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Festival: METAL4SPLASH - 19.-21.07.2012

Weichelsee, Rotenburg/Wümme


Das kleine aber feine Metal4Splash-Festival im niedersächsischen Rotenburg, hat sich zum 5. Geburtstag etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Das eintägige Festival wurde kurzerhand auf drei Tage ausgedehnt. Live-Musik am Freitag und Samstag, sowie eine Warm Up-Party mit DJs (u.a. Leif von Dew-Scented) am Donnerstag.
Drei Tage Party pur mit Beach-Atmosphäre - direkt am idyllischen Weichelsee gelegen und mit Sandboden auf dem Festivalgelände und Teilen des Campingplatzes.

Die laut Veranstalter insgesamt 600 Besucher haben sich scheinbar sehr gut verteilt, denn es kam einem bei weitem nicht so viel vor, allerdings hatten ohnehin nicht wenige Besucher nur ein Tagesticket für den Samstag.

Freitag, 20. Juli

Die "ersten paar Bands" an beiden Tagen sind diverse mehr oder weniger bekannte und lokale Bands, die irgendwelche Votings auf Facebook gewonnen haben und deshalb hier spielen können (ja, so läuft das heutzutage). Da mir viele dieser Bands gänzlich unbekannt waren, habe ich mir im Vorfeld jeweils ein paar Sachen angehört und danach entschieden, was ich mir anschauen werde und was nicht.

THE UKEBOYS eröffnen sowohl den heutigen Freitag, als auch den Samstag - allerdings auch nur für jeweils zehn Minuten. Nun ja, bekannte Metalsongs nur mit zwei Ukulelen gecovert, ist für mich ähnlich spannend, wie Mambo Kurt. Von daher wohne ich dieser, vielleicht sogar relativ spassigen Darbietung, gar nicht erst bei. Auch OBSCURE AFFLICTION aus dem im Süden Niedersachsens gelegenen Einbeck, die nach eigenen Angaben eine Mischung aus "brachialem Deathmetal mit blutigem Deathcore" spielen, sowie CYRCUS (Alternative Rock/Modern Metal aus Nordrhein-Westfahlen) müssen ohne meine Anwesenheit auskommen.

Das erste Mal interessant wird es bei CARTHAGO MUST FALL aus der mega-metal.de-Heimat Oldenburg. Deren Mischung aus (Zitat) "Death/Thrash, Schuss Hardcore, lange Beine, kurze Beine, halblange Haare, kurze Haare, gar keine Haare, sechs Saiten, vier Saiten, Trommeln, Testosteron und viel Zeit für Gefühle" sorgt bei den Anwesenden durchaus für Laune und ein paar feierwütige Oldenburger sind ja ohnehin im Publikum...
Auf TRAILER PARK SEX aus St. Pauli freue ich mich heute ganz besonders. Eine Band, die als einzigen musikalischen Einfluss War From A Harlots Mouth angibt und auch regelmäßig gewisse Parallelen zur Truppe aus Berlin aufweist, ohne jedoch nur wie eine reine Kopie zu wirken. Mit SchlagzeugerIN Lea und dem aus Argentinien stammenden Fronter Juan setzt man sich aber auch schon rein optisch ab - von den mitunter wirklich starken Songs mal ganz abgesehen. Und auch vor der Bühne passiert mittlerweile schon einiges, aber wenn dieses leicht sperrige Mathcore/Jazz-Gebräu nun auch nicht jedermanns Sache ist.

Trailer Park Sex

Da der heutige Freitag musikalisch gesehen für mich eher etwas entspannter ist und ich am morgigen Samstag nach der letzten Band wieder nach Hause fahre, kann ich mich nur heute ein paar Kaltgetränken hingeben. Das hat im Laufe des Nachmittags dann allerdings solche Ausmaße angenommen, dass ich die norddeutschen Metalcoreler von MAINTAIN und auch TO THE MARROW komplett verpasse. Und auch HACKNEYED sind schon mehr als zur Hälfte vorbei, als ich mich wieder zurück auf das Gelände schleppe und zumindest noch ein paar letzte Songs der Schwaben mitbekomme. Eigentlich sehr schade, aber so sind Festivals nunmal…

