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Konzert: TRIVIUM - 08.11.2012 - Hamburg

Location: Docks
Support: As I Lay Dying, Caliban, Upon A Burning Body


Bei diesem amtlichen Tourpaket ist es eigentlich kein Wunder, dass das Hamburger Docks schon weit im Vorfeld ausverkauft ist. Und so finden 1500 Konzertbesucher den Weg an diesem grauen und nasskalten Donnerstag auf die Reeperbahn. Während draußen noch versucht wird, vereinzelte Karten unter der Hand zu verkaufen (mit 60 Euro fast doppelt so teuer wie der Originalpreis), beginnt man drinnen bereits, sich die besten Plätze vor der Bühne zu sichern.

In den USA sind UPON A BURNING BODY längst keine Unbekannten mehr. Ich wundere mich zu Beginn aber erstmal über das etwas gewöhnungsbedürftige Outfit des Fünfers aus Texas: Hemd, Weste, Krawatte, Stoffhose, Designerschuhe!? Sicherlich gibt's Bequemeres für die Bühne, aber nun gut. Musikalisch wird schnell klar, dass man im Gegensatz zu allen anderen Bands des Abends, tiefer im Hardcore steckt, als zumindest mir lieb ist. Nun hat man mit dem rasanten "Texas Blood Money" (inklusive unvermeidlicher Gangshouts) und dem abschließenden "Intermission" zwar durchaus pit- und partytaugliche Songs im Set und für mich etwas überraschend, wird in Teilen des Publikums sogar textsicher mitgesungen, aber meinen Nerv treffen diese 25 Minuten nicht so ganz - und Akustikgitarren aus der Konserve schon gar nicht.

Die heute einzige deutsche Band in diesem Ami-Paket ist für manche sicherlich der heimliche Headliner. Und CALIBAN machen auch alles richtig, starten stark mit "It's Our Burden To Bleed", widmen unter großem Applaus "We Are The Many" dem kürzlich verstorbenen Suicide Silence-Fronter Mitch Lucker (R.I.P.), der zu diesem Song seinerzeit Gast-Vocals beisteuerte und bringen spätestens mit dem aus allen Kanonen feuernden "24 Years" den Laden zum Kochen. Crowdsurfer, Wall Of Death, Circlepits und Ausnahmezustand bei der Coverversion "Sonne" von Rammstein. Ebenfalls fällt positiv auf, dass die cleanen Vocals/Refrains von Gitarrist Denis Schmidt heute mal ganz vernünftig rüberkommen, was ja bekanntlich nicht immer der Fall ist ... liegt vermutlich am ohnehin guten Sound. Mit dem überragenden "Memorial" gegen Ende lassen die Ruhrpottler ein sichtlich erschöpftes Publikum zurück, dem von Fronter Andy Dörner attestiert wird, mindestens so gut wie das gestrige großartige Publikum in Berlin gewesen zu sein.

Caliban

In der Umbaupause philosophiere ich ein bisschen darüber, ob die Reihenfolge erst Caliban und dann AS I LAY DYING zwingend die richtige Entscheidung war. Doch die kalifornischen Metalcoreler haben schon zu Beginn mit dem Klassiker "Nothing Left" eine beeindruckende erste Antwort parat. Zwar lassen die Circlepits ein wenig nach, aber da der Laden mittlerweile aus allen Nähten zu platzen scheint (mein Vorhaben, "mal eben" zur Theke zu gehen, habe ich längst aufgegeben), liegt das vermutlich einfach nur am mangelnden Platz. Die Crowdsurfer segeln mittlerweile kontinuierlich nach vorne und nicht - wie bisher - nur vereinzelt oder nach Aufforderung. Solche Abrissbirnen wie "A Greater Foundation" oder "Within Destruction" unterstützen das Gefühl nur noch weiter, als würde der Schweiß bereits von der Decke tropfen. Und dieser Umstand geht scheinbar am Publikum nicht spurlos vorbei, denn Fronter Tim Lambesis (mittlerweile auch mehr Muskeln und Tattoos als alles andere), muss auch schonmal zweimal nachfragen, ob man noch gut drauf ist. Doch beim überragenden "Sound Of Truth" als Abschluss ist das zeitweise etwas erschöpft wirkende Publikum wieder voll da.

Die Frage aller Fragen zu diesem Zeitpunkt: Können TRIVIUM jetzt noch einen draufsetzen? Die klare Antwort ergibt sich aus dem eröffnenden "In Waves" - mit Leichtigkeit! Im Docks geht jetzt endgültig nichts mehr und der gesamte Club feiert - jeder auf seine Weise. Mit Hits wie "Down From The Sky" oder "A Gunshot To The Head Of Trepidation" und natürlich auch einigem neuen Material wie "Black" oder "Built To Fall" reiht man mit Leichtigkeit einen Kracher an den nächsten. Neu-Drummer Nick Augusto (seit 2010 dabei) scheint sich bestens eingelebt zu haben und ballert präzise und selbstbewusst auf seine Drums ein, Gitarrist Corey Beaulieu bedient wie immer die Headbanger-Fraktion, Paolo Gregoletto ist mit seiner Glatze und dem übergroßen und etwas extravaganten Bass ohnehin immer ein Blickfang und Fronter Matt Heafy gibt sich wie immer ausgesprochen sympathisch und "diskutiert" mit Publikum darüber, welche Crowd wann und wo denn nun die Beste war (hoch im Kurs: Berlin und Paris) und scherzt auch sonst gerne mal herum. Doch im Vordergrund steht natürlich die Musik und die lässt auch heute wieder einmal keinen Zweifel daran, dass Trivium wohl zu den größten modernen Metal-Bands unserer Zeit gehören.

Trivium

Text & Fotos: Marco Zimmer