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Festival: WITH FULL FORCE - 01.-03.07.2011

Location: Flughafen Roitzschjora, Löbnitz bei Leipzig


Das mittlerweile 18. With Full Force Festival sollte gerade mal mein erstes sein. Irgendwie war mir der Weg bis ins tiefste Sachsen immer zu weit und die Termine der letzten Jahren passten auch nicht so wirklich.
Doch dieses Jahr stimmte alles. Der Termin, der Urlaub und das wirklich gute Billing. Also mache ich mich am Vortag auf den Weg zu einem Festival, das mir noch lange und nachhaltig in Erinnerung bleiben wird - und das leider nicht nur in positiver Hinsicht.

Donnerstag, 30. Juni

Die Anreise erweist sich - wie erwartet - als etwas zäh. Geprägt von Umleitungen, Staus, Baustellen, mitunter prasselndem Regen und einer ohnehin immer extrem nervigen A2, erreiche ich nach rund fünf Stunden den tiefsten Osten, wo man an manchen Stellen immer noch glaubt, die Zeit wäre hier in den 70er Jahren stehen geblieben. Mein Navi zeigt jetzt nur noch zwei km an. "Endlich geschafft!", denke ich, aber die eigentliche Geduldsprobe steht mir jetzt erst noch bevor: Genau drei Stunden lang stehe ich wenige Minuten vor dem Gelände im Stau! Nichts geht mehr. Nur der Regen prasselt munter weiter. Irgendwann geht's dann wie aus heiterem Himmel plötzlich weiter und ich halte völlig vergeblich Ausschau nach irgendwelchen Hinweisschildern, von denen es genau Null auf dem Weg zum Gelände gibt. Keinerlei Hinweise, wo es langgeht, in meinem Fall auch kein Schild, wo sich der Presse-Check-In befindet - rein gar nichts. Die Ordner, die ich zwischendurch mehrmals befrage, haben nicht die geringste Ahnung ("ich stehe hier nur und winke die Autos durch" - schon klar). Nach einer mehr als extrem nervigen Irrfahrt mit mehrmaligem Wenden erreiche ich dann völlig zufällig doch noch den Check-In, der sich als schlecht ausgeschilderter Wohnwagen auf einem Maisacker entpuppt. Egal, ich will jetzt nur noch mein Auto endlich abstellen können. Auf dem Weg hinter den Bühnen entlang zum Backstage-Bereich kann mir auch dort kein Ordner sagen, wo ich denn nun genau parken/campen kann ("Park mal einfach da hinten. Wenn da jemand kommen sollte und meckert, dann sagst Du einfach, dass ich gesagt habe, dass das okay ist" - schon klar). Ich bin nun wirklich ein ruhiger Mensch, aber es fehlte nicht mehr viel und ich wäre explodiert! Genau neun Stunden (!), nachdem ich morgens zu Hause losgefahren bin, kann ich nun endlich mein Auto parken. Was für eine Torto(u)r! Zum Glück trifft meine Begleitung kurze Zeit später ebenfalls ein, also erstmal Pavillon aufbauen, Bier trinken und diesen Tag möglichst schnell vergessen.

Freitag, 01. Juli

Nachdem der Stress des Vortages eigentlich ganz gut im Alkohol ertränkt werden konnte, machen wir uns gegen Mittag auf den Weg zum Gelände. Doch wo bitte ist der Eingang? Wir stehen hinter den Bühnen und wieder einmal kann uns kein (!) Ordner sagen, wo für uns der Durchgang zum Gelände ist! Also laufen wir erstmal ganz außen herum und stellen uns brav wie alle anderen in die Schlange (erst gegen Abend finden wir rein zufällig den offiziellen "Hintereingang" für Presse/V.I.P. inklusive einem Pressezelt mit Bar usw.).

Gerade mal 15 Minuten vor der ersten Band öffnen dann die Pforten und es geht nur im Schneckentempo voran, bis man endlich auf dem Gelände ist. Ich laufe erstmal zügig zur Mainstage, auf der OMNIUM GATHERUM vor anfänglich vielleicht 200 Leuten spielen. Die Stimmung ist eher etwas verhalten, das Keyboard für meinen Geschmack etwas zu vordergründig und die finnischen Melo-Deather sind nun ohnehin nicht so die "typische" With Full Force-Band. Ich erkenne zumindest Songs wie "New World Shadows" und "Soul Journeys", drehe dann aber erstmal ein paar Runden über das Gelände.

