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Festival: WACKEN OPEN AIR - 05.-07.08.2010

Mittwoch, 04. August

Das erste Highlight erlebt das W:O:A bereits am Mittwoch um halb zwei nachmittags auf dem Red Bull Bus. Und wer die Festivalshirts aufmerksam studierte, weiß, dass die metallischsten Cellisten des Erdballs sich hier die Ehre geben. APOCALYPTICA geben dem zahlreich erschienenen Publikum eine ordentliche Party aus Cover-Stücken und eigenen Klamotten, sowie zwei vorzüglichen Aussichten auf "7th Symphony", dem zum Zeitpunkt des Festivals noch ausstehenden neuen Album. Ein cooler "Anheizer" zum Nachmittag - wollen wir wetten, dass Apocalyptica nächstes Jahr wieder auf der Hauptbühne stehen?

Apocalyptica (Foto: sw)

Von den gefühlten Drölfhundert Metal Battle-Gewinnerbands (die ich mir im Vorfeld alle brav auf MySpace angehört habe!), interessieren mich heute eigentlich nur BY THE PATIENT aus Dänemark. Und diese Truppe bläst einem auf der W.E.T.-Stage dann auch ordentlich einen typisch dänischen Death Metal um die Ohren, wenngleich ich auch zugeben muss, aus Gründen des übermässigen Alkoholkonsums, nicht mehr allzu viele Erinnerungen an diesen Auftritt zu haben. Aber kurzweilig und spassig war es allemal.

Donnerstag, 05. August

Hatte Kollege Marco am Vortag schon eine Metal Battle Band zu bestaunen, bin ich heute dran. Unzählige Flyer und Plakate pflasterten das W:O:A-Areal, die eine Band aus Schweden zeigten, die optisch eine Coverband von Enforcer sein könnten - KATANA. Also mal auf der W.E.T.-Stage reingeschaut und … boah, Jungs, nicht böse sein, aber das hässlichste Outfit habt ihr definitiv inne. Die Musik war entsprechend logo. Alles, was in den 80ern an klassischen Metal cool war. Ähnlich wie Enforcer, nur mit viel mehr Hard Rock und viel weniger Tempo. "A Quest For Hades" z.B. schrie förmlich nach den eisernen Jungfrauen. Sehr nett trotzdem, aber nicht weltbewegend.

ALICE COOPER ist unsterblich. Man kann ihn köpfen, vergiften, hängen, oder 1000-fach aufspießen … er steht einfach wieder auf. Und er beweist auch in hohem Alter, dass er immer noch der wahre Meister des Schock-Rock ist, wo alle Nachahmer nur abgekupfert haben. Zusammen mit einer erstklassigen Setlist aus unzähligen Klassikern wie "Only Women Bleed", "No More Mr. Nice Guy", "Elected", natürlich "Poison" und "School's Out" zu Beginn und zum Schluss feiern Alt und Jung glückselig nebeneinander. "Geil, ich habe Alice Cooper gesehen!". Ein oft gehörter Satz mit reinster Wahrheit.

Der Fleckchen Platz, der bei Alice Cooper auf dem Gelände vielleicht noch zu finden war, dürfte spätestens bei MÖTLEY CRÜE nun endgültig belegt sein. Das Gelände ist jetzt schon brechendvoll. Der Truppe aus Los Angeles um Sänger Vince Neil kommt dieses Gedränge durchaus zu Gute, denn die Stimmung ist auf einem absoluten Höhepunkt. Nach dem starken Opener "Kickstart My Heart" und einem 75-minütigen bunt gemischten Set aus neuen und alten Hits (u.a. "Girls, Girls, Girls", "Motherfucker Of The Year", "The Saints Of Los Angeles"), bleibt einmal mehr die Erkenntis zurück, dass es "die Alten" - zumindest am heutigen Donnerstag - immer noch voll und ganz drauf haben.

