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Festival: KEEP IT TRUE - 04./05.04.2008

Location: Tauberfrankenhalle, Lauda-Königshofen


Unfassbar! Der zehnte Geburtstag des Keep It True-Festivals sollte ein denkwürdiges Ereignis in der Metalgeschichte werden - und für mich eine (Rück)besinnung auf traditionelle Metal-Werte. Ich bin nun wirklich kein Ewig-Gestriger und zähle schließlich auch Bands wie Heaven Shall Burn oder System Of A Down zu meinem Hörkreis. Aber das Erlebte an diesem Wochenende zeigte mir genau das, was ich mir immer unter den glorreichen 80ern vorgestellte habe.
Folgende Beispiele geben schon mal einen kleinen Einblick auf das, was wohl den Grundtenor dieses Festivals ausmacht:

- das Verhältnis Kuttenträger/Anwesenden war im Vergleich höher als in Wacken
- ebenso der Langhaarfaktor, sowieso das Aufkommen an Stretchhosen und weißen Turnschuhen
- von den 2.000 Anwesenden waren schätzungsweise nur 50 Personen weiblich
- entsprechend länger waren die Warteschlangen vor den Herren-Toiletten
- auf der Bühne war nicht ein einziges Mal ein Keyboard zu sehen
- sieben von elf dargebotenen Cover-Versionen hatten ihren Ursprung in der NWOBHM
- die Spielzeiten sind absolut vorbildlich (min. 45 Minuten)

Doch das ist nur Einiges. Ich werde mich mit Sicherheit ein paar Male hier wiederholen, doch eines ist klar: Wenn man es nicht selbst erlebt hat, wird man es ohnehin nicht glauben. Willkommen zu einer Zeitreise der Sonderklasse. Willkommen auf dem Keep It True X!

Freitag, 04. April

Die Nacht im Auto war kalt (was sich auch nicht ändern wird) und wir warten sehnsüchtig darauf, dass sich um 13 Uhr endlich die Türen der Taubenfrankenhalle öffnen. Hier schon das erste Wundern. Wir werden nicht abgetastet. Die Festivalleitung vertraut ihren treuen Fans und wird in den folgenden zwei Tagen mit Friedlichkeit belohnt. Drinnen angekommen erwartet uns auch gleich eine kleine aber feine Metalbörse, sowie der Aushang des ersten Band- sowie Festival-Merchandising. 13 Euro für das T-Shirt und 15 Euro für das beidseitig bedruckte Girlie (für meine Liebste) - da kann man nicht meckern und schlägt sofort zu.

Punkt 14 Uhr stehen dann die Griechen BATTLEROAR auf der schicken Bühne. Die Herren sind eingesprungen für Phantom X, deren Sänger Kevin Goocher sich einer Hüftoperation unterziehen musste. Ergo wird er auch nicht bei Omen singen. Doch dazu später. Battleroar geben einen guten Anheizer mit dem fast zu erwartenden US Epic Metal-Gemisch.
Die nächsten beiden Bands STRIKEMASTER (Mexico) und MERCILESS DEATH (Los Angeles) klingen in meinen Ohren fast gleich, wofür mich beinharte Fans wahrscheinlich steinigen werden. Beide als Trio auftretend wird hier Old School High End Thrash geboten, der sich gut zum Matte schwingen eignet und auch den einen oder anderen Pit bzw. Sprechchor heraufbeschwört.
Bei der jungen Frisco-Truppe SENTINEL BEAST muss ich leider passen. Erster Europa-Auftritt hin, Exoten-Bonus wegen einer Sängerin her - der leicht angethrashte US-Sound will einfach nicht in meinem Ohr hängenbleiben. Da hilft auch nicht die ziemlich zügig gezockte Version von Maiden's "Phantom Of The Opera".

