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Festival: WACKEN OPEN AIR - 31.07 - 02.08.2008

Donnerstag, 31. Juli

Tag 1 des diesjährigen W:O:A geht sehr entspannt los. Die erste Band, die auf meinem Plan steht, spielt erst am frühen Abend, heißt STURM UND DRANG, hat letztes Jahr schon für jede Menge Begeisterung backstage im Presse-Zelt gesorgt und "darf" dieses Jahr nun auf der Party Stage ihren Mix aus Power Metal und Hard Rock zum Besten geben. In Anbetracht der Tatsache, dass Airbourne zeitgleich spielen, gelingt es den jungen Finnen trotzdem, so einige Leute zu mobilisieren und für kurzweilig gute Stimmung zu sorgen. "Broken" oder "Forever" sind nun aber auch wirkliche Perlen. Garniert wird der Auftritt mit Judas Priest's "Breaking The Law" und - clevererweise - Iron Maiden's "Fear Of The Dark", was natürlich für die erste Gänsehaut-Stimmung des Tages sorgt. Klasse.

Sturm und Drang (Foto: maz)

Äußerst gespannt warte ich dann auf AVENGED SEVENFOLD, eine Band, die es irgendwie schafft, mit jedem Album nahezu neue Wege zu gehen. Ich bin gespannt, wie das in 60 Minuten unter einen Hut passt … und stelle erstaunt fest: Es passt. Und wie! Die Verbindung von Musik und Optik ist hier allerdings zugegeben sicherlich etwas gewöhnungsbedürftig. Hier kommt zusammen, was eigentlich gar nicht zusammenpasst. Metalcore/Hardcore trifft auf Glam-/Hard Rock und hier und da blitzt klassischer Heavy Metal durch. Ich erinnere mich, dass mir während des Auftrittes spontan der Begriff "Glam Core" durch meinen leicht alkoholisierten Schädel geisterte. Doch wie kann das musikalisch funktionieren, zwei auf den ersten Blick so völlig verschiedene Musikstile unter einen Hut zu bringen? Es liegt vermutlich daran, dass Avenged Sevenfold einfach ein erstklassiges Händchen für Songwriting abseits jeder Schubladen und Klischees haben und mit Sänger Matt "M. Shadows" Sanders zudem noch ein absolutes Allroundtalent und Aushängeschild in ihren Reihen, das das Publikum zu jeder Zeit zu begeistern weiß.

Avenged Sevenfold (Foto: maz)

Aber eigentlich ist an diesem ersten W:O:A-Tag alles egal, denn es gibt nur ein Highlight: IRON MAIDEN! Endlich hat es geklappt und entsprechend ist der Platz knackevoll. Und nach dem ersten "Intro-Gespiele" (hier: UFO's "Doctor, Doctor" und Maiden's "Transylvania") geht die Reise "Somewhere Back In Time" los. "Aces High" und "2 Minutes To Midnight" ist das perfekte Anfangsdoppel. Und danach knallt es fast. Mr. Dickinson fühlt sich vom schwenkenden Kameraarm, der wie immer zwischen den Bühnen sein Unwesen treibt, so genötigt, dass er klare Worte spricht: "Park that f*ckin' crane. I don't wanna see it anymore!" Als der Kameramann mehrmals nicht reagiert, stapft The Bruce selbst los, um den Herren in die Schranken zu weisen. Die Androhung hat gereicht, die Fans finden's supi und geniessen fortan eine freie Sicht auf die Bühne, wo die Eiserne Jungfrau durch ihr Motto-Best-Of-Programm jagt. Neben den unsterblichen Classics gibt obendrauf noch lange nicht Gehörtes wie "Powerslave", "Moonchild" oder "Revelation". Das Ganze garniert mit verschiedenen Backdrops, dem Mumien-Eddie oder dem "Somewhere ..."-Cyborg-Eddie, der über die Bühne stolziert. So göttlich, so geil, so schön. Die Band ist top, Bruce singt over the top, nur die dritte Gitarre von Jannick Gers ... ja, sie ist eingestöpselt und man kann sie auch manchmal hören. Aber seine permanenten Kaspereinlagen gehen einem langsam richtig auf den Zeiger. Fazit im leicht benebelten Zustand: Gers raus, Maiden bleiben. Am liebsten das gleiche Set nochmal bis in die Morgenstunden. A Night To Remember Indeed!

