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Festival: WACKEN OPEN AIR - 04.-06.08.2011

Donnerstag, 04. August

Das diesjährige musikalische Programm startet für die mega-metal.de-Belegschaft am Donnerstag Nachmittag im großen Bullhead City Wrestling-Zelt mit den Norwegern von KVERLERTAK, die vor allem die etwas jüngere Generation anlocken. Der Mix aus Hardcore, Punk und Rock'n'Roll mit einer Portion Black Metal, sowie den ausschliesslich norwegischen Texten ist schon eine ungewöhnliche Mischung, die aber - wie in der Vergangenheit bereits erlebt - nicht nur zündet, sondern auch bestens ankommt. Das Zelt ist bestens gefüllt, Sänger Erlend Hjelvik wirbelt hektisch über die Bühne, nutz den Bühnensteg zur Mitte des Zeltes, klettert über die Absperrung zum Publikum oder alternativ auch die Traversen hoch und Songs wie das groovige "Nekroskop" tragen ihr übriges zur ausgelassenen Stimmung bei.

Kvelertak (Foto: maz)

Der deutsch-türkische Comedian und bekennende Rocker/Metalhead BÜLENT CEYLAN sorgt am späten Donnerstag Nachmittag für eine halbe Stunde amüsante Abwechslung und deutsche Komik par excellence. Da wird alles Mögliche auf die ganz typisch schwäbische Art und Weise durch den Kakao gezogen, sei es die senile Oma im Supermarkt oder Nazis im Allgemeinen. Mehrfach fällt im positiven Zusammenhang das Wort "Wacken", was für zusätzlichen Applaus auf dem vollen Gelände sorgt und ich stelle schnell fest, dass ich mich vor lauter Lachen und Grinsen mal lieber auf das Fotografieren konzentrieren sollte. Äußerst sympathischer Auftritt mit dem Fazit: "Bier ist nicht einfach nur ein Getränk, sondern eine Aufgabe." In diesem Sinne: Prost!

Bülent Ceylan (Foto: maz)

Nach Comedy und Deutschrock von Frei.Wild hatte die PA der True Metal Stage offensichtlich ein Problem mit "Metal" - denn beim HELLOWEEN-Opener "Are You Metal?" fiel zweimal hintereinander die Anlage aus - und zwar direkt bevor Andi Deris das Wort "Metal" im Chorus aussprechen konnte. Unheimlich. Jener Herr Deris sorgt dann bei Fans aller Lager für Diskussionsstoff. Sei es für fragwürdige Sangesleistungen ("Eagle Fly Free") oder mitunter viel zu großes Mitteilungsbedürfnis - die überlangen Versionen von "Future World" und "I Want Out" waren doch ein wenig zu viel des Guten. Schwamm drüber - die Kürbisköppe sind nun mal so wie sie sind und bis auf das Drumsolo gingen die 75 Minuten schon in Ordnung.

Helloween (Foto: maz)

BLIND GUARDIAN haben einen großen Vorteil. Ihre Songs kann man auch beim Shoppen genießen. Das Festivalgelände ist bereits jetzt rappelvoll und die Krefelder habe ich nun schon oft genug live erlebt. Vom Einstiegstrio "Sacred", "Welcome To Dying" und "Nightfall" bis zum finalen Yin-Yang-Doppel "The Bard's Song"/"Mirror, Mirror" ist so ziemlich alles dabei, was der Blind Guardian-Fan gerne hört und wo er tatkräftig mitsingt. Selbst Hansi Kürsch ist heute bestens bei Stimme und kollektiv überrascht die Band mit dem wieder ausgepackten "Lord Of The Rings". Saubere Sache!

Blind Guardian (Foto: maz)

Der Madman in Wacken - wer hätte das jemals gedacht?! Geglaubt habe ich es erst, als OZZY OSBOURNE wirklich auf die Bühne tapst. Muss man ihn bemitleiden, weil seine Gesangsleistung teilweise grenzwertig ist und er sich beim Singen kaum von den Monitorboxen weg traut? Muss man genervt sein, weil er zig Mal "I can't fuckin' hear you!" brüllt? Muss man ihn lieb haben, weil er von Grund auf ehrlich wirkt, wenn er wie ein kleiner Junge die Menschenmasse vor der Bühne anlacht? Oder muss man ihm einfach nur dankbar sein, weil er der Metalwelt großartige Songs wie "Bark At The Moon", "Road To Nowhere" (autobiografisch?!), "Mr. Crowley" oder "Crazy Train" geschenkt hat … und immer noch da ist?! Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte. Mit Gus G. (Firewind) hat er einen starken Saitenhexer zur Seite, der sich hinter seinen großen Vorgängern nicht verstecken muss - und wenn ein über 60 Jahre alter Mann "Mama, I'm Coming Home" singt, ist man irgendwie doch zu Tränen gerührt.

