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Festival: METAL4SPLASH - 25.-27.07.2013

Nachdem mich das Metal4Splash im vergangenen Jahr vor allem in Sachen Location und familiärer Atmosphäre rundum begeistern konnte, war es eigentlich klar, dass ich auch zur mittlerweile sechsten Auflage dieses kleinen, aber feinen Festivals nach Rotenburg (zwischen Bremen und Hamburg) fahren werde.
Der Wettergott meinte es diesmal dabei fast schon zu gut. Die drückende Hitze und knallende Sonne war kaum auszuhalten - da kommt der direkt am Campingplatz gelegene Weichelsee für entsprechende Abkühlungen natürlich wie gerufen …

Die Hitze ist auch einer der Gründe, warum ich es an beiden Tagen etwas ruhiger angehen lasse und auf die jeweiligen "ersten Bands des Tages" weitestgehend verzichte. Aber nun schaut sich auf einem Festival ohnehin niemand ausnahmslos alle Bands an - auch ich nicht. So müssen dann SCARNIVAL aus Hannover und ISLAY aus dem Emsland ohne mich auskommen. Bei DONOTDREAM frage ich mich, was die Oldenburger Gothic Rocker zwischen 17 Metal-Bands zu suchen haben? Das will stilistisch so gar nicht passen und ich riskiere interessehalber mal ein paar Blicke in Richtung Gelände. Zumindest ein (!) Besucher hat vor der Bühne sowas wie Spaß, während weitere 20 hinten an den Bierbuden im Schatten stehen und das Treiben auf der Bühne eher mit Desinteresse verfolgen. Bei den bereits seit zwei Jahrzehnten Jahren existierenden DARK AT DAWN geht danach zwar so einiges mehr, aber mir ist das immer noch viel zu heiß - also zurück zum Campingplatz. Bei vielleicht 50 Metern Entfernung keine allzu große Sache. Nicht nur das erstes Highlight am heutigen Tag, sondern für mich durchaus auch ein mit Spannung erwarteter Auftritt, ist der Gig von MALRUN aus Dänemark. Deren letztes Album hatte mir ausgesprochen gut gefallen und auch hier und heute werde ich alles andere als enttäuscht. Mit Titeln wie dem eröffnenden "Shadowborn" und vor allem auch "Moving Into Fear" kann die sympathische Truppe bei den Anwesenden (die stetig mehr werden) punkten, sorgen sogar für eine erste - wenn auch sehr kleine - Wall of Death, während sich Sänger Jacob Løbner mit Megaphon ausgerüstet auch mal unter's Publikum mischt.

Malrun

Bei EKTOMORF kann man am heutigen Tag dann erstmalig von einem halbwegs gut gefüllten Gelände sprechen. Vielleicht 200 Leute stehen vor der Bühne im weichen und weißen Sand und feiern zum mächtig goovenden (Neo-)Thrash des ungarischen Quartetts um Fronter Zoltán Farkas. Was mir jetzt erstmals auffällt - und später am Abend noch in einem Fiasko enden soll - ist der sehr mittelprächtige Sound. Aber den Spaß an Titeln wie "Last Fight" und natürlich "I Know Them" lassen sich die Anwesenden ohnehin nicht nehmen.
Spaß steht sicherlich auch bei FREEDOM CALL an oberster Stelle, doch irgendwie etwas anders. Eine Frage wie: "Habt ihr Bock auf eine Happy Metal Party?" sind für meinen Geschmack eher zum Fremdschämen. Im Rahmen ihres kürzlich erschienenen Best of-Albums "Ages Of Light", steht auch der heutige Auftritt ganz im Zeichen der unzähligen Hits der Band, die - und das muss man neidlos anerkennen - durchaus Spaß machen und technisch ohnehin kritiklos sind.

Ganz und gar nicht kritiklos sind hingegen diverse andere Umstände. Wie natürlich zu erwarten war, hinkt der Zeitplan bereits mächtig hinterher. Es wäre nur logisch gewesen, allen Bands ein bisschen Zeit abzuziehen, aber die Leidtragenden sind einzig und allein VADER, die - ich vermute mal, dass pünktlich um 0 Uhr Schluss sein muss - mehr als eine halbe Stunde (!) Spielzeit streichen (ob freiwillig oder auf Anweisung, weiß ich nicht). Erschwerend kommt hinzu, dass der Mischer, der nach diesem Wochenende ohnehin den Preis für den miesesten Job des Festivals bekommt, nun endgültig keine Lust mehr zu haben scheint. Da fällt dann auch mal eine Gitarre komplett aus, der Sound ist insgesamt ohnehin unterirdisch schlecht und auch wenn sich die Polen regelrecht bemühen, das Beste aus der Situation zu machen - gegen Ende verlässt Fronter Piotr Wiwczarek sichtlich genervt die Bühne. Leider ein Gig zum Vergessen, an dem die Band selber aber keine Schuld trifft.

