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Konzert: ESKIMO CALLBOY - 28.02.2013 - Oldenburg

Location: Amadeus
Support: The Browning, Close To Home, Intohimo


Es ist gerade mal zehn Monate her, dass Eskimo Callboy zuletzt im Oldenburger Amadeus gespielt haben. Aus der "Bury Me In Vegas"-Tour (zum damaligen neuen Album) wird aktuell die "Get Drunk Or Fuck Off"-Tour, deren Tourmotto - gerade in dieser Szene (Stichwort: Straight Edge) - natürlich durchaus als kleine Provokation verstanden werden kann - aber provozieren wollen die sechs Ruhrpöttler ja ohnehin. Starten wir nun also in einen Abend mit vier Bands und rund 250 Besuchern.

20 Uhr - pünktlicher Beginn mit INTOHIMO aus Schweden, deren heutige Besetzung allerdings irgendwie etwas "chaotisch" ist. Wo ist der Sänger, warum singt stattdessen der Drummer und wer sitzt dafür an den Drums? Fragen, die sich vorerst zwar nicht klären lassen, aber trotz dieser Umstände, die so ein bisschen den Eindruck einer "Notlösung" hinterlassen, ist mein heutiger erster Kontakt mit der Band durchaus positiv. Man muss zwar sicherlich zugestehen, dass der Post-Hardcore des Fünfers wenig innovativ ist und mittlerweile gibt es ähnliche Bands ohnehin wie Sand am Meer, aber für den Moment macht das Gebotene definitiv Laune. Im bereits gut gefüllten Amadeus sorgt der musikalische Mix aus coolen Breakdowns, dem typischen Growl/Clean-Wechselgesang (wobei mir die cleanen Refrains ausgeprochen gut gefallen) und den zwischendurch auch mal etwas ruhigeren Parts, bereits für erste Bewegungen vor der Bühne.

Während ich bei Intohimo zumindest grob wusste, was mich erwarten wird, lasse ich mich von CLOSE TO HOME einfach mal überraschen. Die Truppe aus den USA war mir bis heute gänzlich unbekannt, lässt mich allerdings bereits nach wenigen Minuten zu dem Schluss kommen, dass der Cincinnati-Fünfer musikalisch in eine ähnliche Kerbe schlägt, wie Intohimo zuvor. Allerdings zündet man ein regelrechtes Feuerwerk an Breakdowns, die sich mitunter tief in die Magengegend verirren. Technisch und spielerisch zwar völlig anstandslos, aber für meinen Geschmack auf Dauer etwas zu viele Breakdowns und zu wenige Ideen. Den Kids im Pit scheint's allerdings bestens zu gefallen und Sänger Andrew DeNeef punktet darüber hinaus mit sympathischen Ansagen. Dass die deutschen Fans auf der aktuellen Tour natürlich viel besser sind, als die Fans in England oder der Schweiz (wo man gestern spielte), ist zwar etwas, was einem sowieso jede Band erzählt (zumindest in Deutschland), aber für zustimmende Lacher sorgt seine höchst konzentriert auf deutsch vorgetragene Aussage: "Der schönste Platz ist immer an der Theke!" Recht hat er.

Ganz besonders freue ich mich heute auf THE BROWNING, die ich beim letztjährigen With Full Force Festival aufgrund des "Jahrhundert-Unwetters" leider ausfallen lassen muste. Meine allgemeine Meinung - "in einem kleinen Club macht das sowieso viel mehr Spaß" - bestätigt sich auch heute wieder einmal. Nach dem Intro wird gleich das starke "Standing On The Edge" ins Publikum gefeuert und selbiges haben die vier Texaner auch sofort für sich gewonnen. Wer mit elektronischen Sounds und Samples im Core nicht viel anfangen kann, für den sind The Browning vermutlich ohnehin "die letzte Band". Hier und da sogar als "Electronicore" bezeichnet, kombiert man höchst effektiv den sehr druckvollen Metalcore mit Sounds aus Hardstyle, Trance und Dubsteb. Party vorprogrammiert - Circlepits ebenfalls - Ausnahmezustand bei "No Escape" - klasse! Da die Band mit "Burn This World" erst ein einziges Album vorzuweisen hat, bietet das rund 35-minütige Set natürlich einen Großteil eben dieses Albums. Highlights und reinste Abrissbirnen sind neben "Ashamed" (mit starker Dubstep-Schlagseite) vor allem auch das stampfende "Bloodlust".

Es ist angerichtet. Nach dieser überzeugenden Vorstellung ist das Amadeus auf Betriebstemperatur und als Intro ertönt "Nessaja" von Scooter, bevor ESKIMO CALLBOY unter lautem Jubel die (viel zu kleine) Bühne betreten. Was soll man über die sechs Chaoten aus Castrop-Rauxel noch großartig erzählen? Was einen in den folgenden 60 Minuten erwartet, ist sowieso hinlänglich bekannt. Party, gute Laune, "sympathisch dumme Sprüche" und viel Humor. Doch man würde den Herren sicherlich keinen Gefallen tun, sie nur darauf zu reduzieren. Musikalisch haben sie ohnehin was auf dem Kasten und massenkompatibel ist man schon längst. Es kommt einem heute schon fast wie eine kleine Zeitreise vor - trotz gerade mal einer EP, einem Album und erst drei Jahren Bandgeschichte. "Monsieur Moustache" aus den Anfangstagen, über das Katy Perry-Cover "California Gurls", bis hin zu den aktuellen Hits "Is Anyone Up? und "Muffin Purper Gurk". Wer hier nicht feiert, ist selber schuld und die ewigen Diskussionen, über die ach so provokanten Texte (von Seiten derjenigen Leute, die es einfach nicht verstanden haben), werden hier und heute sowieso ausgeblendet und ignoriert. Im Bereich "Party-Core" sind und bleiben Eskimo Callboy nach wie vor das Nonplusultra. Danke für diesen klasse Abend!

Eskimo Callboy

Setlist - Eskimo Callboy
Intro (Scooter - Nessaja)
Bury Me In Vegas
5 Dollar Bitchcore
The Kerosene Dance
Dramaqueen
Light The Skyline
Wonderbra Boulevard
Muffin Purper Gurk
Monsieur Moustache
Cinema
Is Anyone Up?

California Gurls
Snow Covered Polaroids


Text & Foto: Marco Zimmer