Da wird es bei METAL INQUISITOR doch gleich interessanter ... weil Sänger El Rojo gestern krank geworden ist und der Gig trotzdem gespielt werden sollte. Ergo erklärt uns Gitarrist Blumi, dass er ein wenig singen (versuchen) werde, es aber sowieso zwei Gast-Sänger geben wird und man noch kurzfristig einen Dritten mobilisiert hat. Na dann mal los. Die Eigengewächse mit Blumi klingen cool. Die Fans nehmen das ganz locker, denn das Material ist viel zu schade, um nicht mitzugehen. Erster im Mikro-Bunde ist Wayne - seines Zeichens Sänger der deutschen Judas Priest Coverband British Steel. Was liegt da näher? Eine schicke Version des 78er Tracks "Invader". So weit, so gut. Dann darf Blumi wieder ran und wir bekommen einen Song namens "Open Fire" der gleichnamigen polnischen Band von 1987, die aber nie was veröffentlicht hat. Mutig! Das Ding erinnert stark an eine rockigere Version von Violent Force "Dead City". Dann wird's kultig. Sänger Numero zwo steht bei Nennen das Namens Tygers Of Pan Tang fest. Jess Cox (!) ist in der Halle und gibt sich mit der Band die Ehre den Song "Euthanasia" zu bringen. Stark! Der Knüller ist dann aber der Abschlusstrack: Stichwort Satan! Da kommt doch glatt Brian Ross auf die Bühne! "Trial By Fire" ist der finale Gnadenstoss in die feiernde Menge. Da haben sich die Inquisitoren aber richtig was einfallen lassen. Später am Abend verrät mir Brian Ross noch kurz, daß die Band gute Freunde von ihm sind, ihn gefragt haben und er mal eben kurz von der Insel rüberkommen kann. Für nur einen Song! Kult!

Metal Inquisitor

Die nachfolgende ATTACKER-Show steht im Zeichen ihres ersten Albums "Battle At Helm's Deep", welches meines Erachtens fast komplett gespielt wurde. Fehlte da nicht "(Call On) The Attacker"? Egal. Ein paar aktuellere Sachen dazu, garniert mit Saxon's "Denim & Leather" - da tobt die Halle hörbar - auch weil kurzzeitig nur der Monitorsound zu hören ist.

Gemessen am Feedback des Publikums würde ich OMEN als die Gewinner des Tages nennen wollen. Die Originalmitglieder Kenny Powell (Gitarre) und Steve Wittig (Drums) haben sich mit Scott Clute am Bass und schlussendlich mit Aska-Sänger George Call bewaffnet (Kevin Goocher-Ersatz Matt Storey hatte Probleme mit seinem Pass). Den Opener verpasse ich leider aufgrund eines totalen "Titan Force forever-Wahns". Langsam wieder bei Sinnen, erlebe ich eine bis zum Abwinken feiernde Meute (bei "Battle Cry" fast lauter als die Band) und einen George Call, dessen Stimme gut zum alten Material passt, ohne den großen J.D.Kimball (R.I.P.) dabei zu ärgern. Neben unsterblichen Klassikern wie "Warning Of Danger", "Don't Fear The Night", "Death Rider" oder "Teeth Of The Hydra", gibt es mit "Voices" sogar einen neuen Song, der auf dem nächsten Omen-Release mit alten Live-Mitschnitten und diversen anderen Bonüssen zu finden sein wird. Omen is here to stay - believe it!

Omen

HELSTAR im "Remnants Of War"-Line Up. Da schnalzen die Fans doch mit der Zunge. Und in der Tat gibt sich der Fünfer auf der Bühne verdammt gut eingespielt und uns 75 Minuten lang keine Verschnaufpause. Sogar das neue "Tormentor" (bereits auf der aktuellen "Sins Of The Past" zu finden) wird gespielt und zeigt, dass mit Helstar in Zukunft noch zu rechnen ist. Ein neues Album soll ja in Arbeit sein. Alles in allem aber echt massiv und mächtig drückend. Ich brauch mal Luft.

