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Festival: DEVILSIDE - 04.07.2010 - Essen

Location: Open Air Gelände an der Universität


Nachdem das Devilside-Festival 2009 im Landschaftspark Duisburg debütierte, ist man für die 2010er Neuauflage auf das Universitätsgelände nach Essen umgezogen, auf dem auch schon die bekannte "MTV Campus Invasion" gastierte. Festivalerprobt ist die Location also zweifelsohne, und passenderweise trägt das Devilside-Festival diesmal auch den Untertitel "Campus to Hell".


Zu Beginn läuft aber erst mal alles etwas "unrund". Es ist 8.30 Uhr, in einer halben Stunden öffnen sich die Tore zum Festival, doch die Ordner wissen zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht, wo die Besucher überhaupt parken können. Hektisches Telefonieren und dann kann man mir endlich sagen, wo ich meinen Wagen abstellen kann. Unglaublich. Als wirkliche Herausforderung entpuppt sich dann aber erst die Suche nach dem Eingang bzw. der Tageskasse/Gästeliste. Keiner der Ordner hat auch nur die geringste Ahnung. Ich werde 3x von A nach B und wieder zurückgeschickt, bis ich dann endlich und rein zufällig die Tageskasse finde. Ich bin ein bisschen genervt.


Das Campusgelände macht gar nicht mal einen wirklich großen Eindruck. Wie schon im letzten Jahr in Duisburg, stehen sich die beiden großen Bühnen in rund 100 Metern Entfernung gegenüber und die Bands spielen immer abwechselnd - und im Gegensatz zum letzten Jahr klappt das heute sogar auch vernünftig.

Den Beginn machen die V8 WANKERS, die ihren Slot via MySpace gewonnen haben. Rotziger Rock'n'Roll am frühen Morgen sorgt für eher wenig Interesse. Man sitzt halt auf der Wiese und schaut sich das Treiben in Ruhe an. Das Gelände füllt sich eher schleppend. Der letzte Song der Truppe aus Offenbach ist dann mein Stichwort: "We're Only Here For The Beer". Also ab zur Theke und dann zur anderen Bühne. Dort folgen die BLACK SPIDERS. Black wer? Nie gehört. Egal, denn der Rock der Band aus Großbritannien ist nicht wirklich mein Fall und bei einer Uhrzeit von gerade mal 10.30 Uhr morgens sind Ansagen, die auf "... tonight" enden, ebenso unfreiwillig komisch, wie Fragen der Sorte "Is anybody drunk yet?".
Leider mussten Throwdown ihren Auftritt kurzfristig abgesagen. Als Ersatz ist die Bochumer Band FAILED PERFECTION eingesprungen und ich freue mich nach den ersten Takten über die erste Doublebass am heutigen Tag. Es ist melodischer Death Metal mit ordentlich skaninavischer Schlagseite, der einem um die Ohren fliegt und mit Songs wie "New Horizons" kann die Band durchaus punkten.
Aber nun geht es auch endlich so "richtig" los. THE HAUNTED stehen auf dem Plan. Die Truppe um Sänger Peter Dolving spielt sich souverän durch das Set und die Stimmung ist bei bestem Festivalwetter endlich ordentlich und auch erwähnenswert.

The Haunted

NEAERA aus Münster setzen dann noch einen drauf. Sänger Benny Hilleke wirbelt wie ein Orkan über die Bühne und "besucht" einmal mehr das Absperrgitter zum Publikum. Starke Sache. Das Publikum feiert ordentlich mit und bei "Armamentarium" startet dann auch die erste Wall Of Death. Ein Sieg auf ganzer Linie.

Neaera

Mein Gefühle bei SONIC SYNDICATE sind eher gemischt. Seit Sänger Roland Johansson die Band verlassen hat und mich Neuzugang Nathan J. Biggs bisher kaum überzeugen konnte, ist es auch so, dass die neuen Songs wie z.B. "Revolution, Baby" nicht mehr viel mit dem älteren Material der Band zu tun haben. Und eben diese älteren Songs können mich mit dem neuen Sänger auch nicht mehr wirklich mitreißen. Aber zumindest die Fans haben ihren Spaß und bei "Flashback" springt das ganze Publikum auf und ab. Ein schöner Anblick.

