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Konzert: FULL OF HATE - 09.02.2012 - Hamburg

Location: Markthalle
Bands: Cannibal Corpse, Behemoth, Legion Of The Damned, Misery Index, Suicidal Angels, Nexus Inferis


Was für ein Paket, das der Veranstalter Rock The Nation für die diesjährige Ausgabe der Full Of Hate-Tour geschnürt hat!
Bei diesem Pflichtprogramm ist es natürlich nur eine logische Konsequenz, dass die Hamburger Markthalle zum heutigen Tourauftakt bereits im Vorfeld restlos ausverkauft ist.

Der angekündigte "Special Guest" entpuppt sich als NEXUS INFERIS. Das Interesse für die Truppe aus Wales/UK hält sich allerdings sehr in Grenzen. Zu Beginn des Auftritts befinden sich vielleicht 50 (!) Leute im Saal. Im Laufe des Sets füllt sich die Halle zwar annähernd zur Hälfte, aber der sehr verhaltene Applaus, das unsicher wirkende Auftreten von Sänger "Veracity", die ziemlich überflüssigen Masken (sowas dürfen nur Slipknot) und die reichlich unspektakulären Songs ("Future Extreme Metal" - schon klar) reißen heute mal so rein gar nichts. Positiv zumindest, dass das Trio zum Quintett gewachsen ist (vermutlich nur für Live-Auftritte) und der Synthie-Overkill des Albums arg gedrosselt wurde. Trotzdem gehöre ich zur großen Mehrheit derjenigen, die froh sind, dass dieser Spuk nur 30 Minuten dauert.

Nexus Inferis

Nach Nexus Inferis kann man nur gewinnen! Doch die griechischen Thrasher SUICIDAL ANGELS zehren natürlich nicht nur alleine von dieser Tatsache, sondern können heute auch auf so einige Fans zählen (die Band selber spricht in diesem Zusammenhang lieber von Freunden und nicht von Fans). Die Halle ist mittlerweile sehr gut gefüllt, Sprechchöre begleiten das Intro und endlich kann man zum ersten Mal sowas wie Stimmung im Publikum wahrnehmen. Die erste Wall of Death krempelt den Platz vor der Bühne ordentlich um, und mit Thrash-Granaten wie "Bleeding Holocaust" und natürlich der Bandhymne "Moshing Crew" hat man das Publikum durchaus im Griff. So darf es gerne weitergehen!

Suicidal Angels

Die nächste Schippe legen dann MISERY INDEX drauf - von allem ein bisschen mehr. Die Markthalle platzt mittlerweile aus allen Nähten, die Luft wird stickig und knapp und die Temperatur steigt stetig. Perfekte Voraussetzung also, um der Meute ordentlich einzuheizen. Und das gelingt den Amis auch zweifelslos. Ich für meinen Teil muss allerdings zugeben, dass ich trotz des wirklich starken letzten Albums "Heirs To Thievery" (2010) - das heute natürlich entsprechend berücksichtigt wird - nicht so ganz viel mit der Truppe anfangen kann. Aber das ist natürlich nur Geschmackssache und ändert nichts an einem wirklich starken Auftritt, der mit dem überragenden "Traitors" endet und heute die ersten "Zugabe!"-Rufe nach sich zieht.

Misery Index

Den Stellenwert, den sich LEGION OF THE DAMNED in den letzten Jahren erarbeitet haben, merkt man heute deutlich. Die Stimmung im Publikum erreicht die ersten wirklichen Höhepunkte des Abends. Sprechchöre nach fast jedem Song, ein wie immer äußerst sympathischer Maurice Swinkels, der sich laufend für den tollen Support bedankt und zehn Songs, bei denen die Zeichen ganz klar auf Abriss stehen. "Son Of The Jackal" und "Werewolf Corpse" ballern wirklich alles bisher dagewesene in Grund und Boden! So muss das sein und genau so wollen wir das auch haben. Dass zum zeitgleich erscheinenden Re-Release des Debütalbums "Malevolent Rapture" auch gleich die Hälfte der heutigen Songs von eben diesem Album stammen, scheint dem Publikum ausgesprochen gut zu gefallen, zumal aber auch solche Kracher wie "Death's Head March" und natürlich "Legion Of The Damned" ohnehin nicht fehlen dürfen. Ein beeindruckender Start-Ziel-Sieg.

