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Konzert: MAROON - 15.01.2008 - Hamburg

Location: Knust
Support: Bring Me The Horizon, Blessed By A Broken Heart, Architects


Heidewitzka, ein Blick vor die Türen des Knust lässt die mega-metal-.deAkteure doch stark überlegen, ob man nicht in Rente gehen sollte. Auf den ersten Blick liegt der Altersdurchschnitt bei höchstens 18 Lenzen und outfit-technisch sind wir heute auch nicht gerade auf einem Metal-Konzert. Das wird richtig interessant.

Los geht das heutige deutsch-englisch-kanadische Package mit den Briten ARCHITECTS und die scheinen gleich schon mit dem ersten Song genau den Geschmack des heute anwesenden Publikums getroffen zu haben, denn diese - sich nach wie vor großer Beliebtheit erfreuende - Mischung aus straightem Core in Verbindung mit modernem Metal kommt beim Publikum bestens an, was dieses sofort mit den ersten Circlepits dankt. Sam Carter - Neuzugang am Architects-Mikro macht seine Sache ausgesprochen gut und wirbelt wie seine Kollegen unaufhaltsam über die Bühne. Bei einem Durchschnittsalter der Band von rund 20 Jahren auch kein Wunder. Solider Einstand.

Architects

Ein bisschen skeptisch bin ich bei den Kanadiern BLESSED BY A BROKEN HEART, die ihre Musik als "christlichen Metal" bezeichnen und nach dem, was ich bis dato gehört habe, irgendwie nicht so richtig in das heutige Billing passen dürften, was zuletzt auch durch die Van Halen-Kutte von Zweitsänger Tyler Hoare unterstrichen wird.
Aber glücklicherweise kommt es dann doch anders, denn live ist die Band weitaus energiegeladener und bei weitem nicht so "glam-rockig", wie es auf CD mitunter den Eindruck macht. Die Stimmung von Architects können die Jungs zwar nicht ganz halten, aber die rund 30 Minuten sind auch in diesem Falle ein wirklich ordentlicher Auftritt, mit grüner Lasershow und viel Stageacting.

Blessed By A Broken Heart

Das, was sich den Abend über schon abgezeichnet hatte, wird nun Wirklichkeit: Die englischen Jungspunde BRING ME THE HORIZON scheinen heute die meisten Fans mobilisiert zu haben. Das ist insofern mehr als faszinierend, weil die Band (trotz ihres Kerrang!-Awards als bester britischer Newcomer) vor allem durch MySpace bekannt geworden und in Deutschland bisher überhaupt nicht in Erscheinung getreten ist. Nachdem der Merchandising-Stand regelrecht überfallen wurde, hat gefühlt jeder zweite Konzertbesucher im Laufe des Abends ein Shirt der Band an. Und wer dachte, dass die "kleinen Kiddies, Mädels und Emos" nicht richtig abgehen können, wird sich im Laufe des Sets eines Besseren belehren lassen müssen, denn das, was vor der Bühne im mittlerweile sehr gut gefüllten Hamburger Knust abgeht, ist das reinste Tollhaus. Die stimmliche Leistung von Fronter Oliver Sykes (und auch die musikalische Leistung der übrigen Band) ist absolut beeindruckend, denn auch hier gilt: Das Durchschnittsalter der Band liegt gerade mal bei 20 Jahren. Musikalisch wird lupenreiner Metalcore mit einer guten gehörigen Portion modernem Death Metal geboten. Stellenweise erinnern mich einzelne Passagen an Caliban und Amon Amarth. Die Stagediver geben sich auf der Bühne die Klinke in die Hand, allzu schüchterne Mädels gehen gleich zu zweit und händchenhaltend (!) auf die Bühne, um sich von eben dieser in die Menge zu stürzen. Hier und da darf auch mal ein Fan aus der ersten Reihe eine Textzeile ins Mikro brüllen und spätestens beim abschließenden "Medusa", dem "MySpace-Überhit" gibt es nirgends mehr ein Halten.
Leute, Leute, ich bin mächtig beeindruckt!

Gott sei Dank sind zu MAROON doch noch mehr Leute geblieben als vorab befürchtet. Und die werden von Sänger André (schönes "Bauhaus"-Shirt) direkt vor dem Opener noch mit Blumen beschenkt. Kult! Eine Stunde lang wird hier richtig Vollgas gegeben, so dass man die Headlinerposition zurecht beansprucht. Das bestätigt das ziemlich textsichere Publikum, von denen einige sogar Wort für Wort an Andrés Lippen hängen. Der - ich weiß, dass ich mich wiederhole - ist einfach eine richtig sympathische Pottsau. Funktioniert das Mikro nicht, wird es gen Hallendecke befördert. Im Gegenzug bekommt das Publikum literweise Wasser gereicht und wird immer wieder animiert, seinen unnachahmlichen Tanzeinlagen Folge zu leisten. Das klappt zwar nicht, aber vor der Bühne tobt trotzdem der Mob. Musikalisch kann man heute gar nichts verkehrt machen, jeder Song killt ohne Umwege und ich stelle anhand der steigenden Rate an wehenden Haaren fest, dass die Message von Maroon schon längst ins Land getragen wurde. Vergesst Core - am Ende ist es nur noch Metal! Das einträchtig gebrüllte "Wake Up In Hell" als finaler Todesstoß ist der Beweis. Ich bin gespannt, zu was diese Band in Zukunft noch in der Lage sein wird. Wir sehen uns wieder.

Maroon

Setlist - Maroon
24HourHate
Iron council
Reach The Sun
Without A Face
The Worlds Havoc
Annular Eclipse
Shadow Of The Vengeance
Only The Sleeper Left The World
Endorsed By Hate
Wake Up In Hell


Text: Marco Zimmer
außer Einleitung & Maroon, Text: Siegfried Wehkamp
Fotos: Marco Zimmer