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Konzert: FUNERAL WHORE - 23.03.2013 - Bad Zw'ahn

Location: Stellwerk, Bad Zwischenahn
Support: Graveyard Ghoul, Hörnery


Auch wenn ich in den vergangenen Jahren (bzw. fast schon Jahrzehnten) bereits in nahezu jeder Ecke in Deutschland ein Konzert besucht habe - im gerade mal 20 km entfernten Bad Zwischenahn war selbst ich noch nie. In dem kleinen Kurort in der Nähe von Oldenburg dreht sich zumindest heute Abend mal nichts um Erholung und Entspannung, denn im Rahmen der "Night Of Death" geben sich im Stellwerk drei hochkarätige Bands die Ehre.
Dabei entpuppt sich das Stellwerk schnell als gemütliche Location, mit großzügiger Bühne, gutem Sound und ist mit rund 60 Besuchern auch ganz ordentlich gefüllt.

Den Abend eröffnen HÖRNERY aus Aurich, die heute ihren gerade mal zweiten Gig spielen. Doch die langjährigen Erfahrungen der einzelnen Musiker, machen aus der Band eine eingespielte Einheit. Mit seinem Blackened Thrash Metal sorgt der ostfriesische Fünfer heute für ein bisschen musikalische Abwechslung, vor allem auch Dank Fronterin Lisa, die sich stimmlich herrlich "böse" irgendwo zwischen Sabina Classen (Holy Moses) und Britta Görtz (Cripper) bewegt. Und auch musikalisch weiß man zweifelsfrei zu überzeugen. Mal im groovigen Midtempo ("Lifeless"), mal mit rasantem schwarzmetallischen Anstrich ("Abaddon"), dabei alles tief im oldschool Thrash verwurzelt, mit teils großzügigen Instrumentalpassagen, häufig variierender Geschwindigkeit und mit "Unholy Thrasher" hat man sogar bereits einen amtlichen "Hit" vorzuweisen.

Bei GRAVEYARD GHOUL ist im Folgenden alles etwas minimalistischer. Rauer, roher und unverfälschter Death Metal, der sich ganz tief in der Vergangenheit bewegt und mich immer wieder an Autopsy erinnert, aber auch an solche Bands wie Venenum oder Sonne Adam - auch wenn Unwissende aufgrund von Corpsepaint, Nietenarmbändern oder Marduk-Shirt wohl eher mit Black Metal gerechnet hätten. Doch ein Hauch Schwärze findet sich im Sound des Trios sehr wohl wieder - ebenso wie die eine oder andere schleppend-doomige Passage. Wie auch schon zuvor Hörnery, lassen die Songs des Trios ebenfalls Platz für längere Instrumentalparts und geschickte Tempowechsel. Das erstaunt insofern, als dass die Songs - immerhin elf Stück in rund 35 Minuten - recht kompakt und kurz gehalten sind. Das kürzlich erschienene Debütalbum "Tomb Of The Mouldered Corpses" wird heute natürlich ausgiebig und entsprechend berücksichtig (stark: das derbe "Splattered Body") und nach einer wirklich überzeugenden Vorstellung lässt man sich mit "Absolute Dead" sogar noch zu einer Zugabe hinreißen.

Graveyard Ghoul

Die Niederländer FUNERAL WHORE punkten gleich zu Beginn mit ihrem Intro - einer Szene aus dem Film "Rambo" - und das sogar auf deutsch und nicht im englischen Original. Ohnehin ist es Sänger/Gitarrist Roy, der in der folgenden rund einen Stunde seine Ansagen meistens sympathisch auf deutsch versucht, was mich allerdings aufgrund seines Akzentes nicht immer alles so ganz genau verstehen lässt. Zu Beginn lässt er jedenfalls erstmal seinen Unmut über die "Idioten am Gaza-Streifen" freien Lauf. Musikalisch bewegen sich die Vier ebenfalls im oldschool Death Metal, lassen mich das eine oder andere Mal aber eher an Schweden denken (Grave, alte Unleashed), besitzen aber durchaus eine Durchschlagskraft, die auch mal an Bolt Thrower erinnert. Und das kommt gleich zu Beginn so gut bei den Anwesenden an, dass sich vor der Bühne schnell eine Reihe Headbanger einfindet (sogar ein Mädel mit zwei Krücken!). Was mich zwischendurch immer wieder fasziniert, sind die wirklich klasse Soli, die Gitarristin Kellie raushaut. Auch bei den Niederländern kann man sich über mangelnde Abwechslung heute nicht beschweren. Groovende Passagen zum Headbangen, rasante Death Metal Walzen, mit "Traces Of Death" ein ganz neuer Titel und "Camp Blood" ist gar eine Hommage an die Horrorfilmreihe "Freitag, der 13.", die mit der Frage "Kennen Sie Camp Crystal Lake?" entsprechend angekündigt wird. Trotz guter und ausgelassener Stimmung im Stellwerk, kehrt nach dem abschließenden und mächtigen "I, The Messiah" auch schnelle Ruhe im Saal ein, so dass die zumindest laut Setlist geplante Zugabe ("Buried In Hell") kurzerhand ausfällt.
Doch das trübt diesen rundum absolut gelungenen Abend in keinster Weise. Drei wirklich überzeugende und klasse Bands, die ich allesamt heute zum ersten Mal live gesehen habe - sowas kommt bei mir auch nicht alle Tage vor ...

Funeral Whore

Setlist - Funeral Whore
The Bitch Died
Obedience
Wasteland Of Corpses
El Salvador Deathsquad
Failure Of The Sacrifice
Traces Of Death
Step Into Damnation
East Area Rapist
Pierce My Flesh
The Graveyard Silence
Camp Blood
Eternal Genocide
I, The Messiah


Text & Fotos: Marco Zimmer