Zeitgleich mit Mötley Crüe zu spielen, ist wahrlich kein Geschenk und so müssen die Finnen von GHOST BRIGADE auf der W.E.T. Stage vor einem halb leeren Zelt auftreten. Ebenfalls erschwerend kommt hinzu, dass die Truppe nun nicht gerade für Stimmung und Party bekannt ist, sondern vielmehr auf ruhigere und filigranere Songs setzt. Das alles führt nicht nur bei mir schnell zu leichten Ermüdungserscheinungen, auch wenn ein Titel wie "Into The Black Light" wirklich stark ist. Ich glaube, in einem kleinen Club, am besten im Winter, sind Ghost Brigade zweifelsfrei besser aufgehoben, als auf einem so großen Festival.

Im Vorfeld zum W:O:A kursierte bereits im Netz, dass IRON MAIDEN ihre Setlist auf einen Post-Reunion-Schwerpunkt umgekrempelt haben. So sollte es dann auch sein, was mich persönlich nicht so begeisterte. Sei es drum. Mit fünf Klassikern am Schluß kommt man aber trotzdem gut über die Runden. Neben einem blenden singenden Bruce Dickinson (der Beginn - "Hallowed Be Thy Name" ist das größte Kino des Abends) fällt besonders auf, dass Jannick Gers im Gegensatz zu 2008 fast still steht. Er hat es endlich selbst bemerkt … so kann man z.B. Dave Murray besser bei seinen fürstlichen Soli bestaunen. So lasse ich mir die "Night To Remember" gerne gefallen.

Während "draußen" Iron Maiden toben, können GOJIRA erstaunlich viele Leute vor die W.E.T. Stage ziehen. Es ist rappelvoll im Zelt und ich bin irgendwie froh, dass ich heute auch noch eine Band zu Gesicht bekomme, die mal ordentlich aufs Gaspedal tritt. Und genau darum muss man das Quartett aus Frankreich auch nicht zweimal bitten. Da wird technischer Death Metal gezockt, mit einem präzisen Drumming, sowohl Growls als auch Hardcore-Shouts, Breakdowns und abgehackten Start-Stop-Riffs, die durchaus mal an Meshuggah erinnern. Ich für meinen Teil bin jetzt zumindest wieder hellwach. Aber der Tag ist leider zu Ende. Mist.

Freitag, 06. August

Auf der Black Stage eröffnen heute DEW-SCENTED, von denen ich nur im Vorbeigehen ein paar Songs mitbekomme. Man wird es mir sicherlich verzeihen, denn ich habe die Truppe erst kürzlich auf einem regulären Konzert gesehen. Der moderne Thrash/Death Metal der Norddeutschen kommt bei strahlendem Sonnenschein jedenfalls bestens an und dementsprechend voll ist es vor der Bühne bereits.

Die Finnen von AMORPHIS spielen sich direkt im Anschluss durch ein starkes Set. "Sky Is Mine", "House Of Sleep" oder "Alone" werden von Sänger Tomi Joutsen (dessen Rasta-Mähne so langsam den Boden berühren dürfte) gewohnt routiniert vorgetragen. Trotz steigender Hitze bei sengender Sonne steigt auch die Stimmung kontinuierlich an, so dass der Auftritt der Finnen zweifelsfrei als voller Erfolg bezeichnet werden darf.

Amorphis (Foto: maz)

Mächtig gespannt bin ich, ob SUICIDAL ANGELS ihr enormes Potential, auch in Bezug auf die Geschwindigkeit ihres Highspeed Thrash Metals, auch live so umsetzen können. Klare Antwort: Ja, sie können! Gerade mal 30 Minuten lang blasen die Griechen auf der Zeltbühne alles weg. Mit vielen starken Instrumentalpassagen und einer Saitenfraktion, die alles und jeden schwindelig spielt, sorgen Titel wie "Bloodthirsty" oder "Vomit On The Cross" für gigantische Staubwolken, die im Pit aufgewirbelt werden. Ich bin mächtig beeindruckt, und mir stehen meine (kurzen) Haare fast zu Berge.

