Impressum Startseite
Reviews Interviews Live Specials Jobs

Konzert: WOLVES IN THE THRONE ROOM - 29.06.2009

Location: Hafenklang, Hamburg


Ich gebe es gerne zu - der Gig auf dem diesjährigen Waldrock-Festival hat mich echt angefixt. Selten habe ich eine Black Metal Band erlebt, die sich so vehement auf die Musik reduziert und diese für sich sprechen lässt.
Gerade im Black Metal ist das eine extreme Seltenheit. Kein Image, keine Schminke - nur die nackte Wahrheit und dass alles was zählt, letztendlich die Musik selbst ist.

Tatort Hafenklang in Hamburg. Ein kleiner gemütlicher Club, den ich heute zum ersten Mal betrete. Und hier werden gleich WOLVES IN THE THRONE ROOM einen Auftritt hinlegen, wie er mir seit Jahren nicht mehr untergekommen ist. Das Merchandising geht weg wie warme Semmel, am Bühnenrand sind bereits ca. 50 mittelgroße Kerzen aufgestellt worden und Vorbands sucht man vergebens. Hier und heute ist alles anders. Gegen 22:10 Uhr kriecht ein unheilsschwangeres Intro durch die PA, die Kerzen werden langsam angezündet und die Band braucht satte 15 Minuten, um mit den ersten Klängen das mit 240 Zahlenden ausverkaufte (!) Hafenklang in eine Welt zu entführen, die jenseits aller Vorstellungskraft liegt. Bis auf wenige Verwegene vor der Bühne stehen alle Anwesenden still, als würden sie mit dieser Geste ihre Ehrfurcht gegenüber der Band und ihrer Musik zeigen. Mit zunehmender Spieldauer werde ich von einem trance-ähnlichen Zustand vereinnahmt. Ich gebe mich der spartanischen Schönheit von ruhigen Passagen hin, die in entfesselte Orkane münden. Die Band selbst spielt sich in einen wahren Black Metal-Rausch aus emotionalen Achterbahnfahrten, die den Hörer in den Grundfesten seiner Seele erschüttern und berühren. Dass in diesen 70 Minuten eigentlich nur vier Songs (!) gespielt werden, verkommt zur belanglosen Nebensache - Raum und Zeit haben hier und heute keine Bedeutung. Selbst der Schluss-Applaus erscheint mir verhalten - lieber wäre wohl jeder zur Band gegangen, hätte die Hände geschüttelt und wortlos "Danke!" gesagt ... das hätte ich am liebsten auch getan!


Text: Siegfried Wehkamp