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Festival: EXTREMEFEST - 23.-25.05.2013

Flugplatz Schwarze Heide, Hünxe


Ich glaube, der Slogan "Extremefest for extreme people" war nie so passend, wie bei der 2013er Auflage dieses feinen Festivals in Hünxe in Nordrhein-Westfalen.
Die Wettervorhersage für dieses Wochenende sah nämlich ganz bitter aus. Also statt Sonnencreme doch mal lieber warme und dicke Klamotten mitnehmen, was sich im Laufe der drei Festivaltage noch als sehr weise Entscheidung herausstellen sollte. Bekanntlich gibt es ja ohnehin kein schlechtes Wetter, sondern nur falsche Kleidung.

Donnerstag, 23. Mai

Die Ankunft am Vormittag war leider genau so, wie erwartet und befürchtet: 6°C, Dauerregen und Matsch. Zum Glück muss ich als "Autoschläfer" kein Zelt aufbauen und sollte nachts mal wieder die Welt untergehen, juckt mich das auch relativ wenig.
Gegen Mittag klart es dann sogar ein ganz bisschen auf und der Regen lässt nach - perfektes Timing für die erste Band des Festivals. SCORNAGE dürfen sich zwar nicht wundern, dass vor der Hauptbühne anfangs vielleicht gerade mal 50 Leute stehen, machen aber das Beste daraus. Der Thrash Metal der Truppe aus Aachen weiß zweifelsfrei zu gefallen und ein Titel wie "Made In Hell" hilft zumindest dabei, sich warme Gedanken zu machen - wenn nicht schon wieder der Regen einsetzen würde, der sich diesmal sogar schnell in einen amtlichen Hagelschauer (!) verwandelt. Schön ist das wahrlich nicht. Mittlerweile ist die Zuschauerzahl trotzdem gut angewachsen und Fronter Guido Grawe attestiert dem Publikum: "Ihr seid mit Abstand die Härtesten!". Ja, das sind wir.

Scornage

Nachdem der Hagel wieder getaut ist (zum Glück ist der Bereich vor der Bühne großzügig mit Platten ausgelegt, sonst bräuchte man hier vermutlich ein Schlauchboot), schaue ich mal bei den Griechen von MASS INFECTION rein, die eine durchaus ansprechende Death Metal-Packung abliefern, während ich das momentan trockene Wetter aber erstmal für eine erste Shopping-Runde nutze, bevor es dann zur Tentstage geht. Und was im letzten Jahr eher wie ein Partyzelt des örtlichen Schützenvereins aussah und drinnen leider auch taghell war, verdient in diesem Jahr wirklich die Bezeichnung Tentstage. Ein riesiges Zelt mit zwei großen Stahlträgern, im hinteren Bereich mit vielen Sitzbänken und Tischen und schön stockdunkel. Beste Voraussetzungen also für BODYFARM, die mit derben Blasts, aber auch mal ordentlich Groove, klassischen Death Metal in bester Holland-Tradition (Hail Of Bullets, God Dethroned) abfeuern. Und wer noch auf den gerade erwähnten Bänken sitzt, dürfte sich spätestens bei solchen Geschossen wie "Demons Of The Cross" oder "Tombstone Crusher" von genau diesen erheben.
Das, was mittlerweile oben am Himmel blendet, dürfte wohl die Sonne sein. Schon kurios: Die vorhergesagten drei Tage Regenschauer erweisen sich wieder mal als falsch, denn das restliche Wochenende bleibt es tatsächlich trocken. Zwar bitterkalt, tagsüber kaum über 10/12°C, aber zumindest trocken mit hin und wieder sogar ein bisschen Sonnenschein.
CLITEATER amüsieren zu Beginn mit ihrem Intro - der Titelmelodie der 70er Jahre TV-Serie Love Boat. Im Anschluss gehen die Niederländer mit ihrem Death/Grind zwar wesentlich derber, aber nicht minder humorvoll zur Sache. Ich glaube, Grind hat auch immer viel mit Party zu tun - im großen Pit vor der Bühne hat man jedenfalls sichtlich Spaß und Titel wie "Slimming Party At Kelly's" oder "Camel Fuckers" (wer macht denn bitte sowas?) tragen ihr übriges dazu bei.

