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Konzert: KREATOR - 22.12.2012 - Oberhausen

Location: Turbinenhalle
Support: Morbid Angel, Nile, Fueled By Fire


Mit Grauen erinnere ich mich noch an das Deathfeast Ultimate 2009 eben in der Turbinenhalle zu Oberhausen und hoffe inständig, dass die Herrschaften vor Ort den Sound bei diesem exquisiten Package in den Griff bekommen. Dass Kreator während der Tour bekanntgeben, man würde aufgrund des Erfolges der Tour für den Oberhausener Termin eine DVD-Aufzeichnung anberaumen, gibt zumindest Hoffnung.

Und siehe da: Schon beim Opener FUELED BY FIRE kann sich der Sound im wahrsten Sinne des Wortes hören lassen. Selbst mit den obligatorischen Ohrstöpseln entgeht einem bei den straighten Thrash Gewittern nichts. Für mich quasi schon "Heimvorteil", da mir die Band von den Keep It True-Auftritten 2008 und 2012 bekannt ist, stelle ich fest, dass langes Touren schlaucht und natürlich nicht so viel Action zu erwarten ist, wie bei den genannten One Off-Gigs. Trotzdem überzeugt das kalifornische Quartett mit den Highlights seiner beiden Scheiben "Spread The Fire" und "Plunging Into Darkness" und setzt noch einen drauf, als man mit Morbid Angel's Destructhor an der zweiten Gitarre und Fronter Rick "solo" (und etwas textunsicher) Slayer's "Kill Again" in die Turbinenhalle feuert. Ein starker Anheizer, der sich in diesem Publikum bestimmt etliche neue Freunde gemacht hat.

Fueled By Fire

Technisch gesehen, folgen jetzt schon die Headliner. Denn die Präzision, mit der NILE ihre pfeilschnellen und stets durchdachten Death Metal-Granaten zelebrieren, ist schlichtweg beeindruckend. Beeindruckend auch die Haarpracht von Bass-Neuzugang Todd Ellis und die Tatsache, dass er sich mit den Herren Kollias, Toler-Wade und Sanders als echte Einheit auf der Bühne präsentiert, die reell sichtbaren Spaß an der Musik vermittelt. Dazu berauschende Gourmet-Stücke wie "Defiling The Gates Of Ishtar", "Supreme Humanism Of Megalomania", dem unvermeidlichen, alles wegfegenden "Black Seeds Of Vengeance" und man vergisst sogar, dass man eigentlich gar nicht auf einem reinen Death Metal Konzert ist.

Setlist - Nile
Sacrifice Unto Sekeb
Defiling The Gates Of Ishtar
Kafir
Hittite Dung Incantation
Enduring The Eternal Molestation Of Flame
Sarcophagus
The Inevitable Degradation Of Flesh
Supreme Humanism Of Megalomania
Black Seeds Of Vengeance

Nile

Oder doch? Werft mal einen Blick auf die Setlist und fragt euch selbst, ob der MORBID ANGEL-Auftritt nicht allein schon von der Papierform her ein Hammer ist. Optisch gesehen ist natürlich Sänger/Bassist David Vincent der Zeremonienmeister, der immer die richtigen Worte findet, dabei nicht platt rüberkommt und einfach Souveränität ausstrahlt. Dagegen sind die Saitenhexer Destructhor und Trey Azagthoth vergleichsweise unauffällig, technisch aber unersetzbar. Pete Sandoval-"Ersatz" Tim Yeung steht heute (wie wahrscheinlich auf der gesamten Tour) im Wettstreit mit Nile-Drumvieh George Kollias und am Ende gewinnen beide oder keiner - je nach Sichtweise. Kurzum - diese 75 Minuten waren ein echtes Death Metal Brett!
Kleiner Schmunzler am Rande - als Umbaupausenmusik vor Morbid Angel wurde "Legion" von Deicide einmal komplett durchgespielt …

Setlist - Morbid Angel
Immortal Rites
Fall From Grace
Rapture
Pain Divine
Maze Of Torment
Existo Vulgoré
Nevermore
Lord Of All Fevers And Plagues
Chapel Of Ghouls
Dawn Of The Angry
Where The Slime Live
Bil Ur-Sag
God Of Emptiness
World Of Shit (The Promised Land)

Morbid Angel

Können KREATOR das wirklich noch toppen? Aus meiner Sicht nicht, wenngleich auch ein Qualitätsabfall zu keiner Sekunde zu verzeichnen ist. Das Niveau, auf dem sich Mille & Co. derzeit befinden, ist enorm hoch und sie halten sich dort seit drei, wenn nicht sogar vier Alben. In Verbindung mit den wichtigsten Alt-Hits der Bandgeschichte ergibt das energiegeladene, meines Erachtens aber überraschungsfreie 90 Minuten. Zugegeben, die Ansagen von Mille sind immer wieder over the top und fast schon putzig, wenn er mehrmals fordert, die Turbinenhalle zu zerstören. Zum Glück ist dem nicht so. Der Blick auf die 3D-Bühne mit seinen plastischen Skulpturen vom "Phantom Antichrist"-Cover, dem riesigen Backdrop, den über Treppen zu erreichenden Plattformen neben Ventor's Drumkit - alles ist heute schön auf Optik ausgelegt und verdient, für die Nachwelt festgehalten zu werden. An den Gurten der Saiten-Musiker sind Kameras installiert, am linken Bühnenrand ackert der Mann am Kamera-Schwenkarm und in der Halle sind Herrschaften mit Kopf-Kameras unterwegs, die mit Sicherheit coole Bilder vom Crowdsurfen oder aus den wütenden Pits liefern werden. Auf die ultrapräzise musikalische Kreator-Vollbedienung für das heimische Wohnzimmer kann sich der geneigte Fan also jetzt schon mal freuen, wenn die DVD des heutigen Abends nächstes Jahr in die Läden kommt. Wird ein schönes Erinnerungsstück eines ziemlich perfekten Konzertabends.

Kreator

Setlist - Kreator
Phantom Antichrist
From Flood Into Fire
Enemy Of God
Phobia
Hordes Of Chaos
Civilization Collapse
Voices Of The Dead
Extreme Aggression
People Of The Lie
Death To The World
Endless Pain
Pleasure To Kill
Violent Revolution
United In Hate
Betrayer
Flag Of Hate
Tormentor


Text & Fotos: Siegfried Wehkamp