Helstar

Nee, lieber nicht. Denn ich muss mir einen guten Platz sichern, um meinen ersten (und wahrscheinlich einzigen) TITAN FORCE Gig zu bestaunen. 15 Jahre nach ihrer einzigen Deutschland-Tour und sechs Jahre nach dem Bang Your Head-Auftritt ist es endlich soweit. Ich freu mich wie ein kleines Kind. Mit "Small Price To Pay" (ist das das Festival-Motto?!) gibt es den perfekten Einstieg in 90 Minuten Metal-Geschichte. Quer durch ihre beiden Alben plus drei der vier 94er Demos (zu finden auf den Re-Releases auf Cult Metal Records) wird hier epischer, leicht progressiver US Metal mit traumwandlerischer Präzision dargeboten. Dafür sind auch die Herren McDonald (Gitarre - für den verstorbenen Bill Richardson) und Dykes (Bass - für den Vater werdenden John Flores) mitverantwortlich. Über allem thront aber Sanges-Gott Harry "The Tyrant" Conklin, der sich entsprechend der Musik optisch zurückhält, dafür aber noch brillanter singt, als auf den damaligen Scheiben. Die haben schließlich schon 17 bzw. 19 Jahre auf dem Buckel. Apropos - der "Tyrant" wird übrigens heute 46 Jahre alt und kurz vor der Zugabe von der Festivalleitung und der gesamten Halle mit einem lautstarken "Happy Birthday, Dear Tyrant" beglückwünscht. Einen schöneren Geburtstag hätte er sich wohl auch nicht wünschen können. Mit "New Age Rebels" und einem irren "Blaze Of Glory" geht es dann ab in die Kojen und man darf gespannt sein, wie Harry sich am nächsten Abend beim Jag Panzer-Auftritt hält. Ein Ausblick? - es sollte denkwürdig werden.

Titan Force

Samstag, 05. April

Mist, schon wieder kalt gewesen und kurz war die Nacht auch noch. Hoffentlich halten wir diesen Tag noch durch, denn es stehen am zweiten Festivaltag noch einige Hochkaräter auf dem Billing, die man einfach nicht verpassen darf.

Den Startschuss geben um 12 Uhr die Italiener von BATTLE RAM, deren sehr traditionell angelegter Sound sich mal wieder gut zum wach/warm werden eignet. Da der Sänger auch in hohen Tonlagen sicher und angenehm klingt, bleibe ich doch noch etwas dabei und komme in den Genuss einer ordentlichen Version von Angel Witch's gleichnamigen Song. So wird's gemacht.

Nichts gegen die Thrash-Attacken von gestern, aber die T-Shirts der FUELED BY FIRE-Saitenfraktion (Slayer, Metallica, D.R.I.) versprechen mehr und halten es auch. Vor der Bühne wird es voll, vor und auf Selbiger wehen die Matten ohne Unterlass und zu Songs wie dem bezeichnenden "Thrash Is Back", "Put To Death" oder "Massive Execution" lässt sich herrlich die Sau raus lassen. Immer wieder wird ein richtig geiler Old School Circle Pit gestartet - ohne Arme und Beine, wie es der geneigte Metal-Fan gerne hat. Zwei neue Songs werden dann auch noch vorgestellt, die Thrash sei Dank nicht aus dem Rahmen fallen. Aussenstehenden könnte das mit zunehmendem Genuss langweilig werden, aber vor der Bühne steht fest: Fueled By Fire haben sich hier einen großen Überraschungserfolg eingeheimst.

