Impressum Startseite
Reviews Interviews Live Specials Jobs

Festival: EXTREMEFEST - 05.-07.07.2012

Flugplatz Schwarze Heide, Hünxe


Was gab es im Vorfeld nicht alles für Kritik. Nach fünf Jahren war das Death Feast Open Air finanziell am Ende und so haben sich die Macher mit der österreichischen Konzertagentur Rock The Nation einen starken Partner ins Boot geholt, um - wenngleich auch zukünftig unter dem Namen Extremefest - weiterhin ein "extremes" Festival im nordrhein-westfälischen Hünxe aufzuziehen.
Man kann nur vermuten, woran es wohl lag, dass das Festivalgelände selbst zu Spitzenzeiten gerade mal zu einem Drittel gefüllt war - vielleicht war die recht ungewöhnliche moderne Ausrichtung (u.a. Suicide Silence, Carnifex, All Shall Perish) daran Schuld, dass die "alten" Death Feast-Fans wohl nicht gerade in Jubelstürme ausgebrochen sind und viele von ihnen zu Hause blieben.
Das Extremefest fängt anno 2012 also bei Null und ganz von vorne an - und dafür war die Organisation und das ganze Drumherum ziemlich perfekt und professionell.

Donnerstag, 05. Juli

Den ersten Festivaltag eröffnet bei strahlendem Sonnenschein das Grindcore-Trio WORMROT aus Singapur. Es finden sich bereits ein paar hundert Leute auf den Gelände ein, um solchen mitunter recht kurzen Songs wie "Exterminate" (der zweimal begonnen werden muss, weil der Anfang beim ersten Mal gleich völlig daneben geht) oder dem wirklichen starken "Sledgehammer" zu lauschen. Die Drums klingen für meinen Geschmack zwar etwas zu blechern, aber vermutlich muss das so. Trotz allem ein durchaus gelungener Auftakt.
Ich weiß auch nicht, woran das genau liegt, aber irgendwie stehe ich total auf Bands aus UK, vor allem, wenn sie - so wie INGESTED - eine Mischung aus Brutal Death Metal und Deathcore spielen ... oder wie mir War From A Harlots Mouth-Gitarrist Simon später backstage erzählt, "irgendwie so Dying Fetus-mässig" klingen. Und der Fünfer aus Manchester macht auch gleich richtig Laune. Bei aggressiven Krachern wie "Skinned And Fucked" lässt die erste Wall Of Death des Festivals auch nicht lange auf sich warten.

Ingested

Auf CD fand ich NEXUS INFERIS schon genauso unspektakulär, wie live. Trotzdem schaue nochmal eben kurz rein, ob sich vielleicht irgendetwas Grundlegendes bei den Engländern und ihrem "Future Extreme Metal" geändert haben sollte. Fazit: Alles beim Alten, also ab zur Zeltbühne.
Dort ist es zwar zumindest schattig, aber umso stickiger. Und irgendwie frage ich mich gerade, warum ich UNBREAKABLE HATRED eigentlich auf meiner Running Order angekreuzt habe...!? Das kanadische Death/Grind-Trio spielt vor vielleicht 50 Leuten und Begeisterung sieht in meinem Gesicht auch irgendwie anders aus. Also wieder zur Hauptbühne.
Bei den Berlinern WAR FROM A HARLOTS MOUTH warten schon einige hundert Leute vor der Bühne, auch wenn sich im Laufe der 40 Minuten herausstellt, dass wohl nicht jeder mit dem polyrhtyhmischen Mathcore der Truppe etwas anfangen kann. Das stört aber auch gar nicht weiter. Neben einem brandneuen Song vom Ende 2012 erscheinenden Album, wird natürlich auch das großartige "If You Want To Blame Us For Something Wrong Please Abuse This Song" mit seinen herrlichen Maschinengewehr-Passagen ins Publikum gefeuert.