Cliteater

Die polnischen Black/Deather von HATE (nach dem überraschenden Tod ihres Bassisten Anfang April, heute mit Ersatz an den vier Saiten) spielen meiner Meinung nach immer noch in der zweiten polnischen Liga - hinter Vader und natürlich Behemoth, denen man musikalisch mitunter sehr ähnlich ist. Der Zuspruch vor der Bühne ist noch überschaubar (bei Cliteater zuvor war mehr los) und die Polen beginnen nicht nur mit zehnminütiger Verspätung, sondern hören zum Ärger ihrer Fans auch noch überpünktlich auf. Zugegeben, Titel wie "Alchemy Of Blood" (vom aktuellen Album) haben zweifelsfrei Potential, aber spätestens nach der dritten "Make some noise!"-Aufforderung von Fronter Adam Buszko, bin ich dann doch eher etwas gelangweilt.
Also wieder zur Tentstage rüber, auf der nun ZOMBIE INC. auf dem Programm stehen. Und die Österreicher überzeugen nicht nur optisch passend mit Zombie-Outfit und -Maskerade/Schminke, sondern auch musikalisch. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem aktuellen Album "Homo Gusticus" (bei ohnehin erst zwei Alben bleiben da nun aber auch nicht allzu viele Alternativen) und die Band liefert den perfekten Zombie-Soundtrack verpackt in starken Death Metal ab.
Die einen lieben sie, die anderen hassen sie. Im Falle von MILKING THE GOATMACHINE gehöre ich definitiv zu Ersteren. Und die vier Ziegen vom Planeten … aber okay, lassen wir das lieber. Die Party vor der gut gefüllten Bühne ist jedenfalls absoluten amtlich. "Beware Of The Wolf" wird mit einer Wall of Death gefeiert, beim Titelsong des aktuellen Albums "Stallzeit" sehe ich den ersten Crowdsurfer des Festivals und solche goatklassigen Hits (muhaha!) der Sorte "Back From The Goats" und natürlich "Ding Dong", hinterlassen höchst zufriedene Gesichter. Das hat zweifelsfrei mächtig Laune gemacht.

Milking The Goatmachine

Mein ursprünglicher Plan, mir maximal 45 Minuten VOMITORY im Zelt anzuschauen, bevor ich dann überpünktlich zurück zur Hauptbühne und Legion Of The Damned gehen werde, wird leider übelst durchkreuzt. Das liegt nämlich daran, dass es die Schweden ohne mir ersichtlichen Grund einfach nicht auf die Reihe bekommen, halbwegs pünktlich anzufangen. Viel passiert auf der Bühne irgendwie nicht, mittlerweile ist man bereits eine halbe Stunde (!) in Verzug und im gut gefüllten Zelt gibt's bereits Pfiffe und auch der erste Bierbecher fliegt in Richtung Bühne. Das ist wirklich kein schöner und vor allem auch kein würdiger Abschluss für eine solch großartige Band, die sich Ende 2013 nach über 20 Jahren Bandgeschichte leider auflösen wird. Die paar Minuten vom Gig, die ich dann noch mitbekomme, machen den berühmten Braten auch nicht mehr fett, also raus zur Hauptbühne, wo ich noch Zeuge der letzten zwei Minuten von ENSLAVED werde. Erstaunlich und auch schade für die Band, dass die Norweger relativ wenig Publikum vor die Bühne locken konnten. Das liegt aber insgesamt vielleicht auch weniger an den Bands selber, sondern schlicht an der Tatsache, dass das Gelände für die Besucherzahl (die gefühlt ähnlich wie im letzten Jahr sein dürfte) einfach definitiv viel zu groß ist.
Zumindest kann man zum Abschluss des ersten Festivaltages aber guten Gewissens behaupten, dass LEGION OF THE DAMNED ihrer Headlinerrolle gerecht werden. Allerdings scheint Fronter Maurice Swinkels stimmlich heute etwas angeschlagen zu sein, denn so mancher Ton wirkt arg kratzig. Bei Temperaturen, die mittlerweile auf 3°C (!) gesunken sind, allerdings auch wenig verwunderlich. Eine Stunde lang wird feinster holländischer Death Metal mit leichter Thrash-Schlagseite geboten. Titel wie "Death's Head March", die Bandhymne "Legion Of The Damned" oder auch mein persönlicher Favourit "Werewolf Corpse" (passend zum Vollmond, der über der Bühne am Himmel erstrahlt) lassen so manchen Headbanger minutenlang seine Haare kreisen. Trotz stimmlicher Defizite ein routinierter und klasse Auftritt, aber ich bin nun auch wirklich froh, dass ich mich in mein warmes Bett ins Auto verziehen kann.

