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Festival: VAINSTREAM - 26.06.2010 - Münster

Location: Open Air Gelände Am Hawerkamp


Nachdem das letztjährige Vainstream Rockfest erstmals über zwei Tage ging, entschloss man sich - trotz des großen Erfolges im Vorjahr - das Festival wieder auf einen Tag zu kürzen - und das zum 5. Geburtstag. Im Vorfeld gab es ohnehin einige Probleme, so stand z.B. lange Zeit gar nicht fest, ob man wieder das Gelände Am Hawerkamp in Münster nutzen kann. Als möglicher Ausweichort stand zeitweise das Open Air Gelände an den Westfalenhallen in Dortmund im Raum. Doch letztendlich konnte auch das 2010er Vainstream Rockfest glücklicherweise wieder am gewohnten Standort in Münster stattfinden und war mit rund 8.500 Besuchern ausverkauft.

Nachdem Raised Fist erst am Vortag spontan abgesagt haben und sich die Spielzeiten und Bühnenbelegungen der ersten beiden Bands geändert hatten, starteten THE FACELESS bei strahlendem Sonnenschein bereits um kurz nach 10 Uhr morgens - eine zweifelsfrei ungünstige Zeit. Es ist zwar schon recht voll vor der Bühne, aber Stimmung will noch nicht so wirklich aufkommen. Nun ist der technische Death Metal für das breite Publikum vielleicht ohnehin eine Spur zu brachial am frühen Morgen. Trotzdem kann die Truppe aus Los Angeles zumindest den ersten kleinen Circlepit verzeichnen.

The Faceless

Auf der linken Seite der großen Doppelbühne, auf der die Bands immer abwechselnd spielen, geben sich dann im Folgenden BLEEDING THROUGH die Ehre. Da ich die Band erst letzte Woche gesehen habe, schaue ich mir den Auftritt aus gemütlicher Entfernung an. Die Truppe spielt sich routiniert durch die Songs, und die Stimmung steigt allmählich.

Brachial geht's mit JOB FOR A COWBOY weiter und das Interesse scheint angesichts des grossen Gedränges vor der Bühne enorm zu sein. Und mächtig angesagt sind die Jungs aus Arizona ja ohnehin - und das auch völlig zurecht. Eine halbe Stunde lang rollt eine gewaltige Soundwalze über das Publikum (obwohl der Sound während des gesamten Tages nicht wirklich optimal ist) und auch wenn Fronter Jonny "The Navy" Davy die Bitte des Publikums nach einer Wall Of Death mit den Worten "Fuck you, guys!" ausschlägt - der Stimmung schadet das keineswegs.

Job For A Cowboy

Einen ersten Höhepunkt gibt es dann bei NEAERA zu verzeichnen. Nicht nur eine großartige Band, sondern hier und heute auch noch ein Heimspiel - da ist es für Sänger Benny Hilleke natürlich ein Leichtes, die Massen begeistern zu können. Ob bei einem Titel wie "Armamentarium" oder welchem der unzähligen guten Songs auch immer - und egal ob Benny auf der Bühne, auf den seitlichen Boxen oder gar auf der Absperrung zum Publikum singt: Das ist heute in klarer Punktsieg für die sympathische Truppe.

Neaera

Das Publikum scheint so langsam in Fahrt zu kommen, denn UNEARTH können Neaera in Sachen Stimmung dann sogar noch toppen - allzu oft ist das Quintett aus Massachusetts hierzulande ohnehin nicht zu sehen, von daher gibt es jetzt auch keine Ausrede, sich diesen zweifelsfrei starken Auftritt entgehen zu lassen. "Crow Killer" ist nur einer der starken Songs und mir wird spätestens jetzt bewusst, dass sich jede noch so kleine Bewegung bei sengender Hitze mit heftigen Schweißausbrüchen bedankt.

Unearth

Ich genehmige mir erst mal eine kleine Auszeit - essen/trinken/shoppen. Skindread sind ohnehin nichts für mich und werden meine Abwesenheit sicherlich verschmerzen können.

Nach dem ganzen "Metal auf die Fresse" wird es jetzt etwas entspannter. ALEXISONFIRE sind der nächste Höhepunkt und obwohl es gerade mal 13.30 Uhr ist, stößt die Kapazität des Geländes so allmählich an ihre Grenzen. Viel geht hier nicht mehr, überall Gedränge und Geschiebe. Ein freier Platz, am besten noch im Schatten? Fehlanzeige. Es hilft also alles nichts. Ab in die pralle Mittagshitze und den Post-Hardcore der Kanadier geniessen. Und die können mich heute so richtig begeistern. Eine klasse Band mit starken Songs - alleine "Old Crows" ist für sich alleine genommen live schon ein absolutes Highlight. So kann es gerne weitergehen.