Suicidal Angels (Foto: maz)

Der Auftritt von JOB FOR A COWBOY darf zweifelsfrei als denkwürdig bezeichnet werden, aber dazu gleich mehr. Die Truppe aus Arizona ist die erste grössere Band des Festivals für die junge und moderne "auf die Fresse"-Generation und ballert sich äußerst spielfreudig durch ihr Set. Sänger Jonny Davy steht einmal mehr der Wahnsinn in den Augen und Songs wie "Constitutional Masturbation", "Bearing The Serpents Lamb" oder "Regurgitated Disinformation" sorgen beim Publikum für die reinste Euphorie. Die Security kommt kaum noch hinterher, die ganzen Crowdsurfer an der Absperrung aufzufangen und dann nimmt das "Schicksal" seinen Lauf: Das Publikum fordert lauthals eine Wall Of Death, und Fronter Jonny geht darauf natürlich sehr gerne ein. In diesem Augenblick drehen sich fast sämtliche Ordner zur Bühne um und winken energisch ab, doch zu spät: Es startet eine amtliche Wall Of Death, und … kurze Zeit später wird der Band einfach der "Saft" abgedreht und "irgendein Verantwortlicher" betritt die Bühne und faselt irgendwas von einem generellen Verbot der Wall Of Death und jeglicher Circlepits (!) wegen der ach so großen Verletzungsgefahr. Die Band am Bühnenrand ist ebenso - sorry - angepisst, wie ein Großteil des Publikums. Einfach unglaublich!

Job For A Cowboy (Foto: maz)

(Nicht nur) meine Laune ist jetzt annähernd im Keller angekommen und so bin ich kaum noch in Stimmung, mir im Folgenden ILL NINO anzuschauen. Eben schnell ein Foto gemacht, den einen oder anderen Song angehört, aber zu diesem Zeitpunkt hätte mich vermutlich kaum eine Band begeistern können. Schade, denn die Nu Metaller aus New Jersey haben die True Metal Stage scheinbar ordentlich gerockt.

Ill Nino (Foto: maz)

Immer noch frustriert schleppe ich mich zur W.E.T.-Stage ins Zelt, denn auf HACKNEYED freue ich mich heute ganz besonders. Und was soll ich sagen? Nicht nur, dass Gitarrist Devin Cox heute seinen 17. (!) Geburtstag feiert und im sich stetig füllenden Zelt vom Publikum ein Ständchen gesungen bekommt, sondern vielmehr macht man mir unfreiwillig das grösste Geschenk des Tages, denn das Set der Jungs aus Süddeutschland haut mich schlicht weg aus den Socken! Unter anderem mit "Worlds Collide" punktet man auf ganzer Linie. Melodischer Death Metal voll auf die Zwölf - genau das habe ich jetzt gebraucht und Fronter Philipp Mazal scheint sich irgendwie meinen Frust von der Seele zu growlen. Danke Jungs, für diese einfach nur saugeilen 30 Minuten!

Hackneyed (Foto: maz)

Das Thema ENDSTILLE scheint sich so langsam zu einer Art Trend zu entwickeln. Es ist ja rappelvoll vor der Black Stage. Und ich weigere mich einfach zu glauben, dass die alle wegen der Musik der Kieler hier sind. Sie sind immer noch eine der extremsten Bands des Wochenendes. Neuzugang am Mikro Zingultus (ex-Nagelfar) fügt sich bestens ins Konzept der Band ein, ein neuer Song wird abgefeuert und zu ultrafiesen Geschossen wie "Dominanz" und "Navigator" muss man nichts mehr sagen. Nur war der Sound heute wieder etwas druckloser, da im Vergleich zum letzten Jahr wieder nur eine Gitarre zugegen war. Etwas schade, aber nicht zu ändern. Das neue Album "Infektion 1813" wird es richten.