War From A Harlots Mouth

Letzte Woche beim With Full Force Festival haben mich die EXCREMENTORY GRINDFUCKERS bereits erfolgreich in die Flucht geschlagen und auch heute suche ich lieber das Weite, um mich nicht nochmal diesem - für mich nicht wirklich komischen - Spaß-Grind hingeben zu müssen.
Schluss mit lustig ist danach bei den SUICIDAL ANGELS - auf die Griechen freue ich mich heute besonders. Und scheinbar nicht nur ich. Da später am Abend Exodus den heutigen Headliner geben, sind jetzt gefühlt alle Thrasher am Start, die das Festival zu bieten hat. Und die sympathische Truppe um Fronter Nick Melissourgos (neuerdings mit ordentlichem Bauchansatz - liegt wohl am deutschen Bier) liefert mit solchen Nackenbrechern wie "Bloodbath", "Reborn In Violence", "Final Dawn" und natürlich den überragenden "Moshing Crew" und "Apokathilosis" den perfekten Soundtrack für den frühen Abend.

Suicidal Angels

Was die US-Amerikaner von ORIGIN dann abliefern, ist sowohl musikalisch, als auch technisch sicherlich kritiklos. Mir ist das allerdings jetzt und an dieser Stelle alles etwas zu technisch und anstrengend, so dass ich mir den Fünfer aus Kansas eher so nebenbei anschaue.
Ein wirklicher Fan von EISREGEN war ich zwar nie, aber ich muss eingestehen, dass die letzten beiden Album wirklich gut waren und auch live können mich die Thüringer im Folgenden durchaus überzeugen. Zugegeben, dieses permanente gerollte "R" nervt auf Dauer etwas (zumal Sänger Michael Roth auch noch während der Ansagen so spricht), aber mit einem ehemals verbotenen Titel wie "Scharlachrotes Kleid", dem viel umjubelten "Blutgeil" (von einem nach wie vor indizierten Album, dessen Titel nicht genannt werden darf), sowie "Madenreich" und "Elektrohexe" punktet die Truppe auf ganzer Linie und sorgt für entsprechend gute Stimmung.

Eisregen

Eine Institution für sich sind natürlich SUFFOCATION. Wobei ich mich gleich zu Beginn frage, wer denn da wohl (für mich) überraschenderweise am Mikro steht, denn Original-Fronter Frank Mullen ist das zweifelsfrei nicht. Spätere Recherchen ergeben dann, dass Bill Robinson von Decrepit Birth als Ersatz eingesprungen ist. Doch das wird außer den eingefleischten Fans vermutlich aber sowieso niemand bemerkt haben, denn dieser Bill macht seinen Job ausgesprochen gut. Solche Abrissbirnen wie "Catatonia", "Abomination Reborn", "Funeral Inception" oder "Infecting The Crypts" sorgen für eine überaus intensive und aggressive Spannung in der Luft und ich werde von dieser massiven Live-Energie förmlich mitgerissen.

Suffocation

Hätte mir im Vorfeld jemand gesagt, dass sich ASPHYX sehr schnell zu einem meiner persönlichen Highlights dieses Festivals entwickeln - ich hätte denjenigen vermutlich etwas skeptisch angeschaut. Doch die Niederländer überzeugen und begeistern gleich von der ersten Minute an. Das liegt erstens an den absolut überragenden Songs, egal ob ältere oder neuere ("Death ... The Brutal Way") und vor allem auch an Fronter Martin van Drunen (auch Hail Of Bullets), der sicherlich zu einem der Besten in diesem Genre zählt. Vor der Bühne ist es entsprechend voll, die deutschen Ansagen (vermutlich sehr zum Leidwesen der unzähligen anwesenden niederländischen Fans) kommen überaus sympathisch rüber und Headbanger soweit das Auge reicht. Ich bin mehr als beeindruckt.