Omnium Gatherum

Bei DEADLOCK hat es sich dann wenig später bereits sehr gut vor Bühne gefüllt, zumal die Truppe nun auch fast ein Heimspiel hat. Sänger Johannes Prem überrascht mich erstmal mit komplett abrasierten Haaren, während die Stimmung von Beginn an bestens ist, was nicht zuletzt natürlich an Hits wie "The Brave/Agony Applause" oder "Virus Jones" liegt, und man der Aufforderung von Sängerin (und Blickfang) Sabine Scherer "es darf getanzt werden!" auch gerne nachkommt. Und mit dem Song "Renegade" (einem meiner Favouriten der Band) macht man mich persönlich dann auch noch rundum zufrieden. Ein sehr gelungener Auftritt.

Deadlock

Im Anschluss geht's gleich mit DISBELIEF weiter. Ich bleibe noch kurz vor der Mainstage und stelle fest, dass die deutsche Death Metal-Institution zwar nicht ganz die Stimmung von Deadlock halten kann, aber ein starkes und routiniertes Set mit Titeln wie (dem wirklich "kranken") "Sick" abliefert.
Dass Bandüberschneidungen auf Festivals immer eine unschöne Sache ist, ist bekannt, und so verabschiede ich mich vorzeitig ins Zelt zur Tent Stage.

Disbelief

Das Zelt entpuppt sich - im Gegensatz zur kleinen versifften W.E.T.-Stage in Wacken - als extrem groß und angenehm und ist rundherum offen, also kein Gedränge oder Stau am Eingang. Sehr löblich. PROTEST THE HERO, die sich musikalisch im Laufe der letzten Jahre ziemlich zum Positiven gewandelt haben, frickeln sich derweil durch ihre progressiven und starken Songs. Sänger Rody Walker gibt sich gewohnt leicht "durchgeknallt", ulkt mit einer überschäumenden Flasche Bier herum, gibt sich aber extrem souverän und speziell seine höheren Töne im Gesang sind wirklich erstklassig. Ich komme langsam aber stetig wirklich in Laune auf mehr - so kann es gerne weitergehen.

Protest The Hero

Zurück ins Freie. Entgegen der Vorhersagen ist das Wetter erstaunlich gut. Zwar nicht wirklich warm, aber zumindest trocken und die Sonne lässt sich auch mal blicken und das bleibt auch den ganzen Abend noch so. CARNIFEX punkten mit ihrem Deathcore heute auf ganzer Linie. Da segeln die Crowdsurfer reihenweise in den Fotograben und mit Titeln wie "Hell Chose Me" oder natürlich "The Diseased And The Poisoned" sorgen die fünf Kalifornier für jede Menge Action im Pit. Und als wären 40 Minuten Spielzeit nicht sowieso schon zu wenig, ist bereits nach 32 Minuten Schluss. Schade, aber beeindruckend war's zweifelsfrei wieder mal.

Carnifex

Auf die nächste Band freue ich mich ganz besonders: LEGION OF THE DAMNED! Und die vier Niederländer widmen den gleichnamigen Song dann erstmal ihrem ehemaligen Bassisten (Twan Fleuren, bis 2006 in der Band), der kürzlich Selbstmord beging. Die Bassdrum ballert mir beim Fotografieren vorne im Graben ganz derbe in den Magen - also so, wie es sein soll. Death-Thrash-Geschosse wie "Cult Of The Dead", "Killzone", "Son Of The Jackal" und dem abschließenden und wieder einmal überragenden "Werewolf Corpse" (bei dem Neuzugang Twan van Geel an der Gitarre für meinen Geschmack aber etwas arg viel eigene Akzente einbringt) sind natürlich eher für die Headbanger, als für den Pit gemacht, doch heute und hier funktioniert auch beides nebeneinander scheinbar perfekt. Ganz starker Auftritt, von dem man sich erstmal wieder erholen muss.

Legion Of The Damned

Doch wer will sich schon erholen? Noch dazu vor dem Gig von Sheffield's Deathcore-Göttern BRING ME THE HORIZON? Ich jedenfalls nicht. Langsam wird es schwierig, einen guten Platz vor der Bühne zu bekommen. Das Gelände hat sich mächtig gefüllt, als die jungen Herren unter tosendem Applaus die Bühne betreten. Im Verlauf der folgenden 50 Minuten mag der eine oder andere vielleicht bemängeln, dass man heute auf ein paar Hits verzichtet und dafür lieber ein paar seltener gespielte Songs bringt. Für mich zeigt sowas einmal mehr die Klasse, Routine und den Stellenwert dieser Band. Sänger Oliver Sykes turnt und läuft dabei wieder einmal überall herum, wo es sich irgendwie anbietet, sei es auf den Boxen oder auf der Absperrung zum Publikum und nicht nur aktuelles Material wie "It Never Ends" kann dabei vollends überzeugen. Vor der Bühne herrscht ausgelassenste Stimmung. In den Gesichtern der Security sieht man förmlich die Verzweiflung, als Sänger Oliver im Fotograben auf die Crowdsurfer "wartet", um diese "High Five"-mässig abzuklatschen. Ja, das Publikum hat er fest im Griff. Und wen das alles bis jetzt noch eher kalt ließ, der dürfte spätestens beim abschließenden "The Comedown" zumindest etwas in Bewegung geraten. Ganz stark!