Vader

Was am Vortag irgendwie kaum möglich schien, wird heute leider schnell wahr: Tag 2 ist noch heißer und noch schwüler. Da führt jede noch so kleine Bewegung zum reinsten Schweißausbruch - dickes Kompliment an die Bands, die in der prallen Mittagssonne auf der Bühne stehen. Auf TREDSTONE aus Hannover, die Lokalhelden DISTREAM aus Rotenburg und auch BLEEDING RED aus der Nähe von Stuttgart verzichte ich wohl oder übel.

Los geht's für mich mit EPITOME, einer recht neuen Band aus Paderborn um ex-Bloodwork-Sänger David Hambach. Und auch wenn der Fünfer noch gar kein Album veröffentlicht hat, das Gebotene hat alles nicht nur Hand und Fuß, sondern weiß auch ausnahmslos zu gefallen. Die Songs, irgendwo zwischen Melodic Death Metal und Metalcore, lassen jetzt schon mein Interesse an das demnächst irgendwann erscheinende Debütalbum "The Origin Error" mächtig steigen. Klasse Auftakt in den zweiten und letzten Festivaltag - und plötzlich ist der Himmel grau und es beginnt zu regnen. Die Erfrischung von oben ist zwar nur minimal, aber zumindest verschwindet die Sonne fast für den ganzen Rest des Tages, was alles Weitere wesentlich erträglicher macht.
PRESIDENT EVIL aus Bremen sind auf CD schon nicht so wirklich Fall und somit auch kein Grund, mir deren Auftritt anzuschauen.

Bei THE VERY END stelle ich schnell fest, dass mir Night In Gales im letzten Jahr, trotz identischem Sänger, wesentlich besser gefallen haben. Außerdem "glänzt" der Mischer wieder mal durch Inkompetenz und so hält sich der Spaß bei Titeln wie "Splinters" (mit teils deutschem "Rammstein-Reim") oder dem groovigen "Sixes And Nines" eher in Grenzen.
Angenehm überrascht bin ich danach von NOCTURNAL, die ich irgendwie so gar nicht auf dem Schirm hatte. Der Thrash der Mainzer ist allerdings gar nicht mal so "Teutonic 80's", wie man ihn uns verkaufen will, sondern recht angeschwärzt und erinnert eher an Desaster. SängerIN Tyrannizer grunzt-keift sich herrlich durch die Songs und auch die Optik (Patronengurte und "viel schwarz") sind an diesem Wochenende eine angenehme Abwechslung auf der Bühne.
Mit CRIPPER gibt's im Anschluss gleich noch eine Sängerin am Mikro (die ähnlich "böse" agiert) und außerdem die Erkenntnis, dass ziemlich viele Leute mit Cripper-Shirt auf dem Gelände herumlaufen. Ja, die Thrasher aus Hannover haben sich mittlerweile eine beachtliche Fanbase erspielt und locken bis jetzt das meiste Publikum vor die Bühne (noch mehr, als Ektomorf gestern). Mit starken Songs wie "Fire Walk With Me", "Animal Of Prey" und dem abschließenden "FAQU" punktet man heute auf ganzer Linie.

Cripper

Die Frankfurter Thrasher TANKARD können bereits auf eine sehr lange Karriere zurückblicken. Fronter Gerre kommentiert diese Tatsache mit: "31 Jahre die hässlichste Band und 31 Jahre keinen Erfolg!". Doch zumindest bei Letzterem darf man ruhig widersprechen, denn ganz so erfolglos war der Vierer ja nun auch nicht. Gestartet wird amtlich mit "Zombie Attack", Gerre wirbelt wie gewohnt von einer Bühnenecke zu anderen und das Publikum feiert im bis dato größten Circlepit des Festivals. Ob neuere oder ältere Titel ("The Morning After") - geboten wird wie erwartet ein rundum gelungener Auftritt, den der heutige Headliner RAGE im Anschluss sicherlich noch toppen kann - allerdings ohne mich, denn meine Kräfte sind allmählich wirklich am Ende und so trete ich bereits die Heimreise an.

Danke Metal4Splash 2013 für ein (bis auf den Mischer) rundum gelungenes Festival!


Text & Fotos: Marco Zimmer