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Konzert: DYING FETUS - 26.09.2012 - Hamburg

Location: Markthalle
Support: Job For A Cowboy, Revocation, Cerebral Bore


Die Festivalsaison ist vorbei - es zieht Bands und Fans wieder in die Clubs. Und für einen Mittwochabend sind geschätzte (nicht bestätigte) 300-400 Brutalo-Anhänger in der Hamburger Markthalle gar nicht so schlecht.

Der Beginn dieses Donnerreigens obliegt CEREBRAL BORE. In ihren 30 Minuten rattern die Schotten Break- und Blast-verliebt durch ihren Death Metal, der durch einige straighte Passagen auch zum klassischen Bangen anregt. Neben dem flinken Mann am Bass (Steve DiGiorgio ist da bestimmt Vorbild) sorgt die Person am Mikro für leichtes Staunen. Anfangs als männlich eingestuft (es war nicht wirklich optisch erkennbar - sowas gibt es), stellt man das bei den Ansagen mit normaler Stimme sehr schnell in Frage. Smartphone sei Dank ist die Antwort aber schnell gefunden. Eine Holländerin namens Simone Pluijmers röhrt uns da wirklich unmenschliche Vocals in die Rübe. Respekt! Wer war noch Angela Gossow?!

Cerebral Bore

REVOCATION aus Boston waren schon mal mit dem Headliner in Europa unterwegs, kennen also das Publikum. Und obwohl ihr abwechslungsreicher Up to date-Thrash alles andere als seicht ist, sind sie für die Anwesenden offensichtlich zu "filigran". Vielleicht liegt es an den richtigen (teils doppelläufigen) Gitarren-Soli und der Tatsache, dass das energetische Quartett mit Akustik-Passagen, Black Metal-Einschüben oder Iron Maiden-Verweisen einen mächtigen aber flüssigen Spagat vollzieht. Da man mit "Bound By Desire" noch einen wirklich wuchtigen neuen Song vorstellt (von der "Teratogenesis"-EP, die just am Konzerttag zum freien Download freigegeben wurde), dürften aber schon ein paar neue Freunde im Revocation-Lager dazugekommen sein.

Revocation

Mit einem wohlwollenden Nicken werde ich hingegen die Jungs von JOB FOR A COWBOY ihres Weges ziehen lassen. Die Fakten: Die Performance - tight wie Sau. Die Energie - höllisch. Das technische Vermögen - beeindruckend. Sänger Jonny Davy - ein Derwisch, gar nicht mehr so schlaksig und in seiner Grunz/Keif/Bölk-Stimm-Akrobatik echt irre. Death Metal-Fans der ersten Stunde behaupten, man könne die Songs eh nicht unterscheiden. Kann man - die neueren Songs grooven etwas mehr. Doch am Ende dieser 45 Minuten-Vollbedienung komme ich doch zu dem Schluss, dass diese Art von Death Metal nicht mehr mein Freund wird. Dafür hat die Band andere Freunde und auch ihre Berechtigung - und die gönne ich ihnen auch.

Job For A Cowboy

Das Wort "irre" trifft den DYING FETUS-Gig aber genauso. Da gehen einfach drei Herren auf die Bühne, zocken mit fast schon selbstverständlicher Lässigkeit die irrsinnigsten Sachen auf ihren Instrumenten und können sich aufgrund eines bombigen Sounds (wie alle Bands am heutigen Abend) sicher sein, dass ihre Death/Grind-Geschosse nie ihre Wirkung verfehlen. Nach dem 2009er Sound-Debakel in der Oberhausener Turbinenhalle kann zumindest ich diesen Auftritt heute mal so richtig genießen. Die Fans genießen anders, denn im Pit vor der Bühne ist "Killing Season" und Stagediver lassen auch nicht lange auf sich warten. Und die freuen sich noch mehr, wenn die Herren Gallagher und Beasley auf einmal alte Schinken wie "Skullfucked" oder "Tearing Inside The Womb" ausgraben. Mit "Pissing In The Mainstream" liefert die das Trio das Kredo des Abends und wohl auch der Band selbst. Dafür werden sie geliebt und verehrt. Nicht von allen, aber der Lautstärke zufolge von allen, die an dem heutigen Mittwochabend sich vom heimeligen Sofa gepellt haben. Die Belohnung war fürstlich.

Dying Fetus

Setlist - Dying Fetus
Schematics
Your Treachery Will Die With You
Procreate The Malformed
Subjected To A Beating
Epidemic Of Hate
Skullfucked
Tearing Inside The Womb
Invert The Idols
Fornication Terrorists
In The Trenches
Homicidal Retribution

Pissing In the Mainstream
Killing Your Mother/Rape Your Dog


Text & Fotos: Siegfried Wehkamp