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Konzert: HEAVEN SHALL BURN - 20.09.2012 - Hamburg

Location: Markthalle & Marx
Support: Callejon, Neaera, Der Weg Einer Freiheit


Der Eröffnungstag der 3-tägigen Hamburg Metal Dayz - einer Co-Operation der Macher des zeitgleich stattfindenden Reeperbahnfestivals und der des Wacken Open Airs - firmiert unter dem Namen "Progression Day" und bietet im großen Saal mit Heaven Shall Burn, Callejon und Neaera drei Bands für das vornehmlich etwas jüngere Publikum. Doch auch das kleine Marx hat Live-Musik zu bieten, während Lesungen, Meet & Greets und Vorträge den Abend abrunden.

Nüchtern und rein auf dem Papier betrachtet, entsprechen 30 Minuten DER WEG EINER FREIHEIT genau vier Songs. Doch viel mehr braucht es auch gar nicht, damit es im Marx sehr schnell sehr voll wird und das Würzburger Quintett gleich schon mit dem eröffnenden "Ruhe" weniger für Ruhe, sondern viel mehr für aufmerksames Verfolgen und Faszination sorgt. Ich weiß selber nicht, woran es genau liegt, aber der Fünfer schafft es (wieder einmal) mit Leichtigkeit, nicht nur mich schnell in seinen Bann zu ziehen. Während die einen ihre Haare zu den aggressiven und nach vorne preschenden Black Metal-Parts kreisen lassen, schauen während der ruhigen akustischen und sehr intensiven Passagen andere Besucher wiederum entweder gespannt auf die Bühne oder haben gar ihre Augen geschlossen. Musik zum Headbangen und sich treiben lassen - was mit "Lichtmensch", "Der stille Fluss" und dem abschließenden "Neubeginn" auch bestens klappt.

Der Weg Einer Freiheit

Nebenan in der großen Markthalle sieht es wenige Minuten vor dem Beginn von NEAERA noch sehr übersichtlich und spärlich besucht aus. Doch mit den ersten Takten der Münsteraner füllt sich auch der große Saal sehr schnell, während Fronter und Sympathiebolzen Benny wieder einmal die absolute Rampensau herauslängen lässt, auch wenn ihm die zwei Meter Absperrung/Fotograben so gar nicht gefallen. Pausenlos sucht er die Nähe zum Publikum, klettert auf die Absperrung, ist am Crowdsurfen und singt - soweit möglich - sogar mitten in einer Wall Of Death. Jede Menge Pluspunkte beim Publikum sind mit solchen Aktionen natürlich garantiert. Und nicht zuletzt die wirklich starken Songs wie "Prey To Anguish" oder der bandeigene Klassiker "Walls Instead Of Bridges" sorgen bereits jetzt schon für ein extrem hohes Energielevel im Publikum und ausgelassene Stimmung.

Neaera

Bei CALLEJON muss man anfangs feststellen, dass der Fünfer trotz des starken Einstiegs mit "Porn From Spain" und "Kojote U.G.L.Y." die Stimmung von Neaera nicht ganz halten kann. Sänger Bastian "BastiBasti" Sobtzick und seine Truppe schaffen es zur Mitte des Sets dann aber doch noch, für ähnliche Zustände wie zuvor zu sorgen. Das liegt im Falle von Callejon dann aber doch eher an den Songs als solchen. Mit "Blitzkreuz" und "Sommer, Liebe, Kokain" gibt es kein Halten mehr im Publikum und der erste große Circlepit des Abends zieht seine Kreise. Nach einem kurzen Break und einem netten kleinen Lichtspektakel läutet "Videodrom" so langsam das Ende ein, während mich die Coverversion von "Schrei nach Liebe" (Die Ärzte) erstens überrascht und zweitens auch durchaus überzeugt. Ein alles in allem ebenfalls sehr guter Auftritt, der mit "Prom From Spain 2" einen gelungenen Abschluss findet.

Callejon

Es ist immer wieder erstaunlich (und schön zu sehen), was für ein enormer Publikumsmagnet HEAVEN SHALL BURN in den letzten Jahren geworden sind. Die Markthalle ist mittlerweile brechendvoll und (mal wieder) übelst warm und stickig. Und auch die Umbaupause scheint mit stolzen 45 Minuten nicht enden zu wollen. Doch dann geht es endlich los - sehr stark, aber auch eher ungewöhnlich mit "Behind A Wall Of Silence". Sänger Marcus erzählt im Laufe des Sets, dass man über Facebook eine Nachricht von einem Fan bekommen hat, der die Band heute zum 21. Mal live sieht (da kann selbst ich nicht mithalten) und sich mal ein paar andere Songs wünscht (Recht hat er). Und diesem Wunsch kommt man gerne nach. "The Omen" wird auch eher selten gespielt, von "Trespassing The Shores Of Your World" mal ganz zu schweigen. Und dazwischen natürlich Hits en masse, die einen Ausnahmezustand förmlich herbeibeschwören: "Voice Of The Voiceless", "The Weapon They Fear", "Combat", "Forlorn Skies" und das wie immer großartige Edge Of Sanity-Cover "Black Tears". Wieder einmal wird die Hamburger Markthalle gefühlt niedergerissen - grandiose Stimmung bis zur letzten Reihe. Und mit kleinen Anekdoten am Rande, dass man bereits im Studio an neuen Songs arbeitet und einen Teil der heutigen Gage an die Wacken Foundation (zur Förderung junger Nachwuchsbands) gespendet hat, kommt natürlich bestens an. Wenn man am heutigen Gig überhaupt irgendetwas bemängeln möchte, dann eher das Drumherum. Es ist halt "nur" ein Headliner Auftritt im Rahmen eines Indoor-Festivals. Die gewohnten Projektionen auf der Bühne fehlen ebenso, wie jegliche Licht- und Pyroeffekte. Aber wen stört das schon, wenn pünktlich zur Zugabe das Klavierintro "Awoken" erklingt und die komplette Halle beim folgenden "Endzeit" völlig austickt? Danke Heaven Shall Burn.

Heaven Shall Burn

Setlist - Heaven Shall Burn
Behind A Wall Of Silence
Voice Of The Voiceless
The Weapon They Fear
Whatever It May Take
The Omen
Combat
Return To Sanity
Forlorn Skies
Counterweight
Black Tears
Trespassing The Shores Of Your World

Awoken + Endzeit
The Disease


Text & Fotos: Marco Zimmer