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Festival: ARROW ROCK - 15.06.2008 - NL-Nijmegen

Location: Goffertpark


Auch in diesem Jahr präsentiert der niederländische Radiosender Arrow Classic Rock im Goffertpark in Nijmegen das Arrow Rock-Festival, für das man dieses Jahr KISS im Rahmen ihrer "Alive 35"-Tour als Headliner verpflichten konnte. Da der Preis in etwa der gleiche ist, wie bei den deutschen Solo-Shows der Make Up-Vorreiter, man auf dem Festival noch acht Bands "für lau obendrauf" bekommt und mir der Termin ausgesprochen gut passte, heißt es also am frühen Sonntag Morgen auf nach Holland.


Doch bis KISS ist es noch ein langer Weg, bzw. Tag. Und genau den eröffnen heute REO SPEEDWAGON, die - man muss es leider so konkret sagen - 37 Jahre nach ihrem Debütalbum, auch ein wenig eingerostet wirken. Typischer AOR halt, mit teils etwas penetranter Hammond-Orgel, aber auch durchaus ordentlichen Songs, wie das eingängige "Keep Pushin" oder natürlich auch dem US-Nummer Eins-Hit "Can't Fight This Feeling" aus dem Jahre 1985 - zwar ein klasse Song, aber so ein balladesker Schmachtfetzen ist in der jetzt schon prallen Mittagssonne dann auch für mich etwas zuviel des Guten.
Zeit für Pausen wird es heute nicht geben. Die Bands spielen auf den beiden Bühnen immer abwechselnd und minutengenau. Während REO Speedwagon ihren letzten Song zum Besten geben, warte ich schon gespannt vor der kleineren Bühne auf GOTTHARD - "alte Bekannte" wiederzusehen, ist halt immer noch am Schönsten. Die sympathischen Schweizer legen gleich mit dem Opener "Master Of Illusion" los, gefolgt von "Gone Too Far". Und siehe da, selbst zur Mittagszeit ist schon ordentlich Stimmung im Publikum angesagt. Sänger Steve Lee ist aber auch ein perfekter Frontmann und Stimmungsmacher - von den guten Songs der Band mal ganz zu Schweigen.

Gotthard

Das Thema Sonne hat sich für den Rest des Tages nun leider aber auch schon wieder erledigt. Ich habe selten einen so rasanten Temperaturabfall erlebt, wie hier und heute. Der Himmel hängt bedrohlich grau und tief, die ersten Tropfen fallen und ich bin für den Rest des Tages heilfroh, dass es auf dem Gelände heißen Kaffee (!) gibt.

Auf der Hauptbühne geht es mit JOURNEY weiter. Und ich muss wirklich sagen, dass mich die Truppe vom ersten Ton an durchaus zu beeindrucken weiß. Nun zählen Journey mit 75 Millionen verkaufter CDs ohnehin zu einer der erfolgreichsten US-Rockbands und hat neben einem starken neuen Album auch mit Neuzugang Arnel Pineda am Mikro zwei Trümpfe im Ärmel. Und eben dieser Arnel Pineda ist nicht nur ein wirklich fantastischer Sänger, sondern er verleiht der Truppe auch irgendwie etwas Frisches und Modernes und versteht es, selbst einem Uralt-Klassiker wie "Wheel In The Sky" (1978) neues Leben einzuhauchen. Ganz groß!
Die Ernüchterung folgt zugleich im Anschluss in Form von KANSAS, denn das ist nun irgendwie so gar nicht mein Fall. Zwei Keyboards plus Geige - das ist am heutigen Tage erstens reichlich exotisch und für mich eine Spur zu ... ähm ... "heavy".
Die Band weiß ihre Fans natürlich durchaus zu begeistern und hält auch die entsprechenden (Balladen-)Hits wie "Hold On" parat. Solide Sache.

Das Gelände hat sich mittlerweile so stark gefüllt, dass ein Vorwärtskommen bzw. Pendeln zwischen den Bühnen kaum noch möglich ist. Sollte nochmal jemand behaupten, in Wacken wäre es voll - nein, das hier ist voll!
Weiter geht's mit DEF LEPPARD. Die Briten wissen mit starken Songs zu überzeugen, können am heutigen Tag auf eine Vielzahl von Fans bauen und sind bis zum jetzigen Zeitpunkt die wohl härteste Band des Tages - falls man überhaupt von "hart" sprechen kann. Ich gönne mir aber trotzdem erstmal eine kleine Auszeit und beobachte das weitere Geschehen nur so am Rande.
Auf der Nebenbühne stehen im Anschluss TWISTED SISTER auf dem Programm. Ohne Schminke, ohne Kostüme, einfach nur Rock'n'Roll. Und die Truppe um Dee Snider entert die Bühne auch standesgemäß mit "You Can't Stop Rock'n'Roll". Mit jeder Menge Hits im Gepäck ("We're Not Gonna Take It", "Burn In Hell", "I Wanna Rock") mausert sich die Band heute im Nu zum bisherigen heimlichen Headliner. Bombastische Stimmung und eine bestens aufgelegte Band. Ein erstes wirkliches Highlight!