Endstille (Foto: sw)

Es steht völlig außer Frage, dass ARCH ENEMY am heutigen Tage mit zu den Headlinern zählen. Das Gelände ist so voll, wie die meisten Dixis. Die Massen stehen von der Bühne fast ohne Unterbrechung bis zum Eingang, und die spielstarken Schweden mit ihrer deutschen Sängerin Angela Gossow zaubern einen Hit nach dem anderen aus dem Ärmel. "Revolution Begins", "My Apocalypse" - die Massen stehen Kopf und Crowdsurfer soweit das Auge reicht. Angela Gossow hat heute ein leichtes Spiel mit dem Publikum und was die Amott-Brüder auf ihren Saiten abliefern, beeindruckt mich ein ums andere Mal. Und allerspätestens nach dem abschließenden Doppelpack "We Will Rise" und "Nemesis" steht für mich eine Sache felsenfest: Völlig egal, wer heute noch spielt, das kann für meinen Geschmack niemand mehr toppen!

Arch Enemy (Foto: sw)

Nachdem Grave Digger endlich mit ihrer Schottland-Beweihräuchung fertig sind, steht mit SLAYER endlich der Headliner des Abends auf der Bühne. Und ich will nichts schön reden. Tom Araya kann aufgrund seiner OPs nun mal nicht mehr sein Haupthaar schütteln und bewegt sich sehr gemächlich über die W:O:A-Bretter. Dafür ist er heute bestens bei Stimme. Kerry King bangt heute auch weniger. Nun, er wird auch nicht jünger. Aber dass die Totschläger im Kollektiv unsterbliche Klassiker wie "War Ensemble", "Hell Awaits" oder "Chemical Warfare" immer noch so präzise und absolut Nacken-feindlich in die Botanik knallen, lässt mich fast wieder in die Knie gehen. Dass nach "Raining Blood" auch noch eine endgeile Version von "Aggressive Perfector" (wohl seit über 20 Jahren nicht mehr gespielt) aus der Hüfte geschossen wird, beweist für mich nur eines … dass ich wieder mal sprachlos bin. Aber was erwarte ich auch - das sind Slayer!

Klar haben ANVIL durch ihren Film einen enormen Schub bekommen. Anders ist auch nicht zu erklären, dass sie wieder auf einer Wacken-Bühne stehen - das letzte Mal 1998! Nach der Slayer-Tortur (yeah!) gebe ich mir noch ein paar Hits wie "666" oder "Winged Assassin" und lasse mich von "Mothra" ins Bett befördern. Lips hatte aber sichtlich seinen Spaß mit den Fans. Gut so.

Samstag, 07. August

Ich glaube, die ewigen Vergleiche mit Soulfly hängen EKTOMORF ähnlich weit zum Halse heraus, wie mir. Dass die Herren aus Ungarn weit mehr auf dem Kasten haben, als nur die Truppe von Max Cavalera zu kopieren, dürfte hinlänglich bekannt sein. Im Vorbeigehen schnappe ich noch den Song "Fuck You All" auf, sowie das leider nur zur Hälfte angespielte "Blind" von Korn. Coole Sache.

Ein CALIBAN-Auftritt ohne Circlepits und Wall Of Death? Wie soll das denn bitte funktionieren? Überraschenderweise erstaunlich gut. Der Ruhrpott-Fünfer macht halt einfach das Beste aus dieser Situation, auch wenn Fronter Andi Dörner dieses Verbot ziemlich "ankotzt" (O-Ton). Man startet heute wieder einmal mit dem obligatorischen "Love Song" und brennt abermals das reinste Hitfeuerwerk ab: "It's Our Burden To Bleed", "No One Is Safe", oder das vom Publikum lauthals unterstütze "Liar". Und trotz des Verbotes (oder gerade deswegen?) starten in der Menge natürlich einige Circlepits, spätestens bei "I Rape Myself" und prompt erscheint auf den großen LEDs seitlich der Bühne der Hinweis "No Circlepits!". Glücklicherweise ist das Set rechtzeitig zu Ende, bevor hier wieder irgendjemand als Spaßbremse fungiert und den Strom abstellt.

