zeigte dann, dass die Band auf dieses Festival musikalisch leider gar nicht passte. In der Schule hieß das immer: Thema verfehlt.

Ein MOONSORROW-Album als Platte des Monats im Rock Hard? Verdammt. Das steigert ja sogar meine Erwartungshaltung zu einer Band, die ich auf der Primordial-Tour letztes Jahr mitunter recht nervtötend fand. Ergo gehe ich dieses Mal vorsichtiger an die Sache ran und stelle fest, dass mich die Finnen musikalisch heute um Längen mehr überzeugen. Das Publikum sieht es ähnlich und feiert die Band ohne Ende. Rein subjektiv ist das größte Manko aber immer noch Frontbubi Ville Sorvali - stimmlich völlig in Ordnung, aber ein wenig mehr "authentisch böse" würde dem Herren gut tun. Trotzdem, der Gig war ein Erfolg!

Sorry wegen der Jugendsprache - aber danach wurde es krass! Wie sieht ein ENDSTILLE-Auftritt aus? Ein Sänger mit purer Black Metal-Attitüde und eben solcher Stimme, der aber während der Ansagen mit seinem Jan Fedder-Gedächtnis-Akzent für sympathische Auflockerung sorgt. Ein Drummer, der sein Kit in bester schneller-als-schnell-Manier zerlegt und dabei grinst wie ein Honigkuchenpferd. Ein ebenfalls bemalter Bassist, der ordentlich die Matte schwingt und dabei noch für vernünftige Backround-Shouts sorgt. Tja, und ein Gitarrist, den man auch durch eine Bandmaschine hätte ersetzen können - die bewegt sich nämlich auch nicht. Das ist wirklich krass. Die Die-Hard-Fans fressen den Kielern aus der Hand und der Rest ist irgendwie froh, dass nach 45 Minuten "Black Metal As Fuck" die Show vorbei ist.

Und ich dachte schon, dass jetzt die Exoten des Festivals kommen würden. Doch als sich beim Opener "Communication Sublime" fast ausschließlich klassisches Headbanger-Publikum vor der Bühne sammelte, hatten COMMUNIC eigentlich schon gewonnen. Im Gegensatz zur Tour im Oktober 2006 (wir berichteten) ist das Trio um ein Vielfaches spielfreudiger und zockt seine Prog-Power-Hymnen (sechs Song in einer Stunde) traumwandlerisch und mit einer irren Dynamik. In dieser Form wird der Auftritt auf dem diesjährigen Wacken Open Air wohl zum Triumphzug.

Stichwort: Triumphzug. Die folgende Stunde beinhaltete dann wohl einen Solchen. PRIMORDIAL riefen und die Fans ließen sich nicht bitten. So motiviert wie heute habe ich Frontmann Alan noch nie gesehen - ganz zu Schweigen von einer überragenden Gesangsleistung. Die Menge frass ihm von der ersten bis zur letzten Sekunde aus der Hand. Und die Songs? "To Enter Pagan", "The Golden Spiral", "The Gathering Wilderness", "Autumn's Ablaze", "The Burning Season", "The Coffin Ships", "Gods To The Godless" - muss ich dazu noch irgendetwas sagen?! Eben. Obwohl ich die Band in den letzten drei Jahren nun schon fünf Mal gesehen habe, war das an diesem Abend der mit Abstand beste Auftritt. Ich bin fassungslos!

Und ich mache mir nach dem just Erlebten ernsthaft Sorgen um MOONSPELL. Doch selbst die überraschen mich und beweisen, dass sie die heutige Headliner-Position verdient haben. Die Düsterheimer aus Portugal zeigten sich zwar routiniert, aber mehr bezogen auf die Präzision, mit der sie die zahlreichen Hits unter das Volk brachten. Sänger Fernando wirkte wahrlich souverän und war gut bei Stimme. Als perfekt aufeinander eingespielte Einheit schafften Monnspell es doch tatsächlich, noch mal alles aus den Fans herauszuholen. Maßgeblich daran beteiligt war das Song-Trio "Everything Invaded", "Opium" und "Wolfshade". Als einzige Band des Abends durfte dann noch eine Zugabe ausgepackt werden und danach schien es mir wirklich so, als wenn die Luft überall raus war. Nach über zehn Stunden unterschiedlichster geballter Metal-Power ist das ja auch kein Wunder.

Setlist - Moonspell
In Memoriam
Finisterra
Memento Mori
Intro
Blood Tells
Everything Invaded
Opium
Wolfshade
Alma Mater
Proliferation
Upon The Blood Of Men
At The Image Of Pain
Nocturna
Vampiria
Full Moon Madness

Auf jeden Fall kann man auch das diesjährige Winternoise-Festival als Erfolg verbuchen. Da kommt man doch gerne wieder.


Text: Siegfried Wehkamp