Freitag, 01. August

Ist das noch fair? PRIMORDIAL um 11 Uhr auf der Party Stage? Mit nur 45 Minuten? Was macht die Band bloß falsch? Gar nichts! Mit ihrem Irish-Pagan-Doom (oder was auch immer) gehen die Herren sechs Songs lang keine Kompromisse ein. Das erwartet auch keiner und will auch keiner. Entweder liebt man sie oder man kann nichts mit ihnen anfangen. Die, die sie lieben, sind mehr als zahlreich vor der Party Stage erschienen, singen lauthals beim Opener "Empire Falls" mit und feiern ihre Helden. Alan A. Nemtheanga hat klar den besten Draht zu seinen Fans und man kann fast einen Hauch von Intimität in der weitläufigen Wacken-Landschaft spüren.

Primordial (Foto: maz)

Danach findet sich auf True Metal Stage wieder eine Thrash-Reunion ein. Letztes Jahr waren es Sacred Reich und 2008 sind es die Australier von MORTAL SIN. Im März legten sie eine beachtliche neue CD vor und zeigten auf der großen Bühne, dass sie immer noch mit Biss bei der Sache sind. Dass die Klassiker der vergangenen Zeiten erwartungsgemäß am meisten drücken, war klar. Die beiden Rausschmeißer "I Am Immortal" (yeah!) und "Mayhemic Destruction" (hell yeah!) zeigten auch so manchem Nachwuchsbanger, dass Papa damals schon guten Metal gehört hat.

Ob Papa auch extremen Metal hört, wage ich angesichts des jungen Publikums vor der Black Stage zu bezweifeln. Hier entern nämlich die Twens von JOB FOR A COWBOY die vielleicht etwas zu große Bühne. Klar, die Jungs sind auf MySpace schon große Helden und ihr Death Metal-lastiges Extrem-Gebräu fönt so manche beginnende Langhaarfrisur wieder gen Ausgang. Aber ich hätte nicht gedacht, dass sich ob dieser musikalischen Brachialität trotzdem so viele - Verzeihung - Kiddies vor der Bühne einfinden. Als Gesamtbild sehr beeindruckend. Bin wirklich gespannt, wo die Jungs in ein paar Jahren stehen.

Wir stehen auf jeden Fall im ebenfalls beeindruckenden Regen, der uns erst mal dazu veranlasst, ins "mega-metal.de-Quartier" zurückzukehren und leider erst nach UNEARTH wieder das Gelände zu betreten. Sorry boys.

Leider fällt auch ein Großteil des Auftrittes von ENSIFERUM für mich buchstäblich ins Wasser. Ich bin ja nun wirklich nicht aus Zucker, aber Regenschirm + Bier + Kamera halten ist dann doch zuviel des Guten. So schaue ich mir das Ende des Sets der verrückten Finnen aus der Entfernung bzw. auf dem Weg rüber zur True Metal Stage an, werde einmal mehr Zeuge der reinsten "Humppa-Party" und mit dem starken "Iron" ist dann auch Schluss. Schade, ich hätte mir doch mehr anschauen sollen. Aber so ist das halt.

Umso mehr freue ich mich dann auf KAMELOT Irgendwie konnte mich die Band in der letzten Zeit immer mehr begeistern und spätestens beim heutigen zweiten Song - "When The Lights Are Down" - nicke ich mir selber zu und denke: "Ja!". Die Band um Ausnahmesänger Roy Khan zündet (neben Unmengen an Pyros) ein beeindruckendes Hit-Feuerwerk ab: "Center Of The Universe", "The Haunting", "Human Stain", "March Of Mephisto" - um nur einige zu nennen. Für die ultimative Party ist das Material zwar etwas zu progressiv, aber die Fans kommen vollends auf ihre Kosten, nicht zuletzt auch durch die Background-Sängerin, die sich als wahrer Blickfang entpuppt.

Kamelot (Foto: maz)

Raider heißt jetzt Twix - wissen wir. Aber Gorerotted heißen jetzt THE ROTTED und prügeln sich wie die RottenTotten quer über die W.E.T.-Stage. Was für ein Massaker, da bekommt die Queen ja Haarausfall unter der Krone. Ihr erstes Album nach der Umbenennung "Get Dead Or Die Trying" hat es mir ohnehin mächtig angetan. Umso mehr freue ich mich, dass während meiner Anwesenheit nur eben diese Tracks gezockt werden. "A Return To Insolence", der Titeltrack oder das absolute Monster "The Body Tree" gefallen jedem Fan des Extremen und ähnlicher Grind/Death/Punk-Schattierungen. Coole Sache das alles. Trotzdem flüchte ich vor Ende, weil der Soundmann nicht ganz dem wahnsinnigem Treiben auf der Bühne folgen kann und der Sound mit Trigger- und Höhenlastigkeit in den Ohren beißt. Aua!