Nach einem starken Kaffee und viel Wasser bin ich dann pünktlich zu DEW-SCENTED wieder halbwegs fit, was auch wirklich sein muss, denn Fronter Leif Jensen präsentiert mit seiner (mal wieder) komplett ausgetauschten Mannschaft eine exklusive Show zum neuen Album "Icarus", welches in der kommenden Woche erscheinen wird, aber bereits heute käuflich zu erwerben ist. Und so startet man auch mit dem Album-Intro "Hubris" sowie dem nachfolgenden "Sworn To Obey" und mit weiteren Songs wie "Storm Within", "By My Own Hand" und "Thrown To The Lions" besteht ein nicht geringer Teil der heutigen Setlist aus Titeln vom bereits erwähnten neuen Album. Doch auch Freunde von Klassikern wie "Acts Of Rage" oder "Never To Return" kommen bei dieser höchst energiegeladenen Show voll auf ihre Kosten. Schon erstaunlich, wie perfekt diese komplett neue Mannschaft aufeinander eingespielt ist.

Dew-Scented

Heutiger Headliner - und das auch völlig zurecht - sind DEADLOCK. Und die Band um das Gesangsduo Sabine Scherer und John Gahlert kann es sich auch ohne Weiteres leisten, ihre beiden größten Hits ("The Brave/Agony Applause" und "Virus Jones") schon sehr früh im Set rauszuhauen. Man hat nunmal noch genügend weitere starke Songs im Programm, die das Publikum entsprechend bei Laune halten, u.a. die etwas älteren "Dark Cell" oder "Awaken By Sirens". Zwar gibt es sicherlich wieder so einige Leute, denen der melodische Death Metal mit modernen Core-Elementen und Frauenstimme nicht "true" genug ist, doch wenn sogar ein neben mir stehender langhaariger Kuttenträger etwas überrascht zugibt: "Der Gitarrist kann ja sogar richtig was...", dann fühlt man sich gleich in seiner Meinung bestätigt, dass Deadlock eigentlich gar keine klassische Zielgruppe haben, sondern überall punkten können - so wie heute hier.

Deadlock

Die Coverband IRON PRIEST sorgt im Anschluss für eine entsprechende Beschallung zum Ausklang des Tages. Ich verabschiede mich aber derweil für heute, bekomme vom Zeltplatz aus allerdings noch ein paar ganz ordentliche Versionen u.a. von Iron Maiden's "Run To The Hills" mit.

Samstag, 21. Juli

Auch am zweiten Tag lasse ich mir THE UKEBOYS bewusst entgehen und bewege mich erst im Anschluss zu HOPELEZZ auf das Festivalgelände. Und der Ruhrpott-Fünfer macht seine Sache durchaus ordentlich. Melodischer Death Metal, der gerne mal in Richtung Göteborg und Thrash schielt - ja, das gefällt durchaus, auch wenn auf dem Gelände zur Mittagszeit kaum etwas los ist. Schade eigentlich.
Auf die vier Bands im Anschluss verzichte ich dann allerdings, denn ab späten Nachmittag geht es Schlag auf Schlag und dafür brauche ich dann noch etwas Energie. Zwischen 13 und 16 Uhr präsentieren sich abermals diverse Votinggewinner dem Publikum: SORROWFIELD, ETECC, PRIDE SHALL FALL und GASTELLO. Im Nachhinein erfahre ich, dass bei Letzteren (Zitat) "überhaupt nichts los war". Und was lernen wir daraus? Bloß weil eine Band ein Voting auf Facebook gewinnt, heißt das noch lange nicht, dass diese Band auch Leute zieht…

Die nächste Band hat's natürlich auch ohne Voting-Quatsch aufs Billing geschafft: DAWN OF DISEASE aus Osnabrück. Nach dem mehr als überzeugenden Auftritt vor 14 Tage beim Extremefest, ist die Truppe heute eins meiner Highlights. Und wie zu erwarten, werde ich natürlich auch in keinster Weise enttäuscht. Dafür sind solche Death Metal-Granaten wie "Alone With The Dead" oder "Catacombs" aber auch einfach zu stark. Schade nur, dass bei einer ohnehin schon knappen Spielzeit von 30 Minuten nur Songs vom aktuellen Album "Crypts Of The Unrotten" gespielt werden - aber da gibt es nun auch wirklich weitaus Schlimmeres. Ich bin jedenfalls wieder rundum zufrieden.