Legion Of The Damned

Freitag, 24. Mai

Nachdem die Nacht für vermutlich so ziemlich jeden Festivalbesucher bitterkalt gewesen sein dürfte, beginnen VIBRION mittags vor knapp 30 frierenden Nasen. Doch dass man diese Band aus Argentinien nun auch nicht jeden Tag zu Gesicht bekommt, dürfte bekannt sein, denn der Platz vor der Bühne füllt sich recht schnell. Dank der recht abwechslungsreichen Schlagzeugarbeit - Drummer Laye Les Pessy mit beeindruckend langen schwarzen Dreads - wirkt der Death Metal der Truppe ansatzweise sogar etwas progressiv. Sicherlich keine leichte Kost zum Frühstück, aber der Spaß naht bereits in Form von VISCERA TRAIL. Obwohl die Band aus Israel, die heute zum allerersten Mal in Deutschland auftritt, vermutlich andere Temperaturen gewohnt ist, trägt Fronter Shahaf Ostfeld nichts weiter als eine Windel (!) und irgendwelche (Voodoo-?)Ketten um den Hals. Warum die Band, die sich selber als "the sickest band in the holy land" bezeichnet, heute nur zu dritt und ohne Bass auftritt, entzieht sich ebenso meiner Kenntnis, wie die Frage, wie man eine solche "Klospülung-Stimme" hinbekommt. Das ist nicht nur irgendwie krank, sondern vor allem auch in höchstem Maße amüsant. "Humus Wiping Brutal/Death/Grind" nennt sich der kurzweilige Spaß, der für ordentlich Bewegung vor der Bühne sorgt und auch kein Halt vor Slayer's "Raining Blood" macht.
Bei VOMITOUS aus Schweden geht's mit Brutal Death Metal herrlich guttural weiter. Mit zwei Frontern, die optisch kaum unterschiedlicher sein könnten, einem richtig amtlichen Sound und solchen Massakern wie "Empires Of Great Enslavement" kann der Sechser wohl auch bei mir punkten.
Wenn man sich mal vor Augen hält, was der deutsche Death Metal Underground in den letzten ein, zwei Jahren für klasse Bands hervorgebracht hat, dann dürfte klar sein, was DESERTED FEAR aus Thüringen hier und heute abliefern werden. Dass es wohl "richtig gut" werden würde, hatte ich mir im Vorfeld zwar schon gedacht, aber dass es dann letztendlich so überragend wird, hätte ich nicht geglaubt. Die Band muss sich in Sachen heutiger Songauswahl zwar auf ihr bisher einziges Album "My Empire" beschränken, aber das ist nun auch alles andere als schlimm - im Gegenteil. So kommt man zumindest in den Genuß des überlangen "Bury Your Dead". Für mich bis jetzt die erste richtig dicke Überraschung des Festivals.

Deserted Fear

Zweiter Festivaltag, später Nachmittag und ich erreiche gerade einen ziemlichen Tiefpunkt. KATALEPSY rauschen wie im Eiltempo an mir vorbei, ohne dass auch nur irgendetwas bei mir hängenbleibt. Im Zelt bei HOLOCAUSTO CANIBAL sieht es nur unwesentlich anders aus. Nun ist der Death/Grind der Portugiesen auch ohnehin keine leichte Kost, aber meine Befürchtung, kurz eingenickt zu sein, erweist sich dann zum Glück doch als falsch, denn einer der Songs ist wirklich nur zehn Sekunden lang. Also alles gut. Ich begebe mich dann aber doch nochmal in Richtung Auto. Energydrinks sollen ja bekanntlich helfen. FLESHGOD APOCALYPSE sehe ich zwar nicht, aber ich höre sie mehr als deutlich, da ich nur unweit hinter der Bühne parke. Was die Italiener da allerdings alles an symphonischem Keyboard-Gedudel auffahren, ist mir zweifelsfrei zu viel des Guten.
Dann doch lieber SEPTICFLESH - die Griechen kombinieren recht geschickt Death Metal mit Dark/Gothic Metal Elementen, was mich mitunter auch mal an Cradle Of Filth denken lässt. Selbst Kataklysm-Fronter Maurizio Iacono schaut sich den Gig vom Bühnenrand aus an und scheint genau wie ich durchaus angetan zu sein, von einer wirklich guten Performance, sowie klasse Songs wie nicht zuletzt auch "Pyramid God". Nur das Publikum wirkt etwas müde. Die Kälte zehrt halt kräftig an der Substanz ...