The Rotted (Foto: sw)

Danach geht's auf der Black Stage hochmelodisch aber nicht weniger hart mit SOILWORK weiter. Circlepits und kreisende Haarmatten sind das Resultat solcher Titel wie "As We Speak" "Rejection Role" oder "As The Sleeper Awakes". Es bedarf heute gar keiner sonderlich großen Anstrengungen der Schweden um Frontmann Björn "Speed" Strid, die Fans mitzureißen. Die Party vor der Bühne nimmt fast von alleine ihren Lauf und die Band sorgt für die musikalische Untermalung.

Soilwork (Foto: maz)

Eine ähnlich große Party steigt dann vor der True Metal Stage bei SONATA ARCTICA. Eingängiger - teils Hochgeschwindigkeits - Power Metal der Marke "Kingdom For A Heart", "Paid In Full" und dem Überhit "The Cage". Das ist zwar größtenteils nicht so ganz meine Welt, aber spätestens seit dem Ende (?) von Stratovarius sicherlich die Speerspitze des finnischen Power Metals. Sänger Tony Kakko gibt zwar hier und da - haarscharf an der Geschmacksgrenze - den Hampelmann, aber alles in allem eine durchaus angenehme Truppe, mit durchweg guten Songs.

Spielen MASSACRE nun oder nicht? Aber sicher spielen sie. Im Vorfeld war es ein Hin und Her, welches Bassist Terry Butler mir nach dem Gig kurz erklärte: Um die Wacken-Show waren Clubshows zur Finanzierung des Fluges geplant. Die sind aber alle ins Wasser gefallen und somit sorgten die Wacken-Veranstalter kurzerhand selbst (!) dafür, dass die Band doch noch ihre Reise gen Wacken antreten konnte. Ein ganz großes Dankeschön dafür!
Denn der Gig der (neben Death) Mitbegründer des Death Metal war genau das, was der Death Metal-Fan jetzt brauchte. Das Götteralbum "From Beyond" wird einfach von vorn bis hinten durchgezockt ("Symbolic Immortality" wird vom Uralt-Kracher "Provoked Accurser" ersetzt). Das Line Up ist definitiv authentisch. Die beiden Urmitglieder Kam Lee und Terry Butler werden vom späteren Massacre-Nachrücker und heutigem Six Feet Under-Saitenquäler Steve Swanson, Zweitgitarrist Sam Williams (aus Kam's neuer Band Denial Of Fiend) und Nasty Savage-Drummer Curt Beeson unterstützt. Was soll ich sagen. Kam Lee kann immer noch so geil growlen wie vor 20 Jahren und die Songs sind absolutes Pflichtprogramm für jeden Death Metal Fan. Wer "Corpse Grinder" nicht kennt, hat den Metal verpennt!

Was OPETH währenddessen abliefern, gleicht schon dem reinsten Zelebrieren, wenngleich der Sound durch den starken Wind etwas matschig rüberkommt. Man braucht hier jetzt auch gar nicht erst darüber diskutieren, dass Opeth eine Band ist, die nicht einfach nur Songs spielt, sondern kleine Meisterwerke, bei denen der Partyfaktor natürlich zweitrangig ist. "Demon Of The Fall" oder "The Drapery Falls" werden mit spielerischer Extase vorgetragen, die zwar durchaus beeindruckend ist, aber für meinen Geschmack etwas zu "anstrengend". Den Fans und er auch der Band scheint's aber bestens gefallen zu haben. Sänger Mikael Akerfeldt bekommt am Ende des Sets das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht und bedankt sich mit einem leisen aber bestimmenden: "It was … fantastic!".