Fueled By Fire

Review mal anders: Erst Toilette, dann Essen, dann ein bisschen Band schauen. Da ich beim Örtchen länger brauche (siehe oben) bekommt meine Freundin mit, dass die folgenden DEMON EYES beim Kurz-Soundcheck einen Metallica Song anspielen. Bloß welchen? Schwamm drüber. Erst essen. Wieder in der Halle, vernehmen wir beide die Klänge des legendären "Seek & Destroy". Aaah, so ist das. Aber welchen Text singt der etwas ältere Herr dort auf der Bühne denn? Ich tausche mit meiner Freundin Fragezeichen aus, die sich erst auflösen, als der Song fertig und Monsieur das Publikum auf Französisch vollquatscht. Na, hallelujah! Metal mit französischer Sprache ist echt gewöhnungsbedürftig und fruchtet bei mir gar nicht. Spaßig wird es zumindest noch beim Trust-Cover "Antisocial", welches ja in Metal-Kreisen spätestens seit Anthrax zum Pflichtprogramm gehört. Ganz amüsant, aber für uns leider auch nicht mehr.

Danach drücke ich meiner Liebsten den Fotoapparat in die Hand und begebe mich vor die Bühne um auch ja alles mitzubekommen vom exklusiven Europa-Auftritt von CRESCENT SHIELD. Eines vorweg: Die Musik und ihre Darbietung waren so verdammt ehrlich und ergreifend, dass ich nicht nur einmal mit meiner Fassung ringen musste. Und das obwohl Sänger Michael Grant zu "The Path Once Chosen" anmerkt, dass Metal ja "happy" sein sollte. Der Mann hat eine solch immense Ausstrahlung auf der Bühne und darüber hinaus noch so viel Emotion in seiner warmen Stimme. Flankiert wird er von Gitarrist Dan DeLucie, der ihm gesanglich dynamisch zur Seite steht und eine eigentlich erhoffte zweite Gitarre völlig vergessen lässt. Dazu trägt auch Bassistin und totaler Männer-Blickfang Melanie Sisneros bei, die ihren Fünfsaiter wie ein Profi bearbeitet. Musikalisch gibt es sieben Tracks des Debüts "The Last Of My Kind" plus "Lifespan" - einem neuen Song der nächsten CD. Eine geile Speed-Nummer (bis dato das Schnellste der Band) mit einem schönen Mittelalter-angehauchten Schunkelrefrain. Sehr geil. Das Publikum kommt mit jeder weiteren Nummer immer mehr in Fahrt und das abschließende "Burn With Life" wird kräftig mitgesungen. Dass die T-Shirts (für 10 Euro) danach schnell ausverkauft waren, spricht für sich. Ein heimlicher Gewinner des Festivals. Für mich war es aber schlicht und ergreifend der Hammer. Habe ich nicht in meinem Review ewähnt, dass Crescent Shield der perfekte Opener für Jag Panzer wären.

Crescent Shield

Genau so exklusiv wie Crescent Shield, ist auch der Auftritt von PHARAOH. Nur objektiv gesehen nicht so stark. Das Material ist definitiv stark genug, um bei jedem True-Publikum zu bestehen. Vielleicht liegt es aber daran, dass alles etwas progressiv durchsetzter ist. Das macht zwar nix, doch die Stimmung hält sich nicht wie bei den Vorgängern. Dabei sind die Jungs um ex-Control Denied Sänger Tim Aymar keine Anfänger und bringen neben den Songs der ersten beiden Alben auch mal gleich zwei neue Songs, der demnächst erscheinenden CD "Be Gone". Aymar selbst trägt seit Neuestem Kurzhaar und eine nette Plauze, ist aber stimmlich bestens bewaffnet und weiß beim Ankündigen eines "After The Fire"-Songs sich sogar höflich über die deutschen Fans lustig zu machen ("I like how you say 'fire' - faijaaa"). Das nimmt ihm auch keiner übel. Nur ich bin dezent angefressen, dass der Übersong "By The Night Sky" bereits an dritter Stelle zu hören ist. So viel zum Thema vorzeitiger "Ohrgasmus".