Asphyx

Ob EXODUS das noch toppen können? Ich bin mittlerweile auch seit über zehn Stunden auf dem Gelände unterwegs und nur noch bedingt fit und aufnahmefähig. Aber die kalifornische Thrash-Maschine hat auch nach 30 Jahren nichts von ihrer Explosivität verloren. Mit dem eröffnenden Doppelschlag "The Last Act Of Defiance"/"Iconoclasm" stehen alle Zeichen auf Angriff. Schade nur, dass das Gelände höchstens zu einem Viertel gefüllt ist (immerhin Tagesrekord). Aber das tut der ausgelassenen und ausgesprochen guten Stimmung keinerlei Abbruch, denn vor der Bühne geht mächtig die Post ab. Und auch auf der Bühne: Fronter Rob Dukes gibt wie immer die Rampensau und wirbelt über eben diese. Beeindruckend ist alleine schon das abschließende Viererpaket: "Bonded By Blood", "War Is My Shepherd", "The Toxic Waltz" und "Strike Of The Beast" - die volle Ladung Thrash-Klassiker eben. Und pünktlich zum Ende fängt es heute erstmals an zu regnen - gute Nacht.

Exodus

Freitag, 06. Juli

Tiefgraue Wolken am frühen Morgen lassen nichts Gutes erahnen. Die Wetteraussichten für dieses Wochenende waren ohnehin recht bescheiden. Doch am gestrigen Tag hatten wir wirklich Glück mit durchgehendem Sonnenschein und heute sind gegen Mittag die Wolken auch bereits wieder verschwunden. Es sieht also nach einer weiteren Hitze- und Staubschlacht aus...
Als THE FORSAKEN pünktlich um 14 Uhr den zweiten Festivaltag einläuten, stehen genau zehn Leute vor der Bühne. Autsch. Doch das ändert sich zum Glück recht schnell, denn von allen Seiten füllt sich der Platz vor der Bühne im Laufe der ersten Songs, so dass es letztendlich vielleicht doch noch 200 sind. Die stehen zwar alle sehr großzügig verteilt und mit mehreren Metern "Sicherheitsabstand" zum Nebenmann, aber so bleibt zumindest für vereinzelte Headbanger mehr Platz - ansonsten entspanntes Kopfnicken, das die fünf Schweden ganz ordentlich mit Songs wie dem neuen "There Is No God" untermalen.

The Forsaken

Bei LAY DOWN ROTTEN ist dann schon etwas mehr los. Und das Quintett aus Hessen kann auch mit starken Songs wie "Pulling The Trigger", "Hours Of Infinity" oder "A Darker Shade Of Hatred" vom aktuellen Album wirklich überzeugen und mit dem abschließenden "Reconquering The Pit" wird dann auch ein ebensolcher Circlepit zum Ende hin angezettelt.

Lay Down Rotten

Zügig rüber zur Zeltbühne, denn da stehen jetzt I CHAOS auf dem Programm. Und scheinbar habe nicht nur ich diese Idee, denn selbst The Forsaken und Dew-Scented-Sänger Leif Jensen (der privat hier zu sein scheint), schauen sich im gut gefüllten Zelt die Niederländer an, die mit ihrem höchst aggressiven und druckvollen Brutal Death Metal das Zelt ordentlich zum Kochen bringen. Mit massiven Abrissbirnen wie u.a. "Degeneration Sublime" hat man scheinbar alle Anwesenden - mich eingeschlossen - vollends überzeugt. Im Nachhinein sicherlich eines meiner Highlights an diesem Wochenende...

Auf der Hauptbühne sorgen im Anschluss BENIGHTED für die nächsten Staubwolken im Pit (die zwischenzeitlich wirklich unangenehm sind). Das Treiben im Publikum ist ausgesprochen gut, die Franzosen werden mit Sprechchören angefeuert und antworten mit Death-Grind-Geschossen wie dem derben "Prey".

Benighted

Zweifelsfrei sind DISAVOWED am frühen Abend zumindest bis hierhin das heutige Highlight beim Publikum. Irgendwie fällt auf, dass nicht nur relativ viele niederländsiche Bands auf diesem Festival spielen, sondern - sicherlich auch wegen der geringen Entfernung - auch viele niederländische Besucher den Weg nach Hünxe gefunden haben. Disavowed zehren jedenfalls in ihrem bereits über zehnjährigen Bestehen immer noch von gerade mal zwei Alben, von denen das letzte auch schon wieder fünf Jahre zurückliegt. Aber das stört hier sowieso niemanden und die Truppe punktet mit Songs wie "Collateral Causality" oder "Condensed Conditions", sowie der Tatsache, dass sich Fronter Robbe Kok mitunter mehr im Publikum aufhält, als auf der Bühne. Wenn er nicht gerade mal mitten im Pit steht und singt, lässt er sich crowdsurfenderweise durch den Circlepit tragen. Amüsant und sympathisch.

