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Festival: RELOAD - 15.-17.06.2012

Es ist nun auch schon wieder ganze fünf Jahre her, dass wir von mega-metal.de beim Reload Festival waren. Seinerzeit fand das Festival noch in Twistringen statt (ca. 40 km südlich von Bremen), aber mittlerweile ist man ins benachbarte Sulingen umgezogen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil das Festival in den letzten Jahren enorm gewachsen ist und die ehemalige Location vom Platz her einfach nicht mehr ausreichte.

Im Gegensatz zu anderen Festivals ist es sehr erfreulich, dass das Reload Festival für mich gerade mal 85 km zu fahren sind. Einer kurzen und entspannten Anreise steht also nichts im Wege.

Freitag, 15. Juni

Für mich beginnt dieser erste Festivaltag mit STICK TO YOUR GUNS, die ich eigentlich schon letzte Woche auf dem Vainstream Rockfest sehen wollte, was ich mir dann aber doch geschenkt hatte, denn auf eine nächtliche Aftershowparty in einer kleinen stickigen Halle habe ich auf einem Festival meistens schlicht und einfach keine Lust.
Heute sieht das zum Glück ganz anders. Die Sonne scheint (mehr oder weniger), es haben sich zur Mittagsstunde bereits einige hundert Leute vor der Bühne versammelt und die Truppe aus Kalifornien zettelt mit ihrem Hardcore bereits die ersten Circlepits an und serviert natürlich auch einige Songs aus dem aktuellen Album "Diamond".

Stick To Your Guns

Im Anschluss wird mir bei EVERGREEN TERRACE (die ich erst vor sechs Tagen live gesehen hatte) nochmals bewusst, dass Joshua James sowohl bei Stick To Your Guns, als eben auch bei Evergreen Terrace Gitarre spielt, was bei einigen Unwissenden natürlich für das eine oder andere Fragezeichen im Gesicht sorgt. Die Jungs aus Florida um Fronter Andrew Carey können die gute Stimmung ohne Probleme halten, doch leider setzt quasi pünktlich zur Tears For Fears-Coverversion "Mad World" der Regen ein, so dass auch ich erstmal in Richtung Campingplatz verschwinde.

Evergreen Terrace

Das "Schöne" an einem Festival wie dem Reload ist ja, dass so einige Bands nicht "mega-metal.de-kompatibel" sind, ich sie also ohne schlechtes Gewissen komplett ignorieren kann - wie z.B. DOG EAT DOG - oder mir einfach mal "ganz unverbindlich" anschauen kann, wie UGLY KID JOE, die mit einer klasse Akustikversion von "Cats In The Cradle" ordentlich 90er-Rockflair verbreiten.
Im Anschluss sorgen WALLS OF JERICHO dann wieder für ausgelassene Stimmung im Pit. Hier geht jetzt ordentlich was, Wall Of Death, Moshpits - das volle Programm. Und Frontröhre Candace Kucsulain versprüht sowieso jedes Mal ordentlich Sympathie und der Fünfer aus Detroit hat das Publikum mit starken Songs wie u.a. "Feeding Frenzy" und natürlich "The American Dream" jederzeit bestens im Griff.

Walls Of Jericho

Für die meisten Kids sind AUGUST BURNS RED heute sicherlich der Headliner. Da ich den Metalcore-Fünfer aus Pennsylvania allerdings auch erst vor einer knappen Woche live erleben konnte, ist es jetzt etwas schwierig, nicht nochmal das gleiche zu schreiben. Die Truppe zündet jedenfalls ein wahres Hitfeuerwerk ab, der Sound war am heutigen Tage bis hierhin kaum besser und die Kids feiern ihre Helden natürlich ordentlich ab. August Burns Red ist halt eine von diesen Bands, die man sich live immer wieder geben kann (und auch sollte).