Opeth (Foto: maz)

Höchste Zeit, in Deckung zu gehen, bzw. sich ein lauschiges Plätzchen zu suchen, falls das überhaupt noch möglich ist, denn so voll wie jetzt wird es heute nicht mehr. Auf dem Programm stehen CHILDREN OF BODOM. Leider zählen die Finnen zu den Bands, die ich im Laufe der letzten Jahre einfach "über" habe. Ich will jetzt aber keinesfalls irgendetwas Negatives sagen. Die Finnen um Alexi Laiho sind ganz klar und auch zurecht eine der größten Metalbands der heutigen Zeit und erweisen sich heute als der mit Abstand größte Publikumsmagnet. Es wäre überflüssig, jetzt irgendwelche Hits aufzuzählen. Stellvertretend seien trotzdem mal "Needled 24/7", "Hate Me" oder "Mask Of Sanity" genannt. Die Zahl der Crowdsurfer scheint die Zahl der Leute an den Biertheken zu toppen. Schätzungen zufolge sollen über 2.000 (!) Fans in Richtung Graben gesegelt sein. Wahnsinn.

Vom zweiten Teil des Cantus Buranus-Spektakels von CORVUS CORAX schaue ich mir noch das Ende an. Hier steht zweifelsohne die Optik im Vordergrund, denn diese Bühnendeko toppt fast noch Iron Maiden! Feuerfontänen, Fahnenträger, großartige Kostüme - hier ist einfach alles stimmig. Naja, fast. Denn musikalisch wirkt das auf Dauer alles etwas ermüdend. Aber für "gemütlich nebenbei" tut's keinem weh.

A-Capella-Metal? Bei meinen ersten VAN CANTO-Hörproben aus dem Netz und auf CD machte sich schon Unbehagen breit. Aber um "mitreden zu können" schaue ich doch kurz mal rein und bin pünktlich zur Zugabe vor der W.E.T.-Stage. Dort sehe ich ein glückliches Publikum und ein paar gestandene Headbanger, die zur Oral-Version von Metallicas "Battery" abgehen. Ich kapier es nicht. Ist das noch Metal? Das ist ja wie Apocalyptica ohne Cellos. Und das "Gitarren-Solo" besteht aus Lauten, die wir als Kinder im Sandkasten machten, um die Polizeisirene unserer Matchboxautos nachzuäffen. Der Metal hat ja schon viele Mixturen und Verfremdungen erlebt, aber A-Capella geht mir entschieden zu weit.

Mittlerweile ist es nach Mitternacht. Bei AVANTASIA heißt es für mich jetzt leider "nur dabei, statt mittendrin", denn meine Kräfte und Motivation sind annähernd bei Null angekommen. Das, was Tobias Sammet hier und heute auffährt ist schon beachtlich. Jorn Lande (dessen Gesang zu Beginn leider komplett nicht zu hören ist), Bob Catley und Amanda Somerville setzen teils großartige Songs mehr als perfekt um. "The Story Ain't Over", "Serpents In Paradise" oder auch das Finale mit einem Medley aus "Sign Of The Cross" und "The Seven Angels" sind wirklich beeindruckend. Für mich ist der heutige Tag hier und an dieser Stelle jedenfalls beendet.

Avantasia (Foto: sw)

2 Uhr - GORGOROTH. Muss ich sehen, auch wenn's hart wird. Songs? Kenne ich keine. Hintergründe zur Band? Zu viele um durchzusteigen, also egal. Ich weiß nur eines: Ich habe noch nie so ein kontrolliertes und doch hysterisches Gekreische, wie von Fronter Gaahl gehört. Mir läuft es eiskalt den Rücken runter. Fast in Zeitlupe schreitet er über die Bühne und besetzt Selbige mit seiner Präsenz. Die Hinzunahme von nicht gerade wenigen Feuersalven und die vier Holzkreuze auf der Bühne, an denen je zwei nackte Männlein und Weiblein "hängen", untermalen die einzigartige Black Metal-Stimmung, die das Ganze Areal zu erfassen scheint. Die Krönung ist schlussendlich die Musik, die zweifelsohne zum Besten zählt, was der Black Metal zu bieten hat. Diese Atmosphäre ist unglaublich und es soll keinesfalls negativ klingen, wenn ich ehrlich zugebe, dass ich mich in dieser Stunde teilweise wirklich gefürchtet habe. Albträume hatte ich deswegen aber trotzdem nicht. Wäre ja noch schöner.