Caliban (Foto: maz)

Den Spaß verdirbt Fronter Jonny offensichtlich ein Problem mit seinem Bass gegen Ende des UNLEASHED-Sets, der ansonsten tight und mit ordentlich Druck von den Death Metal-Ur-Wikingern dargeboten wird. Die Saitenfraktion bangt mit dem Publikum um die Wette, Jonny treibt seine Mitsingspiele in neue Dimensionen, nur die Setlist ist für mich als Fan der ersten Stunde etwas zu aktuell ausgefallen. Nichts gegen Dampframmen wie "Wir kapitulieren niemals" oder "Winterland", aber ein paar mehr alte Kamellen wie "Into Glory Ride" (Pete Steele und Dio gewidmet) hätte ich mir schon gewünscht. Fazit: Ein verdammt gutes Set, aber Unleashed haben noch mehr drauf.

Unleashed (Foto: sw)

Auf OVERKILL ist immer Verlass. Sie haben Hits, die jeder Thrasher auch immer wieder hören will, ein bärenstarkes neues Album im Gepäck, dessen Songs sich bestens in die Setlist einfügen und mit Bobby "Blitz" Ellsworth einen der sympathischsten Fronter der Szene überhaupt. Da wird aus "Wrecking Crew" heute halt mal "Wacken Crew", da wird das Motörhead-Cover "Overkill" wieder ausgepackt und wenn Blitz fragt, antworten wir alle ganz artig "Fuck You!".

Overkill (Foto: sw)

Auch ich muss mich ernsthaft fragen, warum die Allstar-Grinder von LOCK UP nach Overkill auf die Bühne dürfen. Zumindest kann ich locker bis in die dritte Reihe der Black Stage spazieren. Und auf eben dieser rödeln Tomas Lindberg (ex-At The Gates), Shane Embury (Napalm Death), Nick Barker (gefühlte 800 Bands) und ein mir nicht bekannter Gitarrist für den verstorbenen Jesse Pintado durch insgesamt 21 Songs, unter denen sich auch das Terrorizer-Duo "Storm Of Stress"/"Fear Of Napalm" befindet. Tight, brutal, okay … aber nach Overkill, ich weiß ja nicht …

Die Sonne macht einem heute doch mehr zu schaffen, als erwartet. Und ich hatte mir fest vorgenommen, W.A.S.P. zu begutachten. Essig war es. "The Real Me", "L.O.V.E. Machine" oder "Wild Child" höre ich leider nur, und bei "I Wanna Be Somebody" sehe ich auf der Bühne den Honkytonk-Man. Ich hatte Blackie Lawless irgendwie anders in Erinnerung.

CANNIBAL CORPSE sind und bleiben das Nonplusultra, wenn es darum geht, technischen Death Metal mit höchstem Anspruch und hitverdächtiger Qualität auch noch perfekt auf die Bühne zu bringen. Daher in Wacken das gewohnte Bild: Vier Mann, vier Spots, Dauerbanging (niemand schlägt den Corpsegrinder) und ein Drummer im Hintergrund, der alle nach vorne peitscht. Die Setlist ist eine Best Of der Bandhistory, auf Überraschungen wartet man heute vergebens, so dass ich die Ansage zu "Hammer Smashed Face" dieses Mal nur höre, als ich bereits vor der W.E.T. Stage stehe und auf die isländischen Rockstars von SÓLSTAFIR warte. Zumindest mimt Frontmann Aðalbjörn Tryggvason dieses perfekt, ist sich keiner Pose oder Zigarette zu schade und bedient das zur Hälfte gefüllte Zelt mit "Köld", dem verzweifelten "Pale Rider" und der ausufernden Version von "Ritual Of Fire". 45 Minuten lang war ich doch wirklich wieder in einer anderen Welt - Dank Sólstafir.