Twisted Sister

Zeit für WHITESNAKE. Nach einem unerwartet starken neuen Album der Band um David Coverdale ist der heutige Opener "Best Years Of My Life" mehr als bezeichnend. Dass sich die gute Stimmung von Twisted Sister halten lässt, haben Whitesnake u.a. ihren starken Songs zu verdanken, "Fool For Your Loving", "Love Ain't No Stranger", "Lay Down Your Love" und natürlich "Still Of The Night" und "Here I Go Again" sind absolute Klassiker, die vom Publikum bestens aufgenommen werden. Wieder einmal ein starker Auftritt dieser großartigen Band.

Ich muss nun zugeben, dass ich kein allzu großer Freund von MOTÖRHEAD bin. Von daher arbeite ich mich lieber Schritt für Schritt näher an die Hauptbühne heran und bekomme Motörhead auf der Nebenbühne nur so am Rande mit, was mir aber eigentlich auch völlig reicht.
Lemmy betritt die Bühne mit den Worten: "Good evening, we are Motörhead and we play Rock'n'Roll!" - okay, coole Ansage, aber Rock'n'Roll spielt hier und heute ja nun irgendwie jede Band (mehr oder weniger).
Motörhead haben es im Laufe des Sets (eigentlich überflüssig das noch extra zu erwähnen, aber inklusive "Ace Of Spades"), nicht ganz leicht, denn die Massen strömen permanent in Richtung Hauptbühne, um eben genau die Band zu sehen, wegen der heute alle (?) hier sind.

Tja, und wie fange ich jetzt am Besten an, das nun folgende Ereignis in Worte zu fassen? Schwierige Sache. Zumindest hört der Regen schonmal auf, die Sonne lässt sich wieder blicken, die Bühne ist mit einem riesigen Vorhang mit großen KISS-Logo abgehängt, so dass man vom Treiben dahinter nichts mitbekommt - und über der Bühne sorgt ein Regenbogen für eine jetzt schon großartige Stimmung im Publikum.

Kurz vor 21 Uhr, Zeit für KISS. Der Vorhang fällt und mit ordentlich Pyro-Power schwebt die Band von der Bühendecke, um dann mit "Deuce" zu starten. Was für ein grandioser Auftakt! Der Name der Tour - "Alive 35" - bezieht sich übrigens sowohl auf das Geburtsjahr der Band (1973 - also vor 35 Jahren), als auch auf das "Alive"-Album (1975), das damals den Durchbruch der Band darstellte und auf dieser Tour eine Renaissance feiern soll. Und das geschieht dann auch im Folgenden mit "Strutter", "Got To Choose" und "Hotter Than Hell" - alles genau in der Reihenfolge, wie auf dem Original "Alive"-Album. Nun sind das alles nicht so die ganz großen bekannten Songs und man kann es durchaus verstehen, dass bei einigen Besuchern, die sich in der KISS-Diskografie nicht so wirklich perfekt auskennen (mich eingeschlossen), nach der ersten Hälfe des Sets der Wunsch nach den Hits der Band größer wird.
Das, was die alten Herren dort auf der Bühne zaubern, kann man einfach nur kritiklos und anerkennend hinnehmen. Da sitzt und passt einfach alles, und die KISS-Maschinerie geht gewohnt ihren Lauf. Gene Simmons stakst in seinen Plateaustiefeln sicher über die Bühne, Paul Stanley's Stimme ist absolut großartig und Eric Singer und Tommy Thayers sind definitiv ein mehr als würdiger Ersatz für Peter Criss und Ace Frehley.
In Sachen Show gibt es neben diversen Pyro-Effekten, Feuerkreiseln und sprühenden Funken auch Hebebühnen, die die Band dahin befördert, wo sie letztendlich auch hingehört: Nämlich ganz nach oben!
Der Zugabenblock wird mit "Shout It Out Loud" eröffnet, findet seinen ersten Höhepunkt in der Mitgröhlnummer "I Was Made For Loving You", gipfelt und endet schließlich in "Detroit Rock City".

KISS

Das waren zwei Stunden KISS, zwei Stunden perfekte Show, perfekte Unterhaltung und eine absolut großartige Band! Ein kaum zu beschreibender Höhepunkt des heutigen Tages und für mich persönlich vermutlich auch eins meiner größten Konzertereignisse aller Zeiten.

Setlist - KISS
Deuce
Strutter
Got To Choose
Hotter Than Hell
Nothin' To Loose
C'mon And Love Me
Parasite
She
100.000 Years
Cold Gin
Let Me Go Rock'n'Roll
Black Diamond
Rock & Roll All Night

Shout It Out Loud
Lick It Up
I Love It Loud
I Was Made For Lovin' You
Love Gun
Detroit Rock City


Text & Fotos: Marco Zimmer