Gorgoroth (Foto: sw)

Samstag, 02. August

Schaue ich auf die Running Order des heutigen Tages, merke ich erst, wie sehr ich doch noch ein heißblütiger Fan dieser Musik namens Heavy Metal bin. Somit fiel die Entscheidung nicht schwer, den Fotoapparat liegen zu lassen und nach dem nächsten Drink zu verlangen, weil als Warmmacher (eigentlich eine Untertreibung) auf der Black Stage die kanadische Axt im Wald in Form von 3 INCHES OF BLOOD die Kuh fliegen lässt. Ihr "Alles Gute aus den 80ern"-Sound von Maiden bis zum Thrash zieht nicht wenige vor die Bühne und wirkt neuerdings auch optisch authentischer, da Schreihals Jamie Hooper offensichtlich nicht mehr dabei ist und Gitarrist Justin Hagberg diese Aufgabe übernimmt. On stage sehen wir nun eine gereifte, bärtige Metal-Einheit mit starkem Stage-Acting, die mich mit Killern wie "Wykydtron", "Forest King", "Deadly Sinners" oder "Goatrider's Horde" zum Dauer-Banging zwingt, während anderen gestandenen True Metallern beim Halford-meets-Dirkschneider-Gesang von Cam Pipes so mancher abgegangen sein dürfte.

Letzter Tag, erste Band. Im Gegensatz zum mega-metal.de-Kollegen entscheide ich mich dann doch lieber für MACHINE MEN. Ohne auch nur irgendeinen Song der Finnen zu kennen und mit genau null Erwartungen werde ich in den kommenden 45 Minuten sehr positiv überrascht. Sänger Antony Parviainen kommt stimmlich wie ein kleiner Bruce Dickinson daher (kurios: Die Band hat ursprünglich mal als Iron Maiden-Coverband angefangen) und wirbelt höchst agil über die Bühne. Mit starken aktuellen Songs wie "Ghosts Of The Seasons", älterem Material wie "Falling", sowie einem wirklich guten Gitarren-Duo Jari Noronen und J-V Hintikka bin ich letztendlich froh, dass ich den Finnen den Vorzug gegeben habe.

Machine Men (Foto: maz)

Es freut mich immer wieder zu sehen, dass sich die Dänen MERCENARY offensichtlich immer beliebter werden. Die Truppe um Goldkehlchen Mikkel Sandager liefert heute aber auch einen Traum-Gig ab. Der Einstieg mit "Bloodsong" und "Soul Decision" könnte nicht besser sein. Danach drei aktuelle Songs vom neuen Album "Architect Of Lies" und zum Abschluss "11 Dreams" und der unvermeidliche Hit "Firesoul". So wird's gemacht. Mikkel singt wie ein junger Gott, spricht niedliches Deutsch und agiert genau wie seine Mannschaft immer souveräner. Die Mischung seiner Stimme mit den groovigen Melodic-Death-angelehnten Epic-Tracks wird immer besser. Schön, dass so viele vor der Party Stage waren, um dieses zu würdigen. Bei Dänen geht noch mehr.

Mercenary (Foto: maz)

Auf - oder genauer gesagt vor - der True Metal Stage legen EXODUS gleich mit dem Opener "Bonded By Blood" alles in Schutt und Asche. Das ist Bay Area-Thrash "at its best"! Da wird im dichten Gedränge vor der Bühne gemosht und gebangt, was das Zeug hält. Ich drehe derweil noch eine Runde über das Gelände, bekomme gegen Ende noch das starke "War Is My Shepherd" mit und begebe mich schonmal in Richtung Party Stage.

Exodus (Foto: maz)

Nachdem mich die Death Metal Veteranen von Obituary auf ihrer Tour Anfang des Jahres leicht enttäuscht haben, war für mich klar, dass ich mir lieber die Vollbedienung mit Garantieschein auf der Black Stage abhole. HATEBREED = eine Stunde pure Energie! Ihr Hardcore klingt zwar öfters mal schön nach Metal, hat aber den richtigen Spirit und mit Szene-Kopf Jamey Jasta den perfekten Überbringer. Frisch, mit kräftig Luft in der Lunge und den immer passenden und ehrlichen Worten für die ausklinkende Meute. Völlig egal, welcher Song gespielt wird - es drückt im Gesicht, es wummert im Bauch und es schallt in den Ohren. "I Will Be Heard"!