Dawn Of Disease

Die schwedischen STERBHAUS waren mir im Vorfeld gänzlich unbekannt. Von daher bin ich etwas erstaunt, dass das Trio sogar ein paar mehr Leute vor die Bühne ziehen kann. Aber irgendwie will dieser leicht krude Thrash/Death/Black-Mix bei mir nicht so wirklich zünden und liegt mir sogar etwas schwer im Magen (oder ist das noch die Übelkeit vom Vortag?). Ich weiß auch nicht, angemalte Gesichter und lustiges Grimassenschneiden sind mir irgendwie zu wenig - vor allem, wenn mich noch nicht mal die Musik überzeugt. Sorry Leute, nicht meine Baustelle.

CRIMINAL dann schon eher, auch wenn es wirklich ein Armutszeugnis ist, wie wenig auf dem Gelände los ist. Die erste Reihe besteht aus 15 Leuten, dann folgen zehn Meter gähnende Leere und hinten an den Buden stehen dann gemütlich verteilt die restlichen vielleicht 200 Besucher. Schade, denn Criminal sind einmal mehr wirklich gut. Und das, obwohl die chilenisch-britischen Death/Thrasher heute notgedrungen nur als Trio und ohne Bass auftreten müssen. Aber das stört nicht weiter, denn mit dem starken eröffnenden Doppelschlag "21st Century Paranoia"/"Resistance Is Futile", sowie dem abschließenden "Self Destruction" kann man die wenigen Besucher durchaus überzeugen.

Criminal

Zumindest für mich sind DRONE heute eine kleine Überraschung. Schon zig Mal den Namen gehört, aber bisher weder live gesehen, noch einen einzigen Song wirklich mal konkret angehört (großer Fehler!). Einen Gig mit den Worten "jetzt wird gefickt!" zu beginnen, mag vielleicht etwas plump wirken, sorgt aber für so manchen Lacher - auch bei mir. Das Gelände hat sich mittlerweile erstaunlich schnell gefüllt und das Quartett aus Celle punktet mit einer Vielzahl an starken Songs wie "Boneless" oder "Welcome To The Pit" (welcher sich auch entsprechend schnell füllt), sowie den nicht minder aggressiven Schmunzlern "Motör-Heavy Piss-Take" und "Piss Drunk" - 101% Sex Metal eben. Nach diesen explosiven 45 Minuten hat die Truppe mindestens einen Fan mehr.

Drone

Zwischen dem ganzen Death, Thrash und Core fallen MOB RULES irgendwie etwas aus dem Rahmen. Doch es ist eine sehr gelungene, erfreuliche und erfrischende Abwechslung, an diesem Wochenende endlich mal einen "richtigen" Sänger singen zu hören und noch dazu klassischen Powermetal mit Keyboard um die Ohren gefegt zu bekommen. Ich mochte die Truppe ja schon immer und auch heute ist es schlicht und einfach (und salopp ausgedrückt) nur "schön", die Band endlich mal wiederzusehen. Titel wie "Trial By Fire" oder "Last Farewell" sorgen bei mir im Nu für gute Laune (im Publikum auch), Sänger Klaus Dirks macht wie gewohnt einen auf Sympathiebolzen, während es quasi als i-Tüpfelchen mit "Telly Box Fool" einen Song aus dem demnächst erscheinenden neuen Album zu hören gibt (der jetzt schon Laune auf mehr macht).
Der erwähnte Regen im Rausschmeißer-Doppel "In The Land Of Wind And Rain" und "Black Rain" hat sich übrigens trotz anderslautender Vorhersagen an diesem Wochenende überhaupt nicht blicken lassen…