Septic Flesh

Im Zelt überzeugen dann SONNE ADAM mit einer ebenfalls klasse Vorstellung. Zum Glück bekommt die Band aus Israel endlich auch die Aufmerksamkeit, die sie verdient hat (der Labeldeal mit Century Media war da nur die logische Konsequenz). Mit sehr variablem Tempo zwischen reinsten Blast-Attacken, schleppenden SloMo-Parts und höchst Headbanger-tauglichem Midtempo ist der irgendwie immer noch recht undergroundig anmutende und doomige Death Metal der Truppe eine erfrischende Abwechslung im Lineup.
Warum GRAVE nur eine Spielzeit von 45 Minuten bekommen, im Anschluss aber Dark Fortress eine ganze Stunde, will mir irgendwie nicht klar werden, aber letztendlich finde ich mich halt einfach damit ab und freue mich im weiteren Verlauf umso mehr, dass die Schweden heute mehrere alte Songs spielen. Zwar findet auch ein neuerer Titel wie das starke "Passion Of The Weak" seinen Weg auf die heutige Setlist, aber solche Titel wie "Deformed", "Turning Black", "Morbid Way To Die" und natürlich das überragende "You'll Never See" haben allesamt schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Eine dreiviertel Stunde perfekter Schwedentod - danke dafür.

Grave

Meine Zweifel, ob TANKARD auf dem Extremefest funktionieren werden, lösen sich direkt mit dem eröffnenden "Zombie Attack" in Luft auf. Das funktioniert viel besser, als ich das erwartet hätte. Nun ist Sänger Gerre ohnehin ein Sympathieträger, wirbelt permanent über die Bühne und macht so seine Späßchen mit dem Publikum. "Wir haben den extremsten Song zum Thema 'Sterben' geschrieben: "Die With A Beer In Your Hand"!" Das punktet natürlich und auch der saustarke Opener "Rapid Fire" vom aktuellen Album macht mächtig Dampf. Nicht zu verwechseln übrigens mit dem Klassiker "Rectifier" - den gibt's selbstverständlich auch noch. Dass der große alte deutsche Thrash Metal hier so gut funktioniert, lässt bei mir nur einen Wunsch zu: Nächstes Jahr bitte Kreator!
Der Headliner und zugleich Abschluss des zweiten Festivaltages ist mit KATAKLYSM bestens gewählt. Auch wenn es schweinekalt ist ("I know it's fucking cold out there" - ach was!?), herrscht vor der Bühne dennoch reges Treiben. Müdigkeit und Kälte sorgen bei mir trotz dickster Klamotten für derbes Zittern und so konzentriere ich mich mit meist geschlossenen Augen und andeutungsweisem Headbangen auf die Titel als solche. "Push The Venom", "The Resurrected" oder "Iron Will" bereiten das Publikum schonmal auf die großen Klassiker vor: "As I Slither", "Serenity In Fire", natürlich "Crippled & Broken", sowie als Abschluss "The Road To Devastation". Die Franko-Kanadier haben ein beeindruckendes Hit-Feuerwerk gezündet, das rückblickend sicherlich als eines der Highlights dieses Festivals in Erinnerung bleiben wird.