Freitag, 05. August

Den Freitag eröffnen auf der Black Stage die Finnen ENSIFERUM. Erstaunlich, wie voll das Gelände jetzt bereits schon ist. Letztes Jahr um diese Zeit konnte man noch gemütlich zwischen Bühne und Tower hindurchlaufen. Das geht jetzt und heute absolut nicht mehr. Das liegt sicherlich auch an der mit Kunstblut verschmierten Truppe, die den vielzähligen Party-Jüngern die volle Ladung "Humppa" vor den Latz knallt. Namentlich seien "Twilight Tavern", "Battle Song", die groovende Midtempo-Nummer "Tale Of Revenge" oder auch "Stone Cold Metal" genannt, bei dem ohne Ende Crowdsurfer gen Bühne segeln. Für 12 Uhr mittags wirklich beachtlich.

Ensiferum (Foto: maz)

Beachtlich ist auch, wie viele Menschen danach die SUICIDAL TENDENCIES sehen wollen. Die Ursuppe des Hardcore/Crossover/Skater/Punk Metal ist - so weit ich mich erinnere - zwar nur noch durch Sänger Mike Muir im Original vertreten, der hat dafür aber immer noch Hummeln im Hintern und viel Wertvolles zu sagen. Und das nicht nur durch Klassiker wie "You Can't Bring Me Down", "War Inside My Head" oder "How Will I Laugh Tomorrow". Kurzweilig und gut!

Danach ist es an MORBID ANGEL, mir meine kürzlich erlebten Morgoth/Deicide-Halbenttäuschung wieder gerade zu biegen. Und sie biegen! "Immortal Rites", "Fall From Grace", "Rapture" und "Maze Of Torment" direkt am Anfang und nach ein paar starken, neuen Songs noch "Angel Of Disease" als verschollener Livetrack - es war einfach die Death Metal Packung vor dem Gehörnten, die in meinen Ohren schon längst überfällig war. Klasse!

Morbid Angel (Foto: maz)

Es ist halb fünf nachmittags und der eiskalte Hauch schwarzen Metals empfängt mich auf der W.E.T. Stage. Dort spielen KHOLD standesgemäß in Corpsepaint. Die kalten, blechernen Drums und der an Verachtung kaum zu überbietende Sänger knallen einem in einer irren Lautstärke die Rübe weg. Und spätestens bei "Phantom" zeigen die Norweger, dass sie keine Gefangenen machen, kriechen in meinen Gehörgang und zerstören die letzten positiven Gedanken. Schade, dass in Wacken nicht immer dunkelste Nacht ist.

Auf der Party Stage zelebrieren die Italiener RHAPSODY OF FIRE ihren Fantasy-Power-Metal, der schon sehr früh im Set mit "Holy Thunderforce" einen ersten dicken Hit aufweisen kann, was die zahlreichen Fans vor der Bühne natürlich in reinste Extase versetzt. Sänger Fabio Lione ist heute bestens bei Stimme und die Saitenfraktion - allen voran Gitarrist und Mastermind Luca Turilli - posen förmlich um die Wette. Viel Pathos, viel Fantasy, jede Menge Chöre und Bombast - genau so soll es sein. Mit "Dawn Of Victory" lässt der nächste Kracher auch gar nicht lange auf sich warten, doch ich begebe mich mal wieder auf den recht langen Weg zurück zur Black Stage.

Rhapsody Of Fire (Foto: maz)

Wenn zwei Bands, die man beide sehen möchte, genau zeitgleich spielen, muss man sich entweder für eine entscheiden, oder - wie in diesem Falle - beide Bands jeweils zur Hälfte anschauen. Also, vorzeitig Rhapsody Of Fire abbrechen und rüber zu AS I LAY DYING. Bei den fünf US-amerikanischen Metalcorelers herrscht natürlich das reinste Gegenteil. Kein Headbangen, sondern Pits und Party! Die Truppe um Fronter Tim Lambesis punktet mit neuen Songs wie "Condemned" oder "Parallels" ebenso wie mit Titeln der Sorte "Nothing Left" oder "94 Hours" und sorgt für extrem viel Action auf dem Platz, wo sich die Menschenmassen schonmal auf den bevorstehenden Doppelschlag vorbereiten.