Auf der Party Stage haben OBITUARY ein paar Probleme in Sachen Lautstärke mit Hatebreed mitzuhalten. Das ist insbesondere weiter hinten zwar äußerst ärgerlich, aber dafür kann die Band ja schließlich nichts. In den ersten Reihen kreisen ununterbrochen die langen Matten, egal ob zu bandeigenem Material wie "Cause Of Death" oder zur Coverversion "Dethroned Emperor" (Celtic Frost). Eine wirklich amtliche Vorstellung von Floridas Todesmaschine.

Obituary (Foto: maz)

Mit AS I LAY DYING wartet dann eines meiner persönlichen Highlights auf mich. Während auf der Bühne nebenan gerade noch Hatebreed mit ihrem aggressiven Hardcore alles niedergewalzt haben, zeigen As I Lay Dying, dass das mit ebenso hartem, aber weitaus melodischerem Metalcore (mit Death Metal-Wurzeln) genauso gut geht. Das begeistert natürlich die Jugend, stösst beim Otto Normal-Kuttenträger aber eher auf Unverständnis. Nichtsdestrotrotz sorgt das Quintett für eine Bombenstimmung. Frontsau Tim Lambesis liefert einen erstklassigen Job ab und das Publikum feiert die unzähligen Hits und Klassiker der Band: "Forever", "Within Destruction", "The Darkest Nights", "Meaning In Tragedy", "Elegy", "The Sound Of Truth" - schier endlos erscheint das Repertoire der Band, die Meute vor der Bühne rastet komplett aus und spätestens beim letzten Song - "94 Hours" - geht hier erstmal gar nichts mehr. Wow. Wer soll das heute noch toppen? Ich bin restlos begeistert und höchst zufrieden, wenngleich 60 Minuten definitiv viel zu wenig sind.

As I Lay Dying (Foto: maz)

Und wieder treibt es mich vor die Black Stage. Während meine Freundin mir später erzählt, dass ENEMY OF THE SUN genau so stark wie auf dem Rock Hard Festival waren, Waldemar Sorychta die Haare ab hat (das nächste Opfer also), das Publikum aber zum Hüpfen animiert wurde (?), bin ich mir nicht ganz sicher, ob das mit der CARCASS-Reunion so gut war. Einige Presse-Stimmen ließen nicht so Tolles erahnen (siehe Sweden Rock). Halten wir fest: Diese Reunion speziell mit Michael Amott (Arch Enemy) bezieht sich auf zwei CDs - "Necroticism" und "Heartwork" - beides Klassiker im Death Metal. Dass mit Adrian Erlandson der Arch Enemy-Drummer hinterm Kit sitzt, ist natürlich okay, da es Ur-Drummer Ken Owen nach seiner Hirnblutung 1999 nicht mehr möglich ist. Dass die ersten sechs Songs in schöner Abwechslung von den genannten Alben gespielt werden ist auch in Ordnung. Obwohl ich mir auf der Bühne schon ein bisschen mehr Enthusiasmus gewünscht hätte. Es schnuppert dezent nach Kalkül. Als bei "Incarnated Solvent Abuse" aber noch Arch Enemy-Frontröhre Angela Gossow die Bretter betritt und Jeff Walker über den Haufen brüllt, frage ich mich ernsthaft, ob es nicht sinniger gewesen wäre, dem Kind einen anderen Namen zu geben: "Arch Enemy feat. Jeff Walker and Bill Steer (ex-Carcass) performing an evening of Carcass-Music …".

KRYPTERIA bieten dann auf der Party Stage weitaus mehr, als nur etwas für's Auge. Zugegeben, Front-Lady Ji-In Cho ist natürlich durchaus ein exotischer Blickfang, hat ihren unzähligen Kolleginnen gegenüber aber einen entscheidenden Vorteil: Sie kann nämlich auch verdammt gut singen. Und tolle Goth-Rock-Songs wie "Sweet Revenge" oder "Time To Bring The Pain" sorgen ebenfalls dafür, dass der heutige Auftritt sowas wie ein kleiner Siegeszug für die sympathische Truppe wird.

