Impressum Startseite
Reviews Interviews Live Specials Jobs

Konzert: DARKNESS OVER X-MAS - 26.12.2009

Location: Markthalle, Hamburg
Bands: Heaven Shall Burn, Caliban, Dark Tranquillity, Swashbuckle, Deadlock


Darkness Over X-Mas - das heißt, man schnürt ein Paket mit ein paar modernen Metalbands und schickt dieses Billing zwischen den Feiertagen quer durch die Republik.
Am zweiten Tag der Tour gastiert man in der Hamburger Markthalle. Während Neaera am Vortag noch der "special Guest" in Leipzig waren, sind es heute und für den Rest der Tour Caliban.

Als Opener dürfen DEADLOCK auf die Bühne, die erst wenige Minuten vorher überhaupt mit ihrem Soundcheck fertig waren. Das stampfende Techno-Intro sorgt vom ersten Ton an schon gleich für Stimmung und in den folgenden knapp 30 Minuten schafft es die Truppe eindrucksvoll, die Masse zum Schwitzen zu bringen. Grund dafür sind sicherlich zum einen starke Songs wie "The Brave/Agony Applause", aber natürlich auch das Gesangsduo Johannes Prem/Sabine Weniger, das gekonnt mit der Abwechslung aus tiefen Growls und klarem weiblichen Gesang spielt.

Deadlock

Während SWASHBUCKLE auf der Bühne stehen, führe ich gerade ein Interview mit Deadlock im Tourbus, so dass ich den Auftritt der Piraten komplett verpasse. Aber wenn ich ehrlich sein darf: Ganz so schlimm finde ich das gar nicht mal ...

Da freue ich mich doch lieber darüber, dass ich wieder pünktlich zum Auftritt von DARK TRANQUILLITY zurück bin, denn das, was in der folgenden dreiviertel Stunde passiert, wird mir noch sehr lange im Gedächtnis bleiben.
Meine anfänglichen Zweifel, ob eine Band wie eben dieser Schweden Sechser, bei dem heutigen Publikum (überwiegend Metal-/Death-/Hardcore-"Kiddies") punkten kann (beim diesjährigen Vainstream Festival war das nämlich leider nicht der Fall), werden im Nu ausgeräumt. Das gesamte Set über herrscht der reinste Ausnahmezustand vor und auf der Bühne. Keine Absperrung/Security bedeutet: Rauf auf die Bühne und ab in die Menge. Und dabei zeigt sich Sänger Mikael Stanne von seiner sympathischsten Seite: Da wird mit den Fans auf der Bühne zusammen gesungen, man lässt gemeinsam die Haare kreisen und er springt sogar zusammen mit einem weiblichen Fan in die Menge! Das alles erscheint so unglaublich, wenn man bedenkt, dass Dark Tranquillity die mit Abstand dienstälteste Band des Abends ist und einen ganz anderen musikalischen Hintergrund hat. Und als dann Sänger Mikael auch einen Circlepit fordert (wohlgemerkt, wir sprechen hier immer noch von Dark Tranquillity), ist das Staunen und meine Verwirrung komplett. Bei "Lost To Apathy" oder auch "Final Resistance" tickt die Meute genauso aus, wie beim ganz neuen Song "Dream Oblivion" - und um es vorweg zu nehmen: Die Stimmung während dieses Auftrittes toppt am heutigen Abend niemand mehr. Das war ein für mich völlig unerwarteter Siegeszug.

Dark Tranquillity

Natürlich haben auch CALIBAN das Publikum jederzeit fest im Griff. Die tropische Luft in der Markthalle lässt sich mittlerweile in Scheiben schneiden und ich bewundere die Kids, die trotz dieser Umstände immer noch pogen und hüpfen können.
Mit "Love Song" geht's in ein absolut starkes Set, das von den vielen Hits der Band lebt. "It's Our Burden To Bleed", "I Will Never Let You Down", "I Rape Myself", "24 Hours" - die Truppe aus dem Ruhrpott brennt das reinste Hitfeuerwerk ab, Sänger Andi findet zwischendurch scheinbar sogar gefallen an einer Weihnachtsmütze und nach "The Beloved And The Hatred" - in das das Publikum wie immer bestens mit eingebunden wird - entzündet sich zum abschließenden "Nothing Is Forever" dann auch noch ein richtiges Feuerwerk auf der Bühne, was die Luft natürlich keineswegs erträglicher macht. Aber egal. Das war heute zweifelsfrei einer der besseren Auftritte der Band.

Caliban

Bei HEAVEN SHALL BURN fängt dann erstmal alles anders an, als man das gewohnt ist: Kein "Der Himmel brennt" von Wolfgang Petry und auch kein "Awoken"/"Endzeit" zu Beginn, stattdessen ein starkes Doppelpack, bestehend aus "Counterweight" und "The Weapon They Fear". Im Folgenden zerlegt die Band dann nahezu die ganze Halle, unterstützt von wild flackerndem Strobo-Licht. Der Ausnahmezustand nimmt seinen Lauf.
Einen leicht faden Beigeschmack hat lediglich die Tatsache, dass Sänger Marcus teilweise recht ruppig mit den Fans auf der Bühne umgeht. Im Gegensatz zu den Kollegen von Caliban und Dark Tranquillity scheint er nicht wirklich davon begeistern zu sein, dass die Bühne permanent von Fans betreten wird, was nicht zuletzt dadurch deutlich wird, dass er sich mehrmals mit Hilfe seiner Ellenbogen Platz verschafft hat. Sieht man darüber aber mal hinweg und konzentriert sich auf die Musik als solches, dann bleibt die Tatsache zurück, dass Heaven Shall Burn längst eine der "größten" Bands aus deutschen Landen ist. Trotz nassgeschwitztem Shirt läuft es (vermutlich nicht nur) mir bei "Endzeit" (heute mal mitten im Set platziert) eiskalt den Rücken runter.

Wenn doch nur jedes Weihnachtsfest bzw. jedes Jahr so enden würde, wie an diesem rundum gelungenen Abend.

Heaven Shall Burn

Text & Fotos: Marco Zimmer