Pharaoh

Blöde Überleitung, aber auf die Ohren gibt es dann eine Stunde lang bei CAGE. Nach 2001 (Wacken) und 2004 (Bang Your Head) also endlich wieder auf deutschen Bühnen. Und jüngste Interviews belegen, dass den Texanern das zu wenig ist. Entsprechend in your face ist der Auftritt. Als wenn die immensen Muckis von Gitarrist Dave Garcia zu Noten würden. Gradlinig mit jeder Menge US- und "Painkiller"-Power jagt der Fünfer durch meist aktuelle Songs und versucht die Chance zu nutzen, bei "some promoters that are here" und beim Publikum zu landen. Das mit dem Publikum klappt auf jeden Fall prächtig. Killer wie "Hell Destroyer", "Rise Of The Beast" (jaa!) oder "Kill The Devil" sind prächtiges Mitshout-Futter. Da hätte sich Sänger Sean Peck ruhig die Anmerkung verkneifen können, man möge doch bitte CDs und T-Shirts kaufen um die Band zu ehren. Also bitte ... musikalisch trotzdem Hammer.

Cage

Die nächste Stunde mit DOOMSWORD wird für mich etwas zur Zerreissprobe. Ganz klar, die Band hat ihre zahlreichen Anhänger - auch zu Recht. Aber mir liegen bis dato anderthalb harte Tage in den Knochen und ich bin mit dem Material der Italiener nicht bestens vertraut (man kann ja nicht alles kennen). Ergo bleibt aufgrund der meist überlangen Songs eine gewisse Langatmigkeit nicht aus und die Action auf der Bühne hält sich auch arg in Grenzen. Aber die Fans stehen wie ein Mann hinter der Band und zeigen sich extrem textsicher. Belohnung für heute - ein Song vom ersten Album mit ex-Sänger Nightcomer. Ich nehme es mit Respekt hin und fühle mich trotzdem etwas benebelt. Das könnte aber auch an der Dunstglocke liegen, die sich langsam in der Halle breit macht.

Doch bevor der Smogalarm betätigt werden kann, ist es Zeit für die tödlichste Thrash-Packung des Festivals. Für die kanadischen Razor eingesprungen, zeigen HEATHEN, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören. Auch wenn David White-Godfrey mit Jeans und Stretch-Pulli aussieht wie der Papa des Jahres, singen kann er immer noch wie vor 20 Jahren. Und mit Klassikern wie "Hypnotized", "Mercy Is No Virtue" oder dem finalen "Death By Hanging" kann gar nix schief gehen. Selbst die beiden neuen Songs sind immer noch "Thrash with class" und lassen einen nächsten Kracher erwarten. Einziger Tiefpunkt abseits des Gigs: Gegen 20.45 Uhr werden die Sitzgelegenheiten (Tische und Bänke der beendeten Metalbörse) komplett abgebaut. Hallo! Wir haben noch mindestens vier Stunden vor uns! Also gut, wieder Treppe rauf und auf den Rängen Platz nehmen.

Heathen

Und von oben aus MANILLA ROAD begutachten. Eine rhetorische Frage: Wie findet man eine Band, wenn man keinen einzigen Ton Musik, sondern nur ihren exzellenten Ruf kennt?! Aber sollte Gitarrist Mark Shelton nicht wieder "back on vocals" sein? Es steht aber noch ein Sänger da (von Weitem könnte man ihn mit WWE-Wrestling-Star Kane verwechseln) und der geizt nicht gerade mit seiner Stimme. Auch wenn ich spätestens jetzt feststelle, dass ich wohl nie ein Fan dieser Art Epic Metal werde, muss ich aber neidlos anerkennen, dass Manilla Road zu Recht als Götter gehandelt werden. Zumindest im direkten Vergleich zu Doomsword, möchte ich hier mehr als ein Ohr riskieren. Das Feedback der Massen vor der Bühne ist definitiv beeindruckend!