Disavowed

Kein Metal-Festival ohne Geigen ... denke ich mir so bei ARAFEL. Und die von der ehemaligen Sowjetunion nach Israel ausgewanderte Truppe mit ihrem deutschen Sänger Helge Stang (ex-Equilibrium) will mit ihrem "Epic War Metal" - oder wie ich es bezeichnen würde: Folk Metal von der Stange - auch nicht so wirklich begeistern. Bei Disavowed war hier wesentlich mehr los und rein musikalisch ist das hier absolut nicht meine Baustelle.

CEPHALIC CARNAGE dann zwar schon eher, auch wenn mich das ewige Gerede der Amis zum Thema Kiffen spätestens nach der dritten Ansage mächtig nervt. Und weil das gerade alles so schön entspannt ist und in der ersten Reihe gepflegt ein Joint seine Runden macht, zündet sich auch die Security im Fotograben erstmal eine Zigarette an. Sachen gibt's...
Musikalisch macht die Truppe aus Denver/Colorado jedenfalls keine Gefangenen und Titel wie "Kill For Weed" sind irgendwie bezeichnend.

Cephalic Carnage

Dass der heutige Headliner Suicide Silence heißt, merkt man bereits jetzt bei ALL SHALL PERISH: Es sind erstaunlich viele "Kids" mit Basecap und bunten/weißen Shirts im Publikum - etwas, das es in den letzten Jahren beim Death Feast wohl auch nicht gegeben hat. Ich finde die Mischung - sowohl musikalisch, als auch vom Publikum her - jedenfalls ausgesprochen gut. Und genau dieses jüngere Publikum sorgt bei massiven Death Metal/Deathcore-Walzen wie "My Retaliation" oder auch "There Is Nothing Left" für den bis dato größten Moshpit dieses Wochenendes.

All Shall Perish

Ich muss etwas grinsen, denn die "Helmuth!"-Rufe kurz vor BELPHEGOR wirken auf mich etwas komisch - aber der Sänger/Gitarrist der schon seit über 20 Jahren aktiven Truppe heißt nunmal Helmuth Lehner. Die Abenddämmerung passt jedenfalls sehr gut zum Sound der Österreicher. Auch wenn es den Anschein macht, dass viele Leute nur deshalb hier sind, um die Band mal gesehen zu haben - ich ja zugegeben irgendwie auch. Dennoch kann der Death/Black Metal durchaus überzeugen und optisch macht's ja auch was her.

Belphegor

Diese Abschiedstour von NASUM hat irgendwie einen leicht faden Beigeschmack. Nach dem Tod von Sänger und Gitarrist Mieszko Talarczyk im Jahre 2004 und der anschließenden Auflösung der schwedischen Grindcore-Ikonen, spielt man nun anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Band ein paar Festivals mit Ersatzsänger Keijo Niinimaa von Rotten Sound. Zwar sind Songs wie "I See Lies" nach wie vor sicherlich zeitlose Klassiker, aber trotzdem weiß ich nicht, was ich von dieser ganzen Sache halten soll...

Nasum

Völlig zu Recht sind SUICIDE SILENCE heute der Headliner. So voll wie jetzt, war es heute auf Gelände noch nicht (das tagsüber leider einem Trauerspiel wegen extrem wenig Besuchern gleicht). Vor der Bühne feiert das überwiegend etwas jüngere Publikum seine Helden um den charismatischen Fronter Mitch Lucker jedenfalls mächtig ab und unterstützt ihn lauthals bei Krachern wie "Wake Up". Doch auch die jüngeren Fans im Publikum scheinen sich dann doch mehr auf die etwas älteren Songs des kalifornischen Deathcore-Fünfers wie "Bludgeoned To Death" oder "The Price Of Beauty" zu freuen. Was ich bei einem Suicide Silence-Gig allerdings auch noch nicht erlebt habe, sind die Spielchen mit dem Publikum, bei denen Mitch fast schon den Animateur mimt. Das klappt jedenfalls ausgesprochen gut und gegen Ende sorgt der reinste Crowdsurfer-Ansturm nochmal für jede Menge Arbeit für die Security. Extrem ärgerlich nur, dass der Gig statt 75 gerade mal 55 Minuten dauert, was hier und da (und auch bei mir) für etwas Unmut sorgt.