Bring Me The Horizon

Bei mir ist jetzt erstmal dringend eine Pause mit einer kleinen Stärkung angesagt - sowohl in fester, als auch in ausreichend flüssiger Form. Dass der heutige Co-Headliner AGNOSTIC FRONT dabei auf mich verzichten muss, können beide Seiten sicherlich bestens wegstecken, zumal mich die Amis musikalisch nie so wirklich begeistern konnten. Dennoch bin ich mir absolut sicher, dass die Truppe ihrer Aufgabe mehr als gerecht wird.
Auf dem Rückweg schaue ich noch eben im Zelt vorbei, wo ich eine wirklich sehr ordentliche Coverversion von Ramones' "Blitzkrieg Bop" von der US-amerikanischen Streetpunkband THE CASUALTIES geboten bekomme, bevor dann die schwedischen Punkrocker MILLENCOLIN eine ebenfalls wirklich amtliche Show abliefern.

Mittlerweile ist es 22.45 Uhr. Kalt ist es geworden und auf dem Gelände ist kaum ein freier Quadratmeter Rasen mehr zu sehen. Zeit für den heutigen Headliner. BULLET FOR MY VALENTINE aus Wales starten mit "Your Betrayal" gleich in die Vollen und hauen kurz darauf noch "Waking The Demon" hinterher. Für Staunen - nicht nur bei mir - sorgt dann die Ansage von Fronter Matthew Tuck, dass dies heute das erste europäische Festival ist, auf dem Bullet For My Valentine die Mainstage headlinen! Diese Aussage muss man sich nochmal in Ruhe durch den Kopf gehen lassen (aber nicht jetzt ...), denn die Bullet's legen mit "4 Words" und "Scream, Aim, Fire" gleich mächtig nach, bevor dann auch die Kracher des ersten Albums an der Reihe sind ("Hand Of Blood", "Tears Don't Fall"). Die Reaktionen des Publikums lassen dabei an der Headlinerposition nicht die geringsten Zweifel aufkommen. Natürlich schauen sich auch solche Leute diesem Gig zu, die vielleicht keine Fans der Band sind, aber einen vermutlich nicht geringen Teil davon kann man vielleicht mit dem ersten Song des Zugabenteils überzeugen: "Creeping Death" von Metallica! Und kaum eine andere Band covert Metallica so großartig und vor allem so nah am Original. Und ich sollte Recht behalten: Nun steht wirklich niemand mehr still! Nach 75 Minuten und "Alone" ist dann wieder einmal viel zu früh Schluss.

Bullet For My Valentine

Ein großartiger Tag geht zu Ende. Zumindest für mich. Die berühmte "Knüppelnacht", u.a. mit Grave und Misery Index hätte ich mir zwar zu gerne noch gegeben, aber ich bin nun definitiv auch am Ende meiner Kräfte angelangt. Es ist jetzt nach Mitternacht und ich hätte noch mehr als vier weitere Stunden überstehen müssen ... no way.

Samstag, 02. Juli

Irgendwann am Vormittag werde ich eher unfreiwillig aus dem Schlaf gerissen. Regen prasselt lautstark auf mein Auto (in dem ich schlafe) und sehr starker Wind lässt dieses sogar ab und zu leicht schaukeln. Ein Blick aus dem Fenster: Tiefgrauer Himmel soweit das Auge reicht und zu allem Überfluss hat es unseren Pavillon in der Nacht leider komplett zerlegt. Kein schöner Start in den Tag und leider ist dies auch der Anfang vom Ende. Aber alles der Reihe nach.