Als wäre der gestrige Headliner-Auftritt von Titan Force nicht schon der schiere Wahnsinn gewesen, wird der "Reign Of The Tyrant" erst jetzt durch den folgenden absolut anbetungswürdigen JAG PANZER-Gig vollendet und bis in alle Ewigkeiten als einer der größten Metal-Ereignisse erzählt werden.
So fühlt es sich jedenfalls für mich an! "Generally Hostile", "License To Kill", "Symphony Of Terror" - was für ein Einstieg. Und von der ersten Sekunde steht getreu dem Festival-Motto fest, wer hier heute (nur) die Hosen an hat. Harry "The Tyrant" Conklin - oben ohne, mit Lederhose, Ketten und Nieten - stellt sich metal-like als "some asshole with big dick on vocals" vor, ist der Aktivposten und singt als ginge es um sein Leben. Schon vergessen? Der Mann ist gestern 46 geworden und macht gesanglich den Eindruck, als wenn sein einziger Gegner nur noch er selbst wäre, den er in der nächsten Sekunde noch einmal übertreffen will. So entfesselt manövriert er sich, seine Mannschaft und das feiernde Publikum in den nächsten zwei Stunden durch fast alle Jag Panzer-Stationen. Sei es nun "Iron Eagle", "King At Any Price" oder "Lustful And Free (ja, ja und noch mal JA!) - es gibt keine musikalischen Ausfälle zu vermelden. Bis auf den von Gitarrist Christian Lasegue's Amp. Bei "Battle Zones" singt Harry zeitweise nur mit Bass und Drums. Die erste Unterbrechung wird mit einem Drumsolo überbrückt und nach "Future Shock" geht gar nix mehr. Die Zwangspause veranlasst offensichtlich sogar einige Fans, die Halle vorzeitig zu verlassen. Großer Fehler. Denn nachdem alles wieder läuft kommt nach ein paar weiteren Songs bei "The Mission" ein kurzhaariger Blondschopf auf die Bühne geschlendert und trällert sich mit einigen Backing-Vocals warm. JA! Es ist soweit. Schon lange angekündigt steht nun Bob Parduba auf der Bühne - Jag Panzer-Sänger auf dem legendären "Chain Of Command"-Album. Harry räumt das Feld und was folgt, ist fast jedem klar. "Chain Of Command" (mit wahnsinnigem Fan-Chor), "Never Surrender" (und nicht "Viper") klingen mit Bob genau so geil wie damals und dann noch "Shadow Thief" wieder mit dem Tyrant im Duett. Das gibt es doch nicht. Genau wie der traumhafte Duett-Refrain von "Take To The Sky". Ich möchte mich am liebsten direkt vor die Bühne knien. Nach "Legion Immortal" und "The Crucifix" ist erst mal Schluß. Aber ohne Zugabe kommen die hier nicht weg. Und die beginnt mit dem Mercyful Fate-Cover "Gypsy", wo Harry's fast hysterische Vocals von Bob mit einem schlacksigen "I like that one" kommentiert werden, bevor Mr. Parduba cool wie Oskar eine Killer-Version von Priest's "Electric Eye" schmettert. Die Halle steht Kopf! Eigentlich könnte jetzt und hier Ende sein, aber die Band möchte sich noch mit Iron Maiden's "Where Eagles Dare" verabschieden. Ich strecke die Waffen und bin nicht mal böse, als weit nach 1 Uhr ziemlich unsanft das Hallenlicht gezündet wird.

Jag Panzer

Was soll's - mehr Metal geht eh nicht mehr! Mein Kopf ist völlig leer und ich habe das Gefühl, als wenn ich solch ein denkwürdiges Konzert/Festival-Erlebnis in den nächsten Jahren (wenn überhaupt) nicht noch einmal erleben werde. Dieses Keep It True X wird allen Anwesenden wahrscheinlich für immer im Gedächtnis bleiben. Bei mir hat es bereits Wirkung gezeigt. Noch drei Nächte (!) nach diesem Wochenende habe ich noch von der einen oder anderen Festivalimpression geträumt! Danke für dieses Erlebnis. Danke Keep It True.


Text & Fotos: Siegfried Wehkamp