Suicide Silence

Samstag, 07. Juli

Dritter und letzter Festivaltag. Vom vorhergesagten schlechten Wetter nach wie vor keine Spur - die Sonne knallt schon vormittags unbarmherzig.
HATRED aus Bayern eröffnen den Tag vor schätzungsweise 30/40 Leuten und wesentlich mehr werden es erstmal auch nicht. Das ist aber auch nicht weiter schlimm, denn Spaß macht's allemal - trotz Stromausfall, der minutenlang erstmal alles lahm legt. Die Band nimmt's humorvoll und mit neuem Drummer, Aushilfsgitarristen, sowie den Thrashern "Metal Bastards" und "We Are The Mosh Crew" haben die wenigen Anwesenden sichtlich Spaß.

Hatred

Das Kreuz auf meiner Running Order ist bei DAWN OF DISEASE besonders dick. Ich hab richtig Bock auf die Osnabrücker, die mich mit ihren beiden letzten Alben ziemlich begeistern konnten - und das setzt sich jetzt und hier auch live fort. Mittlerweile wird's langsam aber stetig voller und der hin und wieder schwedisch angehauchte Death Metal des Fünfers macht mächtig Laune, nicht nur bei Titeln wie "Final Resurrection".

Dawn Of Disease

Auf der Zeltbühne geht's mit MOR DAGOR weiter, während draußen tatsächlich doch noch ein kurzer Regenschauer runterkommt. Perfektes Timing - ich bleibe trocken. Wobei der Schweiß im Zelt förmlich von der Decke zu tropfen scheint, was sicherlich auch an der wirklich überzeugenden und energiegeladenen Leistung der Black/Death-Truppe aus dem Ruhrpott liegt. Auf Ansagen zwischen den Songs wartet man zwar fast immer vergeblich (dafür gibt es bedrohlich-düsteres Wummern und Knistern aus den Boxen), aber das passt perfekt zur aggressiven und intensiven Stimmung, die das Quintett erschafft. Wirklich beeindruckend.

Mor Dagor

Einmal mehr frage ich mich, warum ich mir die nun folgende Band - namentlich DYSCARNATE - eigentlich ansehen wollte? Das, was ich mir von dem britischen Death Metal-Trio im Vorfeld angehört habe, schien mir zwar gefallen zu haben, sonst würde ich hier jetzt nicht stehen, aber irgendwie will der Funke so gar nicht überspringen.
Kein Problem, gehe ich halt wieder raus zur Hauptbühne und schaue mir noch ein bisschen GAMA BOMB an. Doch von den irischen Thrashern sehe ich noch genau die letzte Minute. Irgendwas läuft hier zeitlich etwas aus dem Ruder, denn man ist fast 30 Minuten früher fertig, als geplant. Schade, aber nicht zu ändern.
Das erste wirkliche Highlight des heutigen Tages sind jedenfalls ABORTED. Die Belgier können auf eine entsprechend große Fanbase bauen, während Fronter Sven de Caluwe und Bassist Cole Martinez hektisch über die Bühne wirbeln. Diese enorme Energie überträgt sich natürlich auch auf das Publikum, das neben älteren Songs auch neueres Material wie "The Origin Of Disease" abfeiert. Klasse Auftritt.

Aborted

Ein bisschen bei DESASTER vorbeigeschaut, die mit klasse Soli und überzeugenden Songs wie "Divine Blasphemies" durchaus punkten können, außerdem sehr sympathisch rüberkommen, aber ebenfalls mit technischen Problemen zu kämpfen haben. Irgendwie ist hier heute der Wurm drin. Ich hätte mir die Koblenzer gerne noch etwas länger angeschaut, aber ich muss zur Zeltbühne...