Krypteria (Foto: maz)

Nach dem zwiespältigen Carcass'schen Treiben auf der Black Stage pilgere ich doch lieber zur W.E.T. Stage, wo mich eine Band erwartet, die hungrig ist. Die Spaß am Metal hat. Die nichts unversucht lässt, auch den letzten vermatschten Metaller im Zelt zur Party zu bitten. POWERWOLF rules! Und dieses Mal haben sie das Publikum vor sich, was sie auch verdient haben. Textsicher, feier-wütig und mit Sprechchören um sich werfend, dass man den Wölfen auf der Bühne ihre Sprachlosigkeit förmlich ansieht. Bis auf Hohepriester Attila Dorn. Der muß erstmal die Bühne und das Zelt mit Weihrauch weihen "weil es hier so nach Pipi riecht". Und zum Abschluss wird die Gemeinde gebeten, "den heiligen Wacken zu feiern". Machen wir. Nur zu kurz. Da geht beim nächsten Mal noch mehr als vierzig Minuten. Dann bitte auch ohne Pipi vor der Kirchenpforte. Powerwolf forever!

Powerwolf (Foto: maz)

Wer bei As I Lay Dying schon etwas skeptisch war, dürfte sich bei KILLSWITCH ENGAGE vermutlich die Haare raufen, denn die Hits der Band sind noch ein ganzes Stückchen eingängiger und "poppiger". Dennoch hat das Quintett das einmal mehr eher jüngere Publikum fest im Griff. Das liegt zum einen an Ausnahmesänger Howard Jones, an Gitarrist und Spaßvogel Adam Dutkiewicz, der u.a. mit seinen "Emo-Pussy"-Ansagen die Lacher auf seiner Seite hat und vor allem natürlich an wirklich großartigen Songs wie "Rose Of Sharyn", "My Curse", "My Last Serenade" und natürlich der genial-eigenwilligen Cover-Version von DIO's "Holy Diver". Klasse Auftritt. Bitte mehr davon.

Im Zelt geht es dreißig Minuten nach Powerwolf auch schon weiter. Meines Erachtens die Spitze der derzeitigen New Wave Of Old School Thrash Metal - namentlich WARBRINGER - betritt die Wacken-Bühne und ich traue meinen Augen nicht. Wenn ich die vier Jungspunde am Bühnenrand so bangen sehe, denke ich unweigerlich an alte Exodus- oder Dark Angel-Livevideos. Was für ein Bild. Und was für ein Brett. Neben den Highlights ihres Debüts "War Without End" gibt es mit "Pray For Death" noch einen neuen Song. Schöne Aussicht auf die Zukunft. Wer als Thrash Metal-Fanatic diese Jungs immer noch nicht auf dem Schirm hat, dem kann echt nicht mehr geholfen werden.
Helfen muss sich übrigens im direkten Anschluß jeder selbst, weil sich wieder ein mächtiger Regenschauer über dem Festivalgelände breit macht. Jetzt ist guter Rat teuer, denn mein persönliches Highlight steht vor der Tür.

Warbringer (Foto: sw)

Um 21:15 Uhr ist es endlich soweit. Es wird dunkel und Gott sei Dank wieder trocken und somit die beste Atmosphäre für die Reunion, die unter Szene-Kennern am meisten geschätzt wird. AT THE GATES - die Urväter des melodischen Schwedentod geben sich nochmal die Ehre, auch wenn nicht unbedingt von neuem Material die Rede ist. Die Rede ist von 75 Minuten Todesbleikunst mit Gänsehautfaktor. Satte 18 Mal schlägt das Quintett zu und alle Schaffensphasen werden bedient. Wer kennt nicht unsterbliche Klassiker wie "Blinded By Fear", "Terminal Spirit Disease", "Raped By The Light Of Christ", "Windows" oder "All Life Ends". Wo ich bei Carcass noch Berechnung mangels Einsatz unterstellte, weiß ich aber hier, dass sich die Musiker seit jeher leicht introvertiert geben und auf jeden Fall Schrei-Unikum Tomas Lindberg den Weg zum Publikum sucht und einfach von Grund auf ehrlich wirkt. Gekauft. Die musikalische Klasse ist eh unbestritten. Mit "Kingdom Gone" fällt schlussendlich der Vorhang und man fragt sich, ob das Königreich At The Gates nun wirklich vergangen ist. Wie auch immer - schön war es, wunderschön ...

