Impressum Startseite
Reviews Interviews Live Specials Jobs

Konzert: GIRUGÄMESH - 26.01.2008 - Bochum

Location: Zeche


Noch lange bevor Girugämesh für die 2008er Auflage des Wacken Open Air bestätigt wurden, steht bereits fest, dass ich dem "J-Rock-Phänomen" bei einem der lediglich zwei deutschen Konzerttermine auf den Grund gehen werde. Ich begebe mich also an einem äußerst windigen und ungemütlichen Samstag auf die Zugreise gen Bochum.

Eines wird mir am heutigen Abend schnell klar: Vieles läuft anders, als man das sonst gewohnt ist. Das fängt schon beim Einlass an. Rund 300 Konzertbesucher sind - warum auch immer - auf der Hand durchnummeriert (!) und werden einzeln und bevorzugt in die Großraumdiskothek Zeche gelassen. Nach diesem nahezu endlos erscheinenden K(r)ampf wird dann auch endlich Otto Normalverbraucher der Einlass gewährt. Sachen gibt's.

Die Zeche füllt sich ausgesprochen schnell und gut und scheint schon bald aus allen Nähten zu platzen. Das Publikum ist - wie bei solchen Konzerten üblich - überwiegend weiblich und vom Altersdurchschnitt her vermutlich kaum 20 Jahre alt.

Die nächste Merkwürdigkeit: Das Konzert der Japaner beginnt bereits um 19.10 Uhr und ohne irgendeine Vorband.
Trotz fehlendem Support verfällt das Publikum gleich beim Opener "Patchwork" in wahre Euphorieausbrüche. Die Stimmung steigt überraschend schnell innerhalb weniger Takte von Null auf Hundert.
Die Band - ganz klassisch in schwarzen Anzügen - macht gleich von Beginn an einen bestens gelaunten und spielfreudigen Eindruck.
Sänger Satoshi zeigt sich im Laufe des Sets zwar arg wortkarg und wesentlich mehr als ein leicht schüchtern wirkendes "Thank you very much" gibt es kaum. Dafür "explodiert" er während der Songs umso mehr. Die von der Bühne ins Publikum strömende Energie scheint schier endlos und faszinierend. Das Saitenduo Nii und Shuu wirbelt über die Bühne, als gäbe es kein morgen. Jeder Song wird vom Publikum dankbar aufgenommen, egal ob ältere Songs vom Debütalbum "13's Reborn" oder auch neue Titel (Album Nr. 2 steht erst seit gestern in den Läden).
Die tiefe Gitarre und der teils sehr dominante Bass erinnern hier und da an eine hochexplosive Mischung aus Korn und Rage Against The Machine. Nach rund 30 Minuten ist Zeit für die erste Ballade des Abends (deren Titel ich leider nicht nennen kann, da es meiner Tastatur an japanischen Schriftzeichen mangelt), bei der Gitarrist Nii beweist, dass er auch faszinierende Soli spielen kann.

Zwischendurch blitzen immer mal wieder Metallica-Riffs auf und im Publikum wird euphorisch geklatscht, gehüpft und gebangt - das nenne ich doch mal szeneübergreifend. Heute ist egal, wer welcher "Szene" angehört, denn heute steht die Party im Vordergrund, doch die neigt sich so ganz allmählich dem Ende entgegen,
Als dann jedoch plötzlich Limp Bizkit's "Take A Look Around" angestimmt wird, gibt's endgültig kein Halten mehr (als ob es das vorher überhaupt gegeben hätte). Der von Satoshi geforderte Circlepit wird zwar nix, aber das tut der grandiosen Stimmung ohnehin keinerlei Abbruch.
Mit "Jarring Fly" steht dann der wohl bekannteste Hit des Quartetts auf dem Programm und das Publikum gibt nochmal alles. Es ist schon faszinierend, wie viele Fans mitsingen bzw. es zumindest versuchen, denn ich bezweifle, dass allzu viele Leute der japanischen Sprache mächtig sind.
Der offizielle Teil ist nach knapp 80 Minuten zu Ende, jedoch lässt sich die äußerst sympathisch wirkende Band nicht lange bitten, noch zwei weitere Songs zum Besten zu geben. Nach 90 Minuten ist die exotisch-explosive Show dann endgültig zu Ende.

Ob 90 Minuten einen Eintrittspreis von 33 Euro rechtfertigen, zumal es keine Vorband(s) gab, ist vermutlich Ansichtssache. Ich habe nach dem Auftritt jedenfalls überall nur strahlende und zufriedene Gesichter gesehen und auch ich bin wirklich begeistert und beeindruckt. Das war ein Erfolg auf ganzer Linie. Dieses Musikrichtung ist zweifelsohne weit mehr als nur eine Modeerscheinung, sondern vielmehr ein ernstzunehmendes Genre und auch eine erfreulich eigenständige Abwechslung.

Ein fantastischer Konzertabend geht um 20.50 Uhr (!) viel zu früh zu Ende, was ich durchaus ein bisschen wehmütig sehe, aber zumindest gibt es in Wacken ein Wiedersehen mit dieser Ausnahmeband. Ich werde da sein!

Setlist

Text & Fotos: Marco Zimmer