Schlange stehen vorm Zelt? Das hab ich bis jetzt auch noch nicht erlebt, aber irgendwie auch verständlich, den DER WEG EINER FREIHEIT ist nunmal zweifelsfrei das nächste große Ding im deutschen Black Metal. Dementsprechend voll ist es auch im Zelt (nächstes Mal bitte auf der Hauptbühne!). Und das Black Metal-Trio (nur live zu Fünft) schafft es gleich von Beginn an, eine düstere und höchst intensive Atmosphäre zwischen schwarzmetallischer Raserei und ruhigen akustischen Passagen zu erschaffen. Titel wie "Der stille Fluss" oder "Zerfall" sind wirklich ganz große Kunst und das abschließende "Neubeginn" sorgt nochmal für unzählige Headbanger. Kein Zweifel, Der Weg Einer Freiheit sind für mich die nächste faustdicke Überraschung dieses Festivals.

Der Weg Einer Freiheit

Im Anschluss wird das Zelt dann von den niederländischen Deathgrindern SEVERE TORTURE zerlegt, die gleich amtlich mit "Feces For Jesus" und "Baptized In Virginal Liquid" starten.
Ich verabschiede mich derweil in Richtung Hauptbühne, wo man bei CANRIFEX irgendwie die gleichen Leute im Publikum sieht, wie am Vortag bei Suicide Silence - so ein Zufall aber auch. Die Kalifornier zünden jedenfalls ein kleines Hitfeuerwerk mit Deathcore/Modern Death Metal-Granaten wie "The Diseased And The Poisoned", "A Grave To Blame" und natürlich dem abschließenden "Hell Chose Me".

Mein persönlicher Tiefpunkt des Festivals wird dann mit ARKONA erreicht. Mein lieber Scholli ... Flöten, Tröten, Dudelsack - das volle Programm. Dazu eine hysterische Sängerin, mit einem scheinbar kompletten Wolf als Jacke und fertig ist das russische Pagan-Folk-Grauen. Dumm nur, dass vor der Bühne ausgesprochen wenig los ist (warum spielt so eine Band direkt vor dem Co-Headliner??) und so manche Gesangspassagen und Chöre sowieso nur vom Band kommen. Und entgegen ihrem Namen, fehlt Sängerin Maria Archipowa eben genau diese Power. Mehr als hysterisches Schreien/Grunzen/was-weiß-ich, bleibt kaum hängen. Gruselig ... aber immerhin schön zum Fotografieren.

Arkona

Wie man Black Metal besonders eindrucksvoll zelebriert, macht dann die schwedische Institution MARDUK eindrucksvoll klar. Das ist hier weit mehr, als nur angemalte Show, das ist wirklich Black Metal! Bitterböse, bedrohlich und packend. Und der Vierer um Fronter Daniel 'Mortuus' Rostèn gibt sich wie vermutet sehr wortkarg, aber dafür sicherlich umso intensiver. Die schwarzmetallische knappe Stunde bietet Klassiker wie "Nowhere, No One, Nothing", "The Black Tormentor Of Satan", "Materialized In Stone" oder auch neuere Songs wie "Warschau 2: Headhunter Halfmoon". Äußerst beeindruckend.

Marduk

Dritter Tag, letzte Band, meine Kräfte sind mittlerweile auch am Ende und da mir gleich noch eine zweistündige Rückfahrt bevorsteht, schaue ich mir CANNIBAL CORPSE ausnahmsweise mal nicht komplett an. Nun habe ich die US-Deather ohnehin erst letzte Woche beim With Full Force gesehen, da ist das wohl zu verschmerzen. Ein letztes Mal ist das Festivalgelände voll (sofern man von voll sprechen kann) und der Corpsegrinder und seine Truppe ziehen einmal mehr eine überragende Death Metal-Show ab - mit überragenden Walzen wie "The Time To Kill Is Now" oder "Disfigured". Headbanger soweit das Auge reicht (inklusive Fronter George Fisher auf der Bühne) und ich bin mir sicher, dass im weiteren Verlauf der 75 Minuten noch unzählige starke Klassiker folgen werden...
Danke Extremefest 2012 - und auf jeden Fall bis zum nächsten Jahr!

Cannibal Corpse

Text & Fotos: Marco Zimmer