Impressum Startseite
Reviews Interviews Live Specials Jobs

Konzert & Party: HELLPOWER - 15.09.2012 - WST

Fünftes Jubiläum heißt es bei der Hellpower Party 2012 im niedersächsischen Westerstede (bei Oldenburg). Während Kollege Sigi bereits zu den Stammgästen gehört, verschlägt es mich in diesem Jahr zum ersten Mal auf den urigen kleinen Bauernhof. Und das liegt neben der exquisiten Bandauswahl sicherlich auch am unschlagbaren Preis-/Leistungsverhältnis: Vier Live-Bands, sowie sämtliche Getränke und Essen frei für 25 Euro - eigentlich blöd, wer da noch lange überlegt.

Gestartet wird durchaus etwas ungewöhnlich: Die "Hausband" MORTY PILOT spielt heute nicht - wie üblich - als letzte Band, sondern als Opener. Und das ist sicherlich für beide Seiten etwas ungewohnt, denn sowohl die Band, als auch das Publikum sind noch weitestgehend nüchtern. Doch mit ihrem wie immer guten und routinierten Auftritt werden sämtliche Zweifel schnell beseitigt. Fast alle Songs des heutigen Sets sind im Vergleich zum letzten Jahr neue (Cover-)Stücke, doch man muss sicherlich auch so ehrlich sein und zugeben, dass der klassische Headbanger mit Monster Magnet ("Crop Circle") oder Alice In Chains ("Man In A Box") mitunter nur bedingt etwas anfangen kann. Doch mit gleich 2x Overkill (natürlich "In Union We Stand" als Abschluss), Slayer (ungewöhnlich: "Criminally Insane"), Death (stark: "Pull The Plug"), sowie Anthrax, Black Sabbath, Manowar, Exodus und sogar Volbeat ("Who They Are"), hat man das Publikum natürlich schnell auf seiner Seite. Halten wir also fest: Morty Pilot funktionieren auch nüchtern und als Opener.

Morty Pilot

Die nächsten im Bunde haben von allen die weiteste Anreise. Aus dem wunderschönen Sauerland kommen ERADICATOR, um dem Hellpower-Publikum ihren knackigen Thrash Metal in die Lauscher zu pusten. Schon der Sound mit einem angespielten "War Is My Shepard" von Exodus macht neugierig. Und mit den Highlights ihrer beiden Scheiben "The Atomic Blast" (2009) und "Madness Is My Name" (2012) machen sie sich auch gleich richtig Freunde. Die Bay Area hat es dem Quartett angetan, inklusive einem Funken von James Hetfield in der Stimme von Sänger/Gitarrist Sebastian, der speziell mit seiner imposanten "Tingeltangel Bob-Frisur" beeindruckt. Aber die On Stage-Darbietung ist viel zu stark, um sich darüber auch nur im Ansatz lustig machen zu können. Soll heißen - die Hellpower hat mit Eradicator wieder eine gute Wahl getroffen.

Eradicator

Unmittelbar vor Beginn des Auftritts von FALLEN SAINTS sorgt ein kleines, aber entscheidenes Versehen für etwas Schmunzeln im Publikum. Die Cloppenburger werden irrtümlicherweise als Thrash Metal-Band angekündigt, was Fronter Oli aber sofort mit "nein nein, Death Metal!" korrigiert. Und das wird auch gleich bei den ersten Tönen klar. Fallen Saints passen eigentlich ganz wunderbar direkt vor Obscenity. Der Death Metal der Truppe aus Cloppenburg trägt deutlich ein ältere Handschrift - sowohl schwedischer (die Melodien), als auch amerikanischer Natur (die Vehemenz). Was bei allen vier Bands des heutigen Tages etwas schade ist, ist sicherlich die Tatsache, dass die Scheune, in der die Bühne steht, nie wirklich so richtig voll ist. Das wundert aber auch nicht weiter, wenn man eben diese Bühne bequem von draußen von der Theke aus sehen kann. Fronter Oli lässt es sich jedenfalls nicht nehmen, zwischendurch mehrfach vor der Bühne und auch draußen herumzulaufen (Funkmikrofon sei Dank) und ein paar Leute zu animieren. Musikalisch gibt's das bereits erwähnte volle oldschool Death Metal-Brett und auch ein paar neue Songs des demnächst erscheinenden Albums werden bereits - erfolgreich - angetestet.

Fallen Saints

Die Headliner sind ja quasi so etwas wie die Lokalmatadoren. Oldenburg's Finest Death Metal namens OBSCENITY stellen heute nicht nur ihr neues Line Up, sondern auch ihre just am Vortag erschienene neue CD "Atrophied In Anguish" vor. Das gibt es auch mal gleich in voller Länge, angereichert mit "Disgrace Over You", "Bleed For Me" und "The Arrival". Schön, "die älteren" mal wieder live zu erleben - hoffentlich kommt davon in Zukunft noch mehr. Pluspunkte sammelt definitiv der neue Fronter und gebürtige US-Amerikaner Jeff Rudes, dessen deutsche Ansagen fast schon perfekt, sowie charmant niedlich sind und rein gar nicht albern wirken. Ansonsten regiert sein Original Tampa Bay-Organ. Der Rest der Band ist gut aufeinander eingespielt, doch mir scheint (wieder?), dass Drum-Rückkehrer Sascha seine Vormänner immer noch gerne überholen wolle. So richtig sicher bin ich mir dessen aber auch nicht, da das Angebot der freien Getränke vehement seinen Tribut fordert und ich nach dem knallharten "Erase The Divine" mein Heil auf einer Bank suche...

Obscenity

Während auf der Bühne abgebaut wird, übernimmt DJ Michael Tremmel das musikalische Ruder und sorgt mit Konserven-Mucke für das Wohl der Gäste. In meiner "Regenerationsphase" vernehme ich noch Entombed, Dismember, Cannibal Corpse und Pantera, bis mich irgendwann doch mein Bett im Auto ruft.

Fazit: Wie immer eine geile Party und ein richtig cooles Billing für die fünfte Ausgabe. Und so lange das Verkostungsangebot so bleibt, entschuldigen wir uns schonmal im voraus, dass für die Hellpower-Party nicht immer journalistische Höchstleistungen zu Tage gefördert werden. Von Fans für Fans eben! See ya in 2013!


Text (Einleitung, Morty Pilot, Fallen Saints) & Fotos: Marco Zimmer
Text (Eradicator, Obscenity, Abschluss): Siegfried Wehkamp