August Burns Red

Mit BIOHAZARD habe ich mich in der Vergangenheit irgendwie viel zu wenig beschäftigt, was ich zukünftig schleunigst nachholen sollte. Hatte ich bei August Burns Red gerade noch den guten Sound angesprochen, knallt es jetzt wirklich aus allen Rohren. Da wummert es ganz ordentlich in der Magengegend und die wiedervereinigten New Yorker präsentieren sich perfekt aufeinander eingespielt und routiniert und servieren neben alten Songs natürlich auch Titel ihres aktuellen Comeback-Albums "Reborn In Defiance". Eine rundum beeindruckende und starke Leistung.

Biohazard

Zum Abschluss des Tages freue ich mich dann noch über die GUANO APES. Das gut gefüllte Festivalgelände feiert auch die neueren Songs der Göttinger Band ab, während ich mich vor allem über alte Hits wie "Open Your Eyes" und als Abschluss natürlich "Lords Of The Boards" freue.
Mein Versuch, im Anschluss zu schlafen, scheitert am 90-minütigen Auftritt von THE BOSSHOSS, da unser Campingplatz direkt neben dem Festivalgelände liegt und ich somit alles mehr als deutlich mitbekomme. Ein ums andere Mal denke ich mir nur: Wer's mag.

Samstag, 16. Juni

Irgendwann gegen 7 Uhr werde ich wach. Es schüttet wie aus Kübeln und der Himmel ist tiefgrau. Keine tollen Aussichten für den zweiten Festivaltag. Zum Glück schlafe ich im Auto - der Regen kann mir also erstmal gar nichts und hört dann zum Glück irgendwann auch auf.

Die ersten beiden Bands des Tages fallen für mich einmal mehr unter die Rubrik "Wayne?", umso mehr freue ich mich auf ESKIMO CALLBOY. Und der Ruhrpott-Sechser sorgt gleich zur Mittagszeit für perfekte Stimmung. Mit klasse Songs (u.a. "Is Anyone Up", "Hey Mrs. Dramaqueen" und dem Katy Perry-Cover "California Gurls"), gewohnt schrägen Outfits (Sänger Sushi im grünen Drachenkostüm) und amüsanten Ansagen ("Einen Applaus bitte für unsere Setlist!") herrscht beste aus ausgelassenste Stimmung im Publikum, das zu dieser Uhrzeit und nach dem nasskalten Morgen dennoch in ordentlicher Zahl erschienen ist.

Eskimo Callboy

Die Tatsache, dass EYES SET TO KILL nach Eskimo Callboy spielen, erweist sich als sehr unglücklich. Die Stimmung kann das Metalcore-Quartett aus Arizona in keinster Weise halten und auch musikalisch ist das Gebotene zwar handwerklich alles völlig in Ordnung und mit den beiden Damen (Bass + Gitarre/cleaner Gesang), sowie dem markanten Fronter macht die Truppe auch rein optisch durchaus was her, aber irgendwie kommt da bei mir nur sehr wenig an. Und scheinbar nicht nur bei mir, denn die Reihen lichten sich so langsam. Netter Auftritt, aber auch nicht wirklich essentiell.

Eyes Set To Kill

Mittagspause. Nebenbei ein bisschen PUDDLE OF MUDD anschauen (überraschend stark, nicht nur der Überhit "She Hates Me") und im Anschluss meine deutschen Lieblings-Punk-Pop-Rocker ITCHY POOPZKID, die auch mal wieder eine klasse Show abliefern.

Mein letzter Kontakt mit J.B.O. war 2007 in Wacken. Und irgendwie kommt es mir so vor, als hätte sich seitdem nicht allzu viel bei der Rosa Armee Fraktion getan. Bis auf ein paar neuere Songs scheint alles beim Alten geblieben zu sein, selbst das eine oder andere Mitsingspielchen hab ich vor zig Jahren schon genau so gesehen. Aber das ist eigentlich auch gar nicht weiter schlimm. J.B.O. machen Party und das machen sie ausgesprochen gut. Leider hat die heutige Setlist keinen Platz für "Verteidiger des Blödsinns", aber dafür gibt es "Gänseblümchen", "Ein guter Tag zum Sterben", "Geh mer halt zu Slayer" und als Abschluss "Ein Fest" auf die Ohren. Routiniert und spassig - wie immer.

