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Konzert: FIVE FINGER DEATH PUNCH - 04.06.2013 - HH

Location: Markthalle, Hamburg
Support: MagnaCult


Als Fan von Fiver Finger Death Punch hatte man es noch nie wirklich leicht. Zumindest wenn es darum ging, den US-amerikanischen Fünfer mal live zu sehen. Ich selber erinnere mich noch gut an einen kurzfristig abgesagten Festival-Auftritt vor ein paar Jahren, sowie ein gecanceltes Konzert in Münster. Im dritten Anlauf sollte es heute dann doch aber mal klappen, oder nicht? Doch die Vorzeichen standen schon wieder schlecht: Die Band hatte erst vor ein paar Tagen zwei Festivals (Fortarock in Holland und Ursynalia in Polen) "aus logistischen Gründen" jeweils am Tag zuvor abgesagt. Gründe hin oder her, aber so macht man sich natürlich keine Freunde. Der heutige Gig in Hamburg findet aber letztendlich definitiv statt - auch wenn bei Facebook kurz zuvor noch ein Fan seine berechtigte Skepsis äußerte: "Ich glaube das erst, wenn die auch wirklich auf der Bühne stehen!".

Auf eben dieser Bühne in der ausverkauften und unmenschlich stickig warmen Hamburger Markthalle stehen heute zuerst MAGNACULT aus Amsterdam. Wirklich leicht haben es die Niederländer dabei nicht, denn das Publikum scheint schlicht und einfach keine Support-Band sehen zu wollen und startet zwischen den Songs regelmäßig "Five Finger Death Punch!"-Sprechchöre. Sänger Seb nimmt's gelassen mit einem Grinsen und versucht zusammen mit seinen vier Mitstreitern das Beste daraus zu machen und die Meute halbwegs bei Laune zu halten. Doch mehr als dezentes Kopfnicken ist im Publikum erstmal nicht drin und auch mir persönlich ist das gebotene Groove/Core/Neo Thrash/Death-Gebräu eine ganze Spur zu sperrig und leider auch belanglos. Gegen Ende des rund 35-minütigen Auftritts wird's dann aber doch noch etwas interessanter. Das zackige "Kill Ignorant Humanity" bietet ein paar ordentliche Breakdowns, die für erhöhte Bewegung vor der Bühne sorgen, während zum abschließenden "Trash" (ja, ohne "H") zumindest zehn Leute der Bitte nach einem "riesigen Circlepit" nachkommen. Gut und nett, aber auch nicht wirklich essentiell.

MagnaCult

Dass das Publikum Bock auf Party hat, wird spätestens in der Umbaupause deutlich. Als Hintergrundbeschallung ertönt u.a. Rammstein's "Ich will", das von Hunderten lauthals mitgesungen wird und auf der Bühne wird jede noch so kleine Banalität und Bewegung der Crew und Techniker (Wasserflaschen verteilen, Setlists auf den Boden kleben, usw.) von reinsten Jubelstürmen in der brechend vollen Halle begleitet. Von den mittlerweile immer lauter werdenden "Five Finger Death Punch!"-Sprechchören mal ganz zu schweigen.

Und dann ist es endlich soweit. Nach nicht enden wollenden fast 50 Minuten Umbaupause (wofür eigentlich?) ist es an der Zeit für FIVE FINGER DEATH PUNCH - unter lautem Beifall und begleitet von einem Intro starten die Amis danach gleich amtlich mit "Burn It Down". Interessant ist dabei sicherlich die heutige Setlist. Bei stolzen 16 Singles (!) könnte man auch einfach ein "Best Of"-Programm abspulen, stattdessen gibt es u.a. mit den überragenden "Salvation" oder "The Way Of The Fist" auch einige reine Albumtitel. Ebenfalls ungewöhnlich: Der Schwerpunkt liegt heute auf den ersten beiden Alben - das aktuelle dritte Album "American Capitalist" beschränkt sich einzig auf "Under And Over It". Doch das sind ohnehin alles Dinge, die das Publikum wenig interessieren dürfte. In der Halle herrscht während des gesamten Gigs der reinste Ausnahmezustand - und das ist jetzt nicht die "übliche Redewendung", sondern wirklich so! Fronter Ivan 'Ghost' Moody fordert vom Publikum wirklich alles - und bekommt es auch. Beim ruhigeren "Bad Company" singt die komplette Markthalle im Chor - Gänsehaut pur. Ohnehin ist es eben dieser Ivan, der höchst sympathisch auftritt und sich immer wieder beim Publikum für den klasse Support bedankt, nicht nur heute, sondern auch in den letzten Jahren. Zwischendurch plaudert er auch mal gerne aus dem Nähkästchen. So freut sich die Band bereits auf den bevorstehenden Festivalsommer und die gemeinsamen Gigs mit Rammstein, Iron Maiden und Slipknot - oder er huldigt einfach mal Judas Priest und speziell Rob Halford, der die aktuelle Single "Lift Me Up" als Gastsänger veredelt. Nun, auf Rob Halford müssen wir heute Abend zwar leider verzichten, nicht aber auf "Lift Me Up" - dem ersten Vorboten von zwei (!) neuen Alben, an denen man bereits arbeitet. Und genau dieser Titel, mit seinem stampfend-eingängigen Groove, toppt nochmals fast alles, was die extrem sympathische und spielfreudige Truppe bis jetzt von sich gegeben hat. Nur schade und höchst überraschend, dass der offizielle Teil danach bereits zu Ende ist - nach gerade mal 50 Minuten. Selbstverständlich gibt es noch eine Zugabe, selbstverständlich "The Bleeding" (die nächste Gänsehaut bei dieser göttlichen Gitarre!), aber mehr auch nicht. Elf Songs in knapp einer Stunde mögen auf dem Papier zwar recht wenig erscheinen, aber ich bin mir sehr sicher, dass kein Konzertbesucher am heutigen Abend von Five Finger Death Punch enttäuscht wurde. Für mich jedenfalls bis dato das Konzerthighlight 2013!

Five Finger Death Punch

Setlist - Five Finger Death Punch
Burn It Down
Salvation
The Way Of The Fist
Under And Over It
White Knuckles
Bad Company
Bulletproof
Hard To See
Far From Home
Life Me Up

The Bleeding


Text & Fotos: Marco Zimmer