Kataklysm

Samstag, 25. Mai

Nach einer weiteren extrem kalten Nacht, startet der letzte Festivaltag mit strahlend blauem Himmel und Sonnenschein. Das ist zwar richtig angenehm, aber immer noch meilenweit von T-Shirt-Temperaturen entfernt.
Den heutigen Tag eröffnen SCARLET ANGER aus Luxemburg, die ein ähnliches "Zuschauerproblem" haben, wie auch schon die anderen "ersten Bands des Tages". Es stehen vielleicht 30 Leute vor der Bühne, gegen Ende des Gigs vielleicht doppelt so viele. Das ist natürlich insofern schade, als dass der Thrash des Fünfers vielleicht nicht bahnbrechend sein mag, aber zweifelsfrei Laune macht und ordentlich Dampf hat. Einmal mehr ein klasse Opener, der definitiv mehr Publikum verdient hätte.
Über mangelndes Publikum können sich GUTALAX jedenfalls nicht beschweren - im Gegenteil. Eigentlich hatte ich die Band aus Tschechien gar nicht auf meiner Liste und werde somit auch eher zufällig Zeuge dessen, was in der folgenden halben Stunde passiert. Das Gelände vor der Bühne ist richtig voll, pausenlos fliegt Konfetti hoch, einige Leute haben Klobürsten (!) oder ähnlichen "Unsinn" dabei. Die Band selber ist nicht minder durchgeknallt, mit weißen Overalls und Schutzbrillen. Man muss der Gore/Grind'n'Roll-Truppe auf jeden Fall zugestehen, die größte Party des Festivals veranstaltet zu haben. Und wenn ich Niveau und musikalischen Anspruch mal außen vor lasse, kann ich sehr gut nachvollziehen, warum die Masse solche Songs wie "Sucking A Cock Of A Vietnam Veteran" oder "Assborn" euphorisch abfeiert.
Im Anschluss geht's bei OBSCENITY dann seriös weiter, was wohl auch der Grund dafür sein dürfte, dass sich die Reihen nach Gutalax wieder deutlich gelichtet haben. Ich freue mich trotz der zweifelsfrei berechtigten Party jetzt erstmal auf amtlichen Death Metal mit deutlich amerikanischer Handschrift - auch wenn die Band aus Niedersachsen kommt. Erstaunt bin ich allerdings etwas über die Besetzung am Mikro, denn Obscenity-Fronter Jeff ist das nicht. Wie ich später erfahre, hat Jeff die Band verlassen, der neue Mann heißt Tobias Müller (ex-Unchallenged Hate) und der macht seine Sache ausgesprochen gut. An seiner Interpretation solcher Death Metal-Walzen wie "Atrophied In Anguish", "Swine To The Slaughter" oder "Hysterical Illusion" haben ich rein gar nichts auszusetzen.

Obscenity

Da auch ich nicht jede Band kennen kann, habe ich mir im Vorfeld wie immer alle mir unbekannten Bands dieses Festivals einmal angehört. Wer mir dabei besonders positiv im Ohr hängengeblieben ist, sind DIAROE, die heute fast in den Genuß eines Heimspiels kommen. Ich habe nun natürlich bei weitem nicht jede Band gesehen, die auf der Tentstage gespielt hat, aber man munkelt, dass wohl bei kaum einer anderen Band im Zelt so viel los war. Und das auch völlig zu Recht, wie ich finde. Was diese junge Truppe ins Publikum ballert, ist absolut genial. Derber Death/Grind, der aber auch mal etwas grooviger sein darf. Das knallt an allen Ecken und Enden, Drummer Martin ist das reinste Tier hinter seinen Kesseln und Fronter Christian (auch bei Phobiatic am Mikro) hat ein richtig derbes Organ, dass es einem bei Brechern wie "Mettigel Supertrumpf" (trotz des amüsanten Titels) eiskalt den Rücken runterläuft. Ganz starke Vorstellung und für mich eine der großen dicken Überraschungen dieses Wochenendes.
Auf der Hauptbühne spielen derweil NEGATOR - und irgendwie bestätigt sich mein Verdacht, dass Black Metal beim Extremefest wohl einen relativ schweren Stand hat. Der Applaus ist mitunter relativ verhalten, dabei hat das Hamburger Kommando mit ex-Dark Funeral-Sänger Nachtgarm so einige starke Songs parat - und nicht nur aktuelles Material wie "Carnal Malefactor" oder "Nergal, The Raging King".