Legion Of The Damned

Was in den folgenden 60 Minuten passiert, lässt sich nur schwer in Worte fassen. Es herrscht eine ganz besondere Stimmung in der Markthalle. Alle scheinen sich sehnlichst die Rückkehr von BEHEMOTH-Fronter Nergal, nach seinem - hoffentlich - endgültigen Sieg über seine schwere Erkrankung, auf die Bühnen dieser Welt zu wünschen. "Nergal!"-Sprechchöre erzeugen dabei ebenso Gänsehaut, wie das eröffnende Intro. Tosender Applaus, als die Polen die Bühne betreten und mit "Ov Fire And The Void" mehr als eindrucksvoll starten. Die Markthalle steht scheinbar Kopf. Nach diesem furiosen Start sorgt Nergal's Ansage "It's good to be alive!" quasi für 'Standing Ovations' - wenn nicht eh schon alle stehen würden. Die nächste Gänsehaut packt mich. Und dieser Zustand ändert sich im weiteren Verlauf auch nur wenig. "Conquer All", "Slaves Shall Serve" und das aus der Mitte der 90er Jahre stammende "Moonspell Rites" erschaffen eine mystische und zutiefst bedrohliche Atmosphäre, nicht zuletzt auch durch eine Vielzahl von verschiedensten Intros vor den jeweiligen Songs. Fronter Nergal sieht zwar arg dünn und abgemagert aus, und sein Kurzhaarschnitt wirkt auch etwas ungewöhnlich, aber von seiner Präsenz hat er zweifelsfrei nichts eingebüßt. Ob man nun Behemoth-Fan ist oder nicht, aber dieser Auftritt verdient allerhöchsten Respekt!

Setlist - Behemoth
Ov Fire And The Void
Demigod
Moonspell Rites
Conquer All
The Thousand Plagues I Witness
Alas, Lord Is Upon Me
Decade Of Therion
At The Left Hand Ov God
Slaves Shall Serve
Chant For EZXHATON 2000
23 (The Mouth Manifesto)
Lucifer

Behemoth

Es dürfte schwer werden, das zuvor Geschehene zu toppen. Und selbst CANNIBAL CORPSE können dieses Kunststück heute nicht vollbringen, schaffen es aber zumindest, auf Augenhöhe mit Behemoth zu kommen. Die ersten 20-30 Reihen vor der Bühne scheinen sich einmal komplett ausgetauscht zu haben. Es ist halt musikalisch eben doch etwas ganz Anderes, was der Corpsegrinder und seine Truppe auf das Publikum abfeuern. Lässig-routiniert mit "Evisceration Plague" und dem mächtigen "The Time To Kill Is Now" gestartet, folgt schnell ein massiver Doppelschlag, der niemanden mehr stillstehen lässt: "I Cum Blood" und das obligatorische "Fucked With A Knife" walzen natürlich alles nieder. Der Sound ist brutal und drückend - wie permanente Schläge in den Magen. Die Setlist lässt kaum Wünsche offen. Neben alten Klassikern wie "Unleashing The Bloodthirsty" und unverzichtbaren "Hits" der Sorte "Hammer Smashed Face" und "Stripped, Raped And Strangled" (das Rausschmeißer-Doppel), wird mit "Scourge Of Iron" auch ein Song des demnächst erscheinenden neuen Albums "Torture" zum Besten gegeben. Cannibal Corpse sind nach wie vor eine Macht in Sachen US-Death Metal. Erstaunlich und erfreulich, dass man scheinbar problemlos die angesetzten 60 Minuten Spielzeit um eine Viertelstunde überziehen konnte.

Setlist - Cannibal Corpse
Evisceration Plague
The Time To Kill Is Now
Disfigured
Demented Aggression
Scourge Of Iron
I Cum Blood
Fucked With A Knife
Covered With Sores
Born In A Casket
The Wretched Spawn
I Will Kill You
Priests Of Sodom
Unleashing The Bloodthirsty
Make Them Suffer
Hammer Smashed Face
Stripped, Raped And Strangled

Cannibal Corpse

Nach 6,5 Stunden ist erkältungsbedingt jetzt aber auch bei mir endgültig die Kondition und Aufnahmefähigkeit auf dem Nullpunkt angekommen.

Eine rundum absolut gelungene Full Of Hate-Tour 2012 mit fünf klasse Bands (plus Support)! Man darf jetzt schon mehr als gespannt sein, welche Bands im nächsten Jahr bestätigt werden.


Text & Fotos: Marco Zimmer