Ohne Pavillon und - als Autoschläfer auch ohne Zelt - verbringe ich also diesen extrem verregneten Vormitag zwangsläufig im Auto und warte darauf, dass der Regen endlich aufhört - leider vergebens. Da nützt es gegen Mittag alles nichts, aber ich muss und will auf das Gelände. Bei permanentem Regen, extrem starkem Wind, der einem die Tropfen förmlich ins Gesicht peitscht und fiesen Temperaturen von gerade mal 12°C (zur Erinnerung, wir haben Anfang Juli) schleppe ich mich zur Tent Stage und schaue mir die deutsch-niederländisch-schweizerische Kollaboration ARMA GATHAS um ex-Born From Pain-Sänger Ché Snelting an. Das Zelt ist anfangs eher mässig gefüllt, was zweifeslfrei wohl auch an dieser Saukälte liegt, zumal durch das an allen Seiten offene Zelt ganz ordentlich der Wind pfeifft. Mit Songs wie "The Damage Done" oder dem - entgegen dem Titel - äußerst rasanten "Generation Doom" erweist sich dieses Aufwärmprogramm aber als durchaus gelungen.

Arma Gathas

Bei strömendem Regen macht es wenig Sinn, irgendetwas großartiges zu machen. Also erstmal schnell ins Pressezelt, wo auf den dortigen TV-Geräten die Bands der Mainstage live übertragen werden, was ich im Falle von BETZEFER dann beiläufig nutze und feststelle, dass nicht wenige Leute diesem Wetter trotzen und die Israelis entsprechend abfeiern.

Regen und Sturm hin oder her, irgendwann muss es doch endlich mal besser werden, und THE BLACK DAHLIA MURDER will ich mir natürlich nicht entgehen lassen, also wieder ab nach draußen. Es erweist sich als ziemliche Herausforderung, Fotos zu machen, ohne seine Kamera einem möglichen Wasserschaden auszusetzen. Die Truppe um Fronter Trevor Strnad prügelt sich herrlich durch das Set, angefangen von neuen Titel wie "Malenchantments Of The Necrosphere" bis hin zu - natürlich - "Deathmask Divine". Erstaunlich, was für eine großartige Party bei diesem Dreckswetter abgeht. Ich flüchte derweil lieber wieder ins Trockene.

The Black Dahlia Murder

Mehr als ein paar Minuten Eindrücke von den starken ENTOMBED sind aber leider auch nicht drin, im immer stärker werdenden Regen. Jedenfalls reichen mir aber diese paar Minuten, um mich zukünftig etwas intensiver mit der Band zu befassen und mir mal einen kompletten Auftritt anzuschauen.

Entombed

Irgendwie war der heutige Tag ganz anders geplant. Ich wollte noch jede Menge Gelände-, Campingplatz- und Besucherfotos machen - was ich aber wohl auf morgen verschieben muss.

Um aber nicht ganz untätig herumzusitzen, schaue ich mir im Zelt einen Teil von EARTH CRISIS an. Auch wieder so eine Band, mit der ich nicht so wirklich etwas anfangen kann. Dieser typische anmerikanische oldschool Hardcore ist nunmal nicht meine Baustelle und beim Blick ins Publikum wage ich mal die Behauptung, dass so einige der Leute auch nur deshalb im Zelt sind, weil es hier trocken ist. Dennoch, in den ersten Reihen ist ordentlich Bewegung, inklusive des meiner Meinung nach völlig überflüssigen Violent Dancing.

Earth Crisis

Mittlerweile ist es nach 17 Uhr und seit neun Stunden ist es ohne eine einzige Unterbrechung am regnen. Gegen die Nässe als solche kann man sich ja vielleicht noch so halbwegs schützen (was bei diesem permanenten Sturm aber auch schweirig ist), aber diese extreme Kälte hat mittlerweile jeden einzelnen Knochen meines Körpers erreicht.

Ich muss mich förmlich zur Mainstage zu CALLEJON quälen, auch wenn ich mich - nach dem starken Auftritt vor drei Wochen auf dem Vainstream Rockfest - wirklich auf die Jungs gefreut hatte. Die Ruhrpöttler beginnen mit dem starken "Dieses Lied macht betroffen" (mit dem genialen Techno-Part in der Mitte, bei dem das Publikum im Regen und auf dem mittlerweile völlig schlammigen Boden ausgelassen tanzt!). Es folgen noch Songs wie "Lass mich gehen!" und "Zombiefied", aber es nützt alles nichts - ich flüchte zurück zum Campingplatz.

