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Festival: METALBREED - 24.10.2010 - Hamburg

Location: Markthalle


Man sollte ja meinen, dass ein Name wie Arch Enemy dafür sorgen würde, (auch) an einem Sonntag Abend eine vernünftige Menge an Metalheads in die Hamburger Markthalle zu ziehen. Am Billing kann es nicht gelegen haben, denn bis auf die beiden ersten Bands sind nur Namen am Start, die sich im Laufe der Jahre auch einen solchen in der Szene gemacht haben. Warum selbst beim Headliner die Markthalle nur gerade mal zur Hälfte gefüllt war, bleibt ein Rätsel … und ist auch sehr schade - gerade für die Veranstalter Nicole und Robert (Heavy Space Agency), die zum ersten Metalbreed Festival gerufen haben.

Als Opener fungieren RE-ARMED. Nachforschungen ergeben, dass die finnische Truppe schon seit acht Jahren besteht, trotzdem aber extrem jung aussieht. Skandinavische Winter sind eben lang(weilig). Musikalisch passen sie vorzüglich zum Headliner, haben sie doch einige Parallelen zum Göteborg-Metal aufzuweisen. Darüber hinaus aber auch eine ordentliche Thrash-Kante und ein paar Blasts am Start. Für meinen Geschmack aber ein paar Breaks und Wendungen zu viel. Denn wenn ein Groove mal zuschlägt, dann auch richtig. Findet sogar ein altgedienter Kutten-Banger im Publikum, der dem Fünfer auf der Bühne mitten im Set eine Runde Bier ausgibt.

Re-Armed

Zwölf Jahre haben GORTHAUR'S WRATH auf ihren ersten Deutschland-Gig "gewartet". Und trotzdem - natürlich - sind die Kroaten um Sänger Morbid ein wenig aufgeregt, wie man denn so im hohen Norden ankommen wird. Leistungsträger der Band sind definitiv Drummer Andrea (amtliches Handwerk) und Morbid, der mit seinem langen ärmellosen Mantel doch glatt ein wenig dem Undertaker aus der WWE gleicht. Musikalisch gibt es todesmetallische Kost mit schwarzer Seele, die gerne zum aufwärmenden Headbangen anregt. Zum Groove-Monster "Desert Goddess" kommt dann noch Karlo Horvat der kroatischen Band Kryn auf die Bühne und gibt mit Morbid ein dynamisches Gesangsdoppel zum Besten. Als Feuertaufe vor einem überschaubaren Publikum eine klasse Leistung.

Gorthaur's Wrath

AGATHODAIMON waren schon immer "die etwas andere" Black Metal Band, die sich nicht an die gängigen Konventionen gehalten hat. Und so auch heute Abend, wo Ashtrael, Sathonys und Co. den Bogen von "Serpent's Embrace" ("für die Mädels" - O-Ton Ashtrael) bis hin zu gar infernalisch tönenden Songs wie "Banner Of Blasphemy" und "An Angel's Funeral" spannen. Grösstes Plus neben erstklassigen Songs ist das für eine deutsche Band richtig angenehme Anti-Ego-Stageacting mit wehenden Matten. Die Band steht für das ein, was sie ist. Und das reicht völlig, um zu überzeugen!

Agathodaimon

Auch wenn ETERNAL TEARS OF SORROW-Sänger/Bassist Attli feststellt, dass die Band wirklich vor zehn Jahren das letzte Mal in Hamburg war, an mir gingen sie seit Bestehen völlig vorbei und sind für mich heute Neuland. Die coole Mischung aus NWOSDM und nordischer Melancholie (durch derbe Death-Vocals und gekonnt eingestreutem Tempo immer knapp am Gothic-Kitsch vorbei) hat wirklich etwas für sich. Das gebrochene Englisch von Attli macht es hingegen schwer, ihn bei seinen Ansagen zu verstehen. Dafür glänzt Zweit- und Clean-Sänger Jarmo mit seinen zwar wenigen, dafür aber umso effektiveren Einsätzen. Nur so ganz tatenlos am rechten Bühnenrand wirkt er etwas skurril. Schöner Auftritt, da erschien das "I'm Evil"-Shirt von Attli fast schon lustig.

Eternal Tears Of Sorrow

Schluss mit lustig war dann bei KEEP OF KALESSIN. Fazit nach ihrem Auftritt für mich: Ich habe die Band gnadenlos unterschätzt. Den Auftritt kann man nicht anders als "bärenstark" bezeichnen. Was der Vierer hier für ein Black Metal-Höllenfeuer abbrennt, erschlägt mich fast. Und endlich kommt auch etwas Stimmung in die Bude. Kein Wunder bei der Armada an derben Blasts, die durch die Markthalle fliegen. Einziges Manko einer ansonsten rundum geilen Performance - die getriggerte Bassdrum bügelt gnadenlos über die eh nur einzige Gitarre fast völlig drüber und lässt die Feinheiten im Spiel von Obsidian C in den zahllosen Highspeed-Attacken kaum erkennen. Der Auftritt war trotzdem Argument genug, um der Band noch mehr Beachtung zu schenken.

Keep Of Kalessin

Nun ist es also an ARCH ENEMY, dem Abend ein versöhnliches Ende zu geben (bezogen auf die o.g. Publikumszahlen). Die Band ist auf jeden Fall Profi genug, um musikalisch erst mal gar nichts anbrennen zu lassen. "Ravenous", "My Apocalypse" und natürlich "We Will Rise" sprechen da eine mehr als deutliche Sprache. Dass Angela mit ihrer ersten Ansage zu verstehen gibt, man würde sich heute extra anstrengen, weil die Zuschauer "für diesen Abend 40 Euro bezahlt haben", geht bloß nicht mit einer effektiven Spielzeit von einer guten Stunde konform (inklusive Drumsolo) und einer Zugabe (deren Rufe wirklich auf sich warten ließen), die dann auch nur aus dem kurzen Schmeichler "Snow Bound" und dem gnadenlosen "Nemesis" bestand. Belassen wir es dabei, dass Arch Enemy schon besser waren, sie aber auch mit einem "nicht-Die Hard"-Publikum zu kämpfen hatten.

Arch Enemy

Setlist - Arch Enemy
Intro
The Immortal
Revolution Begins
Ravenous
Taking Back My Soul
My Apocalypse
I Will Live Again
Dark Insanity
Dead Eyes See No Future
Dead Bury Their Dead
We Will Rise

Snow Bound
Nemesis
Outro (Fields Of Desolation)


Wie eingangs erwähnt, war die Auswahl der Bands nun wirklich nicht "abschreckend". Die Frage nach fehlenden Besuchern schieben wir also beiseite und wünschen den Veranstaltern der Heavy Space Agency viel Glück und Erfolg wenn am 6. März 2011 das Metalbreed Winter Festival ansteht. Dann mit Eluveitie, Secrets Of The Moon, Susperia, Chain Reaction, Aeons Confer, Gorthaur's Wrath und Kryn.


Text: Siegfried Wehkamp
Fotos: Marco Zimmer