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Konzert: SPOKEN - 22.10.2012 - Oldenburg

Location: Amadeus
Support: Inhale Exhale, Sacrety, Righteous Vendetta


Es war durchaus ein etwas riskantes Unterfangen: Vier relativ unbekannte Bands (davon drei aus den USA) an einem Montag in Oldenburg. Das hätte (finanziell) auch leicht ins Auge gehen können, aber mit knapp 100 Gästen war dann letztendlich doch noch alles im grünen Bereich.
Auch bei mir sah es so aus, dass ich die heutigen Bands im Vorfeld kaum bis gar nicht kannte. Aber manchmal entpuppen sich gerade solche Konzerte im Nachhinein als wahres Highlight.

Den Anfang machen heute RIGHTEOUS VENDETTA aus Cody/Wyoming. Vor anfänglich 40/50 Gästen hat es der Metalcore/Hardcore-Fünfer natürlich nicht ganz leicht. Die Stimmung ist recht verhalten, obwohl einem massive Breakdowns, Riffs und Moshparts um die Ohren fliegen. Zumindest ein paar vereinzelte Kids haben bereits mächtig Spaß an dem Dargebotenen und auch ich bin durchaus angenehm überrascht. So einen gelungenen Start in den Abend wünscht man sich häufiger.

Der einzigen deutschen Band des Abends, SACRETY aus dem tiefsten Süden der Republik, stehe ich im Vorfeld etwas skeptisch gegenüber. "Electro Rock Core"? Wieder ein neues Genre kennengelernt. Aber gleich beim Intro beweist das Quintett jede Menge Selbstbewusstsein, denn an einem klassischen US-Metalcore/Hardcore-Abend mit einer Coverversion des Nr. 1-Hits "Freestyler" (aus dem Jahre 2000 von der finnischen Electro-Hip Hop-Band Boomfunk MC's) zu beginnen, ist wirklich mutig. Und da Mut bekanntlich (meistens) belohnt wird, ist die gute Stimmung auch im Handumdrehen da. Nun spielt die Truppe regelmäßig jedes Jahr beim 60 km entfernten Rock The North-Festival und kann somit heute auf ein paar Fans aus der Region zählen. Und musikalisch macht's wirklich Laune. Metalcore, der etwas "softer"/rockiger, manchmal sogar mit einem Schuss Nu Metal rüberkommt, dazu klasse Synthies und ein starker Growl/Clean-Wechselgesang - ich bin schwer beeindruckt.

Nach dieser überzeugenden Vorstellung, tun sich INHALE EXHALE aus Cleveland/Ohio anfangs etwas schwer, die langsam aufgetaute Stimmung zu halten. Auffällig jedenfalls, dass der Sound in Sachen Druck und Vehemenz plötzlich einen kleinen Quantensprung gemacht hat. Da scheint wohl doch noch jemand die richtigen Regler am Mischpult gefunden zu haben. Sänger Ryland Raus, der zuvor schon bei Sacrety zu einem kurzen Stelldichein auf die Bühne gebeten wurde, ist jedenfalls sichtlich bemüht, etwas "Dampf in die Bude" zu bringen. Der Sound der Truppe ist am heutigen Abend ohnehin dem Hardcore am nahesten und so lassen erste kleine Mosh- und Circlepits dann auch nicht lange auf sich warten. In Sachen Songauswahl liegt der Schwerpunkt natürlich auf dem gerade erst erschienenen neuen Album "Movement", doch auch älteres Material wie "Rooms" oder "Did You Ever Have A Touch To Lose?" wird natürlich nicht ignoriert. Eine alles in allem Runde Sache.

Bei SPOKEN ist es dann heute das erste und einzige Mal so halbwegs voll im Amadeus - oder sagen wir besser: Annähernd alle Gäste sind im Laden. Platz ist noch genug vorhanden und so sind die Reihen vor der Bühne auch sehr großzügig gehalten. In bestimmten Underground-Kreisen hat der Arkansas-Vierer durchaus Kultstatus, zumal man bereits seit 1996 aktiv ist, allerdings aktuell gar keinen Plattenvertrag hat. Musikalisch bewegt man sich irgendwo zwischen Post-Hardcore und Alternative Rock, allerdings kann auch ein Hit der Sorte "Sleep Well Tonight" kaum etwas daran ändern, dass höchstens zehn Leute die Band um Fronter Matt Baird wirklich abfeiern - der Rest der Anwesenden steht gemütlich herum. Und da muss man sich als Publikum gegen Ende auch schonmal die berechtigte Frage aus Richtung Bühne gefallen lassen, ob man bereits müde sei. Umso erstaunter bin ich, dass nach dem abschließenden und überragenden "Dagger" dann doch noch ein paar "Zugabe!"-Rufe ertönen und die Band mit dem nicht minder starken "Bitter Taste" noch einmal auf die Bühne zurückkehrt - unterstützt von I Smash The Panda-Sänger Dennis, der einen Teil des Songs mit Matt im Duett performt.

Ein gelungener und entspannter Konzertabend. Mein Tipp für's nächste Mal: Eine Band weniger und besser am Wochenende.

Spoken

Text & Foto: Marco Zimmer