Alexisonfire

Und so es geht auch weiter: ATREYU toppen alles bis zu diesem Zeitpunkt Dagewesene! Die Stimmung ist auf einem ersten Höhepunkt angekommen, Sänger Alex Varkatzas bedankt sich mehrfach beim tollen Publikum und behauptet sogar, dass die heutige Show die beste jemals in Deutschland gespielte sei. Das wollen wir dann mal so glauben. Die US-amerikanische Band bewegt sich musikalisch ebenfalls im Post-Hardcore, hier und da mit ein bisschen Metalcore-Schlagseite und bei der starken Coververison von Bon Jovi's "You Give Love A Bad Name" können sogar die (wenigen) älteren Festivalbesucher mitsingen.

Atreyu

Nach zwei so starken Bands haben es 36 CRAZYFISTS dann etwas schwer, die Stimmung zu halten, zumal die sengende Hitze ganz ordentlich zur schwindenden Kondition bei den Festivalbesuchern (mich eingeschlossen) beiträgt. Der aus Alaska stammenden Truppe scheint die Hitze scheinbar nichts auszumachen, denn die Songs kommen höchst energiegeladen und spielfreudig rüber und der Auftritt kann insgesamt als wirklich gut bezeichnet werden, aber ich brauch jetzt erst mal eine längere Pause.

36 Crazyfists

Musikalisch ohnehin nicht meine Baustelle, fallen Danko Jones und Madball meiner (Nach-)Mittagspause zum Opfer.

Zurück auf dem Gelände bekomme ich noch die letzten Songs der deutschen HipHop-Formation K.I.Z. mit. Scheinbar irgendwie Fehl am Platze, aber die Stimmung ist ausgesprochen gut. Letztes Jahr fand ich die Jungs (alkoholbedingt) auch noch recht amüsant - aber heute, im wahrsten Sinne des Wortes nüchtern betrachtet - hält sich meine Begeisterung dann doch arg in Grenzen.

Der Tag neigt sich mit großen Schritten dem Ende entgegen. Als nächstes stehen A DAY TO REMEMBER auf dem Programm, die sich ebenfalls durch ein wirklich starkes Set spielen und für ordentlich Party im Pit bzw. bei den Crowdsurfern sorgen.

A Day To Remember

Ich drehe noch ein paar Runden auf dem Gelände, bekomme noch ein paar Songs von HOT WATER MUSIC mit (nichts für mich), und verzichte komplett auf die Broilers.
Und auch SKA-P können mich im Vorbeigehen nur bedingt begeistern. Ska-Punk ist ja nun wirklich nicht jedermann's Sache, aber was die Spanier für eine Show und Party abziehen, ist schon wirklich beachtlich und mit "Cannabis" kenne ich sogar einen Song. Der Co-Headlinerrolle wird man zweifelsfrei gerecht.

Doch mein persönlicher Headliner folgt erst jetzt: AS I LAY DYING - vermutlich das Aushängeschild in Sachen Metalcore aus den USA. Doch die Band um Fronter Tim Lambesis schafft es nach SKA-P nicht so ganz, die ausgelassene Partystimmung aufrecht zu halten. Die Songs sind halt keine Schunkelparty, sondern Metal auf den Punkt gebracht. Da wehen natürlich ein paar lange Haare (übrigens eindeutig in der Unterzahl), aber die Anzahl an Pits und Crowdsurfern ist schon beachtlich. Über Songs wie "An Ocean Between Us" oder "The Sound Of Truth" muss man aber eh keine Worte mehr verlieren. Kleiner Wermutstropfen: 40 Minuten Spielzeit sind definitiv zu wenig.

As I Lay Dying

Mit den bereits seit 27 Jahren existierenden Punkrockern von NOFX endet das diesjährige Vainstream Rockfest dann zumindest auf dem Hauptgelände, das sich trotz weiterhin guter Stimmung zusehends leert.
Nicht nur für mich heisst es nun warten, bis im benachbarten Nebengebäude auf zwei kleinen Indoorbühnen die Aftershowparty mit Live-Bands weitergeht. Mittlerweile ist es fast 23 Uhr und in einem Raum im ersten Stock, der immer noch eine unmenschlich stickige Hitze aufweist, sorgen dann WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER bei den letzten Partywütigen für den letzten Kick. Mit ihren typischen Electrocore-Coverversionen bekannter Kinderlieder, neuem eigenen Material und Deichkind's "Remmidemmi" kann die Truppe bei den Anwesenden auf ganzer Linie punkten.

Eigentlich wollte ich mir im Anschluss noch Deadlock anschauen, doch ich bin für heute definitiv am Ende meiner Kräfte und habe ja auch noch eine entsprechende Rückfahrt vor mir.

Danke für ein wieder mal großartiges Vainstream Rockfest. Bis zum nächsten Jahr!


Text & Fotos: Marco Zimmer