Sólstafir (Foto: sw)

Für geschätzte 15 Minuten schaue ich dann mal bei EDGUY vorbei. Dass ich dabei kaum zwei ganze Songs zu hören bekomme (u.a. "Lavatory Love Machine"), liegt nicht etwa an der Überlänge der Titel (wie bei Avantasia), sondern vielmehr daran, dass Sänger Tobias Sammet heute scheinbar viel mehr Freude daran hat, zu reden und irgendwelche langweiligen Animationsspielchen mit dem Publikum zu veranstalten, anstatt zu singen. Den Fans scheint's trotzdem zu Gefallen, aber ich hätte mir dann doch etwas mehr Musik gewünscht, zumal auch noch Helloween-Bassist Matthias Grosskopf für ein kleines Gastspiel gewonnen werden konnte.

Den Soundtrack zur herrschenden Dunkelheit geben IMMORTAL. "Sons Of Northern Darkness", "Darkness Rise" und "Damned In Black" eignen sich perfekt, um die nötige Energie zum Gang zur Party Stage zu mobilisieren.
Tatsache, ich schaue mir zum ersten Mal eine Band hier an. Und nach ihrer zwiespältigen Absage beim diesjährigen Keep It True machen CANDLEMASS einen ziemlich einheitlichen Eindruck. Sänger Robert Lowe liest zwar immer noch Texte ab, ist aber wesentlich aktiver und auch kommunikativer auf der Bühne als in der Vergangenheit. Da lasse ich mir alte und neue Doom-Göttergaben wie "Hammer Of Doom", "At The Gallows End", "The Bleeding Baroness" und natürlich "Solitude" gerne gefallen. Das Festival ist zwar noch nicht ganz zu Ende, aber Candlemass sind zum "Abschluss" sogar noch ein richtiges Highlight.

Während Kollege Marco auf der Zeltbühne dem Farewell von Despised Icon beiwohnt, lasse ich mir den Rückweg zum Zelt von SOULFLY ebnen. Ungewohnt old school klingt das Gehörte und sogar der Sepultura-Schinken "Troops Of Doom" wird den Fans vor den Latz geknallt. Mehr Sepultura als Sepultura selbst?! Wie auch immer, das Zelt ruft. Sigi Ende.

Leider müssen Soulfly auf meine durchgehende Anwesenheit verzichten. Ein paar Minuten schaue ich zwar noch rein, aber da heute eine der letzten Möglichkeiten ist, DESPISED ICON zu sehen, begebe ich mich dann doch mal lieber ins Zelt. Und in eben diesem ist es so voll wie vermutlich das ganze Festival über nicht. Der Sechser aus Kanada kann beim Publikum mit seinem brachialen Deathcore/Hardcore-Gebräu zweifelsfrei und uneingeschränkt punkten, bloß bei mir bleibt irgendwie ein leicht fader Beigeschmack zurück. Technisch zwar absolut top, aber für meine Ohren werden die Songs von den beiden Sängern Steve Marois und Alex Erian förmlich kaputt geschrien. Wäre ich mal draußen bei Soulfly geblieben.

Auf dem Rückweg zum Zeltplatz gönnt man sich dann noch ein paar Songs von FEAR FACTORY, die mit toller Lichtshow und ordentlich Druck von der Bühne einmal mehr für beste Stimmung sorgen. Zum Glück kommt "Linchpin" relativ früh im Set. Hunderte, vermutlich tausende Fans hüpfen auf und ab - ein geiler Anblick! Mittlerweile ist es auch 1 Uhr nachts und das sollte dann für heute, bzw. für das diesjährige W:O:A auch reichen.

Berichterstattenderweise unterwegs waren:

Marco Zimmer - bei:
By The Patient, Mötley Crüe, Ghost Brigade, Gojira, Dew-Scented, Amorphis, Suicidal Angels, Job For A Cowboy, Ill Nino, Hackneyed, Arch Enemy, Ektomorf, Caliban, Edguy, Despised Icon, Fear Factory

Siegfried Wehkamp - bei:
Apocalyptica, Katana, Alice Cooper, Iron Maiden, Endstille, Slayer, Anvil, Unleashed, Overkill, Lock Up, W.A.S.P., Cannibal Corpse, Sólstafir, Immortal, Candlemass, Soulfly