Das Interesse an TRIVIUM, die heute zum ersten Mal auf dem Wacken Open Air spielen, ist natürlich riesig. Viel geht auf dem Gelände nicht mehr. Die Amis steigen mit ihrer aktuellen Single (sowie Titelsong des neuen Albums) "In Waves" direkt in die Vollen. Alleine dieser eine Song ist bezeichnend dafür, wie sehr diese Band in den letzten Jahren gereift ist und wie sich Matt Heafy's Stimme enorm weiterentwickelt hat. Was der Kerl heute im Wechsel an Growls und cleanen Passagen heraushaut, ist wirklich beachtlich. Im Set des Quartetts sind heute natürlich auch so einige neue Songs enthalten, wie "Dusk Dismantled", bei dem ein riesiger Circlepit startet, oder auch "Built To Fall". Die großartige Stimmung entlockt Fronter Matt ein ums andere Mal ein breites Grinsen und er ist sichtlich stolz, verkünden zu können, dass die Band heute "eine der größten Shows ihres Lebens spielt" (Zitat). Das dürfte sicherlich auch für Nick Augusto eine besondere Erfahrung sein, der als Neuzugang an den Drums heute seine allererste Show in Deutschland spielt. Ein rundum gelungener und sehr starker Auftritt einer äußerst sympathischen Truppe, der mit dem abschliessenden "Throes Of Perdition" leider satte zehn Minuten früher endet, als ursprünglich geplant.

Trivium (Foto: maz)

Wenn es eine Band gibt, die ich mir trotz "modernerer" Zuordnung live immer wieder geben kann, sind das HEAVEN SHALL BURN. Die unbändige Power, die derben Grooves, die großartigen Melodien - für mich immer noch das Nonplusultra in diesem Bereich. Die Saitenfraktion ist eine bangende Wand, Sänger Marcus der sympathische Dirigent der Massen und "Forlorn Skies", "Combat" (unmenschlich!) oder "Counterweight" die besten Gegenargumente für alle Nörgler an der metallischen Neuzeit. Warum "The Weapon They Fear" fehlte, fand ich persönlich zwar etwas irritierend, doch das Edge Of Sanity-Cover "Black Tears" entschädigt wie immer.

Heaven Shall Burn (Foto: maz)

Zwei Stunden und 15 Minuten JUDAS PRIEST als Farewell ohne K.K. Downing und einen knapp 60-jährigen Rob Halford, bei dem man im Vorfeld nicht wusste, was seine Stimme noch bringt. Fazit nach diesem Mammut-Gig: Neugitarrist Richie Faulkner sieht von Weitem eh aus wie ein junger K.K. Downing und harmoniert mit Glen Tipton unnachahmlich gut und Rob Halford brachte eine Gesangsleistung, die die letzten "mageren" Jahre mit einem Schlag vom Tisch fegt. "Painkiller" war unfassbar, ebenso "Nightcrawler". Dazu Überraschungen wie eine cool aufgepeppte Version vom 77er Track "Starbreaker", mit "Never Satisfied" sogar ein Ausflug zum Debüt "Rocka Rolla", "Diamonds & Rust" in einer halb Ballade/halb Rock-Version und dazu die Armada der unverzichtbaren Hits (zu viele, um sie aufzuzählen). Leider hatte ich nie das Glück Priest mit Halford zu sehen, bevor er die Band damals verließ, doch mit diesem Auftritt behalte ich die Band gerne in Erinnerung. Und so ganz weg sind sie ja auch nicht.

Die reanimierten Kyuss, die nun unter dem Namen KYUSS LIVES! die Bühnen unsicher machen, bieten nach der Show von Judas Priest natürlich einen extremen Gegensatz. Die Urväter des Stoner-Rocks, die wegweisend für diese Musikrichtung und viele Bands waren, können so einige Leute vor die Party Stage ziehen, auch wenn sich eben diese "Party" - bedingt durch die Musikrichtung - eher etwas in Grenzen hält. Es ist wohl mehr was "zum mal gesehen haben müssen", oder für diejenigen Leute (mich eingeschlossen), die Kyuss Anfang der 90er Jahre halt gehört (und geliebt) haben und nun endlich mal die Chance bekommen, einem Auftritt ihrer "alten Helden" beiwohnen zu können. Warum Sänger John Garcia allerdings nachts und auf der ohnhein kaum ausgeleuchteten Bühne eine Sonnenbrille trägt, bleibt ebenso ein Rätsel, wie auch die spärlichen Ansagen, und - mit Ausnahme von Bassist Scott Reader - kaum vorhandenen Bewegungen auf der Bühne. Aber das alles muss auch gar nicht unbedingt sein. Die Musik von Kyuss funktioniert auch ohne große Lichtshow und zehn Tänzer/Innen, denn spätestens wenn man in den Genuss eines Meilensteins wie "One Inch Man" kommt, schliesst man ohnehin die Augen.