Negator

Bei ENTRAILS stehen dann wieder alle Zeichen auf oldschool Death Metal. Und da mischt sich dann sogar ein Martin van Drunen (Hail Of Bullets) ins Publikum, sogar recht weit vorne und schaut dem Treiben auf der Bühne gespannt zu. Was die Schweden dort zelebrieren kann sich zweifelsfrei hören und sehen lassen. Nicht nur musikalisch, auch das riesige Backdrop mit dem Bandlogo erinnert natürlich unweigerlich an Entombed. Aber das ist eher sympathisch, als dass es irgendwie kopiert wirken könnte. Überragende Songs wie "Bloodhammer" oder "Eaten By The Dead" lassen ohnehin keine Zweifel an der Klasse dieser Band aufkommen.
So großartig ich NOCTE OBDUCTA auch finde, aber diese Band um 19 Uhr auf der Hauptbühne spielen zu lassen, war eine ganz unglückliche Entscheidung, denn für die anspruchsvolle Mischung aus Avantgarde Black Metal und Post Rock können sich nur recht wenige Leute begeistern - das ist für die breite Masse dann wohl doch eine Spur zu intellektuell. Das stört mich aber herzlich wenig, denn ich freue mich einfach, diese deutsche Ausnahmeband nach fast zehn Jahren heute endlich zum zweiten Mal live sehen zu können, zumal ich deren musikalischer Entwicklung der letzten Jahre sehr positiv gegenüberstand. Einziger Kritikpunkt des heutigen Gigs: Die zweite Stimme des Keyboarders war über weite Strecken keine wirkliche Offenbarung - aber das hat Sänger Torsten (auch Fronter bei Agrypnie) wieder locker rausgeholt. Atmosphärisch und künstlerisch gesehen, war dieser Gig nicht zu toppen.

Nocte Obducta

Bei VADER frage ich mich, ob die Person, die für das Licht auf der Bühne zuständig ist, heute frei hat oder nur die Knöpfe nicht findet? Früher Abend, der Himmel ist recht düster, aber die Band auf der Bühne steht relativ im Dunkeln. Schade eigentlich - bei Hail Of Bullets ist es später noch gravierender. Musikalisch und spielerisch gibt's beim polnischen Death Metal-Panzer aber jedenfalls nichts zu meckern, denn Fans von neuerem Material wie "Come And See My Sacrifice" kommen ebenso auf ihre Kosten, wie Anhänger der 90er Jahre-Ära, mit Titeln wie den starken "Black To The Blind" oder "Reborn In Flames".
Ich nutze dann aber doch noch mal eben die Chance und schaue im Zelt bei EXHUMED vorbei, merke aber auch sehr schnell, dass ich kaum noch für irgendetwas aufnahmefähig bin. Mein kleines Notizheftchen bleibt an dieser Stelle nämlich leer und auch mein Gedächtnis gibt im Nachhinein nicht mehr wirklich etwas her.
Ein letztes Mal also raus zur Hauptbühne. Ich hatte schon im Vorfeld beschlossen, nach Hail Of Bullets die Heimreise anzutreten. Das ist zwar schade um den Festivalabschluss mit Behemoth, aber nach Hail Of Bullets noch fast zwei Stunden warten? Noch dazu zwei Stunden, in denen mit Archgoat und Thyrfing zwei Bands spielen, die mich überhaupt nicht interessieren? Das macht wenig Sinn. Ich bin physisch so langsam ohnehin am Ende, der eisige Wind weht einem schon wieder sehr unangenehm um die Nase und ich habe auch noch knapp 250 km fahrt vor mir. Also schließe ich das Extremefest 2013 mit HAIL OF BULLETS. Nicht nur, dass ich Martin van Drunen für einen der besten Sänger/Fronter halte, er kommt auch stets sympathisch rüber. Da zeitgleich an anderer Stelle das Champions League-Finale Bayern gegen Dortmund übertragen wird, das sich scheinbar nicht gerade wenige Leute ansehen, scherzt Martin mit dem Publikum: "Ihr seid also die, die nicht auf Fußball stehen!?". So sieht es aus. Ich bin zwar auch irgendwo Fußballfan , aber es gibt einfach Dinge, die wichtiger sind, z.B. sich live von solchen Krachern wie "Full Scale War", "Warsaw Rising" oder "Tokyo Napalm Holocaust" ein letztes Mal die Rübe wegblasen zu lassen.

Hail Of Bullets

Das war also das Extremefest 2013 - und kaum sitze ich im Auto, fängt es wieder an zu regnen und es sind wieder 6°C - genau wie bei meiner Ankunft. Somit schließt sich der Kreis und was zurückbleibt ist die Tatsache, dass dies mit Abstand mein kältestes Festival aller Zeiten war, das ich mit dickem Pullover, zwei Zippern und Wollmütze tatsächlich erkältungsfrei überstanden habe. Man sieht sich 2014!


Text & Fotos: Marco Zimmer