Callejon

Im Auto ist es wenigstens trocken und windstill, doch auch nach einer ganzen Weile bin ich trotz Wollpullover und zwei Hoodies immer noch vor Kälte am Zittern. Nein, Spaß macht das momentan wirklich nicht mehr. Und an dieser Stelle mache ich mir jetzt Gedanken, ob ich überhaupt die Kraft und Motivation finde, nochmal zurück zum Gelände zu gehen. Satyricon und Hatebreed würde ich nämlich schon noch gerne sehen. Meine Hoffnung, dass die Wolken doch auch irgendwann mal leer sein müssten, bestätigt sich leider nicht. Im Gegenteil, der Regen wird immer schlimmer und schlimmer, so dass ich den heutigen Tag schweren Herzens für beendet erkläre und mich im Auto unter meine Decke verkrieche. Morgen wird alles besser, soviel steht fest.

Sonntag, 03. Juli

Die Nacht war sehr unruhig. Der Regen prasselte scheinbar ohne Unterbrechung die ganze Nacht auf mein Auto und jetzt am Morgen sieht die Welt vor dem Fenster fast noch schlimmer aus, als noch am Vortag. Der halbe Presse-/V.I.P.-Parkplatz ist bereits abgereist.
Mir gehen tausend Gedanken durch den Kopf. Bleibe ich wirklich noch eine Nacht hier und fahre - wie geplant - erst Montag Vormittag nach Hause? Nein, das kommt garantiert nicht mehr in Frage. Andererseits, wenn ich mir wirklich noch Sólstafir und Moonspell anschaue, ist es bereits 1 Uhr nachts. Dann noch fünf Stunden nach Hause fahren? Das überstehe ich noch viel weniger. Also wird die Running Order des heutigen Tages von hinten zusammengestrichen. Was will ich denn unbedingt sehen? Nun, wirklich wichtig sind mir eigentlich nur noch Parkway Drive, Kreator und Volbeat. Doch das alles ist nun auch nichts, was ich nicht eh schon mehrmals gesehen habe.

Dritter Festivaltag, 10.30 Uhr morgens.
Seit mittlerweile 26 Stunden (!) ist es ununterbrochen am regnen, der Sturm bläst ebenso konstant über den Campingplatz und die Temperaturen halten sich konstant bei 12°C. Wenn ich jetzt aus dem Auto aussteige, dann bin ich völlig klatschnass, bevor ich überhaupt irgendwas an Regenklamotten anziehen kann.
Von daher treffe ich jetzt eine Entscheidung, die ich in meinen bisherigen zwölf Jahren Festivalerfahrung noch nie treffen musste:
Ich breche das With Full Force hier und an dieser Stelle für mich ab, und fahre nach Hause.
Es macht einfach keinen Sinn mehr und ich kann es mir auch nicht erlauben, die nächste Woche komplett mit Erkältung flach zu liegen. Ich habe in Sachen Festivalwetter schon annähernd alles miterlebt, aber das hier ist zweifelsfrei die absolute Krönung.

Ich bahne mir also meinen Weg durch die tiefen Pfützen und die Unmengen an Schlamm (zum Glück bleibe ich nirgends stecken) und habe ein wirklich ungutes Gefühl im Magen wegen meiner vorzeitigen Abreise.
Auf dem Weg zur Hauptstrasse sehe ich den ganzen Grad der Verwüstung auf dem Besuchercampingplatz: Schlamm und Müll ohne Ende. Kaputte Pavillons und Zelte kreuz und quer. Riesige Autoschlangen bahnen sich ebenfalls bereits den Weg in Richtung Heimat und am Strassenrand sehe ich jede Menge verzweifelte Festivalbesucher, die mit ihrem ganzen Hab und Gut unter dem Arm vermutlich auf den nächsten Shuttlebus oder sonst was warten - natürlich im strömenden Regen.

Nein, so ein Ende hat dieses Festival nun wirklich nicht verdient.

Fazit

Was mir besonders negativ aufgefallen ist:
1.) Die Koordination bei der Anreise ist wirklich mangelhaft. Wer zum ersten Mal herkommt und niemanden dabei hat, der sich hier auskennt, ist völlig aufgeschmissen, zumal es weit und breit kein einziges Hinweisschild zum Gelände o.ä. gibt.
2.) Die Ordner/Security vor, hinter und auf dem Festivalgelände waren - bis auf ganz wenige Ausnahmen - völlig inkompetent und ahnungslos.

Besonders positiv war:
1.) Die Auswahl der Bands - für jeden etwas dabei.
2.) Die gute Geländeaufteilung
3.) Festivalshirts für 13-15 Euro und Bier (0,4l) für 2,50 Euro sind absolut fair.

Da ich die negativen Punkte zukünftig aber größtenteils umgehen kann, steht einem erneuten Besuch im nächsten Jahr eigentlich nichts im Wege. Wir werden sehen.


Text & Fotos: Marco Zimmer