J.B.O.

Nachdem mich ENTER SHIKARI letzte Woche beim Vainstream Rockfest ziemlich enttäuscht hatten, gebe ich den Briten heute nochmal eine Chance, mich live zu überzeugen und siehe da, es klappt schon ein ganzes Stückchen besser. Vermutlich war das letzte Woche einer dieser berühmten "schlechten Gigs", denn heute ist das alles schon ganz vernünftig, aber ich glaube, ein Fan werde ich wohl trotzdem nicht mehr.

Ganz im Gegensatz zu PARKWAY DRIVE. Die Australier zählen zu meinen persönlichen Highlights des Festivals und davon abgesehen: Satte 75 Minuten sieht man die Truppe selbst bei deutschen Headliner-Clubgigs nur äußerst selten bis gar nicht. Man darf sich also auf einen klasse Gig freuen. Die Bühne steht - wie gewohnt - voll mit Palmen und (Kunst?)Blumen und schon sehr früh gibt's mit "Sleepwalker" das erste dicke Highlight zu vermelden. Das Gelände ist gut gefüllt und vor der Bühne herrscht mitunter annähernd Ausnahmezustand. Nur doof, dass der mittlerweile zurückgekehrte Regen immer stärker wird. Also schnell zum Auto, den Regenschirm holen - dauert zum Glück nur fünf Minuten. Der Gig des Fünfer um den höchst sympathischen Fronter Winston McCall entwickelt sich immer mehr zur Regenschlacht, aber egal: Bei Krachern wie "Breaking Point", "Romance Is Dead" und natürlich "Carrion" spielt das Wetter sowieso keine Rolle.

Parkway Drive

So voll, wie es jetzt auf dem Gelände ist, war es an diesem Wochenende noch nie (und wird es morgen auch nicht mehr sein). Viele Besucher haben sich wohl nur ein Tagesticket zugelegt, um SLASH zu sehen. Und es ist - wie ich finde - durchaus auch eine kleine Sensation, dass man den Velvet Revolver- und ex-Guns N' Roses-Gitarristen für dieses Festival gewinnen konnte. Es dauert auch gar nicht lange, da strömt bereits so etwas wie eine ganz besondere Magie von der Bühne. Dass Slash einer der begnadetsten Gitarristen ist, ist ohnehin klar, aber mir fällt zusätzlich auf, dass auch Sänger Myles Kennedy (Alter Bridge) ein absoluter Könner seines Faches ist und für so manche Gänsehaut sorgt. Songs wie "Standing In The Sun", "Halo" oder "Starlight" sind absolut großartige Rockhymnen. Und als wäre das nicht genug, treiben mir die beiden Guns N' Roses-Hits "Sweet Child O' Mine" und "Paradise City" vor Begeisterung fast die Tränen in die Augen. Unglaublich, dass ich diese beiden Titel nochmal live und vernünftig (also nicht von Axl Rose & Band) hören darf. Danke Slash!

Myles Kennedy & Slash

Sonntag, 17. Juni

Dritter und letzter Festivaltag und die beiden ersten Bands des heutigen Tages müssen wieder einmal auf meine Anwesenheit verzichten.
YOUR DEMISE ist an diesem Wochenende bereits die vierte Band, die ich innerhalb von einer Woche zum zweiten Mal sehe, was aber auch gar nicht weiter schlimm ist. Es ist zur Mittagszeit allerdings noch etwas wenig auf dem Gelände los, aber die Leute vor der Bühne stört das natürlich nicht sonerlich. Die Briten legen mit dem Opener und Titelsong des aktuellen Albums "The Golden Age" gleich ordentlich los und präsentieren ohnehin ein paar mehr Songs aus eben diesem Album ("These Lights", "Born A Snake", "Push Me Under"), bevor die energiegeladene halbe Stunde mit "The Kids We Used To Be" überzeugend endet.