Sowas wie einen unbewussten Rekord haben sicherlich GIRUGÄMESH aufgestellt, denn bei welcher anderen Band auf der Party Stage sind schon eine Stunde vor Beginn des Auftritts die ersten zehn Reihen gefüllt? Da wird auch dem immer stärker werdenden Regen getrotzt und irgendwie tauchen plötzlich Leute vor der Stage auf, die man irgendwie hier und heute zum ersten Mal sieht. J-Rock ist und bleibt ein Phänomen. In den letzten beiden Jahren haben schon D'espairsRay und Dir En Grey für exotisches fernöstliches Flair in Wacken gesorgt und heute wird Girugämesh diese Ehre zuteil. Okay, Metal ist das, was die Herren machen, natürlich nicht, aber das ist letztendlich auch egal. Jeder einzelne Song wird vom - zumindest weiter vorne - überwiegend weiblichen Publikum energisch abgefeiert. Die Band gibt sich wie gewohnt arg wortkarg, aber bestens aufeinander eingespielt und routiniert. Gitarre und Bass sind so tief gestimmt, dass man immer wieder an Korn zu deren Glanzzeiten erinnert wird. Egal, ob man die Band nun mag oder nicht, aber dieser Auftritt wird zweifelsohne in Erinnerung bleiben.

Girugämesh (Foto: maz)

Wie sich später herausstellt, werden NIGHTWISH meine letzte Band auf dem diesjährigen W:O:A sein. Nach 12 Stunden "von Bühne zu Bühne-Gehetze" am dritten Festivaltag ist bei mir irgendwann auch mal Schluss.
Vor der True Metal Stage angekommen wird zum Nightwish-Opener "Bye Bye Beautiful" erstmal der Gehörschutz herausgenommen. Ganz schön leise hier …
Nachdem mit "Dark Chest Of Wonders" gleich als Zweites ein Song der "Tarja-Ära" zum Besten gegeben wird, mehren sich um mich herum auch die "Tarja! Tarja!"-Sprechchöre. Ja, sie hat es nicht leicht, die Anette Olzon. Die Songs des aktuellen Albums klingen halt so, wie man sie kennt, wenngleich die gesanglichen Live-Qualitäten selbst bei Songs wie "Amaranth" nicht gerade berauschend sind. Ich will es mal so formulieren: Nightwish sind und bleiben einer der ganz großen neuzeitlichen Metalbands. Da ist es letztendlich egal, wer die mitunter traumhaft-epischen Kompositionen von Band-Kopf Tuomas Holopainen singt. Musik und Show sind zweifelsohne headlinerwürdig, doch mal ganz ehrlich: Wenn Anette Olzon Songs wie beispielsweise "Wishmaster" singt, dreht sich mir schlicht und einfach der Magen um. Sorry. Vermutlich würde die Band wesentlich besser damit fahren, die alten Songs gar nicht mehr live zu präsentieren.

"Ich habe fertig." Kollege Sigi übernimmt das Schlusswort:

Eigentlich hätten KREATOR mein W:O:A-Finale sein sollen, aber die Kraft ließ einfach nach. Die Altenessener mögen es mir verzeihen, habe ich sie doch schon ein paar Mal gesehen. Und nach meinem abschließenden Schlendern über die Fanmeile (den Standbesitzern beim Abbauen zuschauen war schon letztes Jahr lustig) geht's zurück ins Quartier, während sich Kreator's Mille mit unbändiger Wut zu Klassikern wie "Extreme Aggression", "Europe After The Rain", "Flag Of Hate" und "Tormentor" in unserer Ohren verewigt. Sein Kontrahent heißt Marco, sitzt unter unserem Pavillon und wettert - auf die Nightwish-Performance angesprochen - doch ziemlich gegen Madame Olzon. Meines Erachtens zu Recht. Aber was weiß ein alter Headbanger wie ich schon ... aber spaßig war es trotzdem. Wie das ganze Festival. Wie jedes Jahr. Und was kommt 2009 zum 20. Geburtstag? Vielleicht doch Metallica? Vielleicht AC/DC? Die Gerüchteküche brodelt schon gewaltig und mega-metal.de wird dabei sein!


Berichterstattenderweise unterwegs waren:

Marco Zimmer - bei:
Sturm und Drang, Avenged Sevenfold, Ensiferum, Kamelot, Soilwork, Sonata Arctica, Opeth, Children Of Bodom, Corvus Corax, Avantasia, Machine Men, Exodus, Obituary, As I Lay Dying, Krypteria, Killswitch Engage, Girugämesh, Nightwish

Siegfried Wehkamp - bei:
Iron Maiden, Primordial, Mortal Sin, Job For A Cowboy, The Rotted, Massacre, Van Canto, Gorgoroth, 3 Inches Of Blood, Mercenary, Hatebreed, Carcass, Powerwolf, Warbringer, At The Gates