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Konzert: MISERY INDEX - 03.11.2010 - Hamburg

Location: Marx
Support: Grave, Arsis, The Last Felony, The Rotted


Nicht mal zwei Jahre ist es her, dass Misery Index im Hamburger Marx zusammen mit Hate Eternal Halt machten. Ein neues Hammer-Album im Gepäck, sowie stilistisch gut gewählte Support-Bands - da kann dieser verregnete November-Abend mal schön draußen bleiben. Drinnen gibt es nämlich keine Gnade.

Den Anfang sollten eigentlich die britischen Rüpel von THE ROTTED machen. Nun ja, haben sie auch - doch leider sitzt der Schreiber dieser Zeilen beim Interview mit Misery Index (bei uns in Kürze zu lesen) und verpasst die vollen 30 Minuten Opening-Tätigkeit.
Zumindest meinen Nerv treffen die folgenden THE LAST FELONY mit ihrem derben Death(core)-Geballer nicht. Was haben Job For A Cowboy da bloß losgetreten - denke ich ein paar Mal, obwohl das Quintett aus Montreal etwas gradliniger zu Werke geht. Viel mehr stellt sich mir die Frage, wann der wuchtige und hochaktive Bassist mit seinem unterm Hals hängenden Arbeitsgerät wohl einem seiner Kollegen eins vor die Rübe knallt.

ARSIS - von denen kam doch der neue Gitarrist von The Black Dahlia Murder. Mal sehen. Und ich sehe … zwei Flying V's und einen Sänger/Gitarrist, stilecht in schwarz, mit Iron Maiden-Kutte und King Diamond-Shirt. "We are Arsis and we are forced to rock!". Was das Ami-Quartett hier alles in einen Topf schmeißt, ist schier unglaublich. Old school Thrash mit (modern-)technischem Death, Schwarzwurzel-Vocals und einer nicht unerheblichen Portion guter alter Metal-Party-Atmosphäre. Das Axt-Doppel soliert, dass die Saiten qualmen. Da bleiben auch beim Erstkonsum Songs wie das thrashige "Worship The Brave" oder das Riffmassaker "The Face Of My Innocence" hängen. Unerwartet, aber in diesem Tourpackage eine wirklich willkommene Abwechslung.

Arsis

Richtig old school wird es danach bei den unverwüstlichen GRAVE. Und täglich wechselt die Dampframme. Denn heute abend gehen die Schweden als vorletzte Band auf die Bühne und machen genau das, was man von ihnen erwartet. Mit purem Death Metal einfach alles platt walzen. Ob es nun Songs vom neuen Album "Burial Ground" sind, die sich nahtlos in die Setlist einfügen oder eben die Bandklassiker, die natürlich von den Mattenschwingern vor der Bühne mit offenen Haaren empfangen werden. Eine Stunde lang treten Ola Lindgren & Co. voll auf die Tube und legen die Latte für den Headliner ziemlich hoch. Ein geiler Gig!

Setlist - Grave
Liberation
Semblance In Black
In Love
You'll Never See
Turning Back
Hating Life
Dismembered Mind
Burn
Deformed
Conquerer
Into The Grave
Soulless

Grave

Können MISERY INDEX da wirklich noch einen drauf setzen? Allein anhand der Shirts der Besucher zu urteilen, hätte ich nach Grave eine Ausdünnung erwartet. Nichts von beidem. Das Marx bleibt recht gut gefüllt und Misery Index liefern eine ebenbürtige Leistung ab. Im Gegensatz zu 2009 positioniert sich heuer Gitarrist Mark Klöppel am Frontmikro und liefert sich packende Grunz/Shout-Duelle mit Bassist Jason Netherton. An der zweiten Gitarre präsentiert man uns Darin Moris, der sich beim dritten Gig des Europa-Abstechers bereits vorzüglich im Bandgefüge präsentiert. Es ist mir schier ein Rätsel, wie dieses Quartett ihren perfekten Mix aus Death Metal, Grind- und Hardcore so tight und dabei packend dynamisch auf die Bühne bringt, ohne dass man ihnen stoisches "Runterholzen" vorwerfen kann. Adam Jarvis an den Kesseln leistet definitiv Schwerstarbeit und hat dabei einen echt irren Blick drauf. Den hat so mancher aus dem kleinen Pit vor der Bühne auch, doch die rücksichtslose Karambolagen-Attitüde hält sich in Grenzen. Das starke Feedback mit dem damit verbundenen Blick auf die Setlist beweist am Schluß: Das neue Album "Heirs To Thievery" hat schon längst seinen Platz bei den Fans gefunden und Misery Index bauen ihren Status weiter aus.

Misery Index

Setlist - Misery Index
Embracing Extinction
Defector (Thinning The Herd)
The Carrion Call
Traitors
The Spectator
Ruling Class Cancelled
The Great Depression
Retaliate
Ghosts Of Catalonia
Manufacturing Greed
You Lose
Conquistadores
Heirs To Thievery
We Never Come In Peace
Theocracy


Text: Siegfried Wehkamp
Fotos: Marco Zimmer