Sonic Syndicate

Weiter geht's mit DEVILDRIVER und so langsam wird's jetzt echt voll auf dem Gelände. Die Truppe um Dez Fafara sorgt mit starken Songs wie u.a. "Clouds Over California" und "I Could Care Less" für das volle Party- und Pit-Programm. Ein wirklich beeindruckender Auftritt.

DevilDriver

Nebenbei und auf Entfernung schaue ich noch ein bisschen bei SMOKE BLOW rein, die ihre Fans mit Titeln wie "March On To Victory" begeistern können und Sänger Jack Letten kündigt das Set mit den Worten an: "Bei dem ganzen Geballer bis jetzt, erst mal ein bisschen was zum Entspannen."
Sänger Christoph von Freydorf von EMIL BULLS gibt sich nach dem starken eröffnenden Doppelpack "Here Comes The Fire"/"The Most Evil Spell" höchst sympathisch, fordert das Publikum zum Mitsingen auf und fragt: "Könnt ihr den Text? Egal ... singt einfach irgendwas mit!". Was für ein Schelm.
Danach noch kurz bei AGNOSTIC FRONT reingeschaut, die heute mit Aushilfsdrummer Dominik von Circle Of Death aufspielen, was die spielerische und qualitative Leistung der Band aber keinerlei schmälert.
Bei FEAR FACTORY platzt das Gelände dann so allmählich aus allen Nähten. Nur noch Gedränge und Geschiebe, aber da muss man halt durch. Das Quartett ballert sich durch ein wirklich geiles Set, dass neben neuen Songs wie "Powershifter", natürlich auch alte Hits, wie das kultige "Linchpin" bietet.

Fear Factory

Nebenbei noch ein Stückchen OVERKILL (mehr gehört als gesehen) und danach DANKO JONES, deren Sänger mich mit seinen elendig langen Ansagen fast schon genervt hat. Aber wenn es dann mal einen Song gab, wie z.B. "Sticky Situation", dann war das mehr als okay. Von NEW MODEL ARMY (immerhin einer der Headliner) war ich dann doch etwas enttäuscht. Der Überhit "51st State" kam gleich als Zweites und der Rest war in meinen Ohren recht belanglos.
AMON AMARTH haben dann im Folgenden ein leichtes Spiel mit dem Publikum. Mit großartigen Songs wie "Runes To My Memory", "Asator", "Guardians Of Asgaard" oder auch "Death In Fire" können die Schweden um Johan Hegg auf ganzer Linie punkten. Und Johan selber sorgt beim Trinken eines Bieres mit fast fließend deutschen Ansagen ebenfalls für Begeisterung: "Deutsches Bier ... das beste der Welt ... genau wie die Fußballmannschaft!". Recht hat er. Und wer dann abschließenden "Versus The World" noch still steht, ist selber Schuld. Für mich persönlich das Highlight des Tages - mit Abstand und Sternchen.

Amon Amarth

Sänger Lou Koller von SICK OF IT ALL freut sich auf das bevorstehende 25jährige Bandjubiläum, ohne jegliche personelle Umbesetzungen oder gar einer Auflösung, mit darauf folgendem "Reunion Bullshit" (O-Ton). Das ist wirklich eine beachtliche Leistung. Genau wie das, was die Truppe von der Bühne bläst.

Aber nach ein paar wenigen Songs begebe ich mich jetzt auf den Heimweg. Nach einem 12stündigen Festivaltag warten jetzt noch fast 250 km Autobahn auf mich.
Ich bin mir aber sicher, dass der Festivalheadliner Airbourne für einen fulminanten Abschluss sorgen wird und die Australier nochmal eine ordentliche Party steigen lassen.

Danke Devilside 2010. Vielleicht bis zum nächsten Jahr.


Text & Fotos: Marco Zimmer