Kyuss Lives! (Foto: maz)

Auf der Black Stage erlebt man derweil dann noch, was passiert, wenn man ein Kind mit einem Rudel Katzen sich selbst überlässt? Es entwickelt sich zu einem der begnadetsten Black Metal-Musiker Europas. Nach der Auflösung von Celtic Frost geht Tom Gabriel Warrior nun mit neuer, junger Band an den Start. Und sie ist richtig gut! Musikalisch kann TRIPTYKON voll überzeugen. Das Motto der Band scheint allerdings zu heißen "Lachen verboten". Purer Hass schwappt von der Bühne und Tom presst die Songs mit aufeinander gebissenen Zähnen heraus. Ob es an seinem Wechselgesang mit Gitarrist V. Santura liegt, oder das eiskalte Auftreten der Bassistin - die Band wirkt wie eine kompakte, düstere Einheit. Einfach eine überzeugende Vorstellung!

Samstag, 06. August

Das, was Ensiferum gestern an dieser Stelle gezaubert haben, gelingt MOONSORROW heute nicht. Es ist deutlich weniger los (mag vielleicht auch am 4. Festivaltag liegen, wenn man den Mittwoch mitzählt) und dementsprechend verhalten ist die Gesamtstimmung auch, obwohl direkt vor der Bühne natürlich einiges passiert. Nun machen die Finnen allerdings auch keinen Party-Metal zum Saufen und Mitgröhlen, sondern ernsthaften Folk Metal, mit Querverweisen in Richtung Pagan und Black Metal. Das alles verpackt in teils überlange Songs, mit großartigen, aber mittags um 12 Uhr auf einem Festival sicherlich auch etwas ermüdend wirkenden Instrumental-Passagen. Technisch und musikalisch aber definitiv über jeden Zweifel erhaben.

Moonsorrow (Foto: maz)

Für die Norweger von TRIOSPHERE mache ich dieses Jahr meinen einzigen Ausflug zum W.E.T. Stage. Nach ihrem exquisiten zweiten Album "The Human Condition" habe ich mich richtig auf den Gig gefreut. Das Ergebnis war leicht ernüchternd. Die Songs ihrer beiden Alben im Wechsel zu spielen, macht Sinn, brachte mir leider wegen Unkenntnis des ersten Albums weniger. Vergebens warte ich dazu auf meinen Liebling "Watcher" und der Judas Priest-Gig von gestern überschattet noch meine Objektivität. Aber nein, Triosphere waren alles andere als schlecht.

Triosphere (Foto: sw)

Auf KATAKLYSM freue ich mich heute irgendwie besonders. Und die Band um Chef und Fronter Maurizio Iacono landet mit ihrem Death Metal auch genau da, wo er hingehört: Tief in der Magengegend - so wie unter anderem auch die als drittes Geschoss servierte Abrissbirne "A Soulless God". Und damit sich die Security vorne im Graben nicht langweilt (O-Ton Maurizio) wird der Kracher "As I Slither" auch sogleich als "Security Stress Test" angekündigt, was sich das Publikum natürlich nicht zweimal sagen lässt und in großem Umfang zum Crowdsurfen ansetzt. Und scheinbar hat die Security einen guten Job gemacht, denn Maurizio fordert im Nachhinein einen extra Applaus für die Jungs (die im übrigen wieder mal das ganze Wochenende über einen wirklich guten Job gemacht haben!). Bevor mit "Crippled & Broken" diese 45 Minuten viel zu schnell vorbei sind, tobt bei "Like Angels Weaping (The Dark)" vorher noch ein massiver Circlepit vor der Bühne. Starker Auftritt!

Kataklysm (Foto: maz)

2007 waren DIR EN GREY schon einmal in Wacken und sorgten damals wie auch heute für eine ordentliche Portion Exotik im Billing. Das, was die fünf Japaner abliefern, sorgt nicht nur bei mir für so einiges Staunen, das sich am besten einfach nur mit "krass" beschreiben lässt. Der Bass wummert metertief (was durchaus etwas an Tool oder Korn erinnert), doch der Sound ist extrem vielfältig und bietet eine Mischung aus Nu Metal, Alternative, Hardcore und jeder Menge fernöstlicher Einflüsse. Sänger Kyo verlangt seiner Stimme alles ab, ist tief am growlen, Black Metal-artig am Keifen oder auch mal in ganz gewöhnlichen cleanen Passagen unterwegs, bei denen er nicht selten herrlich theatralisch leidet. Hier wird Musik nicht nur gespielt, sondern gelebt. Man muss allerdings auch so ehrlich sein und zugeben, dass es einer großen Portion Offenheit und Toleranz bedarf, um diesem Auftritt etwas abzugewinnen. Das war wirklich wieder mal große Kunst - und die hat heute leider nicht jeder verstanden.