Your Demise

So wie am Vortag Eskimo Callboy sorgen heute WE BUTTER THE BREAD WITH BUTTER für jede Menge Party und gute Laune bei den Moshpit-Kids. "Der Tag an dem Welt unterging" und "Alle meine Entchen" sind die beiden eröffnenden Titel und es ist immer wieder interessant zu sehen, wie aus dem einstigen Spaß-Duo eine richtige Band geworden ist, deren Show noch dazu perfekt durchchoreografiert ist. Fronter Paul Bartzsch growlt/grunzt sich souverän durch die Songs, ob bei der Tanznummer "Oh Mama mach Kartoffelsalat", "Der kleine Vampir" oder "World Of Warcraft". Das ist für einen kurzweiligen Spaß natürlich alles bestens geeignet.

We Butter The Bread With Butter

Die STREET DOGS fallen meiner Mittagspause zum Opfer, aber die Hauptsache ist sowieso, dass ich pünktlich zu UNEARTH zurück bin. Das Festival neigt sich so langsam dem Ende entgegen, mittlerweile kommt die Sonne wieder verstärkt raus, aber leider ist immer noch nicht so wirklich viel auf dem Gelände los, als die Truppe um Fronter Trevor Phipps beginnt. Das könnte speziell im Falle von Unearth einmal mehr daran liegen, dass das Quintett aus Massachusetts für die Kids zu viel Metal ist und für die Ü25-Fraktion zu viel Core. Nichtsdestotrotz liefern die Amis ein starkes Set ab und wissen zumindest mich mit überzeugenden Songs und jeder Menge klasse Gitarrensoli vollends zu überzeugen.

Unearth

Auch bei SOULFLY ist das Gelände vielleicht nur zur Hälfte gefüllt. Viele Leute sind damit beschäftigt, ihre Zelte abzubauen. Sowas finde ich immer extrem schade, ist aber nunmal immer und überall so. Max Cavalera und seine Truppe knallen dem Publikum jedenfalls Hit um Hit vor den Latz. "Blood Fire War Hate", "Prophecy", "Back To The Primitive" und natürlich der Sepultura-Klassiker "Refuse/Resist" sind schon wirklich beeindruckend. Allerdings kann ich auf ein Drumsolo ebenso verzichten, wie auf die beiden Cavalera-Söhne, die zusammen mit Papa Max für ein paar Minuten die Bühne rocken und irgendwie so ein bisschen Metalcore-Touch versprühen, was sicherlich nicht im Sinne des Erfinders ist. Egal, spätestens das abschließende "Eye For An Eye" entschädigt für vieles.

Soulfly

Nicht nur der Auftakt von SUBWAY TO SALLY wird wieder einmal mehr durch Funken und Feuer begleitet. "Schwarz in schwarz" ist nur einer der ersten Songs, der durch eine entsprechende Pyroshow unterstützt wird. Die Potsdamer gehören zusammen mit In Extremo natürlich zweifelsfrei zur Speerspitze des deutschen Mittelalterrock und man wird somit im Folgenden eine Stunde lang Zeuge eines nahezu perfekten Auftritts. Und da begibt sich Sänger Eric Fish auch schonmal zum Crowdsurfen in die Menge, Gitarrist Ingo Hampf glänzt mit tollen Einlagen und Frau Schmidt sorgt für ihr unvergleichliches Geigenspiel. Die Setlist bietet wie erwartet natürlich keine wirklichen Überraschungen, aber ich freue mich zumindest besonders über "Wenn Engel hassen". Ein rundum gelungene Sache.

Subway To Sally

Nun bin ich zwar durchaus ein Fußballfreund, aber nicht auf einem Festival und vor allem auch nicht dann, wenn es keine (musikalische) Alternative gibt. Und da das EM-Spiel Deutschland - Dänemark auf der Hauptbühne übertragen wird, müsste ich jetzt über zwei Stunden auf die DROPKICK MURPHYS warten - die letzte Band dieses Festivals. Will ich das? Ehrlich gesagt sein, deswegen schließe ich das Kapitel RELOAD Festival 2012 an dieser Stelle und begebe mich auf den Heimweg.
Vielleicht bis zum nächsten Jahr!?


Text & Fotos: Marco Zimmer