Mob Rules

Wirklich gespannt sein darf man sicherlich auf NIGHT IN GALES, die ja nie ganz weg waren und sich im letzten Jahr wie aus dem Nichts mit dem überragenden "Five Scars" eindrucksvoll zurückgemeldet haben und hier und heute ihre erste norddeutsche Show seit über zehn Jahren spielen. Und aus eben diesem aktuellen Album stammen dann heute auch mehr als die Hälfte der Songs, was aber auch irgendwo zu erwarten war. Wer diese Songs noch nicht kennen sollte und/oder sich nach dem 1998er "Thunderbeast" ohnehin ausgeklinkt hatte, dem dürften alleine schon die vier einzigen alten Songs die Freudentränen in die Augen treiben (und so ganz weit bin ich davon auch nicht mehr entfernt): "Sylphlike" (1995), "Tragedians" und "Autumn Water" (1997) und natürlich das alles überragende "Intruder" (1998). Ein kleiner Siegeszug und zugleich eine kleine Zeitreise.

Night In Gales

Kurz vor dem Gig von ENGEL unterhalten sich neben mir zwei Leute darüber, was Engel denn eigentlich für Musik machen. Als Antwort kommt abwertend: "Rock mit Industrial". Nein Leute, das nun wirklich nicht! Melodic Death Metal mit ein paar Synthies und Samples trifft's wohl eher. Nichtsdestotrotz sind Engel aber eine von diesen Bands, die ich liebend gerne besser finden würde, als es letztendlich der Fall ist. Ich weiß auch nicht genau, woran es liegt. Auf der Haben-Seite stehen sicherlich Musiker, die genau wissen, was sie da tun und das auch mit Routine und Bravour meistern (allen voran natürlich In Flames-Gitarrist Niclas Engelin). Und diese vereinzelten Synthie-Einlagen gehören ja mittlerweile scheinbar zum modernen Metal wie Ravioli aufs Festival. Auf der anderen Seite werden allerdings zwei Schwächen deutlich, wovon die eine wirklich gravierend ist: Die fünf Schweden haben leider keine wirklichen Hits. Songs wie "Sense The Fire", "In Splendour" oder "Scythe" sind zwar allesamt gut, aber irgendwie auch nicht nachhaltig genug. Darüber hinaus eckt die Stimme von Sänger Magnus Klavborn immer wieder mal bei mir an, vor allem sind so manche hohe Töne nicht immer ganz sauber gesungen. Egal, man musste sie mal live gesehen haben und "gut" war es allemal.

Engel

Der Campingplatz dürfte jetzt zum ersten Mal wie leergefegt sein, denn so voll wie jetzt, war es am ganzen Wochenende nicht auf dem Festivalgelände. Kein Wunder, denn nun steht mit SODOM der Festivalheadliner auf dem Programm, der - ich erwähnte bereits - dafür sorgte, dass sich viele Besucher nur ein Tagesticket für heute gekauft hatten. Dichtes Gedränge vor der Bühne, zum ersten Mal sind auch ein paar mehr Securities vor der Absperrung und dann steht dem folgenden Thrash-Massker eigentlich nichts mehr im Wege. Die Umbaupause dauert zwar gefühlt ewig (und natürlich auch länger, als geplant), aber als das Gelsenkirchener Trio dann endlich die Bühne betritt, gibt es im Publikum kein Halten mehr. Eröffnet wird mit dem starken Doppel "In War And Pieces" und "Sodomy And Lust" und im weiteren Verlauf des Sets folgen natürlich jede Menge Hits und Klassiker aus nun schon 30 Jahren Bandgeschichte. Die drei Ruhrpöttler um Fronter Tom Angelripper spielen sich höchst routiniert durch das Set und im Publikum sind ganze Herrscharen von Headbangern zu sehen (in diesem Umfang erstmals an diesem Wochenende). Ein rundum absolut gelungener Auftritt, der nicht nur mit Titeln wie "Agent Orange" diverse Höhepunkte setzt und diesen Auftritt zweifelsfrei zum Highlight dieses Festivals werden lässt.

Nach diesem Wochenende habe ich festgestellt, dass solche kleinen und entspannten Festivals mitunter interessanter sein können, als die großen Festivals, für die man (bzw. ich) meistens mehrere hundert Kilomteter fahren muss. Dieser gemütliche und familiäre Flair, sowie die tolle Location am See, lassen mich schnell zu dem Entschluss kommen, dass das Metal4Splash ab sofort vermutlich zu meinem jährlichen Pflichtprogramm gehören wird.


Text & Fotos: Marco Zimmer