Dir En Grey (Foto: maz)

Nicht ganz verstanden habe ich im Anschluss die Black Metal-Truppe von MAYHEM. Musikalisch war die Band ohne Frage einwandfrei. Allerdings erwarte ich von einer Band mit einem solchen Ruf eine weitaus bessere Show. Ein umgedrehtes Plastikkreuz und etwas Augenrollen reichen einfach nicht. Sänger Attila im Voivod-Shirt und Jeans wirkte eher gelangweilt als böse. An die Authentizität und Ausstrahlung von Triptykon reichte Mayhem keinesfalls heran.

Nun, Matthew Barlow verlässt nach der Festivalsaison ICED EARTH - das haben wir bereits mit unserem Bericht vom Rock Hard Festival beleuchtet. Da beim Wacken-Auftritt auch nur eine Stunde zu Buche steht, gönne ich mir noch ein paar Songs, stelle fest, dass auch ein Matt Barlow stimmlich mal Probleme haben kann, diese aber gekonnt zu verdecken weiß (jeder, der mal Gesangsunterricht hatte und diesen Auftritt sah, wird mir beipflichten) und warte einfach mal ab, was uns Jon Schaffer mit bald-Neusänger Stu Block (Into Eternity) vorsetzt.

Iced Earth (Foto: maz)

Eigentlich wollte ich mir SEPULTURA gar nicht anschauen (man muss ja auch mal was essen gehen) aber "uneigentlich" ist es natürlich Fakt, dass die Truppe um den dunkelhäutigen 2-Meter-Fronter Derrick Leon Green (dem ich nachts auf der Straße nur ungerne begegnen möchte) zu Cavalera-Zeiten für so einige Klassiker gesorgt hat, von denen die heutige Besetzung natürlich immer noch zehrt. Deswegen gönne ich mir zumindest die ersten paar Songs und werde ich auch gleich mit einem wirklichen starken Doppelpack bestehend aus "Refuse/Resist" und dem neuen Kracher "Kairos" aus dem gleichnamigen (und überraschend guten) Album belohnt. Es war die richtige Entscheidung, hier doch noch eben zumindest einen kurzen Blick zu riskieren.

Sepultura (Foto: maz)

Meine Aufnahme von irgendwelchen Eindrücken ist mittlerweile komplett auf dem Nullpunkt. Von daher reicht es bei AVANTASIA auch nur noch eben schnell für ein Bilder und ein Wiedersehen auf der Bühne u.a. mit Masterplan-Sänger Jorn Lande.

Avantasia (Foto: maz)

Sack zumachen heißt es um viertel vor zehn auf der Black Stage mit KREATOR. Überraschungen gab es im Set der Altenessen-Thrasher eigentlich nicht (außer vielleicht "Endless Pain" und "Betrayer"), dafür aber eine Stunde lang so auf die Mütze, dass ich kurz vor elf Uhr die Segel streiche. Songauswahl, Sound, Mille's Stimmung - alles Bombe! Was soll man da noch sagen. Auf Kreator ist einfach Verlass, wenn es darum geht, die letzten Kräfte zu mobilisieren.

Schlafen gehen kann man mit den fast schon üblichen MOTÖRHEAD-Songs ("Iron Fist", "Metropolis", "Rock Out", "Ace Of Spades", usw.) nicht wirklich, weil Lemmy einfach der lauteste Bastard auf diesem Erdball ist. Aber die Erkenntnis, dass sein Set ein wenig das diesjährige Wacken Open Air wieder spiegelt. Viel Altbekanntes und trotzdem immer wieder cool!

Freuen wir uns also auf 2012.

Berichterstattenderweise unterwegs waren:

Marco Zimmer - bei:
Kvelertak, Bülent Ceylan, Ensiferum, Rhapsody Of Fire, As I Lay Dying, Trivium, Kyuss Lives!, Moonsorrow, Kataklysm, Dir En Grey, Sepultura, Avantasia

Siegfried Wehkamp - bei:
Helloween, Blind Guardian, Ozzy Osbourne, Suicidal Tendencies, Morbid Angel, Heaven Shall Burn, Judas Priest, Triosphere, Iced Earth, Kreator, Motörhead

Sonja Tremmel - bei:
Khold, Triptykon, Mayhem